Einstieg als IT-Consultant

Hallo,

ich (26, Absolvent Uni Dipl.Informatik, noch keine Berufserfahrung) bin gerade mitten im Berufseinstieg. Nach 2 Gesprächen bei einer mittelständischen Softwarefirma (ca. 100 Mitarbeiter) wurde mir eine Einstellung als Junior-IT-Consultant angeboten (ich hatte mich als Softwareentwickler beworben, allerdings mit „planerischen Ambitionen“).

Die Aufgabe an sich finde ich durchaus interessant, da sie meiner Meinung nach einen guten Einstieg in die Geschäftswelt und „übergreifende“ Erfahrungen ermöglicht. Ich ging allerdings davon aus, dass sich der Consulting-Mehraufwand durch häufige Reisen und Überstunden auch im Gehalt niederschlägt. Dies scheint allerdings nicht der Fall zu sein: mir werden ca. 26000 brutto Festgehalt + max. 15% Zielerfüllungsprämie angeboten. Es ist eine Festanstellung, Überstunden werden nicht bezahlt, von Dienstwagen o.ä. weiß ich bisher nichts.

Meine Frage: verkaufe ich mich dabei „unter Wert“? Oder sollte ich dieses niedrige Einstiegsgehalt vorerst in Kauf nehmen, um die Stelle als „Sprungbrett“ und gute Einstiegsmöglichkeit zu nutzen? Konkrete andere Angebote habe ich zur Zeit nicht auf dem Tisch, gehe aber aufgrund meiner bisherigen Bewerbungs-Rückmeldungen davon aus, dass ich in absehbarer Zeit etwas finden könnte.

vielen Dank im Voraus für eventuelle Meinungsäußerungen,
Sebastian

Das ist eigentlich schon sehr niedrig. Mit der Qualifikation kann man mehr erwarten. Hier stehen einige Zahlen als Richtwert:

http://www.sueddeutsche.de/app/jobkarriere/gehaltste…
http://www.nettolohn.de/gehaltsvergleich/3473-it-man…
http://www.nettolohn.de/gehaltsvergleich/3468-it-con…

Hallo,

ich (26, Absolvent Uni Dipl.Informatik, noch keine
Berufserfahrung) bin gerade mitten im Berufseinstieg. Nach 2
Gesprächen bei einer mittelständischen Softwarefirma (ca. 100
Mitarbeiter) wurde mir eine Einstellung als
Junior-IT-Consultant angeboten (ich hatte mich als
Softwareentwickler beworben, allerdings mit „planerischen
Ambitionen“).

mir werden ca. 26000 brutto Festgehalt + max. 15%
Zielerfüllungsprämie angeboten. Es ist eine Festanstellung,
Überstunden werden nicht bezahlt, von Dienstwagen o.ä. weiß
ich bisher nichts.

Meine Frage: verkaufe ich mich dabei „unter Wert“?

Ein paar kurze Statements dazu:

  1. „Junior-IT-Consultant“ ist hier mehr ein Euphemismus für „Trainee“, und diese Bezeichnung entspricht auch eher Deiner Position.

  2. Selbst für einen Trainee resp. Berufseinsteiger ist das etwas wenig, vor allem weil
    2a. Mehrarbeit nicht vergütet wird (potentiell sittenwidrig!)
    2b. scheinbar keine Anpassung vorgesehen ist, also keine Gehaltserhöhung in Aussicht gestellt wird, falls Du Dich bewährst
    2c. die Prämie auch recht mager ist, insgesamt betrachtet.

  3. Nichtsdestotrotz ist diese Stelle besser als „nichts tun“. Du könntest sicher wertvolle Erfahrungen machen, im CV macht sich das sicher auch nicht schlecht und niemand hält Dich davon ab, dich direkt aus dieser Steller heraus weiter zu bewerben.

Im Fazit würde ich sagen, versuch noch ein wenig mehr rauszuholen (30k werden’s wohl nicht werden, aber 28k ist wohl noch im Rahmen des Verhandlungsspielraums) und dann nimm an, und bewirb Dich direkt weiter.

Gruß,

Malte

Danke an Malte und Scotty für die hilfreichen Antworten! Ich denke ich werde im nächsten Gespräch auch das Thema Gehalt ansprechen und herausfinden, ob sich da noch etwas machen lässt und wie die Tätigkeit ganz konkret aussehen soll.

