Elsaß/Lothringen und das linke Rheinufer

Hallo!

ich analysiere gerade eine Quelle, in der gefordert wird, dass Elsaß Lothringen und das linke Rheinufer an Frankreich zurückgeben werden muss. (1 Weltkrieg…)

In der Quelle wird das linke Rheinufer als verlorenes Erbe der frz. Revolution bezeichnet, was wird damit gemeint?

bitte um hilfe

gigi

Hallo Gigi,

die Festlegung des Rheins als Grenze Frankreichs zum Rheinbund (Nachfolger des westlichen Teils des 1803 aufgehobenen Reichs) war das Ergebnis der Expansion Frankreichs mit/unter Napoleon (1793-1795, formal festgeschrieben im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803). Wenn man die Aktivitäten Napoleons als Erbe der Revolution betrachtet, gehört dazu auch die Neuordnung der Grenzen und Territorien in Europa, insbesondere dem Hl. Röm. Reich Deutscher Nation, die 1793-1803 stattgefunden hat.

Die Festlegung der Rheingrenze ist insofern keine „einfache“ Annexion der betroffenen Gebiete durch Frankreich, als für die betroffenen linksrheinischen Grundherren 1803 Entschädigungen festgelegt wurden (im wesentlichen aufgehobener Kirchenbesitz).

Weitgehende Rechte Frankreichs an Elsass und Lothringen stammen bereits aus dem Westfälischen Frieden. Im Elsass war eigentlich bloß noch Straßburg dem Reich erhalten geblieben; daneben Richtung Belfort gabs noch das württembergische Mömpelgard. Aber das führt woanders hin…

Schöne Grüße

MM

Hi,

das schöne Ländchen ist ziemlich häufig zwischen Frankreich und Deutschland gependelt. Vielleicht hilft dir das weiter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Elsa%DF#Neuzeit_bis_Geg…

Gruß

Volker

ich analysiere gerade eine Quelle, in der gefordert wird, dass
Elsaß Lothringen und das linke Rheinufer an Frankreich
zurückgeben werden muss. (1 Weltkrieg…)

In der Quelle wird das linke Rheinufer als verlorenes Erbe der
frz. Revolution bezeichnet, was wird damit gemeint?

Hallo,
ich denke, das mit Elsass und Lothringen ist klar. Mit dem dem ‚linken‘ Rheinufer sind im wesentlichen die linksrheinischen Gebiete der heutigen Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gemeint - strenggenommen gehören auch Luxemburg und Belgien zu dem „verlorenen Erbe der französischen Revolution“.

Nach Einrichtung der Départements Mont-Tonnerre (Donnersberg, Hauptstadt Mainz), Sarre (Saar, Hauptstadt Trier), Rhin-et-Moselle (Rhein-Mosel, Hauptstadt Koblenz) und Roer (Rur, Hauptstadt Aachen) im Jahr 1798 (die ‚luxemburgischen‘ und ‚belgischen‘ Départements wurden bereits 1795 errichtet) war der Rhein die Grenze zwischen Frankreich und dem Reich. Lediglich die 1795 konstituierte ‚niederländische‘ Batavische Republik (eine Tochterrepublik Frankreichs) besaß noch linksrheinisches Territorium.

Natürlich handelte es sich um eine Annexion, es waren Gebiete des Reichsverbands. Besetzt wurden die Gebiete bereits 1794; die Annexion wurde im Frieden von Campo Formio (1797) durch geheime Zusatzartikel und nochmals offen im Frieden von Lunéville (1801) anerkannt.

Die französische Herrschaft brach im Winter 1813/1814 zusammen. Im Februar 1814 wurde aus dem Département Roer zusammen mit den Départements Ourthe und Meuse-Inférieure das Generalgouvernement Niederrhein gebildet. Mont Tonnerre, Sarre und Rhin-et-Moselle bildeten das Generalgouvernement Mittelrhein, zu dem dann im März 1814 noch das Département Forêts hinzukam. Generalgouverneure waren die preußischen Geheimen Staatsräte Johann August Sack und Justus Gruner; sie unterstanden dem dem Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein.

Am 31.05.1814 beschlossen die Verbündeten die Aufhebung der Zentralverwaltung (die die französische Verwaltungsorganisation weitgehend unberührt gelassen hatte) zum 15.06.1814. Danach verwalteten Österreich und Bayern gemeinsam das Gebiet südlich der Mosel; die Gebiete nördlich der Mosel wurden von den Preußen zum Generalgouvernement Nieder- und Mittelrhein zusammengefasst. Dieses Provisorium dauerte bis zu den Beschlüssen des Wiener Kongresses im Februar 1815 an.

Freundliche Grüße,
Ralf