Einsicht erwirken?

Hallo,

Wenn jemand sich so weit verschuldet hat dass er mit dem Rücken an der Wand steht, sich aber vehement dagegen wehrt einzusehen, dass in dieser Situation gewisse Dinge (Urlaub, Essen gehen ect, keine grossen und teuren Dinge, aber ein gewisser Lebensstandard) nicht mehr angebracht sind, gibt es dann irgendwelche Methoden dieses Bewusstsein zu wecken?

Ich denke ja das ist wie bei Alkoholsucht. Lange Zeit wird verdrängt und es muss erst ein mächtiger Knall kommen und dann besteht vielleicht die Chance zur Einsicht.

Kann jemand der überdurchschnittlich gut verdient und beruflich sehr erfolgreich ist es überhaupt richtig verarbeiten, dass er trozt des Erfolges ärmer ist als ein Solzialhilfeempfänger?

Ist dies Form der Problemverdrängung in Teilen identisch zur Suchtproblematik?

Gruss
M.

Moin, M.,

Wenn jemand sich so weit verschuldet hat (…) gibt es
dann irgendwelche Methoden dieses Bewusstsein zu wecken?

nein.

es muss erst ein mächtiger Knall kommen

Und wo käme der her? Dem Alkoholiker geht es vielleicht (fast meistens nicht) irgendwann so schlecht, dass er’s kapiert.

Kann jemand der überdurchschnittlich gut verdient und
beruflich sehr erfolgreich ist es überhaupt richtig
verarbeiten, dass er trozt des Erfolges ärmer ist als ein
Solzialhilfeempfänger?

Nur dann, wenn er vom Typ Erbsenzähler ist, sprich sich Rechenschaft ablegt über seine Einnahmen und Ausgaben.

Ist dies Form der Problemverdrängung in Teilen identisch zur
Suchtproblematik?

In Teilen gewiss, aber die Antwort hilft bestimmt nicht weiter.

Ich kenne das so (lang, lang ist’s her): Vom Weihnachtsgeld in den Urlaub fahren (zusätzliche) Arbeit annehmen wenn ich arbeite will ich auch was davon haben wieso kriegt der Nachbar was vom Finanzamt und wir nicht krieg ich ein Auto für die Arbeit die Versicherung zahlen wir von der Lohnsteuerrückzahlung also ohne Urlaub bin ich kein Mensch dann gibt’s ja bald wieder Weihnachtsgeld… Und hastdunichgesehn sind per Dispo auf 4 Konten 40.000 Schulden da, für nix und wiedernix :frowning:

Gruß Ralf

Hallo,

die Fähigkeit mit Geld umzugehen, wird bereits in der Kindheit erlernt. Das ist ein Zweck von Taschengeld. Das Kind gibt es zuerst mal sofort aus und merkt dann, jetzt habe ich nichts mehr. Kredit von den Eltern gibt es nicht. Will das Kind z.B. unbedingt ein bestimmtes Buch, muß es erst sein Taschengeld sparen und kann es dann kaufen. Dabei lernt es auch - wenn es drei verschiedene Bücher haben möchte - zunächst das zu kaufen, das ihm am wichtigsten ist und die anderen für später zurückzustellen - also Verzicht!

Wer das in der Kindheit/Jugend nicht gelernt hat, immer alles bekam, was er sich wünschte, auch mehr Geld bekam, wenn er darum bat, kann später auch nicht mit Geld umgehen. Und diese Vorgehensweise ist in vielen Familien an der Tagesordnung.

Hinzu kommt dann noch die viele Werbung, die ständig Wünsche weckt, meist für Dinge, die man gar nicht braucht oder realistisch gesehn nicht erfüllbar sind.

