Einkaufen und verkaufen

Hallöchen ihr Experten,

ich habe gerade einen Anruf bekommen und da fiel mir etwas auf:

Warum heißt es eigentlich:

Wir kaufen ein - von einkaufen; aber:
Wir verkaufen - von verkaufen???

Wäre es nicht viel logischer bei beidem dieselbe Struktur zu verwenden???

Also entweder:

Wir einkaufen und wir verkaufen oder
wir kaufen ein und wir kaufen ver???

Ich weiß, das klingt komisch, aber logischer wäre es doch schon, oder bin ich da falsch gewickelt???

Schöne Grüße und schönen Dank.

Schmunzl

die frage hat mich zum schmunzln gebracht :smile: owt
.

Mann! oder Frau! Mensch Schmunzl!

Willst du die deutschen Grammatikregeln revolutionieren, indem du den grundlegenden, deutsche und ausländische Sprachlerner seit Jahrhunderten zum Wahnsinn treibenden Unterschied zwischen trennbaren = einkaufen und untrennbaren = verkaufen Verben beseitigst?

Das kann doch nicht dein Ernst sein!

Deutschlehrer Fritz völlig fassungslos!

Hi Fritz!

Willst du die deutschen Grammatikregeln revolutionieren, indem
du den grundlegenden, deutsche und ausländische Sprachlerner
seit Jahrhunderten zum Wahnsinn treibenden Unterschied
zwischen trennbaren = einkaufen und untrennbaren = verkaufen
Verben beseitigst?

Wirklich eine Ungeheurlichkeit, einen Unterschied, den es auch in anderen germanischen Sprachen (zumindest beim Norwegischen) gibt, einfach so beseitigen zu wollen. Übrigens kann dies im Norwegischen auch einen Bedeutungsunterschied machen, ob das selbe Verb als trennbares oder untrennbares benutzt wird…

MfG,
Car :wink:

Irgendwie muss ich da was im Deutschunterricht verpasst haben. Trennbare und untrennbare Verben? Hä???

Hättet ihr wohl die Güte, mir das zu erklären?

Danke.

Die unwissende Schmunzl

Langes Regelblatt!
Hallo, Schmunzl!

Irgendwie muss ich da was im Deutschunterricht verpasst haben.

Aber über Jahre hinweg! :wink:

Die unwissende Schmunzl

Du sollst nicht unwissend sterben! :wink:

_Verben mit trennbarem ersten Glied

  1. Trennung bei den finiten und den infiniten Formen

Im Gegensatz zu den ersten Gliedern abgeleiteter und zusammengesetzter Substantive und Adjektive/Adverbien sind manche erste Glieder abgeleiteter und zusammengesetzter Verben trennbar. Die Trennung erfolgt in den finiten und infiniten Verbformen unterschiedlich:

  1. Steht das Verb in einer finiten Form, trennt sich das erste Glied vom Verb und tritt ans Satzende. Diese Trennung tritt jedoch nur bei Erst- und Zweitstellung, nicht bei Endstellung des finiten Verbs ein:

Er kommt morgen in Berlin an. Kommt er morgen in Berlin an?

Aber: Ob er morgen in Berlin ankommt, wollte sie wissen.

  1. Steht das Verb im Infinitiv oder Partizip II, wird das erste Glied durch auftretendes zu (beim Infinitiv) oder ge- (beim Partizip II) vom Verbstamm getrennt.

Er hat versprochen, mich sofort anzurufen.
Ich habe ihn mehrmals vergeblich angerufen.

  1. Bedingungen für Trennbarkeit

Äußeres Merkmal dafür, ob das erste Glied trennbar ist oder nicht, ist die Betonung. Als allgemeine Regel kann gelten, daß betontes erstes Glied trennbar ist, unbetontes erstes Glied dagegen untrennbar ist.

  1. Untrennbare Verbteile
    Stets unbetont und deshalb untrennbar sind be-, ent-, er-, ver-, zer- und die selteneren ge-, miss-
    sowie die Fremdpräfixe:
    de(s)-, dis-, in-, re- u. a.

