'el' vs. 'al'

Hallo!
Zuvörderst: Es tut mir echt leid, dass ich euch zu zumülle, aber ich bewege mich auf einem mir nicht vertrauten Gebiet und will keine Fehler machen…

Meine Frage: dpa meint in Bezug auf die Transkription arabischer Namen, man solle sich der englischen Schreibweise anschließen und nur „al“ verwenden, demgegenüber scheint unser Duden „el“ zu favorisieren(El Kaida, und er gibt neben Al auch El Fatah)? Soll ich nun annehmen, die „al“ in einem engl. Roman sind lediglich der Anpassung an englische Aussprache geschuldet und heißen eigentlich „el“?
Bei Achim Schlott-Kotschote (ist das eigentlich eine anerkannte Koryphäe, auf die man sich beziehen kann?) „Transskription arabischer Schriften“ lese ich, dass al, el, ul, evt. ol oder auch as asch, at usw. eigentlich nur verschiedene (regional?) Schreibweisen desselben bestimmten Artikels sind. Er präferiert „al“. Kann ich mich dem mit einiger Berechtigung anschließen?

Die Handlung des Romans, den ich übersetze, spielt zum Teil auch in Kairo, und bei ASK lese ich mit Entzücken: "Das klassische ‚dj‘ (in deutschen Texten üblicherweise als „dsch“ wiedergegeben)wird in Kairo wie „g“ ausgesprochen, so dass es „gamiyl“ - hübsch - heißt, statt „djamiyl“. Na, besten Dank!

Ein Problem bereitet mir auch das Stadtviertel von Kairo „al-Azbakiyya“. Ist das nun engl. Transskription? Ich hätte Asbakija geschrieben, aber im Internet heißt es auf deutschen Seiten „Esbekija“. Ist das „a“ also doch ein englisches Solches?

Ein weiteres Problem ist „Hayy Fatima“. Das „yy“ ist eine weibliche Endung, richtig?

Ach, Leute, ich danke euch!

Gruß,
Eva

Hallo Eva,

das mit dem bestimmten Artikel ال ist so eine Sache. Eine ideale Umschrift für ihn gibt es nicht. Zu den verschiedenen Varianten, die Du aufführst, lässt sich folgendes anmerken:

al vs. el:
Diese Unterscheidung geht meiner Ansicht nach nicht unbedingt auf die Frage Englisch vs. Deutsch zurück, sondern vielmehr darauf, dass man zwar im korrekten Hocharabisch [a] vokalisiert/spricht, dieser Vokal in der gesprochenen Sprache aber oftmals zu einem [ǝ] oder [ı] wandelt.

al, il, ul:
Diese Variation rührt von der arabischen Deklination her: Im Hocharabischen enden Substantive im Nominativ auf u, im Genitiv auf i und im Akkusativ auf a. Durch das Zusammenziehen der Wörter beim Aussprechen, verändert dieser Endvokal den Anfangsvokal des darauffolgenden bestimmten Artikels. Ein Beispiel: بسم الله (bism i l-lah, nicht bism a l-lah; „im Namen Gottes“, Genitivverbindung).

al-s, al-t vs. as-s, at-t:
Die Veränderung des Konsonanten in der Aussprache (nicht in der Schreibung!) geht auf die Unterscheidung zwischen sogenannten Sonnen- und Mondbuchstaben zurück. Erstere assimilieren bei Aufeinandertreffen mit ال den l-Laut, so dass man beispielsweise الشمس al-shams („die Sonne“) schreibt, aber ash-shams spricht.

Wie Du siehst, gibt es eine Menge Dinge zu bedenken bzw. zu berücksichtigen, wenn man den bestimmten Artikel umschreiben will. Ich persönlich tendiere in der Regel zu al bzw. as, at usw.

Dass es regionale Unterschiede in der Aussprache gibt, hatte ich in einem früheren Posting bereits erwähnt. Aber keine Sorge: die [g]-[(d)ʒ]-Unterscheidung ist meiner Ansich nach die einzige bedeutende.

Bezüglich des Kairoer Stadtviertels: „al-Azbakiyya“ ist keine spezifisch englische Transkription. Ich würde sie in dieser Form auf jeden Fall auch im Deutschen benutzen. Das Problem bei der „eingedeutschen“ Version „Esbekija“ ist, dass man als Leser nicht genau weiß, wie man sie aussprechen soll, d.h. ob das s hart [s] oder weich [z] gesprochen werden und das j nun für ein [j] oder ein [(d)ʒ] stehen soll.

Gruß,
Stefan

P.S.: „T ass gär geschitt“ ist Luxemburgisch. :smile:

Hallo, Nachbar!

Ganz prima, Deine Antwort!

P.S.: „T ass gär geschitt“ ist Luxemburgisch. :smile:

Das hätte ich nun wirklich wissen müssen, wohne ich doch gleich nebenan: Bitburg/Eifel! Eigentlich verstehe ich Letzemburgisch recht gut, aber das „geschitt“ erschien mir, ähem, zweifelhaft :wink:))

Gruß,
Eva

Bezüglich des Kairoer Stadtviertels: „al-Azbakiyya“ ist keine
spezifisch englische Transkription. Ich würde sie in dieser
Form auf jeden Fall auch im Deutschen benutzen. Das Problem
bei der „eingedeutschen“ Version „Esbekija“ ist, dass man als
Leser nicht genau weiß, wie man sie aussprechen soll, d.h. ob
das s hart [s] oder weich [z] gesprochen
werden und das j nun für ein [j] oder ein
[(d)ʒ] stehen soll.

Eisch alderum :smile:
Hab’ noch was gefunden bei Schlott-Dingsbumms: „Die Ägypter halten sich eng an das arabische Schriftbild und an ihren Dialekt. Sie geben daher „Mohamed“ ohne die Verdoppelung des Buchstabens „m“ wieder, die ja in arabischer Schrift tatsächlich nicht erscheint. Bei der Vokalisation hat sich der ägyptische Dialekt gegen die klassische makkanische Lautung durchgesetzt, der häufig „e“ statt „a“ und „o“ statt „u“ lautet. Unser „sch“ wird in englicher Tradition mit „sh“ wiedergegeben, „dj“ wird zu „g“, auch dies eine Besonderheit des ägyptischen Dialekts.“
Deshalb vielleicht " E sbekija"? Ich denke auch, dass der sprachlich unbeleckte Leser geschriebenes „z“ immer scharf aussprechen wird und ein geschriebenes „s“ möglichst weich? Aber der ASK transskribiert auch „z“, also behalte ich das mal bei. Falls man es verlagsseitig nicht anders wünscht.

Bas d’ nixt kehr!
Gruß,
Eva