Hallo betazoid,
die Fehlstellung von Zähnen ist durchaus eine mögliche Ursache für Beschwerden durch nächtliches Zähneknirschen.
Um diese Fehlstellung auszugleichen, kann es durchaus sinnvoll sein, die nicht richtig stehenden Zähne so umzuformen, dass sie beim Knirschen nicht mehr belastet werden als die anderen Zähne.
Man versucht auf diese Art Hindernisse in der Oberflächenstruktur der Zähne (im Regelfall handelt es sich dabei um die hinteren Backenzähne) zu beseitigen, die bei den Knirschbewegungen des Unterkiefer im Wege sein können.
Davon erhofft man sich einen Rückgang des Zähneknirschens, weil auf einmal kein Hindernis in der Kaubewegung mehr da ist, gegen welches der Unterkiefer mit seiner sehr starken Muskulatur ankämpfen muss.
Das Einschleifen von Kronen oder Füllungen ist dabei eine durchaus übliche Methode wohingegen das Einschleifen von natürlichen unbehandelten Zähnen nur dann erfolgen sollte, wenn man sich zum einen als Behandler völlig sicher ist, dass man die ursächlichen Stellen an den Zähnen auch genau lokalisieren kann und zum anderen wenn die Dimension des Einschleifens an den Zähnen sehr gering ist.
Man kann den Zahnschmelz etwas ausdünnen darf ihn aber nicht (auch nicht punktuell) durchschleifen (mittlere Schichtstärke an Backenzähnen etwa 1 mm).
Da diese Technik mit vielen Unwägbarkeiten behaftet ist und man auch vorher nicht vorhandenen Schaden an den Zähnen anrichten kann, ist das Einschleifen von natürlichen Zähnen auch unter „spezialisierten“ Kollegen heftig umstritten.
Da die Knirschintensität, -bewegung und -dauer beim einzelnen Patient starken Schwankungen unterliegt kann man auf diese Art sicherlich nur in extrem seltenen Ausnahmefällen einen abschliessenden Behandlungserfolg erzielen.
Die unschädlichste Methode das Knirschen zu behandeln besteht sicherlich im Tragen einer Aufbißschiene.
Entsprechend notwendige Einschleifmaßnahmen werden dann an der Schiene vorgenommen und nicht an den eigenen Zähnen. Diese Schiene kann man auch durchaus über viele Jahre tragen. Ein Leben lang wird man sie nicht brauchen, weil man nicht permanent mit den Zähnen knirscht.
Zähneknirschen oder zahnärztlich Bruxismus ist in den allermeisten Fällen ein Ausdruck von Stress oder allgemeiner gesprochen von einer besonders hohen inneren Anspannung. Zähneknirschen an sich ist nicht schlimm, der Körper baut auf diese Weise Stress ab. Zähneknirschen wird erst dann zu einem Problem, wenn der Patient Beschwerden durch diese übermässige Belastung der Zähne, des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur entwickelt.
Man hat früher versucht die Zähne auf eine vermeintlich ideale Art umzuformen (sei es durch Einschleifen oder durch Einsetzen von Kronen o.ä.) um die Kaubewegungen zu idealisieren.
Davon versprach man sich einen Rückgang des Bruxismus. Kurzfristig hat man damit auch durchaus Erfolge. Langfristig hat sich jedoch herausgestellt, dass Patienten die grundsätzlich zum Knirschen neigen, auch mit einer idealen Okklusion (das ist der Zusammenbiss der Zähne) nach einer gewissen Zeit wieder anfangen zu knirschen.
Da nicht zahnmedizinische Lebensumstände aber einen sehr viel grösseren Einfluss auf das Knirschen haben, ist es sinnvoller die zahnärztlichen Manipulation auf Maßnahmen zu beschränken, die reversibel sind.
Eine Schiene kann man in die Ecke legen, wenn es einem besser geht. Beschliffene Zähne bleiben allerdings beschliffen, auch wenn man garnicht mehr knirscht.
Gruß
Gero