Eltern erziehen?

Hallo,

ich bin bei einigen Artikeln über „Eltern erziehen“ gestolpert.
Irgendwie ist das ein Ansatz, der gar nicht funktionieren kann:

  1. Erziehen können nur die Personen, die selbst schon erzogen wurden
    (betonte mein Pädagogik-Professor mehrmals eindringlichst).

=> Kinder können keine Erwachsenen erziehen.

  1. Erziehung bedeutet Fremdbestimmung mit dem Ziel, den zu
    Erziehenden an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen, so dass ein
    Überleben in der Gesellschaft gesichert wird. Erziehung tritt zudem
    zu Gunsten der Bildung immer weiter zurück, welche wiederum eine
    Selbstbestimmung vorsieht.

=> Da Eltern bereits bewiesen haben, dass sie in der Gesellschaft
überlebensfähig sind, ist es fraglich, warum eine weitere
Notwendigkeit zur Erziehung von bereits gesellschaflich lebensfähigen
Menschen besteht.

=> Fremdbestimmung funktioniert nur, wenn die dafür notwendige
Autorität („Macht“) vorliegt. Kinder haben meines Wissens
normalerweise keine derartige Macht über ihre Eltern (außer, die
Eltern lassen sich alles gefallen und handeln nicht immer konsequent;
dadurch geben Eltern ihren Kindern Macht über sie).

Ist es vielmehr nicht notwendig, dass Kinder zum einen lernen müssen,
sich in der Welt behaupten zu können und Eltern wiederum lernen
müssen, dass Kinder erwachsen werden? Am besten lernen Eltern das,
wenn Kinder zeigen, dass sie reifer und erwachsener (also auch
verantwortungsbewusster) geworden sind. Wie soll man auch als Vater
oder Mutter erkennen, wie reif das Kind wirklich ist, wenn es seit
Jahren immer heult und schimpft, um an seine Ziele - ungeachtet der
Bedürfnisse anderer - zu kommen, sprich: immer die gleiche
Strategie / das gleiche Verhalten an den Tag legt?

Etwas verwirrte Grüße über die Akzeptanz von „Eltern erziehen“
Klara

Hi Klara,

=> Kinder können keine Erwachsenen erziehen.
(betonte mein Pädagogik-Professor mehrmals eindringlichst).

Deinen Pädagogik-Professor und die Theorie in allen Ehren, aber Du solltest die flapsigen Formulierungen hier im Forum nicht mit wissenschaftlich korrekten Termini verwechseln. Wenn jemand schreibt, er sei dumm angemacht worden und wolle dem anderen mal zeigen, wo der Frosch die Locken hat, möchte er bestimmt keinen haarigen Lurch bestellen. Ebenso verstehe ich den Begriff „Eltern erziehen“ als etwas plumpe Metapher dafür, dass Kinder ihre Position vor den Eltern möglichst klar darstellen sollen, um gemeinsam eine erträgliche Lösung zu finden. „Erziehen“ steht hier wohl analog zu einer sanften versuchten Manipulation zu eigenen Gunsten, derer sich jedes Kind bedient haben dürfte. Fazit des letzten Postings in Sachen Elternerziehung lautete „ich möchte das sich das Verhältnis zwischen uns [der Schreiberin und den Eltern] bessert“, was ich persönlich als positiv ansehe. Kommunikation ist gelungen, wenn die Botschaft ankommt, und ich habe immer verstanden, dass kein Jugendlicher hier tatsächlich den Spieß umdrehen will.

Gruß
Christopher

Hallo Klara,

natürlich hast Du mit Deinen Ausführungen recht.

Vielleicht haben wir uns aber nur von jemandes Visitenkarte inspirieren lassen, der schreibt:

"Ich hasse Metadiskussionen, die leider hier zu Lasten von wirklich hilfreichen Antworten viel zu häufig auftreten.

Daher meine Bitte an alle: Mir reicht es, wenn ihr meine Frage beantwortet. Drumherumgesäusel ist nicht notwendig."

Weil ich auch dieser Meinung bin - und, weil die Fragestellerin noch jung ist, habe habe ich mich nicht über die offenkundig unglücklich gewählte Formulierung lang und breit aufgeregt sondern bin gleich zur Beantwortung geschritten.

Hanna

Hallo,

ich bin bei einigen Artikeln über „Eltern erziehen“
gestolpert.
Irgendwie ist das ein Ansatz, der gar nicht funktionieren
kann:

  1. Erziehen können nur die Personen, die selbst schon erzogen
    wurden
    (betonte mein Pädagogik-Professor mehrmals eindringlichst).

