Hallo Technik- und Lokalhistoriker,
dies ist jetzt ziemlich speziell aus der Perspektive eines Schienenküssers, aber vielleicht weiß ja jemand was dazu?
Über die Bau- und Betriebsgeschichte von Nebenstrecken und Lokalbahnen im Gebiet des heutigen Deutschland gibt es umfangreiche Literatur; in Frankreich scheint mir diese nur für einzelne Linien und Netze zu existieren.
Zwei Fragen zum Eisenbahnbau kurz vor 1914 in der Gegend von Wissembourg konnte ich bisher nicht klären:
(1) Wenn man von Winden her nach Wissembourg einfährt, kann man dort den Damm für ein Umgehungsgleis sehen, das es ermöglichen würde, ohne in Wissembourg Kopf zu machen nach Haguenau weiterzufahren. Hat es jemals etwa Schnellzüge der Pfalzbahn gegeben, die am Bahnhof Weißenburg vorbei dieses Umgehungsgleis genutzt haben, oder gehört dieses Gleis zu den sehr vielen Projekten von „Aufmarschbahnen“, die 1914 zwar schon in Angriff genommen, aber noch nicht fertiggestellt waren? Oder ist das Projekt noch späteren Datums?
(2) Die Linie von Wissembourg das Wieslautertal entlang nach Bundenthal-Rumbach ist mir ebenfalls rätselhaft: So, wie sie sich heute darstellt, ist nicht zu erkennen, ob nur die Trasse fertiggestellt war und der Kriegsbeginn 1914 eine Fertigstellung verhindert hat, oder ob dort irgendwann Züge gefahren sind. Einerseits ist in Bobenthal sogar ein mögliches Bahnhofsgebäude zu erkennen, andererseits steht in Wissembourg am Beginn der Trasse mitten auf selbiger ein Haus, welches aussieht, als sei es etwa 1900 gebaut. Wer weiß, ob diese Linie Torso geblieben ist oder irgendwann befahren wurde?
Schöne Grüße
MM
Hallo Martin,
zu 1)
die Verbindungskurve muss in Betrieb gewesen sein,da sie bis zur Mitte
der 1990er Jahre noch in den amtlichen Plänen der DB auftaucht…
zu 2)
zu einer Strecke von Wissembourg nach Bundenthal-Rumbach
konnte ich auch in den Französischen Unterlagen nichts finden…
wahrscheinlich wirklich nur Trassenarbeiten und mehr nicht…
Im „Reichsbahn-Handbuch“ ist auch nichts dazu zu finden…
mfg
Frank
Hallo Frank,
und schönen Dank für die Anregung zu 1): schlicht einmal den auf den DB-Karten mit gedruckten Bas-Rhin-Zwickel betrachten.
die Verbindungskurve muss in Betrieb gewesen sein,da sie bis
zur Mitte
der 1990er Jahre noch in den amtlichen Plänen der DB
auftaucht…
Das war aber bereits nach der Reaktivierung, also schon zu einer Zeit, wo die SNCF bereits um keinen Preis fremde Fahrzeuge auf ihr Netz ließ, um die von Brüssel verordnete Deregulierung noch was hinauszuschieben. Zu diesem Zeitpunkt war die Grenze zwischen SNCF und DB im Bahnhof Wissembourg selber ehern festgelegt, und es handelt sich bei der Karte wohl eher um das „Aufwärmen“ eines alten Druckklischees. Während die Strecke Winden-Wissembourg stillgelegt war, ist sie auch von den Karten getilgt worden (hab grade mal 1978 nachgeschaut).
Aber immerhin zeigt ihr Vorhandensein auf der Karte, dass sie wohl irgendwann nach WK II in Betrieb war, und wenns bloß für einen freitäglichen Soldatenzug Landau-Montpellier (oder ähnlich) war.
wahrscheinlich wirklich nur Trassenarbeiten und mehr nicht…
kommt mir in diesem Fall auch wahrscheinlicher vor; obwohl der „Grad“ der Trassierung von heute aus gesehen sehr ähnlich aussieht wie bei der abgebauten Strecke Bundenthal-Rumbach - Fischbach.
Schöne Grüße
MM
Hallo Martin,
oder die Trasse wurde von den „Feldeisenbahnern“ nur während des 1.Wk benutz…es gab (und gibt) ja teilweise Strecken oder Trassen die
ausschließlich auf Militärische Belange hin gebaut bzw.betrieben wurden.
Solche „Relikte“ findest du zum B. in NRW im Raume Welver-Hamm.
Dort stehen noch die Brückenfundamente einer im 2.WK geplanten Trasse
von Welver nach Ahlen(Westfalen) zur Umfahrung des Pbf Hamm (Westfalen)
weil über diesen auch alle GZ-Strecken in östlicher Richtung führten
(Engpaß Kanalbrücke im nördlichen Bahnhofskopf).
mfg
Frank