Hallo zusammen,
Hi Tom!
sollen wir unsere Tochter mit 5Jahren und 10 Monaten
einschulen, oder besser nicht?
Tja, vor der Entscheidung standen wir vor viereinhalb Jahren auch schon einmal und sie wird uns nächstes Jahr noch einmal beschäftigen. Wir haben zwei Söhne, 10 und 4, im Oktober bzw. September geboren.
In Rheinland-Pfalz ist die frühzeitige Einschulung lt. diverser Auskünfte, die wir damals bekamen, im übrigen verpönt (gewesen?). Wir trafen deshalb zunächst auf Ablehnung überall, als wir mit der Idee ankamen. Die war uns nicht zugeflogen, sondern reiflich überlegt.
- war unser Sohn immer schon sehr wißbegierig, 2. konnte er sich sprachlich sehr gut ausdrücken und 3. war sein Sozialverhalten lt. Auskunft der Kindergärtnerinnen sehr gut. 4. Konnte er zwar noch nicht lesen, rechnen und schreiben, aber, so unsere Befürchtung, wenn er noch ein Jahr (sein 4.) in den (Ganztages-)kindergarten gegangen wäre, dann hätte er unter Garantie … usf.
Außerdem wollte er wahnsinnig gerne in die Schule, endlich richtig lernen, endlich lesen können und nicht von Muttern abhängig sein, die nicht gewillt war, Bücher von mehr als 40 Seiten am Stück vorzulesen.
Also haben wir (ich bin selbst im September geboren und frühzeitig eingeschult, konnte auch nie feststellen, dass man mir meine Kindheit genommen hat oder ähnlich) uns darum gekümmert, dass sein Wunsch, den wir unterstützenswert fanden, in Erfüllung ging.
Volle Ablehnung von Seiten seiner Kindergärtnerin. (Damals das 1. Jahr nach ihrer Ausbildung) Das sei gaaanz schlecht, wir wüßten ja gar nicht, was wir dem armen Kind antäten … Untersuchungen hätten ergeben, dass diese Kinder alle sozial auffällig würden usf. Im übrigen könne sich unser Sohn bei Aufgaben gar nicht richtig konzentrieren, wenn sie mit ihm arbeite (soll heißen, sie sitzt mit ihm an einem Tisch und hinter ihrem Rücken tobt der Bär), könne er sich gar nicht auf die Aufgaben konzentrieren, sondern schaue immer, was die anderen Kinder täten (Kommentar unseres Sohnes: die Aufgaben sind langweilig. Auf der anderen Seite wurde ihm untersagt, an den Aufgaben für Vorschulkinder, die ihn brennend reizten, teilzunehmen. Das war später in der Grundschule noch so. Hier stehen die Bücher für Erstklässler (die las unser Sohn nach einem halben Jahr in der kleinen Pause), dort für die Klassen 3 und 4, also nichts für dich Erstklässler, las die Finger davon!). Wir wußten hingegen, dass er sich stundenlang konzentrieren konnte (z.B. beim Besuch des Senckenberg-Museums in Frankfurt o.ä., beim Lego-Bauen oder beim Bücher „lesen“, sprich anschauen).
Bei uns war es übrigens so, dass seine besten Freunde, obwohl ungefähr gleichaltrig, im Kindergarten blieben und erst ein Jahr später eingeschult wurden. In der Schule bekam er dann aber schnell Kontakt zu neuen Kindern, der Kontakt zu seinen Freunden schlief mit der Zeit ein, obwohl sie am Ort wohnen, einfach weil der Erfahrungshorizont ein anderer wurde. Allerdings handelt es sich dabei teilweise um Mädchen, so dass das auch altersbedingt sein kann. Eines dieser Mädchen spricht noch jetzt von unserem Sohn als ihrem Freund, obwohl sie ihn über ein Jahr weder gesehen noch gesprochen hat.
Damals gab es noch die psychologischen Tests und die medizinischen. Die medizinischen müssen alle Kinder machen, ich glaube, heute auch noch, die psychologischen nur die Kann-Kinder.
Wir traten also zum Test an. Diesen kann man nicht bestehen, bestehen und mit Auszeichnung bestehen. Der Test wurde uns Eltern danach gezeigt und mit uns darüber diskutiert, aber wir durften ihn nicht mitnehmen, auch nicht in Kopie. Fand ich eigentlich ungeheurlich, aber ich wollte nicht gleich unangenehm auffallen.
Unser Sohn bestand den Test mit ca. 75 bis 80 % der Aufgabenstellungen (vorsichtige Schätzung unsererseits, weil wie gesagt, wir bekamen den Test ja nicht mit und durften ihn uns nur gerade mal durchsehen). Zudem machte er Aufgaben zusätzlich, weil die angesetzte Zeit zu lang war (wohlgemerkt unser Sohn ist durchschnittlich begabt). Die Aufgaben, bei denen er patzte, waren Aufgaben, die etwas mit Feinmotorik zu tun haben, allerdings waren mein Mann und ich der Meinung, schön schreiben oder Linien gerade ziehen lerne er in der Schule (tatsächlich hat er eine sehr schöne, gleichmäßige Schrift). Damit war der Test bestanden (wohlgemerkt nur bestanden!). Obwohl der Test bestanden war, empfahlen uns die Lehrerin, die den Test gemacht hatte und der Rektor im Chor, unseren armen Sohn doch noch nicht einzuschulen, das sei ganz schlecht, wir wüßten nicht, was wir dem Kind antäten … immer der jüngste (das ist er bis heute), immer der kleinste (unser Sohn gehört zur Gruppe der größeren in der Klasse). Wir haben beiden gegenüber unsere Meinung vertreten (vor allem mit dem Hinweis, selbst positive Erfahrungen mit früher Einschulung gemacht zu haben (meine beiden Geschwister sind ebenfalls (wenn auch nur wenige Wochen) frühzeitig eingeschult worden. Mein Mann ist frankophon und also sowieso jünger eingeschult worden). Es wurde dann na ja akzeptiert.