=> Kinder können keine Erwachsenen erziehen.

Dein Prof hat Recht, wenn er „Erziehen“ als bewussten und verstandesgesteuerten sowie zielgerichteten Vorgang versteht.
Falls er das nicht tut und diese Aussage tätigt, hat er keine Ahnung.

Und selbst wenn er das so versteht: Das Erwachsenwerden ist ein derart fliessender Vorgang, ebenso wie die Entwicklung von Manipulationstechniken und ihrer Bewusstwerdung, daß diese Aussage praktisch gesehen völlig nutzlos ist :smile:

  1. Erziehung bedeutet Fremdbestimmung mit dem Ziel, den zu
    Erziehenden an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen, so
    dass ein Überleben in der Gesellschaft gesichert wird. Erziehung
    tritt zudem zu Gunsten der Bildung immer weiter zurück, welche
    wiederum eine Selbstbestimmung vorsieht.

=> Da Eltern bereits bewiesen haben, dass sie in der
Gesellschaft überlebensfähig sind, ist es fraglich, warum eine
weitere Notwendigkeit zur Erziehung von bereits gesellschaflich
lebensfähigen Menschen besteht.

So, und jetzt komm mal aus Deinem Hörsaal raus und tritt ins Leben.
Erziehung, oder vielmehr das, was hier wohl im Brett aktuell damit gemeint ist, bezieht sich viel viel einfacher letztlich auf ganz egoistische persönliche Vorteile und dann noch ein bischen auf Überlebensfähigkeit in der auf die Familie reduzierten Gesellschaft. Auf den letzten Punkt bezogen haben Eltern mitunter noch gar überhauptnichts ihrer Föhigkeiten unter Beweis gestellt, und erfolgreich sind sie ganz offenkundig auch nicht. Damit ist Deine Folgerung für die Katz (oder den Prof :wink:)

=> Fremdbestimmung funktioniert nur, wenn die dafür
notwendige Autorität („Macht“) vorliegt. Kinder haben meines Wissens
normalerweise keine derartige Macht über ihre Eltern (außer,
die Eltern lassen sich alles gefallen und handeln nicht immer
konsequent; dadurch geben Eltern ihren Kindern Macht über sie).

Beschäftige Dich mal mit Macht und Manipulation.

Ist es vielmehr nicht notwendig, dass Kinder zum einen lernen
müssen, sich in der Welt behaupten zu können und Eltern wiederum
lernen müssen, dass Kinder erwachsen werden? Am besten lernen Eltern
das, wenn Kinder zeigen, dass sie reifer und erwachsener (also auch
verantwortungsbewusster) geworden sind.

Mannomann, das liest sich ja ganz süß, aber etwas naiv.

Gruß,

Malte.

Hallo Klara,

eine nette Vika hast Du :wink:

Ergänzend zu den Aussagen von Malte und Christopher möchte ich auch noch ganz unwissenschaftlich das wahre Leben erwähnen:

ich bin bei einigen Artikeln über „Eltern erziehen“
gestolpert.
Irgendwie ist das ein Ansatz, der gar nicht funktionieren
kann:

Die Praxis zeigt oft das Gegenteil. Es reichen offene Augen. Geh mal in einen Supermarkt in den Kassenbereich, Stichwort „Quengelware“…

  1. Erziehen können nur die Personen, die selbst schon erzogen
    wurden
    (betonte mein Pädagogik-Professor mehrmals eindringlichst).

Das gefällt mir :smile:)). Ich bin eine „mittelalte“ Mutter und ertappe mich zunehmend dabei, dass ich für mich denke, wenn schon die Eltern schlechte Manieren haben, wie soll dann das Kind anders sein ?

=> Kinder können keine Erwachsenen erziehen.

Doch. Mein Sohn hat meinem Mann beigebracht, dass er im Supermarkt immer das erste Regal von links anzusteuern hat :wink: Aber das ist natürlich ganz unwissenschaftlich.

  1. Erziehung bedeutet Fremdbestimmung mit dem Ziel, den zu
    Erziehenden an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen, so
    dass ein
    Überleben in der Gesellschaft gesichert wird. Erziehung tritt
    zudem
    zu Gunsten der Bildung immer weiter zurück, welche wiederum
    eine
    Selbstbestimmung vorsieht.

Schon wieder etwas dazugelernt.

