Elektro- und Informationstechnik - FH (/ Uni) Wahl

Hallo Forum!

Ich bin nun in der 13. Klasse in Ludwigshafen am Rhein / RLP und schaue mich mitlerweile auch in Richtung Studium um. Allerdings muss man vielleicht an dieser Stelle in Anbetracht meiner folgenden Frage erwähnen, dass ich schulisch gesehen nicht gerade der Überflieger bin, sondern vielmehr immer eher im unteren Mittelfeld „rumgurke“. Interesse ist eigentlich meistens da, aber das gelernte selbst anwenden (also das worauf es eigentlich immer ankommt) kann oefters schonmal ein Problem darstellen. Ich bin zwar motiviert, arbeite aber grundsaetzlich unstrukturiert und bin auf moeglichst persoenliche Anleitung angewiesen.
Das klingt jetzt vielleicht alles drastischer als es ist, es soll eben nur nach Moeglichkeit bei den Antworten mitberuecksichtigt werden, bitte…

Aber nun zur Sache:
Ich interessiere mich fuer ein Studium im Bereich Elektro-/Informationstechnik und bin auf der Suche nach der passenden Fachhochschule oder ggf. vielleicht auch (sogar(?)) Uni.
Fuer mich wäre vorallem wichtig, dass ein deutlicher Schwerpunkt
a) auf dem Praxisbezug liegt und zwar waehrend des gesamten Studiums und von Anfang an (aber ich sollte zumindest wenn Theorie von Noeten, auch lernen damit zu Rande zu kommen). Dementsprechend ist fuer mich auch eine moderne Laborausstattung und viel Freiraum fuer Projekte wuenschenswert.
b) NICHT (so sehr) auf die „typische“ Industrie konzentriert, d.h. Themen wie Automatisierungstechnik sollten eher im Hintergrundstehen, wohingegen der Entwurf von „Endprodukten“ (vorallem z.B. fuer den Consumer / „Prosumer“ Bereich und Kundenwuensche) viel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. So sollten Embedded Systems, Microcontroller-Systeme etc. im Vordergrund stehen
c) nach Möglichkeit (es darf aber nicht zu speziell werden) ein weiterer Schwerpunkt in Richtung Tontechnik / Akustik / Audioprodukte

Ich bitte nach Möglichkeit um direkte Erfahrungsberichte von Studierenden oder ehemaligen Studenten, weil das googeln nach Top-Listen, Bewertungskommentaren, etc. hat weder den benoetigten Ueberblick verschafft, noch bei mir den Eindruck hinterlassen, „dass ist die richtige FH / Uni und keine andere.“

Ich hoffe die Frage / der Wunsch ist so „ok“ formuliert und ich verlange nicht zu viel von euch.

Viele Grüße
Christian Uhl

Hallo Christian!

…auf dem Praxisbezug liegt und zwar waehrend des gesamten Studiums und von Anfang an (aber ich sollte :zumindest wenn Theorie von Noeten, auch lernen damit zu Rande zu kommen). Dementsprechend ist fuer mich :auch eine moderne Laborausstattung und viel Freiraum fuer Projekte wuenschenswert.

Egal ob FH oder Uni, in den ersten Semestern bis zum Vordiplom fehlt weitgehend der Praxisbezug. Es geht dabei um Grundlagen, die in den Ingenieurwissenschaften sehr mathematiklastik sind.

b) NICHT (so sehr) auf die „typische“ Industrie konzentriert, d.h. Themen wie Automatisierungstechnik sollten :eher im Hintergrundstehen, wohingegen der Entwurf von „Endprodukten“ (vorallem z.B. fuer den Consumer / :„Prosumer“ Bereich und Kundenwuensche) viel Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte.

Den vom Studenten erkennbaren Anwendungsbezug gibt es im Grundstudium allenfalls in homöopathischer Dosierung und auch danach gestaltet sich ein Studium weit entfernt von irgendwelchen Endprodukten. Ein Studium vermittelt in der Hauptsache Grundlagenkenntnisse. Die Verbindung zu Produkten und anwendungsspezifische Kenntnisse bringt die Tätigkeit nach dem Studium. Ein Absolvent frisch von der Hochschule verfügt über deutlich weniger unmittelbar verwertbare produktspezifische Kenntnisse als ein Absolvent einer qualifizierten gewerblichen Ausbildung.