Unsere Erfahrung mit der Klassenlehrerin in der Grundschule war dann (aber dies ist, so glaube ich, sehr individuell verschieden) die, dass, wenn immer Probleme auftraten (er ist unkonzentriert, er ist schlampig) die frühe Einschulung erhalten musste als Grund. Wenn wir der Sache aber auf den Grund gingen, bekamen wir plötzlich zu hören, alle Kinder seien mal unkonzentriert, jedes Kind habe unordentliche Phasen und im großen und ganzen sei er ein guter Schüler und auch nicht sozial auffällig.
Angesichts des letzten halben Jahres auf dem Gymnasium, in das unser Sohn nun geht, bin ich im übrigen froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Unser Sohn fängt nämlich gerade erst an zu begreifen, dass man nicht alles vom bloßen Ansehen lernt, sondern das Lernen auch viel mit Ausdauer und Fleiß zu tun hat, so man die Noten aus der Grundschule (so ungefähr im Zweier-Bereich)in der Oberschule fortsetzen will zumindest.
Wie du siehst scheinen wir - hoffentlich - die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Unser Sohn hatte im Kiga aber auch einen besten Freund, der genau eine Woche jünger war und eine Freundin, die einen Monat jünger war. Die Mutter des Jungen hat ihn nicht mit unserem Sohn frühzeitig eingeschult, er wollte auch gar nicht, obwohl er sehr darunter gelitten hat, dass unser Sohn ihn im Kiga zurückließ. (Das Mädchen ist auch erst ein Jahr später gegangen.) Und auch sie scheint mit ihrer Einschätzung recht gehabt zu haben. Wahrscheinlich wäre auch bei ihm die intellektuelle Reife durchaus gegeben gewesen. Der Junge war nur immer schon extrem ängstlich, sehr schüchtern und konnte sich nur schwer gegen „gröbere“ Kinder durchsetzen. Meiner Meinung nach hat auch sie die richtige Entscheidung getroffen, ihm noch ein Jahr zu geben, denn er ist inzwischen sehr viel selbstbewußter geworden (Arnold Schwarzenegger wird er wohl nie werden, aber warum sollte er auch) und konnte sich dann gut in die Klasse integrieren und sich dort einen Platz schaffen.
Das sind also so unsere Erfahrungen, wahrscheinlich richtig weiterhelfen werden sie dir auch nicht können, zumal du ein Mädchen hast - und da soll ja alles anders sein.
Die Ärztin, die die medizinische Untersuchung vornahm (und eigentlich gar nichts dazu hätte sagen sollen), meinte übrigens auch, er sei zwar medizinisch reif, wir sollten unserem Sohn das aber trotzdem nicht antun, spätestens in der Pubertät kämen die Schwierigkeiten, weil Mädchen seien ja bekanntlich früher reif und dann sei er noch nicht so weit und würde stark leiden … Wir werden sehen.
Was übrigens die Entscheidung des Kindes betrifft. Ich finde schon, dass es gehört werden sollte. Gegen seinen Willen hätten wir unseren Sohn bestimmt nicht frühzeitig eingeschult. Wir Eltern hätten uns zwar einiges erspart, wenn wir gegen seinen Willen gegangen wären:
Grundschule endet bekanntlich um 12 Uhr, so dass ich erst wieder eine Betreuung für ihn finden musste oder gg.falls zu Hause geblieben wäre, so diese nicht gegeben gewesen wäre.
Und die Kommentare erst, die wir von anderen Eltern (warum sind es eigentlich immer die Mütter, die aufeinander herumhaken, anstatt sich gegenseitig zu helfen und zu raten?) zu hören bekamen.
Aber wir nehmen unseren Sohn und seine Bedürfnisse sehr ernst. Ich kann mich noch gut an die Machtlosigkeit erinnern, die ich als Kind empfunden habe gegen die Übermacht der Elternentscheidungen (und meine Eltern waren vergleichsweise tolerant und liberal), und wenn ich die Elternübermacht heute unserem Sohn manches Mal nicht ersparen kann, so ist mir doch daran gelegen, dass er seine Meinung vertreten darf und soll.
Soweit unsere Erfahrungen. Ich wünsche euch, dass eure Tochter eine schöne Schulzeit verleben kann, egal, wie ihr euch entscheidet.
MfG
Susanne
Sie fragt und wir antworten.
Nach dem Schema sind wir auch vorgegangen.
Wir glauben, daß sie ihr erlerntes Wissen jedoch weiter
ausbauen wird, wenn wir noch ein Jahr warten.
Genau das.
Sie würde sich immer weiter vom normalen Wissensstand eines
Erstklässlers entfernen.
Dann wird sie sich möglicherweise langweilen.
Das dürfte wohl so sein.