Einwanderung im Nachkriegsdeutschland

Guten Tag,

Ich suche über die Einwanderung im Nachkriegsdeutschland. Per google habe ich nun schon das hier gefunden:

http://www.integrationsbeauftragte.de/download/daten…

Das ist ganz brauchbar. Jetzt würden mich aber noch die Jahre 1945-1960 interessieren und vor allem wäre eine Aufspaltung nach Nationen wünschenswert.

Danke im voraus

SAN

Hallo !

Du meinst damit Ausländer und nicht deutsche Flüchtlinge oder Vertriebene aus den Ostgebieten?

mfgConrad

Du meinst damit Ausländer und nicht deutsche Flüchtlinge oder
Vertriebene aus den Ostgebieten?

Nur „echte“ Ausländer. Also quasi Leute die die deutsche Staatsangehörigkeit nicht hatten.

mfg
SAN

Hallo !

Es ag sie, wenn auch nur wenige!!

Mir selbst sind im Moment zwei Gruppen bekannt :

Die Angehörigen der britischen und us-amerikanischen Armee, die deutsche Frauen heirateten und dann hierblieben.
Das waren gar nicht so wenige.

Die Kinder deutscher Soldaten, die im westlichen, nördlichen und südlichen Europa gezeugt wurden und dann zu ihren Vätern nach Deutschland zogen.

mfgConrad

Hallo

Ich werde mal ein wenig konkreter: In einem anderen Forum diskutiere ich gerade mit jemandem, der die gewagte These aufgestellt hat, dass Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg hauptsächlich durch türkische Gastarbeiter/Einwanderer/wie auch immmer ( er spricht nur von Türken allgemein) wieder aufgebaut wurde und es daher äusserst undankbar wäre den EU-Beitritt der Türkei abzulehnen. Unabhängig davon wie man nun zum Türkeibeitritt steht (bitte nicht hier diskutieren) und ob man die von meinem Kontrahenten vorgeschlagene Argumentation überhaupt akzeptiert, suche ich nun eben nach einer vertrauenswürdigen Quelle, die beweist, dass bereits seine Ausgangsvoraussetzung falsch ist.

mfg
SAN

dass Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg
hauptsächlich durch türkische Gastarbeiter/Einwanderer/wie
auch immmer ( er spricht nur von Türken allgemein) wieder
aufgebaut wurde

Hi,

ich kann das zwar nicht widerlegen oder bestätigen, meiner Einschätzung nach, waren Gastarbeiter am Wiederaufbau im engeren Sinne kaum beteiligt. Erst als der Wiederaufbau in den richtigen Boom überging, reichten Mitte der 60er Jahre so langsam die vorhandenen Arbeitskräfte nicht mehr aus, um die Wirtschaft weiter auf Vollast fahren zu lassen. Damals kamen aber erst Italiener, Jugoslawen, Spanier, Griechen und danach die Merhzahl der Türken.
Aber unbestritten hatten sie großen Anteil am wirtschaftlichen Aufstieg ab diesem Zeitpunkt.

Gruß

Volker

Ein- und Auswanderung im Nachkriegsdeutschland
Hallo San & Codiskutanten,

hierzu keine Expertenmeinung, aber ein paar Krümelchen von einem alten Mann und (teilweise, betreffend den Zeitraum ab Ende der 1960er Jahre) Zeitzeugen:

Die letzte systematische Anwerbewelle, um Arbeiter aus anderen Ländern nach Westdeutschland zu bringen, wurde durchgeführt, als zu Beginn der siebziger Jahre Vollbeschäftigung drohte - Tarifabschlüsse mit 11, 12% waren damals nichts ganz Ungewöhnliches, und dem sollte wohl Einhalt geboten werden.

Einen, der mit der ersten Anwerbekampagne gekommen und geblieben ist, habe ich in Mainz gekannt: Beppo Agnoli, der zusammen mit seinem Bruder (Eisdiele, Weender Str. in GÖ) 1942 nach Deutschland gekommen ist. Der hat mir auch den Unterschied der Begriffe erklärt: In den Begriffen des tausendjährigen Reiches wurden „Fremdarbeiter“ (= vornehmlich rassisch minderwertiges Menschenmaterial) und „Gastarbeiter“ (= Brüder der Achse, möglicherweise auch noch andere rassisch hochwertigen Herkünfte) unterschieden. Gastarbeiter waren weniger strikt kaserniert als Fremdarbeiter, einige Delikte (z.B. Kontakt mit Frauen arischer Abstammung) waren nur für Fremdarbeiter strafbar. Für Gastarbeiter galten die gleichen Lebensmittelrationen wie für Deutsche.

