ich habe Bekannte, die auf einem Dorf leben, wo die Stromversorgung noch per Oberleitung (also über einen „Christbaum“ auf dem Dach erfolgt). Kürzlich sind sie wohl darauf gestoßen, daß Hochspannungsleitungen so ziemlich für alle Übel der Menschheit verantwortlich gemacht werden. Und da sie von Physik wenig Ahnung haben, sind sie der Meinung, daß es sich bei den Kabeln, die quasi über das ganze Dorf gespannt sind, und die sie auch auf dem Dach haben, um etwas ähnliches wie Hochspannungsleitungen handeln müsse und sie demzufolge tagtäglich den übelsten magnetischen und elektrischen Feldern ausgesetzt sind (und derart in Panik sind, daß sie schon ans Wegziehen denken). Meinen Einwurf, daß es sich hierbei nur um Versorgungsleitungen, die i.d. Regel max. 380V und vermutlich 32 Ampere haben, was für ein ordentliches Feld in mehr als 1m Entfernung niemals ausreicht, wollen sie mir erst glauben, wenn ich dies durch Fachleute oder sonstige ernstzumehmende Stellen belegen kann (ich wäre schließlich kein Physiker oder ähnliches; stimmt auch, ich bin Chemiker).
Also, gibt’s hier jemand, der mich mit fachkundiger Meinung oder ein paar Links versorgen könnte, was von diesen oberirdischen Versorgungsleitungen (wie gesagt, die Dinger entsprechen Erdleitungen, nur daß sie in der Luft hängen; ich vermute mit 380 V und 16/32 Ampere)zu halten ist?? Bittebitte aber möglichst hieb- und stichfest, so daß es auch potentielle Ökochonder glauben.
Meinen Einwurf, daß es
sich hierbei nur um Versorgungsleitungen,
die i.d. Regel max. 380V und vermutlich
32 Ampere haben,
Du vermutest richtig
was für ein ordentliches
Feld in mehr als 1m Entfernung niemals
ausreicht,
Also das ist schon ein recht ordentliches Feld. Bekanntlich steckt da ja auch die Energie Bei einem Meter Abstand rund 1000 W/m^2. Allerdings sehr niederfrequent (50 Hz). Ausserdem ist da ja noch ne Wand dazwischen, die Abstrahlcharakteristik im Nahfeld ist nicht die einer Punktquelle und die Feldstaerke nimmt mindestens mit dem Quadrat der Entfernung ab, also keine Panik
-)
[…]
Also, gibt’s hier jemand, der mich mit
fachkundiger Meinung oder ein paar Links
versorgen könnte,
siehe Unten. Aber ganz von der Hand zu weisen ist das Risiko eben doch nicht. Ich persoenlich halte die derzeitige Berichterstattung in den Medien (vor allem wg. Handy & Co) zwar fuer Hysterie, aber man sollte sich schon ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen.
Ich kann mir vorstellen, dass es auch in der Chemie Substanzen gibt, von denen nicht klar ist, welche Dosis nun als gesundheitsschaedlich einzustufen ist. Deshalb muss man weiter forschen und ggf. auch die Konsequenzen ziehen und die Grenzwerte runtersetzen.
Aus psychischen Gruenden wuerde ich ihnen empfehlen, nicht gerade da ihr Bett hinzustellen und ansonsten cool zu bleiben. Um einen Hausanschluss kommen sie doch nicht herum …
Ein paar brauchbare Informationen (weitere Links) findest Du unter diesem Link:
wollen sie mir erst glauben,
wenn ich dies durch Fachleute oder
sonstige ernstzumehmende Stellen belegen
kann (ich wäre schließlich kein Physiker
oder ähnliches; stimmt auch, ich bin
Chemiker).
Also, gibt’s hier jemand, der mich mit
fachkundiger Meinung oder ein paar Links
versorgen könnte,
Eine gerade Leitung, die vom Strom I durchflossen wird erzeugt im Abstand r ein magnetisches Feld der Größe H=I/(2*pi*r) Also bei I=32A und r=4m (Schließlich mussen ja auch große Autos unten durchfahren können.) Sind das 1,27A/m. Das Magnetfeld der Erde liegt etwa bei 60A/m. (Quelle: Simonyi, Grundgesetze des Elektromagnetischen Feldes.)
Nun zum elektrischen Feld E: Hier lautet die Formel: E=U/r*ln(2r/D)
Dabei ist U die Spannung, r wieder der Abstand und D der Durchmesser des Drahtes.
Also in diesem Fall: E=400V/(4m*ln(2*4m/0,005m))=13,6V/m
Wer lieber noch mit den alten 380 V statt den aktuellen 400V rechnet oder wenn ein anderer Drahtdurchmesser vorliegt, kann man ja korrigieren.
Eine Vergleichszahl: Das natürliche elektrische Feld der Erde beträgt im Durchschnitt 150V/m. Bei Gewitter kann der Wert natürlich sehr viel größer werden und das ganz natürlich.
