Elterliche Sorge

Hallo zusammen,

mich würde einmal interessieren, wo genau die elterliche Sorge anfängt. Reicht es, das Kind zu füttern, mit Spielzeug und teuren Markenklamotten zu überhäufen? Man spricht doch immer von Erziehung und nicht Großziehung. Gibt es so etwas wie geistige Verwahrlosung?

Reicht es tatsächlich, eine saubere Wohnung und Prestigegenstände zu besitzen, um von einer augenfälligen Auffälligkeit des Kindes abzulenken ("Mein Kind hat alles, was es braucht …)? Wie sieht es aus, wenn Spiel-/Kaufsucht mit im Spiel sind und das Kind nicht altersgerecht gefördert wird?

Gilt die gemeinsame Sorge auch dann noch, wenn ein Elternteil das andere gar nicht daran teilhaben lässt, sondern die Bestrebungen sogar boykottiert und das Kind gegen Ex-Partner und dessen neuer Partnerin aufwiegelt und das Kind zum Lügen angestiftet wird?

Viele Fragen in einem Beitrag, aber Antworten werden dankend entgegengenommen.

LG, Tibas

Gilt die gemeinsame Sorge auch dann noch, wenn ein Elternteil
das andere gar nicht daran teilhaben lässt, sondern die
Bestrebungen sogar boykottiert und das Kind gegen Ex-Partner
und dessen neuer Partnerin aufwiegelt und das Kind zum Lügen angestiftet wird?

Ich finde es immer problematisch, wenn ein Elternteil das Kind im Konflikt mit dem anderen Elternteil instrumentalisiert. Die beiden Ex-Partner sollten sich direkt auseinandersetzen und das Kind raus halten.

Mit der Meinung gehe ich absolut konform.

Was kann man aber unternehmen im Sinne des Kindeswohl, wenn ein Elternteil nicht bereit ist zur direkten Kommunikation. Vor allem, wenn eben dieses Elternteil das Kind animiert, Lügen zu erzählen um Aufmerksamkeit zu bekommen und das Kind damit eine Macht zur Manipulation beider Elternteile erlangt, die in späteren Jahren gefährlich werden könnte.

Inwieweit kann in solchen Fällen das gemeinsame Sorgerecht angefochten werden? Zählt wirklich nur der äußere Schein, sprich eine blitzblank geputzte Wohnung und teure Klamotten? Zählen familiäre, emotionale Werte nicht ebenso hoch und inwieweit können diese berücksichtigt werden?

Danke!
Tibas

Hallo,

Inwieweit kann in solchen Fällen das gemeinsame Sorgerecht
angefochten werden?

das Sorgerecht KANN immer angefochten werden. Aber ob das sinnvoll und zielführend ist? Meist wird die Situation dann viel schlimmer.

Zählt wirklich nur der äußere Schein,
sprich eine blitzblank geputzte Wohnung und teure Klamotten?
Zählen familiäre, emotionale Werte nicht ebenso hoch und
inwieweit können diese berücksichtigt werden?

Wie soll z. B. ein Gutachter, Jugendamtsmitarbeiter oder Richter die Situation bewerten? Er sieht generell nur den „äußeren Schein“. Diese Leute, die dann eine rechtliche Entscheidung treffen, haben nur die Möglichkeit einer Momentaufnahme.

Besser als gegen das Sorgerecht vorzugehen - das heutzutage fast nie einem Elternteil alleine übertragen wird - ist es, das Jugendamt zu bitten, dass es den „Markenklamottenelternteil“ von einer Mediation überzeugt.

Vielleicht lässt sich dort eine annähernd einheitliche Erziehungskonsens finden. Mediationen bieten kostenlos manchmal die Jugendämter, Caritas, Erziehungsberatungsstellen usw. an. Es gibt auch freie Mediatoren, die aber nicht ganz billig sind.

Auch würde mich interessieren, wie alt das Kind ist. Viele Kinder benötigen keine „Anstiftung zum Lügen“. Sie sind bei Trennung der Eltern nicht selten in einem Loyalitätskonflikt.

Auch denken sie, dass der andere Elternteil genau das hören will, was sie erzählen.

Diesen vorauseilenden Gehorsam empfinden die Kinder meist nicht als Lüge, sondern als Notwendigkeit um selber emotional überleben zu können.

Gruß
Ingrid

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Vielen Dank, Ingrid für Deine Meinung, die ich im Übrigen teile.

Besser als gegen das Sorgerecht vorzugehen - das heutzutage
fast nie einem Elternteil alleine übertragen wird - ist es,
das Jugendamt zu bitten, dass es den
„Markenklamottenelternteil“ von einer Mediation überzeugt.

Was kann denn passieren, wenn eben dieses Elternteil uneinsichtig ist und eine Mediation verweigert? Wie z.B. ein Alkoholiker, der nicht einsehen will, dass er trinkt. Das Ziel - dem Kind einen harmonischen Weg ins Leben zu geben - ist doch dann völlig verfehlt.

Vielleicht lässt sich dort eine annähernd einheitliche
Erziehungskonsens finden. Mediationen bieten kostenlos
manchmal die Jugendämter, Caritas, Erziehungsberatungsstellen
usw. an. Es gibt auch freie Mediatoren, die aber nicht ganz
billig sind.

Aber dann müssten doch auch die neuen Partner teilnehmen, so meine Ansicht.

Auch würde mich interessieren, wie alt das Kind ist. Viele
Kinder benötigen keine „Anstiftung zum Lügen“. Sie sind bei
Trennung der Eltern nicht selten in einem Loyalitätskonflikt.

Nehmen wir doch einfach mal an, es handelt sich um Mädchen in der vorpubertären Phase zwischen 12 und 14 Jahren.

Auch denken sie, dass der andere Elternteil genau das hören
will, was sie erzählen.

Diesen vorauseilenden Gehorsam empfinden die Kinder meist
nicht als Lüge, sondern als Notwendigkeit um selber emotional
überleben zu können.

Aber wenn man dem Kind eben diese Bühne gibt, dann wird das Kind das doch auch tun. Ist es nicht einfacher, sich mit dem Kind über ein schönes Wochenende beim anderen Elternteil zu freuen und so dem Kind das Gefühl zu geben, dass es okay ist, auch dort schöne Zeiten zu erleben, weil sie dem Kind guttun? Letztendlich haben Scheidungs-/Trennungskinder doch gar nichts mit den Auseinandersetzungen der Eltern zu tun und leiden doch schon genug unter der Situation.

Gruß, Tibas