Beispiele:
beachten, befragen, bezahlen
entdecken, entladen, enttäuschen erbauen, ernähren, erziehen
verachten, verheiraten, vertagen zerbrechen, zerfallen, zerstören
gefallen, getrauen, geleiten
misslingen, missachten, misstrauen
dezentralisieren, desorganisieren, disqualifizieren infiltrieren, rekonstruieren

Merke:
miss- ist bei einigen Verben sowohl betont als auch unbetont (missachten, missbilligen, missbrauchen, missdeuten), bei einigen anderen Verben stets betont (missverstehen, missbehagen, missgestalten, missbilden). Aber auch bei diesen Verben bleibt miss- in den finiten Formen ungetrennt. In den infiniten Formen gibt es vereinzelt Trennung durch zu und ge- (misszuverstehen, missgebildet u. ä.).

Trennbare Verbteile

Betont und somit trennbar sind
ab- an- auf- aus- bei- mit-nach- vor- zu-
da®-, ein-, empor-, fort-, her-, hin-, los-, nieder-, weg-, weiter-, wieder-

Beispiele:
abkürzen, ansehen, au/führen, ausarbeiten, beibringen, mitteilen, nachfragen, vortragen, zuhören
darstellen, einwenden, emportragen, fortsetzen, herstellen, hinrichten, lostrennen, niederreißen, wegnehmen, weiterleiten, wiedersehen :

Kombination von trennbaren Verbteilen mit untrennbaren Gliedern

Gelegentlich verbinden sich trennbare Verbteile mit untrennbaren Gliedern. In diesem Falle wird der trennbare Verbteil nur getrennt, wenn er an erster Stelle steht:
ab-be-rufen: Man beruft den Botschafter ab.

Aber:
be-ab-sichtigen: Er beabsichtigt eine Seereise.

Kombination von mehreren trennbaren Verbteilen

Die trennbaren Verbteile treten auch miteinander kombiniert auf. In diesem Falle werden die trennbaren Teile als Einheit empfunden und gemeinsam abgetrennt:

her-vor-rufen: Seine Worte riefen einen Streit hervor.

Häufig gehen Kombinationen ein
da®-: dabeisein, daherreden, darüberstehen; (auch in reduzierter Form dr-:smile: dransein
her-: herausfordern, hervorrufen, umhergehen, vorhersagen; (auch in reduzierter Form r:smile: reinfallen
-hin-: hinausrennen, hinwegtreiben; daraufhinarbeiten
-zu-: zurechtkommen, zurückwerfen, zusammenschlagen; hinzufügen

Nur kombiniert möglich sind -einander- und -wärts-:
durcheinanderreden, auseinandernehmen, rückwärtsgehen, vorwärtskommen

Trennbar und untrennbar vorkommende Verbteile

Einige erste Glieder kommen sowohl betont und trennbar als auch betont und untrennbar vor. Dazu gehören:
durch-, hinter-, über-, um-, unter-, wider-
[Hierher gehört auch ein Verb mit wieder- als erstem Glied: wiederholen (trennbar) – wiederholen (untrennbar).
Ich habe mir das Buch selbst wiedergeholt.
Ich habe die ganze Lektion wiederholt.]

Entscheidend für die Betonung und Trennbarkeit ist die Semantik der Verben:

  1. In zahlreichen Fällen haben die Verben mit betontem, trennbarem Verbteil
    (1) konkrete Bedeutung, die Verben mit unbetontem, untrennbare Verbteil
    (2) übertragene (idiomatisierte) Bedeutung:_

Der Rest des Arbeitsblattes verliert hier seine Formatierung, so dass ein wirres Durcheinander entsteht.

Aber ich denke das gepostete Stück ist - so hoffe ich - ausreichend.
Ich könnte das fünfseitige Arbeitsblatt als Abhang direkt mailen, wenn das gewünscht wird.

Gruß Fritz

2 „Gefällt mir“

Hallo Fritz

Irgendwie muss ich da was im Deutschunterricht verpasst haben.

Aber über Jahre hinweg! :wink:

War ich tatsächlich immer gerade Kreide holen, wenn wir sowas durchgenommen haben???

Die unwissende Schmunzl

Du sollst nicht unwissend sterben! :wink:

Naja, gestorben wäre ich daran sicher nicht, aber trotzdem danke.

