Hallo!
Bei einer kompletten Neuinstallation braucht man zunächst ein langfristig tragfähiges Konzept. Ziel dabei ist, weitgehende Freiheit für spätere Anpassungen an veränderte Bedürfnisse zu erhalten, ohne für jede geringfügige Arbeit das Haus in Staub zu hüllen und ohne Bohrkrone, Meißel und Gipsbecher bemühen zu müssen. Dabei sind Überlegungen anzustellen, die in ähnlicher Weise auch für Heizung, Wasser und Abwasser gelten.
Weil Abwasser freiwillig nicht aufwärts fließt, man dort naturgemäß den geringsten Freiheitsgrad hat, beginnt man mit der Planung an dieser Stelle. Dafür sieht man in einem Einfamilienhaus nach Möglichkeit nur einen einzigen von ganz oben nach unten reichenden Kanal vor, von dem auf möglichst kurzen Wegen alle Abwasserstellen des Hauses in Bädern, WCs und Küche erreichbar sind. Auf dem gleichen Weg gehen auch alle anderen Kabel und Leitungen durch die Geschosse. Dieser zentrale Weg wird üppig bemessen, damit alles übersichtlich nebeneinander liegt und kein enges Gramusel entsteht.
Vom zentralen Kanal gehen - nein, keine ins Gemäuer gefrästen Schlitze - Kabelkanäle ab, je nach Bedarf als Brüstungskanäle oder als Fußleistenkanäle. Darin läßt sich von Antennenkabeln, Lautsprecherkabeln, Telefon, PC-Vernetzung und Steckdosen alles unterbringen und - das ist der Witz an der Sache - jederzeit nach Belieben verändern und erweitern. Vielleicht ist irgendwann eine Alarmanlage fällig, vielleicht sollen Heizkörperventile elektrisch verstellt, Brand- und Leckagewächter nachgerüstet werden, all das ist kein Problem und ohne die üblichen Dreckarbeiten realisierbar, mit denen ein Haus reif für Malerarbeiten wird.
Übrig bleibt das Problem der Beleuchtung. Dafür sollte man den alten Zopf abzuschneiden, demzufolge in Raummitte ein Kabel aus der Decke kommen muß. Solche Gewohnheit stammt aus Zeiten, als die einzige Lichtquelle eine gelbliche Funzel war, bei der längere Menschen den Kopf einziehen mußten und bei der man sich an den meisten Stellen des Raumes selbst das Licht abschattete. Statt dessen sollte man sich genau die Gedanken machen, die für jeden Arbeitsplatz und jeden Verkaufsraum üblich sind. Es muß eine Grundbeleuchtung geben und zusätzlich eine Beleuchtung nach den Bedürfnissen des jeweiligen Arbeitsplatzes. In Treppenhäusern sollte man sich von dem Unfug verabschieden, daß man im Dunkeln steht, sobald jemand das Licht ausschaltet oder die voreingestellte Zeit des Eltakos abgelaufen ist. Eine schwache Beleuchtung für Stufen sowie Ein- und Austritte sollte durchgängig in Betrieb sein, sobald die natürliche Belichtung nicht ausreicht. Die Betriebskosten für solche Einrichtung, die zahllose schwere Stürze bis hin zu Pflegefällen verhindern könnte, sind minimal. Ungeachtet dessen braucht man eine nach Bedarf einzuschaltende ordentliche Beleuchtung. Dabei gilt wie bei der Heizung: Nicht an einer Stelle den superhellen Strahler oder die knallheiße Heizung einbauen, sondern Wärme- und Lichtquellen einigermaßen gleichmäßig über den Raum verteilen. Dafür müßte man nach Art der Altvorderen zahllose Strippen eingipsen. Besser ist aber die Verwendung von Stromschienen in Kombination mit den schon erwähnten Kabelkanälen, von denen man zu einzelnen Lichtquellen schlankere Kanäle abzweigen läßt. Alles läßt sich an Wänden unterbringen und erst bei sehr großen Räumen braucht man zusätzliche Installation an der Decke auch wieder in Form von Stromschienen. Wohin nun mit den Lichtschaltern? Sicher gibt es Stellen, an denen der in unmittelbarer Türnähe in der Wand sitzende Schalter sinnvoll ist und auch nicht zu erwarten ist, daß man diesen Schalter irgendwann an ganz anderer Stelle wünscht. An manchen Stellen ist ein fest eingebauter Schalter aber nicht zweckmäßig. Eine IR-Fernbedienung mit großen Tasten Ein/Aus und einer Taste zum Dimmen kann sinnvoller sein. Wenn aber ein Schalter an einem festen Ort gewünscht wird, muß es nicht das übliche Ding mit Leerdose in der Wand sein. Es gibt wunderschöne Sachen, die als Säule im Raum stehen, je nach Geschmack aus lackiertem Blech, rostfreiem Stahl, Granit…
Hört sich alles furchtbar teuer an, muß aber tatsächlich nicht teuer sein. Planung kostet außer Phantasie und Kenntnis der marktgängigen Sachen gar nichts. Aber mit Planung läßt sich viel Geld sparen, z. B. durch sinnvolle Wahl der durch das Haus führenden Installationswege. Man muß am Verstand mancher Bauherren und Planer zweifeln, wenn man das oft vorhandene Durcheinander sieht, bei dem offenkundig alle beteiligten Gewerke vollkommen unabhängig voneinander jeweils nach Gutdünken ihr Zeug verlegten. Sowas ist teurer Müll! Wenn man eine Installation neu erstellt, plant man genau, wo jedes Kabel und jedes einzelne Rohr liegt und weiß es auch noch nach Jahrzehnten, weil es eben nur wenige Installationswege im Haus gibt. Wenn man darüber hinaus noch viele Dinge in guter Handwerksqualität selbst zustande bringt, ist eine Installation in der beschriebenen Art nicht teurer als die übliche Methode. Dafür genießt man den Vorzug, nie wieder sauber verputzte Wände ruinieren zu müssen, alles bleibt in einem Zustand, daß man auf Tapeten, die den Murks verdecken, verzichten kann. Nirgends gibt es Kabelsalat und Verlängerungsstrippen und die Idee, z. B. irgendwo einen Fernseher hinstellen zu wollen oder 2 PCs zu verbinden, hat nichts mehr mit Bohrhammer, Mauerfräse, Gipsbecher und Spachtel zu tun.
Gruß
Wolfgang