Natürlich gehören Laborübungen zum Studium. So werden alle möglichen Kennlinien von z. B. E-Motoren aufgenommen. Aber der Studi wird hernach keinen brauchbaren Motor bauen können. Jeder Elektromaschinenbauer mit Lehre macht dem Uni-Absolventen diesbezüglich etwas vor. Wer im Studium den Praxisbezug erkennen möchte, sollte zuvor eine gewerbliche Ausbildung machen, die das Einordnen von Lehrinhalten an der Hochschule deutlich erleichtert.

So sollten Embedded Systems, Microcontroller-Systeme etc. im Vordergrund stehen…

Vor 35 Jahren begann ich ein Informatik-Studium und vor 25 Jahren ein Studium Elektrotechnik. Auch damals gab es Rechner, nur keine PCs und keine kompletten Rechnerstrukturen auf einem Chip. Wäre ein Studium derart anwendungs- und bauformbezogen, wie Du es Dir wünschst, könnte ich heute mit dem früher Erlernten nichts mehr anfangen. Dagegen sind Grundlagen, das mathematische Handwerkszeug und strukturierte Denk- und Herangehensweisen zwar keine starren Festlagen, aber nicht so kurzlebig wie technische Ausführungsformen.

Ich bitte nach Möglichkeit um direkte Erfahrungsberichte von Studierenden oder ehemaligen Studenten, weil das :googeln nach Top-Listen, Bewertungskommentaren, etc. hat weder den benoetigten Ueberblick verschafft, noch bei :mir den Eindruck hinterlassen, „dass ist die richtige FH / Uni und keine andere.“

Abgesehen von der Fragwürdigkeit irgendwelcher Rankings empfehle ich die Klärung, ob für Dich derzeit ein Hochschulstudium der geeignete Weg ist. Setz Dich in einer einschlägigen Uni oder FH in eine Erstsemester-Vorlesung, um einen Eindruck zu bekommen.

Gruß
Wolfgang

Hallo,

schau doch mal bei der Berufsakademie rein. (Z.B. in Mannheim) Da gibt es sowohl Elektrotechnik als auch Informationstechnik. Das duale Studium besteht immer aus 3 Monaten Praxis in der Firma und 3 Monaten Theorie an der BA. Als Abschluß gibts auch den Bachelor wie an der UNi oder FH.
Der Vorteil: Man ist bereits während des Studiums bei einer Firma angestellt und verdient Geld (man wird nicht reich). Nach dem Studium haben über 90 % eine Stelle.

http://www.ba-mannheim.de

Gruß

Peter

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H wie Hola.

Allerdings muss man vielleicht an dieser Stelle in Anbetracht
meiner folgenden Frage erwähnen, dass ich schulisch gesehen
nicht gerade der Überflieger bin, sondern vielmehr immer eher
im unteren Mittelfeld „rumgurke“. Interesse ist eigentlich
meistens da, aber das gelernte selbst anwenden (also das
worauf es eigentlich immer ankommt) kann oefters schonmal ein
Problem darstellen. Ich bin zwar motiviert, arbeite aber
grundsaetzlich unstrukturiert und bin auf moeglichst
persoenliche Anleitung angewiesen.

Aus Deinen Ausführungen klingt heraus, daß Du an einem Regelgymnasium bist, oder? Vielleicht wäre ein technisches Gymnasium bereits der erst e richtige Schritt gewesen. Doch sei’s drum.

Ich kann in erster Linie als Unistudent der Etechnik sprechen. Über das FH-Milieu kann ich deshalb aus eigener Erfahrung so gut wie nichts berichten. Man erlebt jedoch so einige Anekdoten.