Und dann flattern den jungen Menschen und Erwachsenen ständig Werbungen für Kredite ins Haus: „mach jetzt Urlaub - zahle später“.Oder es werden eine neue Küche, neues Wohnzimmer, Elektrogeräte alle ziemlich gleichzeitig auf Raten gekauft. Das ist besonders für jene, die den Umgang mit Geld nicht gelernt habern, sehr verlockend! Sie greifen blind zu, sind sich dabei aber nicht bewußt, daß dieses Geld in Raten zurückgezahlt werden muß, außerdem Zinsen - und nicht zu knapp - anfallen, sie dann für längere Zeit monatlich weniger zur Verfügung haben werden, daß dies Verzicht bedeutet… Irgendwann kommt es dann zu extremer Verschuldung.

Jemand, der gelernt hat mit Geld umzugehen, wird sich den benötigten Betrag ansparen, auf der Bank trägt er etwas Zinsen, und dann den Urlaub, das Wohnzimmer usw. mit dem Gesparten bezahlen. Da hier keine Sollzinsen anfallen, ist das dann erheblich billiger, und letztlich kann sich dieser Erwachsene mehr leisten, als der, der auf Kredite baut.

Ein Hauskauf ist nur teilweise eine Ausnahme, denn je mehr Eigenkapital vorliegt, umso geringer sind auch die Zinsen, aber die Beträge sind hier so groß, daß ein Ansparen nicht so sinnvoll ist, weil man gleichzeitig mit der Belastung die Miete einspart und einen Wert aufbaut. Also eine etwas andere Rechnung aufstellen kann. Bei Gebrauchs- und Verbrauchswaren tritt das aber nicht zu.

Gruß,
p+p

Hi,

Wenn jemand sich so weit verschuldet hat (…) gibt es
dann irgendwelche Methoden dieses Bewusstsein zu wecken?

nein.

es muss erst ein mächtiger Knall kommen

Und wo käme der her?

Insolvenz?

In Teilen gewiss, aber die Antwort hilft bestimmt nicht
weiter.

Ich kenne das so (lang, lang ist’s her): Vom Weihnachtsgeld in
den Urlaub fahren (zusätzliche) Arbeit annehmen wenn ich
arbeite will ich auch was davon haben wieso kriegt der Nachbar
was vom Finanzamt und wir nicht krieg ich ein Auto für die
Arbeit die Versicherung zahlen wir von der
Lohnsteuerrückzahlung also ohne Urlaub bin ich kein Mensch
dann gibt’s ja bald wieder Weihnachtsgeld… Und
hastdunichgesehn sind per Dispo auf 4 Konten 40.000 Schulden
da, für nix und wiedernix :frowning:

Und wie kamst Du da wieder raus? Wann hast Du gemerkt dass es so nicht geht?
Hast Du Hilfe bekommen und hast Du sie annehmen können?

Gruss
M.

Hi M.,

Und wie kamst Du da wieder raus?

ich hab sie rausgeschmissen.

Wann hast Du gemerkt dass es so nicht geht?

Als ich mal in Ruhe die Auszüge unseres gemeinsamen Kontos durchgesehen habe.

Hast Du Hilfe bekommen und hast Du sie annehmen können?

Ich?!?

Feixende Grüße
Ralf

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Hallo,
ich denke das Problem löst sich von ganz alleine: wenn einfach kein Geld mehr zum Ausgeben da ist.

Viele Grüße

Huhu!

ich denke das Problem löst sich von ganz alleine: wenn einfach
kein Geld mehr zum Ausgeben da ist.

Ne, leider nicht. Weil man dann immer noch die Kreditkarte nutzen kann.
Bzw. sich das Produkt per Ratenzahlungen kaufen.
Irgendwann sind dann die Ratenzahlungen im Monat höher als das Einkommen - und dann ist es zu spät.

Viele Grüße!
Ph.

Ein anderer Aspekt
Moin,

ein solches Verhalten muss keine Problemverdrängung sein, wie sie analog bei der Suchtproblematik vorkommt; es kann auch Symptom einer Depression sein. Dann nützen laienhafte Versuche zur Bewusstseinsänderung nichts, und nur ein Psychotherapeut kann helfen.

Grüße
Pit