Italienische Arbeiter waren seit etwa 1840 auf Straßen- und Eisenbahnbaustellen in mehr oder weniger bedeutender Zahl eingesetzt und viele italienischen Familiennamen stammen aus dieser frühen Einwanderungs"welle".

Zeitlich zwischen den Haupt-Anwerbekampagnen für zuerst Italiener und zuletzt Türken lagen diejenigen für Spanier, Portugiesen, Griechen, Jugoslawen - ich glaube, in dieser Reihenfolge, bin mir aber nicht sicher.

Wie sich genau die Dinge in der DDR betreffend Arbeiter aus Cuba, Vietnam und verschiedenen afrikanischen Staaten verhielten, weiß ich nicht zu sagen. Glaube aber zu wissen, dass da vor ca. 1965 nicht viel passierte.

Zwischen 1945 und 1948 konnte von Zuwanderung oder gar systematischer Anwerbung keine Rede sein, die Geschichte vom Wiederaufbau durch Türken ist ein Gerücht - Arbeitskräfte gab es trotz Dezimierung vor allem der männlichen Bevölkerung in einem Land fast ohne Maschinen und Fabriken genug, und die Ernährungslage war ab 1945 weitgehend noch schlechter als in den letzten Kriegsjahren - wer hätte sich freiwillig in so eine Situation begeben sollen? In den Hungerjahren bis zur „Währung“ 1948 mit durchaus unsicherer Perspektive war der Morgenthau-Plan, obwohl wahrscheinlich zu keinem Zeitpunkt „ernst gemeint“, in den Köpfen präsent. Die Demontagepolitik nicht bloß der UdSSR trug ein übriges dazu bei, dass sehr viele Deutschen liebend gerne irgendwo anders ihr Glück versucht hätten - wenn sie denn gedurft hätten. Von einer Zeitzeugin weiß ich, dass 1946 eine Nähmaschinennadel zum Preis von 2 Litern Schnaps gehandelt wurde (der Gegenwert von zwei Wochen Knochenarbeit beim Bauern, wäre bei heutigen Löhnen grob gerechnet 800-1.000 Euro). Leo Wohlleb wird zitiert mit dem Ausspruch, an die Adresse der französischen Besatzungsmacht zum Thema Reparationen durch flächendeckendes Abholzen des Schwarzwaldes gerichtet: „Uns bleibt nicht einmal genug Holz für die Särge“ - Se non è vero…

Wenigstens ein Staat hat sich in dieser Zeit wegen eines problematisch angewachsenen Männerüberschusses um (gelenkte) Einwanderung deutscher heiratsfähiger Frauen bemüht, nämlich Brasilien. Das brasilianische Visum für meine Mutter, einschließlich Fragebogen zur Erfassung der Qualifikation etc. befindet sich bei unseren Familienakten.

Schöne Grüße

MM

1 „Gefällt mir“

Hallo San,

eine große Einwanderungsgruppe im frühen Nachkriegsdeutschland (Mitte bis Ende der 40iger Jahre) waren die osteuropäischen jüdischen DPs (displaced persons).

Sie kamen in die britische und amerikanische Besatzungszone, weil sie nach dem Überleben der KZs massiven antisemitischen Ausschreitungen in Osteuropa ausgesetzt waren (Pogrome).

Das Ziel der meisten war die Auswanderung. Eine Gruppe von etwas über 20 000 war jedoch gesundheitlich so geschädigt, daß es mit der Auswanderung nicht geklappt hat. Sie und relativ wenige deutsche Juden, die überlebt hatten, waren der Anfang der neuen jüdischen Gemeinden.

1947 gab es in der britischen und der amerikanischen Besatzungszone zusammen über 180 000 DPs, die in DP-Lagern untergebracht wurden, meist ehemalige Konzentrationslager (Bergen Belsen) oder Zwangsarbeiterlager.

