Eltern auf tote Opas ansprechen

Hallo,

ich weiß leider nur sehr sehr wenig über meine beiden Opas. Beide starben bereits vor meiner Geburt. Ich möchte sehr gerne mehr über beide herausfinden, doch weiß ich nicht so Recht wie. Denn in meiner Familie wird praktisch nie über Tote gesprochen. Meine Eltern habe ich noch nie von meinen Opas (entsprechend ihren Vätern) reden hören. Einzig und alleine meine beiden Omas sprechen manchmal über sie. Allerdings nur wenn sie überlegen, wann ein Ereigniss in der Vergangenheit war. Dann schätzen sie manchmal „da hat Opa noch gelebt, dann sind es vielleicht xJahre“. Aber auch hier nichts an Information über sie. Früher war ich mit meiner Oma manchmal auf dem Friedhof ihren Mann sein Grab besuchen. Selbst dann wurde wenn überhaupt geredet, dann nur über andere Dinge. Oft über das Grab an sich, diese und jene Blumen sehen aber gut aus, diese dort ist verwelkt. Meine Unwissenheit geht soweit, dass ich von meinem zweiten Opa nur den Friedhof, nicht seinen Grabplatz kenne (obwohl er im Nachbarort ist), zudem kann ich bei beiden nicht auf anhieb die Vornamen nennen, was ich sehr schlimm finde.
Doch wie soll ich meine Eltern darauf ansprechen? Ich habe eine lange Liste mit Fragen an sie, doch weiß ich nicht wie sie reagieren. Der Tod wird bei uns immer stark außen vor gelassen, ich möchte nicht dass ich sie dann auf dem falschen Fuß erwische und sie sich vielleicht Tagelang Gedanken machen. Hier fällt mir insbesondere das mit den Vornamen schwer, es ist mir unglaublisch peinlich sowas zu fragen, und ich befürchte dass sie sich dann Vorwürfe machen, wenn ich sowas nicht weiß…
Achja, ich bin 19, meine Eltern sind 43 und 44, meine Omas 75 und 83.

Vielen Dank =o)

Hallo,

jeder Mensch ist anders und reagiert anders.

Warum deine Opas nachdem sie leider nicht mehr leben auch noch „totgeschwiegen“ werden kann ich nicht nachvollziehen. Deswegen auch der erste Satz oben.

Probier es mit Fotos. Ihr habt sicher alte Bilder von Familienfeiern etc. Wenn du solche Bilder findest, kannst du mal „ganz nebenbei“ nach dem einen oder anderen Opa fragen.

Wie bereits gesagt ich verstehe nicht, warum bei euch das Thema tabu ist. Mit meinen Kids rede ich allerdings auch nur dann über Verstorbene, wenn die mal wieder ein paar Fotos rausgekramt haben. Sollten sie mal ohne Foto fragen, bekommen sie Antwort ganz klar, aber wie schon geschrieben, meist kommen die Fragen, nachdem sie mal wieder Fotos in der Hand hatten.

Gruß
Kati

Hi
mein Sohn ist auch 19
sein Vater starb, da war er 4
über ihn haben wir sehr viel geredet, über das warum und wie und auch darüber, wie er über dieses oder jenes gedacht hätte, wann er stolz auf seinen Sohn gewesen wäre, was ein besonderer Tag für ihn gewesen wäre.
Wir waren allerdings nur ein einziges mal am Grab.

Viele andere Verstorbene tauchten lange Zeit überhaupt nicht auf.
Um sich an den väterlichen Familienzweig zu wenden, hat er ein Schulthema zur Hilfe genommen: da ging es um Familie und Herkunft. Damit hat er die Tante und die Großmutter angeschrieben und eine Menge erfahren.

Eine gute Gelegenheit ist doch, wenn die Omas von damals reden, gleich nachzuhaken, „und wie war er eigentlich?..erzähl mal“

Allerdings gibt es viele Familien, die ihre Verwandten im Keller begraben. Die berühmten Leichen im Keller.

Das mit den Fotos ist auch eine super Idee. Oder ein bisschen räumlichen Abstand schaffen und die Omas aus dem Urlaub anschreiben.
„Wir haben heute abend über unsere Familien geredet und da wurde mir deutlich, wie wenig ich eigentlich über meine weiß, wollen wir uns nicht dann und dann treffen und und du erzählst mir davon“
Möglicherweise hilft es den Omas, wenn die Konfrontation nicht direkt kommt, sondern sie sich vorbereiten können, - innere Hürden überspringen können, nicht überrascht werden.

Wenn du den Eindruck hast, dass das auch nicht geht, kannst du eine Freundin „engagieren“, die von ihrem Opa im Beisein deiner Oma erzählt. Vielleicht lockert das ihre Zunge, vielleicht ist das eine Möglichkeit selbst nachzuhaken ohne abgewiesen zu werden. Dann hättest du einen Einstieg und könntest dann vielleicht mehr abfordern.

Wenn du allerdings das Gefühl hast, nicht einfach drauf los fragen zu können, würde ich mal auf „Familiengeheimnis“ tippen. Womit ich nicht unbedingt ein Geheimnis meine, sondern dieses stillschweigende Übereinkommen, über bestimmte Dinge oder Leute nicht zu reden. Das übt dann evtl eine Menge Druck auf dich aus, und du weißt gar nicht warum.
Da hilft es tricky zu sein, oder „einfach“ mal den Revoluzzer zu spielen und die Familie gegen den Strich zu bürsten. Fragen fragen fragen.

Was davon bei dir zutrifft, weiß ich nicht.
Aber ich wünsche dir
viel Glück
Susanne

Ich glaube, es ist umgekehrt. Vielleicht möchten sie ihr Enkerl nicht belasten. Ich glaube, sie würden sich freuen, wenn du fragst! Selbst wenn sie traurig werden, weil sie sich erinnern, ist das ja nichts, was Schlecht sein muß, das Gefühl und das Wissen, dass du dich für sie interessierst, wird ihnen viel bedeuten. So würde ich das einschätzen. Traue dich und das mit den Vornamen sollte dich nicht so sehr belasten. Du kannst ja so fragen wie „dein Mann, mein „Nachname“-Opa“, ich möchte gerne etwas über ihn erfahren … Und wie hast du ihn genannt oder mit solchen Fragen kannst du den Vornamen erfragen.
LG
Sarenna
Ich weiß nicht, ob mein Tipp „gescheit“ ist, ich weiß nur, dass es das ist, was mir mein Feingefühl sagen würde :smile:

Hallo,

erst mal an Sarenna: Ich finde Deine Antwort super!

Ich würd Oma1 und Oma2 und auch die Eltern ganz direkt so ansprechen:

„Macht es Dir was aus über Opa zu reden? Ich würde nämlich mehr über ihn erfahren wollen.“

Damit gibst Du Deinem Gegenüber genug Möglichkeit es abzulehnen.

Gruß

Joschi

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