Naja, das war dann alles irgendwie ziemlich ausführlich. Ein Glück, dass ich es sowieso immer richtig gemacht habe und mir darüber nie Gedanken machen musste. Ob ich das anhand dieser Anleitung gelernt hätte, weiß ich nämlich nicht.

Der Rest des Arbeitsblattes verliert hier seine Formatierung,
so dass ein wirres Durcheinander entsteht.

Also mir war das so schon ein heilloses "so wenn so, in Ausnahmefällen auch so, außer wenn so… :wink: Aber Regeln waren noch nie was für mich. Ich bin eher jemand, der aus dem Bauch heraus redet und nicht darüber nachdenkt, ob das nun Simple Past oder Past Perfect oder was auch immer sein muss.

Ich könnte das fünfseitige Arbeitsblatt als Abhang direkt
mailen, wenn das gewünscht wird.

**Nein Danke! Um Himmels Willen. Ich wollte ja nicht Deutschlehrer werden. Und die deutsche Grammatik wollte ich auch nicht umkrempeln. Wie gesagt, ich hab es nie verkehrt gemacht und auch eigentlich vorher nie darüber nachgedacht.

Nur bei diesem Anruf, denn der Typ wollte von mir wissen, was wir so machen (auf Arbeit) und ich sagte: Wir importieren, exportieren, einkaufen und verkaufen. Und da fiel mir auf, dass es heißen müsste kaufen ein. Na ja, im Eifer des Gefechts… Und er hat mich ja verstanden. Aber es hat mich halt ein wenig verwirrt, warum das eben bei dem einen getrennt und bei dem anderen nicht vom Verbstamm getrennt wird.

Gruß Fritz

Grüße Schmunzl**

Fritz!
du bist der netteste und tüchtigste MOD, den ich kenne!
mußte mal gesagt werden
von der
grilla

Soviel zur Theorie, jetzt zur Praxis
Der Ausländer

Bei Tische halte ich mich unter
Mit Künstlern und Studenten nur,
Glückt auch verun ein Witz mitunter,
So teilt man immer glimpflich ur.

Dann schlagen rat wir mit den Frauen
Wohin wir fahrten wall für heut’,
So wandelnd lust durch Wies’ und Auen
Wir winden über stets die Zeit.

Wenn ich dann endlich bis zum Abend
Gebrochen rad nach Ihrem Wunsch
Die deutsche Sprach’, hab’ ich erlabend
Noch hand zuletzt die Bowle Punsch.

(Aus: „Flieg. Blätter“, Bd. 45, Nr. 1111.)

Gruß
Stefan

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Übrigens kann dies im
Norwegischen auch einen Bedeutungsunterschied machen, ob das
selbe Verb als trennbares oder untrennbares benutzt wird…

Ich weiß zwar fast nix über Norwegisch, aber sowas gibt’s ja auch im Deutschen:
übersetzen - „Ich übersetze“ vs. „Ich setze über“ (könnte mir vorstellen dass es das auch im Norwegischen gibt… øversætta oder so vielleicht?)

  • André

Haha, das ist gut, besonders der Anfang. :smile:
Genauso könnte man auch sagen „Mailst du mir das e?“ oder „Wir werden ihn attentun!“ (nagut, letzteres is’n bissl anders)…

  • André

Noch mehr Praxis
Toll, Stefan!

Da gibt es auch noch:

_ Ein schlechter Schüler

Als ich noch zur Schule gehte,
zahlte ich bald zu den Schlauen,
doch ein Zeitwort recht zu biegen,
bringte immer Furcht und Grauen.

Wenn der Lehrer mich ansehte,
sprechte ich gleich falsche Sachen,
für die andern Schüler alle
gebte das meist was zum Lachen.

Ob die Sonne fröhlich scheinte
oder ob der Regen rinnte:
wenn der Unterricht beginnte,
sitzt. ich immer in der Tinte.

Als nun ganz und gar nichts helfte,
prophezieh mir unser Lehrer:
wenn die Schule ich verlaßte,
wörde ich ein Straßenkehrer.