Mich allerdings direkt weiter zu bewerben und evtl. nach weniger als einem Jahr bereits den Arbeitgeber zu wechseln, scheint mir eher ungünstig für den weiteren Lebenslauf zu sein. Zumindest, wenn man Heiko Mell und den VDI-Nachrichten Glauben schenkt. :wink:

Grüße,
Sebastian

Hallo,

Mich allerdings direkt weiter zu bewerben und evtl. nach
weniger als einem Jahr bereits den Arbeitgeber zu wechseln,
scheint mir eher ungünstig für den weiteren Lebenslauf zu
sein. Zumindest, wenn man Heiko Mell und den VDI-Nachrichten
Glauben schenkt. :wink:

noch schlechter macht sich Leerlauf im Lebenslauf. Meiner Meinung nach wird auch das, was angeblich toll oder mies im Lebenslauf ist, überbewertet. Solang der CV lückenlos und nachvollziehbar ist, sind andere Dinge wichtiger.

Gruß,

Malte

noch schlechter macht sich Leerlauf im Lebenslauf. Meiner
Meinung nach wird auch das, was angeblich toll oder mies im
Lebenslauf ist, überbewertet. Solang der CV lückenlos und
nachvollziehbar ist, sind andere Dinge wichtiger.

Das mit der Lücke im Lebenslauf stimmt natürlich.

Wenn ich gleich noch eine fachspezifische Frage anhängen darf: mir schwebt langfristig eine Position als Projektleiter / Teamleiter vor, daher hatte ich mich ursprünglich auch aus Entwickler beworben um die „Grundlagen“ der Industrie zu lernen.

„Verbaue“ ich mir mit einem Consultant-Job entsprechende Karrierewege, ist ein Wechsel von Consultant zu Teamleiter unüblich/schwer? Oder ist es eher anders herum, dass Consultants (die ja meist das „große Ganze“ im Blick haben sollten) bevorzugt für leitende Aufgaben in Frage kommen?

viele Grüße,
Sebastian

noch schlechter macht sich Leerlauf im Lebenslauf. Meiner
Meinung nach wird auch das, was angeblich toll oder mies im
Lebenslauf ist, überbewertet. Solang der CV lückenlos und
nachvollziehbar ist, sind andere Dinge wichtiger.

Das mit der Lücke im Lebenslauf stimmt natürlich.

Wenn ich gleich noch eine fachspezifische Frage anhängen darf:
mir schwebt langfristig eine Position als Projektleiter /
Teamleiter vor, daher hatte ich mich ursprünglich auch aus
Entwickler beworben um die „Grundlagen“ der Industrie zu
lernen.

„Verbaue“ ich mir mit einem Consultant-Job entsprechende
Karrierewege, ist ein Wechsel von Consultant zu Teamleiter
unüblich/schwer? Oder ist es eher anders herum, dass
Consultants (die ja meist das „große Ganze“ im Blick haben
sollten) bevorzugt für leitende Aufgaben in Frage kommen?

Weder noch. Ob Du für Führungsaufgaben in Frage kommst, hängt weder
von Deinem Abschluß ab, noch davon, ob Du nun Entwickler oder Consultant
machst. In beiden Bereichen wirst Du Gelegenheit bekommen, das Übernehmen von Verantwortung und ein wenig zu führen zu lernen.

Ich rate Dir allerdings, das Ziel einer Führungsposition erstmal(!) zu vergessen.

Warum? Weil Du noch gar nichts von dem nötigen Handwerkszeug hast. Du hast Dein Diplom, und das ist die Eintrittskarte in diese Welt. Mit dem Tag, an dem Du anfängst zu arbeiten, hört dieses Diplom auf, sonderlich viel wert zu sein. Dann zählen Skills und Erfahrung, und Erfahrung hast Du genau Null, von Menschenführung verstehst Du mutmaßlich(!) auch nichts, und vom Geschäft ebensowenig.

Das ist aber nicht schlimm, jeder fängt mal so an :wink: Nur, für Führung braucht man Charakter, Erfahrung, noch mehr Erfahrung und auch eine Menge Talent. Das muss sich doch erstmal bilden. Gib Dir also etwas Zeit. Sowohl in Consulting wie auch in der Entwicklung wirst Du zunächst an Projekten mitarbeiten, dann immer mehr eigenverantwortlich machen und irgendwann - wenn’s denn klappt - auch Dein erstes eigenes Ding bekommen. So, und wenn von diesen eigenen Dingern ein paar gut gelaufen sind, dann kannst Du nochmal über Deine Ausrichtung nachdenken.