So ist es mir bisher sehr häufig passiert, daß bei FH-Studenten der Hahn beim Theorieverständnis schnell zugeht. Vom Hörensagen (also Information von betroffenen dritten Personen) weiß ich, daß es durchaus Usus ist, ab einem gewissen Punkt auszublenden. Ganz anders an der Uni. Was in der Zeit machbar ist, wird mindestens gestreift.
„Den Rest [Anm.: also 95% des Themas in dem Falle] können Sie sich ja alleine aneigenen - Sie wollen ja Ingenieure werden…“ ist eine ***DER*** Standardsprüche, die dann kommen.

Ich würde den Unterschied zwischen FH und Uni aber eher in der grundsätzlichen Arbeitsweise sehen. Die Uni ist (noch!) ein Hort der Eigenverantwortung. Lediglich einige natürliche Grenzen sind vorhanden (Vordiplom in der Regel spätestens nach 6 Semestern) - wie man dorthin kommt, ist eine Frage der persönlichen Herangehensweise.
Prüfungen legt man dann ab, wenn man es selbst für richtig hält. Wer sich nicht einschreibt, dem passiert auch (erstmal) nichts. Nur bis zu den „Deadlines“ muß man durch sein.
Sprich, man kann Prüfungen bequem schieben, wenn es irgendwo anders „brennt“ (finanziell, sozial, familiär, in anderen Fächern). Man kann aber auch einige Klausuren eher ablegen, oder mit der Reihenfolge spielen (begrenzt möglich, begrenzt empfehlenswert).

Auf jeden Fall gilt folgendes: Die Hürde des Vordiploms zu nehmen, ist eine Art gemeiner Test. Die Latte wird vergleichsweise hoch gelegt - wer sie zu überspringen vermag, hat eine gewisse Intelligenz und andere Fertigkeiten&Qualitäten gezeigt. Bis dahin wird gnadenlos gesiebt. Dafür ist nach dem Vordiplom die Abbrecherquote beinahe Null.

Einer kleinen Universität sollte im Vgl. zur FH der Vorzug gegeben werden, weil an der kleinen Uni ein ungemeiner Komfort herrscht und trotzdem das Universitätsmilieu erhalten bleibt. Beispielsweise werden Stundenplanempfehlungen gegeben (also Musterstundenpläne, die die Regelstudienzeit sichern, wenn man sich daran hält), die Betreuung ist wesentlich besser, als an einer Massenuni. Und tolle Mädels gibts sowieso überall. :wink:

Bei vielen FHs dagegen wird sogar mit Anwesenheitspflicht hantiert
(da wäre ich aus dem Studium schon zehnmal aus rausgeflogen…);
das Umfeld erinnert eher an Schule. Hat natürlich auch Vorteile: Es gibt definitiv mehr Zwänge, die dem Studenten einen kontinuierlichen Arbeitsrhythmus abringen. Bei den Unis ist es schon fast ein Argument, mit dem Kürzungen in der Lehre gerechtfertigt werden, also daß man doch bitte schön zuhause intensiv und engagiert vorarbeiten, mitarbeiten und nacharbeiten solle. Auch hier kann man mit einer kleinen Uni viel Glück haben, wenn dort regelmäßig Übungen oder dergleichen abzugeben sind oder entsprechende Testate über das Semester stattfinden. Findet man übrigens tendenziell eher in den Neuen Ländern, weil das dort in der Tradition des DDR-Hochschulsystems (eher verschult & straff durchorganisiert) stand.
Von der Etechnik bspw. weiß ich, daß sogar vor jeder Übungsstunde ein kleiner schriftlicher Test stattfand. Wer sich nicht vorbereitet hatte, konnte eben eine Freistunde genießen. :wink:

Zu Deinem Bezug mit der Anwendbarkeit: Vergiß es.
Keinen Studenten - egal ob Uni oder FH - könnte man nach dem Abschluß irgendwo an einen Tisch setzen mit den Worten „Und nun machen Sie 'mal…“. Insbesondere in den Ingenieurwissenschaften geht das gleich gar nicht; was auch der Grund ist, warum dort traditionell ein Jungingenieur einem alten Hasen unter die Fittiche gegeben wird.
Stichwort: Tricks und Kniffe, Erfahrungswerte et cetera.

