Einmischung

unser Freund hat eine neue Frau und eine Tochter aus der ersten Beziehung. Aber die Neue klammert dermaßen, dass man sich fragt, was soll nur aus dem Kind werden. Alles deutet darauf hin, dass die Frau mit dem Kind nicht zurecht kommt und es auch nicht will. Sie hat ihr ganzes Augenmerk auf die neue glückliche Ehe gerichtet. Bei unseren gemeinsamen Ausflügen darf der Freund nicht einen Augenblick alleine bleiben. Und das Kind läuft im wahren Sinn des Wortes nebenher, keiner, der sie mal umarmt oder sich mit ihr mal länger unterhält. Das Kind ist zornig, aufsässig, traurig, mit tut sie richtig leid. Und unser Freund tut nichts - der Hohn dabei ist noch, dass er von Beruf Kinderpsychologe ist ( das nervt mich am meisten daran. Er hat in der Theorie so gute Ansichten).
Gerne möchte ich ihn einmal auf die Tochter ansprechen, dass er sich nicht so sehr auf Kosten der Gefühle seiner Tochter vereinnahmen läßt. Aber das soll man prinzipiell doch nicht machen, ungefragt eine Meinung äußern, oder?
Es brennt, und ich muß zugucken.
viele Grüße von der ratlosen
Claudia

Liebe macht Männer blind und blöd…
Hi Claudia,

Du hast schon absolut Recht; eigentlich sollte man von fremden Beziehungen tunlichst die Pfoten lassen. Was auch immer Du tust/sagst - auch wenn Du das Beste willst - es besteht immer die Gefahr, daß Du Dich in die Nesseln setzt und Dir irgendwann den Spruch ‚Hättest Du Dich bloß damals nicht eingemischt…‘ anhören mußt.

Das, was Du über die Frau schreibst, hört sich für mich allerdings nach riesiger Unsicherheit an: ‚Laß mich bloß nicht unter diesen fremden Leuten allein - ich weiß ja gar nicht, wie ich mich verhalten soll.‘ (wie alt ist sie eigentlich?) Ist sie wirklich unsicher? Ist es etwa doch pure Berechnung? Schwierig…

Auf der anderen Seite ist da ein kleines (… Jahre?) Kind, das unter der Situation leidet. Aber: liegt es aber wirklich an der Frau oder hetzt die Mutter der Kleinen gegen die ‚neue Frau von Papi‘? Die Kinder meines Freundes waren am Anfang auch zickig und mehr als frech zu mir, bis sie (das ging Gott sei Dank sehr schnell) herausgefunden haben, daß ich ganz anders bin, als sie es von ihrer Mutter gehört haben. Na ja, ihre Mutter wäre auch nie im Leben auf die Idee gekommen, mit ihnen im Wohnzimmer einen Indianerzelt aufzuschlagen oder um 3 Uhr Morgens auf den Spielplatz zu marschieren… Außerdem bin ich keine Mutter und sie gingen damals noch nicht zur Schule… *ggg* Die Stiefmutter raushängen, kommt ohnehin nie gut an.

Also ich weiß nicht, aber vielleicht ist die Frau/Freundin Deines Freundes auch durch ihn selbst verunsichert; so nach dem Motto ‚wenn wir zusammen sind, achtet er wie ein Luchs auf jedes Wort/jede Geste, die seiner Tochter gilt‘. Vielleicht sollte sie ihn einfach für ein paar Stunden rausschmeißen bzw. mit seiner Tochter etwas allein unternehmen. Bei der Tochter meines Freundes hat es hervorragend funktioniert, obwohl sie genauso eine Zicke ist, wie ich es bin.

Gerne möchte ich ihn einmal auf die Tochter ansprechen, dass
er sich nicht so sehr auf Kosten der Gefühle seiner Tochter
vereinnahmen läßt.

Wie wäre es mit ‚Weißt Du was, mir ist aufgefallen, daß …, kann ich Euch irgendwie helfen?‘ Mehr nebenbei, wenn auch möglichst unter vier Augen! Vielleicht rückt er dann mit der Sprache raus.

Ansonsten auch ratlos…

Liebe Grüße

Tessa

Hallo Claudia,

meine Vorgängerin hat mit ihrem letzten Satz ganz Recht. Du schreibst ja auch gleich im ersten Satz, dass es sich um einen Freund handelt. Wer, wenn nicht Freunde, sollten ihn auf so etwas aufmerksam machen. Natürlich mit aller Vorsicht , aber die traue ich dir - nach unseren bisherigen Postingwechseln - durchaus zu. Wenn es nicht klappen sollte, hast du zwar nichts erreicht, aber ohne etwas zu tun, hättest du auch nichts erreicht. So hättest du es wenigstens versucht. Jedenfalls kannst du dem Kind, dem du ja zu Recht dein Augenmerk am meisten widmest, nur so helfen. Wenn es so nicht geht, anders geht es leider auch nicht. Und wenn er nicht auf dich hört, dann ist er zumindest ein schlechter Vater (das muss aber noch keinen schlechten Kinderpsychologen machen - manche Menschen trennen Beruf und Privatleben stärker als andere).

Du hast also - summa summarum - zwei Möglichkeiten: Du tust nichts und lässt alles so: Alles bleibt beim Alten, auch dein Ärger. Oder du tust (vorsichtig) etwas. Dann gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: du hast Erfolg und „alles ist gut“ (schön wärs ja) oder es ist wie vorher, dann hast du zumindest deine Chance auf Besserung gewahrt. Mehr geht dann leider tatsächlich nicht.

Alles Liebe und viel Glück

Thomas Miller

Hallo Thomas, hallo Claudia,

Sehr gute Antwort auf ein schwieriges Problem!!!
Viel Glück!

Gruß Marit

Endschuldige, daß sind aber die schlimmsten Versager.
Lehrer und Psychologen.
Tritt Eurem Bekannten in den Hintern und sage ihm, wie wichtig die Beziehung zu seiner Tochter ist.
Appeliere an seine Ausbildung und frage wo bleibt das beim eigenen Kind.
Nicht alle L.+P. gehören dahin, aber die meisten.
Große Theoretiker und vergessen das eigene Fleisch und Blut.
PiRo

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Und unser Freund tut nichts - der Hohn dabei ist noch, dass er
von Beruf Kinderpsychologe ist

Bei wen tropft der Wasserhahn? - Beim Installateur zuhause!

Wer ist der schlechtest frisierte Mann im Dorf? - Der Friseur!

etc.

Will meinen Spezialisten lassen ihr Wissen/Können zuhause nicht zum Tragen kommen. Zudem wurde auch schon gesagt, Liebe macht Blind. Das Thema gibts ja auch in vielen Märchen mit bösen Stiefmüttern. Meines Erachtens solltest Du (wie schon angesprochen) in einem geeigneten Moment mit dem Kerl sprechen, er wird wahrscheinlich aus allen Wolken fallen und nichts mitgekriegt haben, was ich ihm auch abnehmen würde.

Wie ist das mit der Tochter? Hat die sich ihren Vater schon mal vorgeknöpft (wenn sie denn alt genug dazu ist)?
Wie hat der Vater darauf reagiert?

Vielleicht sprichst Du auch mal mit der Tochter (wie gesagt wenns mit dem alter hin kommt) und entwickelst eine Strategie mit ihr. Aber Vorsicht, baut keine Fronten zur neuen Frau auf, so was geht nicht gut!

Gandalf