Das ist natürlich eine Überschlagsrechnung. Aber es geht ja zunächst nur darum , die Größenordnungen der Felder zu bestimmen.
Genügt das?
Viele Grüße von
Dipl.-Ing. […]
Wissenschaftlicher Assistent am
Lehrstuhl für allgemeine und Theoretische Elektrotechnik der
Technischen Universität Chemnitz
Wau … die Formeln hatte ich gestern nacht gerade nicht zur Hand Was ich da geschrieben habe …
Ich moechte dann angesichts dieser Zahlen gerne wissen, warum allenthalben (und sogar teilweise seitens unserer Profs) so ein Heckmeck um Elektrosmog gemacht wird.
Wohlgemerkt Elektrosmog, nicht EMV und dergleichen, das waere was anderes.
Dipl.-Ing. [Name entfernt]
Wissenschaftlicher Assistent am
Lehrstuhl für allgemeine und Theoretische
Elektrotechnik der
Technischen Universität Chemnitz
Ich moechte dann angesichts dieser Zahlen
gerne wissen, warum allenthalben (und
sogar teilweise seitens unserer Profs) so
ein Heckmeck um Elektrosmog gemacht wird.
Wohlgemerkt Elektrosmog, nicht EMV und
dergleichen, das waere was anderes.
Naja, die Frequenz spielt ja auch noch eine Rolle. Wenn so ein Handy, das ja elektromagnetische Wellen abstrahlen soll, das genau neben Deinem Hirn tut, dann sollte doch zumindest die Frage nach Elektrosmog gestellt werden. Dann habe ich auch eher den Eindruck, dass das Thema EMV weiter verbreitet ist als Elektrosmog, zumindest in der Fachliteratur und nicht in den Massenmedien.
ich habe mal mit einer Feldsonde so ein Oberleitugsfeld nachgemessen. Direkt unter der Oberleitung 3~NPE/400V/50Hz war das Feld größer wie 1uT und in 100mtr. Entfernung waren noch ca. 300nT auf dem Zeiger.
Gruß
Friedrich
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
wie kommst Du auf 16/32 A??
Nur weil Deine Steckdosen nicht mehr hergeben, heisst das nicht, dass in den Leitungen nicht mehr fliesst! Im Gegenteil: jede dieser Leitungen versorgt mehrere Haushalte mit Strom. Und in jedem Haushalt koennen mehrere elektrische Geraete gleichzeitig laufen! Gerade Kuechenherde, Heizluefter etc. laufen oft in vielen Haushalten gleichzeitig und koennen sich zu weit ueber hundert Ampere addieren.
In dieser Hinsicht enttaeuscht mich etwas die Antwort von […], der damit wirbt, Wissenschaftlicher Assistent zu sein und das nicht beruecksichtigt hat. Ist die Wissenschaft denn so weit von der Realitaet abgehoben?
Weiter ist zu sagen, dass solche Leitungen zwar weit mehr als 4 Meter ueber dem Boden haengen, im oberen Stockwerk kann es aber sein, dass die Entfernung weniger als 4 Meter betraegt.
Die Summe der Stroeme in den vier Leitungen ist allerdings immer Null (wenn man von Verlusten durch Kriechstroeme absieht), so dass sich im Fernfeld die Magnetfelder ungefaehr aufheben duerften.
Ob das alles gefaehrlich ist oder nicht ist Glaubenssache! Es ist weder die Gefaehrlichkeit noch das Gegenteil bewiesen und wenn Du nach sowas fragst, so hoerst Du meistens Geschichten von der guten Bekannten, die dadurch furchtbar krank geworden ist bis hin zu einem barschen „kompletter Schwachsinn“.
Meine Meinung: Wenn eine Gefahr besteht, dann rangiert sie in diesem Fall unter denn am wenigsten bedeutsamen.
Durch Umzug wird das Problem auch nicht erledigt sein, da ja die raeumlich viel naehere Hausverkabelung weiter existiert.
In dieser Hinsicht enttaeuscht mich etwas
die Antwort von […], der damit wirbt,
Wissenschaftlicher Assistent zu sein und
das nicht beruecksichtigt hat. Ist die
Wissenschaft denn so weit von der
Realitaet abgehoben?
In gewisser Weise hast Du schon recht. Ich kenne zwar die physikalischen Gesetze, aber über irgendwelche Normen fürs Elektrohandwerk weiß ich nicht bescheid.
Mir kam es vor allem darauf an, anhand von Zahlenbeispielen den Rechenweg darzustellen, so dass jeder sich für seinen Fall selber ausrechnen (oder besser abschätzen) kann, wie groß welche Felder sind.
Setze Strom und Abstand ein, wie es Dir beliebt, und rechne selber. Dann wird es aber schwierig. Wer sagt Dir dann, ob eine Feldstärke groß oder klein ist. Der Vergleich mit der natürlichen Feldstärke sagt nichts darüber aus, ab wann es denn nun schädlich oder gar gefährlich wird. Da sollte man eher die Biologen und Mediziner fragen.