Muss man da nicht einen grundsätzlichen Unterschied zwischen
Metallen und „herkömmlichen“ Dieelektrika machen?
grundsätzlich nicht, solange kein permanenter Gleichstrom fließt.
Denn in Metallen sind die Ladunsträger ja frei beweglich, d.h.
wenn Feldlinien schräg auf die Metalloberfläche treffen, würde
eine Feldkomponente entlang der Metalloberfläche existieren,
die die Ladungsträger solange verschiebt, bis die Feldlinien
senkrecht auf dem Leiter stehen (sodass die Metalloberfläche
zur Äquipotenzialfläche wird). Damit kann man sagen, dass
Metalle die Eigenschaft haben, die Feldlinien außerhalb
„umzubiegen“, d.h. das Feld zu verzerren.
in dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen Metallen und Dielektrika. Metalle kompensieren ein externes Feld durch Ladungsverschiebung (Influenz), Dielektrika durch Polarisation, was prinzipiell keinen Unterschied macht. Die freie Beweglichkeit der Elektronen in Metallen hat nur den Effekt, dass ein Gleichstrom fließen kann. Bei Dielektrika würde der Gleichstrom zum erliegen kommen, weil sich die einzelnen Ladungen nicht beliebig weit von ihren Gitterplätzen entfernen können.
Aber muss das auch zwangsweise für nichtleitende Dieelektrika
gelten??
ja, solange kein Gleichstrom fließt, kannst Du elektrisch keinen Unterschied zwischen einem Metall und einem Isolator mit sehr hoher Permittivität feststellen.
Im „Taschenbuch der Physik“ (Harri Deutscher Verlag) ist eine
Skizze, wo eine Feldlinie schräg auf die Oberfläche eines
anderen Mediums mit größerer Permittivität eintrifft. Die
Feldlinie wird zwar an der Oberfläche „gebrochen“, es ergibt
sich aber trotzdem keine Rückwirkung auf die Feldlinie in der
Luft (im Gegensatz zu Metall).
Woher weisst Du dass es beim Isolator keine Rückwirkung gibt ? Der wird immerhin polarisiert und erzeugt ein Gegenfeld, das sich dem ursprünglichen überlagert. Wie soll das ohne Rückwirkung bleiben ?
Das heißt im Klartext, die
Feldlinie behält außerhalb des Dieelektrikums ihre Gestalt
bei, so als ob das Dieelektrikum erst gar nicht vorhanden
wäre.
Wenn man das durch die Polarisation erzeugte Gegenfeld vernachlässigen würde, wäre das so.
Selbst wenn das Dieelektrikum eine undendlich hohe
Permittivität (wie Metall) hätte, würde zwar laut Formel im
Inneren des Dieelektrikums der senkrechte Feldanteil zur
Oberfläche verschwinden, aber es bliebe immer noch der
parallele Anteil zur Oberfläche.
Auch dieser Anteil würde durch das Gegenfeld des polarisierten Dielektrikums verschwinden.
Hätte man Metall, gäbe es
hier wieder die bereits erwähnte Ladungsträgerverschiebung und
die Feldverzerrung.
In diesem Fall können sich aber keine Ladungen auf der
Oberfläche bewegen.
Natürlich können sie das. Polarisation ist doch nichts anderes als eine begrenzte Bewegung.
Die Feldkompononente entlang der Obefläche
bleibt also erhalten, man hat wieder den Effekt, dass die
Feldlinie an der Oberfläche nur gebrochen wird, jedoch
außerhalb des Dielektrikums unverändert bleibt.
Deshalb müssen sich Metalle bei der Betrachtung dieses
Problems grundsätzlich anders verhalten als „herkömmliche
Dieelektrika“, d.h. man kann das Verhalten des Metalls nicht
nur anhand seiner unendlich hohen Permittivität auch auf
andere Dieelektrika übertragen. Der springende Punkt ist die
Leitfähigkeit, die Metalle von anderen Dieelektrika
unterscheidet und die dürfte meines Wissens eigentlich nichts
mit der Permittivität zu tun haben… Oder?
Permittivität kann man auch als ein Maß für die Beweglichkeit bzw. Verschiebbarkeit der Ladungsträger auffassen. Insofern gibt es prinzipiell keinen Unterschied in der Betrachtung von Metallen und Dielektrika. Bei Metallen ist die Verschiebbarkeit der Ladungen unbegrenzt, was einer unendlichen Permittivität entspricht.
Jörg