wir waren am Wochenende in Weinheim und hatten in einem Hotel in der Eisleber Straße (sic) gebucht. Erst dachte ich, die sei nach einem Herrn Eisleber benannt, aber dann müsste der Straßenname ja einen Bindestrich haben. Hatte er aber nicht. Oder ist vielleicht tiefgefrorene Leber eine Weinheimer Spezialität?
Als wir dort ankamen, sahen wir ein kleines Zusatzschild über dem eigentlichen Straßenschild: „Eisleben, Stadt in Sachsen-Anhalt. Partnerstadt von Weinheim…“. Hoppla, das müsste meinem Sprachgefühl nach doch „Eislebener Straße“ heißen - oder nicht? Oder ist für die Einwohner von Eisleben die Ableitung vom Namen ihrer Stadt für zusammengesetzte Begriffe eben „Eisleber…“? Ich kann mir das zwar nicht vorstellen, aber immerhin meint der Duden hierzu unter dem Abschnitt „Straßennamen“ nach Aufzählung aller diesbezüglichen Regeln: „Abweichende Einzelfestlegungen durch die jeweils zuständigen Behörden kommen jedoch vor“. Eigentlich müssten sich die Weinheimer Stadtväter und -mütter vor der Sraßenbenennung doch in Eisleben erkundigt haben.
Weiß jemand über die Eisleb(en)er Gepflogenheiten in dieser Hinsicht Bescheid,
fragt Theo aus WT
P.S.: In unserer Stadt Waldshut-Tiengen gibt es die „St.Blasier Straße“. Laut Duden ist das nicht korrekt; es müsste vielmehr „St.Blasien-Straße“ heißen. Aber eben: Abweichende usw…
Die Einwohner von St. Blasien bezeichnen sich übrigens auch nicht als „St.Blasiener“ sondern als „St.Blasier“ - oder auf alemannisch „Bläsmer“.
in der Tat bist du auf eine Stadt gestoßen, deren Einwohner
eigenen Regeln folgen.
…aber damit vielleicht alt Hergebrachtes tradieren.
Siehe dazu:
_Eis|le|ben: Stadt im östlichen Harzvorland.
Eis|le|ber, der; -s, -: Ew.
Eis|le|be|rin, die; -, -nen: w. Form zu 1 Eisleber.
Eis|le|ber .
Duden_
Der Duden, der Duden, der Duden!!!
Der Duden setzt Konventionen, die nicht unbedingt bedeuten daß andere Auffassungen falsch sind.
Die Bezeichnung ‚Eisleber Straße‘ klingt für mich nicht fremd, da ich eine ganze Reihe von Entsprechungen kenne. Ich kann es nicht direkt beweisen, aber ich habe das Gefühl, daß in der neuzeitlichen Epoche, so etwa ab Mitte des 16. Jht. mit vielen Hauptwörtern, die aus welchen Gründen auch immer, durch Anhängen von e, en ‚verfeinert‘ worden sind, ebenfalls Ortsnamen betroffen waren. Grimmelshausen weiß hierzu etwas zu sagen. (Bub>Bube, Leut>Leute, Geläut>Geläute u.ä.)
Ich kann mir vorstellen, daß ‚Gruben‘, mit dem ‚Gruber Weg‘, ‚Langen‘, mit der ‚Langer Straße‘ und ‚Eisleben‘, mit der ‚Eisleber Straße‘ früher ‚Grub, Lang und Eisleb‘ hießen. Hier müßte ein Ortsnamenforscher 'ran!
Hallo Leute,
da ich in der Gegend von Eisleben (Halle/Saale) lange Zeit gelebt habe, konnte ich mir bei den vorgergehenden Beiträgen zu diesem Thema ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen:
Ob das, was ihr (und auch der gute Duden) da schreibt die Eisleber auch wissen???
Ich glaube nicht!
Die bezeichnen sich selber seit Jahr und Tag als Eislebener und nix (sorry!) anderes.
Nie habe ich in meiner Zeit dort jemals einmal das Wort „Eisleber“ gehört.
wenn der herr eisleber eine straße bekommt, ist es die eisleberstraße.
erst wenn es eine z.b. max-eisleber-straße wird, kommt der bindestrich zum einsatz.
leider wird das nicht mal bei allen straßenschildern eingehalten.
Dank an alle…
…die sich mit mir den Kopf zerbrochen haben!
Ich habe inzwischen die Homepage der Lutherstadt Eisleben http://www.eisleben.de
besucht und bin dort mehrfach auf die Ableitung „Eisleber“ gestoßen: Eisleber Wiesenmarkt, Eisleber Schloss u.a. - aber auch „Sangerhäuser Mulde“, wo die Stadt doch auch Sangerhausen heißt. Die Erklärung, wonach die Stadt früher „Eisleb“ geheißen haben könnte, ist einleuchtend.
Wenn ich es recht bedenke: als gebürtiger Karlsruher kenne ich sogar die „Ettlinger Straße“, die die Richtung zur südlichen Nachbarstadt Ettlingen weist (gell, Fritz?). Das war mir noch nie aufgefallen, obwohl mein Sprachgefühl hier doch auch auf Ettlingener Straße hätte plädieren müssen. Nur die Leber kam mir halt komisch vor. Mein (CD-ROM-)Duden übrigens führt zwar Eisleben und die Eisleber auf, bleibt aber die Erklärung für das letztere Wort schuldig. Ich hab halt doch zu billig gekauft…
Gruß vom Theo aus WT
…wo es übrigens eine Schaffhauser (nicht Schaffhausener) Straße gibt, aber auch eine Bloisstraße nach unserer französischen Partnerstadt (Bloiser geht ja nun bestimmt nicht - von Problemen mit der Aussprache mal ganz abgesehen).
Na ja, ein weites Feld, um mit Günter Grass zu sprechen…
Ich wohne in Sachsen-Anhalt, und wir haben hier viele Orte, die auf leben enden (Haldensleben, Wanzleben, Irxleben, Morsleben, Aschersleben, Oschersleben, …), und es ist oftmals die -leber Straße oder auch der -leber Bahnhof, aber die Leute dort nennen sich die -lebener etc. Eine -leberin ist mir, denke ich, noch nicht begegnet. ;o)
wenn ich recht verstehe, wird also die Ableitung -leber bei euch für alle nicht-menschlichen Begriffe verwendet, nicht jedoch für Männlein und Weiblein, die sich -lebener nennen. Ja, die Sprache geht oft seltsame Wege…
Übrigens: Schade für die vielen Gänse, die in diesen Tagen um ihr Gänseleben fürchten müssen, da sie zu Gänseleber verarbeitet werden sollen. Doch das gehört eher ins Brett „Ess- und Trinkkultur“ ) Ob selbiges auch für Säuferlebe®n zuständig ist?
Gruß von Theo aus WT
der Sachsen-Anhalt und die umliegenden Länder vom Reisen kennt.