Denn erst dann, wenn Du Dir Deine Sporen verdient hast, dann kommt die Zeit, da Du Dich entscheiden musst, ob Du fachliche oder führende Spitzenkraft werden möchtest.

Es gibt immer auch ganz andere Wege. Manchmal kommt das Kind auch ganz unverhofft zur Jungfrau.

Gruß,

Malte

Bei mir…
Hallöchen,

ich selbst habe meinerzeit in dieser Position mit €30000, ohne Zielprämien angefangen.
Der Vertrag beinhaltete im Prinzip die gleichen Formulierungen wie bei Dir. Ich nahm damals aus genau den gleichen Gründen an, wie das was Dich interessiert.

Hier ein paar Tips:

  • Bei mir gab es eine Prämie von €500 für den Einsatz beim Kunden. Diese wurde aufgrund der damals für mein Unternehmen schwierigen wirtschaftlichen Situation nur mündlich vereinbart, aber immer eingehalten (so etwas kann man auch als Vertrauensbeweis seitens Arbeitgeber einstufen).

  • Solange Du als „Junior IT Consultant“ angestellt bist, machst Du primär interne Fortbildung und kostest eigentlich nur Geld: Aber wenn Du einen Projekteinsatz beim Kunden bekommst, bist Du wertschöpfender Mitarbeiter und kannst mehr bekommen. Sorge dafür, dass der AG weiß, dass Du Dir dessen bewußt bist!

  • Dienstwagen wirst Du erst brauchen, wenn Du bei Kunden eingesetzt wirst. In der ersten Trainingsphase tun es Öffentliche Verkehrsmittel genauso gut. Solltest Du jedoch z.B. zum Kunden 3hr mit ÖPNV pendeln aber mit dem Auto in 1,5-2hr da sein, wird der AG Dir mit Sicherheit einen Wagen stellen. Aber kläre das auch ab.

  • Ich selbst habe damals direkt bei der Vertragsunterzeichnung klar gemacht, dass ich 2 andere konkrete Angebote habe und das Gehalt nur unter der Bedingung akzeptiere, dass nachverhandelt wird, wenn ich mit dem Training durch bin. Ähnliches würde ich auch Dir raten.

  • Das Gehalt eines Junior Consultants ist oft so niedrig, da man sehr viel Fortbildung bekommt, um beraten zu können. Je nach dem, was Deine künftige Tätigkeit umfaßt, sind schon einige Tausend € an Investition in Dein Wissen vorgesehen (die Du in Konzernen nicht bekommst oder erst „verdienen“ mußt). Die solltest Du auch im Auge behalten, denn dadurch steigt Dein Marktwert (d.h. wenn Du jetzt anderswo €35000 bekommst und in 5 Jahren €45000, dann wirst Du als IT Consultant jetzt €26000 haben und in 3 Jahren €50000+ oder Du kannst Dich mit der Qualifikation andern Orts auf eine €50000+ Stelle setzen)

  • Das Niveau von Consultants wird oft nur durch deren Ambition bestimmt. Es ist durchaus möglich, daß Du in 4-5 Jahren das Dreifache bekommst, wenn Du Dich reinklemmst und gute Leistung beweist. Wenn Du gut bist, und der AG weiß das, muss er Dein Gehalt häufiger mal anpassen, damit Du nicht abgeworben wirst :wink:

  • Es kann durchaus sein, dass man Deinen „planerischen Ambitionen“ nachkommt, denn „Junior IT Consultant“ ist ein Sammelbegriff, bei dem z.B. bei uns fast alle (außer den Kaufmännern) einsteigen. Einige werden dann nach der „Grundausbildung“ reine SDLC Spezialisten, andere machen QM oder PM Consulting, weitere gehen in R+D oder sonstwas… wie sieht bei „denen“ die Planung aus? Bist Du „billige Arbeitskraft“ oder versucht man, Dich zu entwickeln?

  • Eine zusätzliche Frage wäre jetzt, wo dieses Unternehmen denn liegt: die Lebenshaltungskosten in München sind etwas höher als in Görlitz, und je nach dem, wo Du hin ziehen mußt sollte man das auch berücksichtigen: Für München wären mir €26k zu wenig, in Görlitz würde ich es nehmen.