Laborversuche sind an der Tagesordnung - Du wirst sie schnell hassen lernen. Eildieweil jede Menge Arbeit dahinter steckt. Der Rhythmus ist scharf, man muß ziemlich hinterher sein. Denn stell Dir einfach einmal vor, Du hast über das Semester 5, 6 oder gar 7 verschiedene Versuche in einem Fach, dann vielleicht nochmal soviel in einem zweiten und nochmal 3 bis 4 in einem dritten Fach. Jeder Versuch ist theoretisch gut vorzubereiten (schrifltich wie mündlich zur Darlegung), dann gibt es in der Regel als Kontrolle schriftlichen Eingangstest oder mündliches Testat (15 bis über 90 minuten) - oder sogar gleich beides auf einmal (schriftlich + mündlich). Dann absolvierst Du den Versuch selbst, um zuhause ein Protokoll zu schreiben. Von 7 Seiten bis 42 Seiten kam bei mir schon alles vor, Abgabe in der Regel spätestens 14 Tage nach dem Versuch.
Du wirst also oft herumhocken, fluchen und Dir wünschen, irgendsoeinen Mist wie BWL oder dergleichen belegt zu haben, wo man auch Party hat, während andere (solche Studenten wie Du dann *ggg*) an blöden Gleichungen oder Excel-Tabellen herumfuhrwerken. :smiley: :smiley: :smiley:

Im Hauptstudium (also je nachdem, wo Du dann konkret landest) passiert es dann auch noch, daß Du zusätzliche Belege für einige Fächer zu erledigen hast. Zum Beispiel eine Synchronmaschine (eine elektrische Maschine) komplett zu dimensionieren mit allen Parametern inkl. technischer Zeichnung für den Aufbau.
Damit lernst Du dann zwar nicht, wie man so ein Teil direkt baut, doch Du hast einen solchen Entwurf mit allen Ecken und Kanten schon einmal hinter Dich gebracht. Sozusagen kannst Du dann bauen lassen (von den Elektrikern und Maschbauern). :smile: :smile:

„Automatisierungstechnik“ als solches bekommst Du nur aufgedrückt, wenn Du es als Vertiefungsrichtung wählst. Nichtsdestotrotz wirst Du intensive Begegnungen mit der Systemtheorie/Kybernetik haben. Und auch über (elementare) Regelungstechnik darfst Du Dich freuen.
Heutzutage Standardstoff, egal welche Spezialisierung Du dann auch wählst nach dem Vordiplom.

Gehst Du an eine Uni, behalte auch immer im Hinterkopf, daß Du dort keinen Beruf lernst. Dafür mußt Du an die FH gehen. Aus der Uni sollte man (möglichst) als sichtbar gebildeter Mensch herauskommen, und nicht als Fachidiot (denen man jedoch immer wieder über den Weg läuft, leider). Beschäftige Dich also auch freiwillig mit angrenzenden Themengebieten, auch wenn die vielleicht nicht genau in Deinem Weg liegen (Physik, Mathe, Chemie, Maschbau, technisch-geschichtliche Allgemeinbildung). Außerdem gilt es heutzutage über den Tellerrand hinauszublicken - etwas Betriebswirtschaft darf es ruhig sein, Englisch sowieso. Und bei den Geisteswissenschaften empfiehlt sich auch, fitzubleiben.

Vom Stoff erwartet Dich so ungefähr im Grundstudium das:

Grundlagen der Etechnik
Theoretische Etechnik
Physik
Höhere Mathematik
Werkstoffkunde/Chemie
Elektronik (Bauelemente, Schaltungen)
Meßtechnik
Nachrichtentechnik
Signaltheorie
Systemtheorie/Kybernetik
Regelungstechnik
Digitaltechnik
Konstruktionstechnik/Fertigungstechnik
Technische Mechanik
Technische Mathematik
Informatik (oft nur scharfer Programmiercrashkurs C++ !)
Energietechnik

In der Regel alles schriftlich als Klausur abzulegen.