Da ich das nicht werden willte,
kommte ich bald auf den Trichter,
stak die Nase in die Bücher,
und so werdete ich Dichter

Liebesleid

Weil gar zu schön der Wein im Glas geblunken,
hat sich der Hans dicht voll getrinkt.
Drauf ist im Zickzack er nach Haus gehunken –
Und seiner Grete in den Arm gesinkt.
Die aber hat ganz zornig abgewunken
und hat vor ihm die Türe zugeklunken.

Der Unverbesserliche

Man fragte mich: „Heißt’s fragte oder frug?“
Ich sagte drauf: „Ich wähle immer fragte,
da man ja auch statt sagte nicht spräch sug,
was schlecht dem Ohr und Sprachgebrauch behagte.“

Der andre sprach: „Ich werde draus nicht klug,
man sagt doch auch nicht schlagte oder tragte?“
Ich sprach: Ausnahmen sind nur schlug und trug;
doch tug, rug, zug, und wug noch keiner wagte.

Nun, wird der Zweifel, der bisher Sie nagte
und plagte - und nicht etwa gar nug und plug -
behoben sein, ob richtig frug, ob fragte?"

Der andere sprach: „Sie haben recht“, und schlug
sich an die Stirn, als ob ihm Licht nun tagte,
„verzeihen Sie, daß ich so töricht frug.“

Unbekannter Verfasser
(um 1900)_

Fritz

1 „Gefällt mir“

umstellen und umfahren
Genau das:

Ich weiß zwar fast nix über Norwegisch, aber sowas gibt’s ja
auch im Deutschen:
übersetzen - „Ich übersetze“ vs. „Ich setze über“

war im zweiten Teil meiner Regelblätter zu lesen, der leider der Formatunverträglichkeit zum Opfer fiel.

Vielleicht kann ich einen Abschnitt nachliefern:

c) Für „um“ gilt ein anderer Bedeutungsgegensatz.
Betontes, trennbares „um“ zeichnet eine Veränderung des Objekts (1);
unbetontes, untrennbares bezeichnet dagegen ein „um … herum“ um ein Objekt, das unbewegt ist(2):

(1) Sie stellt die Möbel um.
(2) Polizisten umstellten das Haus.

(1) Er hat den Fußgänger umgefahren.
(2) Er hat das Hindernis geschickt umfahren.

Fritz

Ich weiß zwar fast nix über Norwegisch, aber sowas gibt’s ja
auch im Deutschen:
übersetzen - „Ich übersetze“ vs. „Ich setze über“ (könnte mir
vorstellen dass es das auch im Norwegischen gibt…
øversætta oder so vielleicht?)

Stimmt, mir ist im Deutschen nur kein Beispiel eingefallen.

„Ich übersetze“ heißt auf Norwegisch „Jeg oversetter“ (von å oversette) und å sette over gibt es ebenfalls, scheint aber eine andere Bedeutung als das Deutsche zu heißen. Jedenfalls konnte ich einige Beispiele mit „Jeg sette over“ finden.

MfG,
Car

Jedenfalls
konnte ich einige Beispiele mit „Jeg sette over“ finden.

Es muss „Jeg setter over“ heißen.

huhuh,

Wir kaufen ein - von einkaufen; aber:
Wir verkaufen - von verkaufen???

Wäre es nicht viel logischer bei beidem dieselbe Struktur zu
verwenden???

ist doch logisch: „ein“ ist betont, „ver“ unbetont. ich hab jetzt mal schnell ein paar wörter ausprobiert: die regel stimmt immer!

gruß
datafox

huhuh,

ich hab
jetzt mal schnell ein paar wörter ausprobiert: die regel
stimmt immer!

Probe war unnötig! :wink:

Is sich äbän Rägell! ;-] ;-} Und hier eine ohne Ausnahme!

Fritz

huhuh,

ich hab
jetzt mal schnell ein paar wörter ausprobiert: die regel
stimmt immer!

Probe war unnötig! :wink:

ich bin immer wieder erstaunt, was man über die eigene sprache alles NICHT weiß. das mit der betonung war grade so ein aha-erlebnis. von einer regel wußte ich vorher nichts :smile:

cu
datafox

Betonungsregel
huhuh, datafox,

unten im Artikel „Langes Regelblatt“ steht es ausführlich.

Fritz