Viele Grüße

Iris

nicht direkt nach dem Krieg, erst 1955. Kurz nach Kriegsende gab es genügend deutschstämmige Flüchtliche die erst einmal unter sehr schwierigen Umständen integriert werden mussten.

…Um den Arbeitskräftemangel in Deutschland zu beheben, schloß seinerzeit die Bundesregierung mit mehreren Mittelmeerstaaten zweiseitige Abkommen, wonach Arbeitskräfte zeitlich begrenzt in Deutschland arbeiten sollten, so
1955 mit Italien,
1960 mit Spanien und Griechenland,
1961 mit der Türkei,
1963 mit Marokko,
1964 mit Portugal,
1965 mit Tunesien,
1968 mit Jugoslawien.
Als sich Anfang der 70er Jahre eine Rezession mit drohender Arbeitslosigkeit abzeichnete, verfügte die Bundesregierung am 23.11.1973 einen Anwerbestop, der noch heute gültig ist…

(Quelle: http://www.auslaender-statistik.de/gastarb.htm)

Gruss
Armin

Die Aussage deines Diskussionspartners ist meiner Meinung nach falsch,
erst 1961 wurde mit der Türkei ein Abkommen über Gastarbeiter getroffen und da brummte die deutsche Wirtschaft schon.
Das erste Abkommen wurde übrigens 1955 mit Italien geschlossen.

Gruss
Armin

Die Aussage deines Diskussionspartners ist meiner Meinung nach
falsch,
erst 1961 wurde mit der Türkei ein Abkommen über Gastarbeiter
getroffen und da brummte die deutsche Wirtschaft schon.
Das erste Abkommen wurde übrigens 1955 mit Italien
geschlossen.

Hallo !

Ich glaube, Du gehst zu sehr nach den Abkommen!
Die Abkommen wurden erst beschlossen, als man der Einwanderung einen Riegel vorschieben wollte, bzw das Ganze in geordnete Bahnen bringen.
Ich habe 1963 auf einer großen deutschen Werft gearbeitet und damals waren die Schweißer schon in der Mehrzahl Türken. Selbst die Schweißervorarbeiter und Meister waren zum Teil Türken.
Diese Leute kamen als Ungelernte nach Deutschland und brauchten erstmal ein paar Jahre, bevor sie ausgebildet waren und dann deutsche Kriegsschiffe zusammenschweißen durften. Sie hatten auch die benötigten Schweißerscheine.
Die Abkommen haben nichts mit der wirklichen Einreise zu tun. Ganz im Gegenteil, die Abkommen zeigen, dass man diese Einreise regeln wollte.

Auch, wenn die Türken schon 1950 gekommen wären, sie haben wohl geholfen, aber der Wille dieses Land aufzubauen, kam nicht von ihnen.

mfgConrad

Ich denke nicht das wir ausländische Arbeitskräfte bereits vor 1955 gebraucht hätten, bis dahin wurde der Bedarf wohl noch hauptsächlich aus DDR-Flüchtlingen gedeckt.
In den Verträgen ging es um die Anwerbung und Vermittlung von Arbeitskräften, also kann man damit rechnen das erst dann grössere Mengen von Arbeitern aus diesen Ländern nach Deutschland kamen, ob allerdings vorher (vor 1961) schon „wilde“ Anwerbungen in der Türkei stattfanden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Siehe:
„Gastarbeiter in Deutschland“ Seminararbeit:
http://d.heinlein.bei.t-online.de/antjheyd.htm#_Toc2…
und
Demographische Verschiebungen im Nachkriegsdeutschland
http://www.nachkriegsdeutschland.de/demographische_v…

Gruss
Armin

Siehe:
„Gastarbeiter in Deutschland“ Seminararbeit:
http://d.heinlein.bei.t-online.de/antjheyd.htm#_Toc2…
und
Demographische Verschiebungen im Nachkriegsdeutschland
http://www.nachkriegsdeutschland.de/demographische_v…

Ich möchte mich schonmal bei allen Diskussionsteilnehmern bedanken, da war schon einniges brauchbares dabei. Insbesondere der erste Link hier ist sehr tauglich.

mfg
SAN