Im Hauptstudium hast Du dann nur noch Deine gewählte Vertiefungsrichtung vor Dir. Die Spezialisierungen heißen gewöhnlich überall etwas anderes, sind aber ähnlich.

Nennen wir sie bspw. 'mal:

* Energietechnik
* Mikroelektronik
* Informationstechnik
* Automatisierungstechnik
* Mikrosystemtechnik

Das breiteste Spektrum deckt dabei die Energietechnik ab, weil dort Hochspannungstechnik (Elektroenergieerzeugung, Elektroenergieübertragung, Elektroenergieversorgung), elektrische Maschinen (Motortechnik, Antriebstechnik, Ansteuerung& Regelung) sowie Leistungselektronik (Bauelemente, Bauelementephysik, Bauelementeentwicklung, Schaltungen/Schaltungstechnik, elektromagnetische Verträglichkeit) zusammenkommen. Dort ist dann auch DER Schwerpunkt für regenerative Energien.

Doch über die Vor- und Nachteile der einzelnen Vertiefungen wirst Du sicherlich in entsprechenden Veranstaltungen am Ende des Grundstudiums informiert (war zumindest bei mir so). Dort kann man sich ein ziemlich gutes Bild davon machen, was auf einen zukommt, was die einzelnen Richtungen für konkrete Inhalte anbieten et cetera. Ergibt sich alles mit der Zeit.

Schau Dir auf jeden Fall auch etechnik-verwandte Studiengänge an, wie die Mechatronik, die Informationssystemtechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen an.

MfG

Aus Deinen Ausführungen klingt heraus, daß Du an einem
Regelgymnasium bist, oder? Vielleicht wäre ein technisches
Gymnasium bereits der erst e richtige Schritt gewesen. Doch
sei’s drum

[…]

Aus
der Uni sollte man (möglichst) als sichtbar gebildeter Mensch
herauskommen, und nicht als Fachidiot (denen man jedoch immer
wieder über den Weg läuft, leider). Beschäftige Dich also auch
freiwillig mit angrenzenden Themengebieten, auch wenn die
vielleicht nicht genau in Deinem Weg liegen (Physik, Mathe,
Chemie, Maschbau, technisch-geschichtliche Allgemeinbildung).
Außerdem gilt es heutzutage über den Tellerrand
hinauszublicken - etwas Betriebswirtschaft darf es ruhig sein,
Englisch sowieso. Und bei den Geisteswissenschaften empfiehlt
sich auch, fitzubleiben.

Das hat nur begrenzt bis gar nicht mit dem Thema zu tun, aber glaubst du wirklich, dass es sinnvoll ist Jugendliche noch vor der Oberstufe in die Technik Schublade zu stecken, wenn du keine Fachidioten willst?

Gruß!

Cornel

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Hallo Wolfgang,

wenn sich das Studium an der FH München nicht grundlegend geändert hat seit dem Jahr 1982, dann möchte ich dieser Aussage doch bitte widersprechen:

…auf dem Praxisbezug liegt und zwar waehrend des gesamten Studiums und von
Anfang an (aber ich sollte zumindest wenn Theorie von Noeten, auch lernen
damit zu Rande zu kommen). Dementsprechend ist fuer mich :auch eine moderne Laborausstattung und viel Freiraum fuer Projekte wuenschenswert.

Egal ob FH oder Uni, in den ersten Semestern bis zum Vordiplom
fehlt weitgehend der Praxisbezug. Es geht dabei um Grundlagen,
die in den Ingenieurwissenschaften sehr mathematiklastik sind.

Wir hatten nämlich auch im Grundstudium jede Woche zwei Labor-Praktika, in denen die Anwendung der in den elektrotechnischen Fächern gelehrten Grundlagen selber ausprobiert wurde.

Den vom Studenten erkennbaren Anwendungsbezug gibt es im
Grundstudium allenfalls in homöopathischer Dosierung und auch
danach gestaltet sich ein Studium weit entfernt von
irgendwelchen Endprodukten.