  • Das mit dem Reisen wird bei IT Consultants heißer gekocht als gegessen. Es wird nur im Vorstellungsgespräch nach der Reisebereitschaft gefragt, weil es ja sein kann, dass ein wichtiger Kunde außerorts liegt. Oft liegen Projekte in Pendelreichweite - für den Arbeitgeber optimal, weil das die Kosten unten hält :wink:

  • wenn Du reisen musst, sorge dafür, dass die Reisezeit zumindest 50% vergütet wird.

  • Was Überstunden angeht, gibt es bei Consultants zwei Formen: die internen Überstunden, primär bedingt durch Fortbildung. Die können kleine Firmen schwer vergüten, weil sie dann bankrott wären da Consultants „immer lernen“. Dann gibt es die „kundenbedingten Überstunden“, d.h. Dienstleistungen, die über das vertraglich festgelegte Maß hinaus gehen. Die sollten auf jeden Fall vergütet werden, da sie dem Unternehmen im Normalfall auch Profit bringen. Es sei denn natürlich, man hat Festpreis-Projekte, dann sollst Du mit den vorgeschriebenen Stunden klar kommen, wenn Du nicht ganz verplant bist (dann ist die Nichtbezahlung die Strafe für zu langsames Arbeiten)

Gruß,
Michael

Nochmal vielen Dank für die ausführlichen Antworten! Ich habe mich heute nochmal mit dem Geschäftsführer unterhalten und ich denke, ich werde das Angebot annehmen. Eine erneute Gehaltsverhandlung nach der Einarbeitung hat er mir zugesichert (er sagte, dass wir das auch im Arbeitsvertrag festmachen können wenn ich möchte - ich habe allerdings darauf verzichtet und vertraue da auf sein Wort).

Als „weitere Planung“ wurde mir gesagt, dass ich da flexibel bin und man sich dann daran orientieren wird, in welchem Bereich ich mich selber wohl fühle und gute Leistungen zeige. Ob das dann eher in der Entwicklung oder in der Konzeption und Kundenarbeit ist, wird sich zeigen.

Der Arbeitsort ist eine größere Stadt im Osten.

Reisen sollen im Normalfall 1-2 Tage die Woche stattfinden, auch mal mehr, aber auch mal ein paar Wochen gar nicht.

Was mir allerdings erst jetzt aufgefallen ist: Im Arbeitsvertrag steht, dass „Reisezeit nicht gesondert vergütet“ wird. Ich ging davon aus, dass sie nicht „zusätzlich“ vergütet wird… aber nach dem was ich jetzt gelesen habe: heißt das, dass Reisezeit gar nicht vergütet wird?

Grüße,
Sebastian

Nochmal vielen Dank für die ausführlichen Antworten! Ich habe
mich heute nochmal mit dem Geschäftsführer unterhalten und ich
denke, ich werde das Angebot annehmen. Eine erneute
Gehaltsverhandlung nach der Einarbeitung hat er mir
zugesichert (er sagte, dass wir das auch im Arbeitsvertrag
festmachen können wenn ich möchte - ich habe allerdings darauf
verzichtet und vertraue da auf sein Wort).

Das klingt okay.

Was mir allerdings erst jetzt aufgefallen ist: Im
Arbeitsvertrag steht, dass „Reisezeit nicht gesondert
vergütet“ wird. Ich ging davon aus, dass sie nicht
„zusätzlich“ vergütet wird… aber nach dem was ich jetzt
gelesen habe: heißt das, dass Reisezeit gar
nicht
vergütet wird?

Das bedeutet, dass die Fahrtzeit von Dir zum Kunden nicht bezahlt wird. Die Zeit vor Ort beim Kunden hingegen ist selbstverständlich Arbeitszeit. Das ist durchaus üblich, die rechtliche Lage dazu ist mir allerdings nicht bekannt.

Konkret: Du wohnst in Hamburg und hast dort auch Deinen „Dienstsitz“. Nun sollst Du für vier Tage „on site“ bei einem Kunden in Köln irgendwas machen. Dann bekommst Du die je vier Stunden Zugfahrt hin und zurück nicht bezahlt, die vier Tage beim Kunden jedoch schon.

Gruß,

Malte