Anwendungsbezug entsteht nämlich nach meinem Dafürhalten nicht ausschließlich durch Bezug auf das Endprodukt, sondern gerade und viel besser durch Bezug auf einzelne im Labor darstellbare Zwischenschritte (Beispiel: Sinus in der Mathematik, in der Elektrotechnik und am Oszi). Mit der Darstellung in einem Endprodukt wäre je nach Komplexität jeder Student überfordert. Spezialisten mit einer Berufsausbildung, wie es ja gerade an der FH oft vorkommt, mal ausgenommen.

Natürlich gehören Laborübungen zum Studium. So werden alle
möglichen Kennlinien von z. B. E-Motoren aufgenommen. Aber der
Studi wird hernach keinen brauchbaren Motor bauen können.

Aber einen Bezug zur Anwendung hat er dann doch, wenn er reale Motoren misst.

Gruß, Karin

H wie Hola.

Das hat sogar sehr viel mit dem Thema zu tun. Und zwar geht es um die grundsätzliche Einstellung. Bei uns sitzen inzwischen einige sehr ernüchtert im Hauptstudium, weil sie das praktische Defizit mehrmals bemängelten - die Antwort war nämlich genau das: „Sie sind hier an der Uni; wenn Sie einen Beruf studieren wollen, hätten Sie an die FH gehen müssen.“. Womit wir wieder bei den verschiedenartigen Herangehensweisen in der Stoffvermittlung sind.

Und natürlich ist es sinnvoll, bereits nach der Mittelstufe eine technisch orientierte Oberstufe zu absolvieren. Wenn man diesen Weg gehen will, wenn man bereits relativ konkrete Vorstellungen entwickelt hat et cetera. Am Ende winkt schließlich ebenfalls eine Allgemeine Hochschulreife, so daß man auf allen Gebieten vertiefte Allgemeinbildung nachweisen muß.

Dein Einwand zeugt also gewissermaßen von Unkenntnis der Schulstruktur in Deutschland.
Führte man den Gedanken dann weiter, wird es sogar ganz konfus: Schließlich findet bereits in der Mittelstufe eine gewisse Interessengewichtung statt (technisches Profil, wirtschaftliches Profil, sprachliches Profil usw.). Und trotzdem geht man aus der Realschule/ gymnasialen Mittelstufe nicht als Fachidiot seiner Neigungsrichtung heraus…

Gerade dieses Hybridmodell „allgemeiner Abschluß + fachspezifische Kenntnisse“ ist ja dem normalen Regelmodell überlegen. Denn man bekommt den vollwertigen, gleichwertigen allgemeinen Abschluß und noch das Fachwissen für diesen oder jenen Bereich gleich mit.
In der Ausbildungslandschaft ist die Berufsausbildung mit Abitur das Gegenstück. Was früher absolut üblich war, sich also bewährt hatte, muß jetzt wieder mühsam neu erfunden werden - unter ungleich schwierigeren Bedingungen, weil die Schulen zuvor nicht gut genug darauf abgestimmt sind. Solange stets der allgemeinbildende Aspekt stark betont wird, machen Fachkenntnisse kein Probleme; weder im Profilunterricht der Mittelstufe, noch an einem fachorientierten Gymnasium.

Und beim Studium muß man sowieso selbst dafür sorgen, kein Fachidiot zu werden, indem eben weitere nichttechnische Kurse belegt werden sollten.

Bei den Ingenieurwissenschaften ist das immer noch recht lau - in der Regel ein Fach im Grundstudium mit 2 SWS und in der Regel ein Fach im Hauptstudium mit 2 oder auch 4 SWS. Wie gesagt: In der Unizeit kommt das Geld sozusagen aus der Wand und man hat wunderbar viel Zeit (auch wenn man eigentlich nie Zeit hat).
Nach dem Abschluß dagegen wird es richtig eng mit zusätzlichen Qualifikationen. Also sollte man die 5 oder 6 Jahre nutzen, soviel als möglich mitzunehmen. Das schließt selbstverständlich auch „kreative Pausen“ mit ein. Man ist nur einmal jung… :smile:

MfG