=> Da Eltern bereits bewiesen haben, dass sie in der
Gesellschaft
überlebensfähig sind, ist es fraglich, warum eine weitere
Notwendigkeit zur Erziehung von bereits gesellschaflich
lebensfähigen
Menschen besteht.

Ich habe beruflich viel mit formal erwachsenen Menschen zu tun. Lebensfähig ist dehnbar, auf die biologischen Grundfunktionen bezogen sicherlich, aber dann wird es bei einigen schon eng.

=> Fremdbestimmung funktioniert nur, wenn die dafür
notwendige
Autorität („Macht“) vorliegt. Kinder haben meines Wissens
normalerweise keine derartige Macht über ihre Eltern (außer,
die
Eltern lassen sich alles gefallen und handeln nicht immer
konsequent;
dadurch geben Eltern ihren Kindern Macht über sie).

Tipp: Falls Du für Dich Kinder planst: Druck Dir diesen Satz aus und nimm ihn nach der Geburt des ersten Kindes wieder aus der Schublade.

Ist es vielmehr nicht notwendig, dass Kinder zum einen lernen
müssen,
sich in der Welt behaupten zu können und Eltern wiederum
lernen
müssen, dass Kinder erwachsen werden? Am besten lernen Eltern
das,
wenn Kinder zeigen, dass sie reifer und erwachsener (also auch
verantwortungsbewusster) geworden sind. Wie soll man auch als
Vater
oder Mutter erkennen, wie reif das Kind wirklich ist, wenn es
seit
Jahren immer heult und schimpft, um an seine Ziele -
ungeachtet der
Bedürfnisse anderer - zu kommen, sprich: immer die gleiche
Strategie / das gleiche Verhalten an den Tag legt?

Hier stimme ich Dir weitgehend zu. In der Praxis gibt es aber genug Eltern, die nicht lernfähig sind.

Danke trotzdem für Deinen Exkurs, ich habe daraus viel gelernt.

Viele Grüße,

Inselchen (die darauf besteht, ihre Kinder tatsächlich zu erziehen *g*)

Theorie und Praxis aus Elternsicht
Hallo Klara,

Hallo,
ich bin bei einigen Artikeln über „Eltern erziehen“
gestolpert.
Irgendwie ist das ein Ansatz, der gar nicht funktionieren
kann:

  1. Erziehen können nur die Personen, die selbst schon erzogen
    wurden
    (betonte mein Pädagogik-Professor mehrmals eindringlichst).
    => Kinder können keine Erwachsenen erziehen.

*fg*
Ich weiß ja nicht, wie alt dein Prof ist, aber wenn er meint,
Kinder könnten keine Erwachsenen erziehen, so soll er mal
für einen Tag Mäuschen in einem Supermarkt (Kassenbereich
oder Spielwarenabteilung) spielen.

  1. Erziehung bedeutet Fremdbestimmung mit dem Ziel, den zu
    Erziehenden an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen, so
    dass ein
    Überleben in der Gesellschaft gesichert wird. Erziehung tritt
    zudem zu Gunsten der Bildung immer weiter zurück, welche wiederum
    eine Selbstbestimmung vorsieht.
    => Da Eltern bereits bewiesen haben, dass sie in der
    Gesellschaft
    überlebensfähig sind, ist es fraglich, warum eine weitere
    Notwendigkeit zur Erziehung von bereits gesellschaflich
    lebensfähigen Menschen besteht.
    => Fremdbestimmung funktioniert nur, wenn die dafür
    notwendige
    Autorität („Macht“) vorliegt. Kinder haben meines Wissens
    normalerweise keine derartige Macht über ihre Eltern (außer,
    die
    Eltern lassen sich alles gefallen und handeln nicht immer
    konsequent;
    dadurch geben Eltern ihren Kindern Macht über sie).

Hättest du eigene Kinder im Pubi-Alter, die du erziehen müßtest,
so würdest du wahrscheinlich selbst den Kopf schütteln über deine
Argumentation.

Ist es vielmehr nicht notwendig, dass Kinder zum einen lernen
müssen,
sich in der Welt behaupten zu können und Eltern wiederum
lernen
müssen, dass Kinder erwachsen werden? Am besten lernen Eltern
das,
wenn Kinder zeigen, dass sie reifer und erwachsener (also auch
verantwortungsbewusster) geworden sind. Wie soll man auch als
Vater
oder Mutter erkennen, wie reif das Kind wirklich ist,

Die Eltern erkennen es, wie reif ihr Kind wirklich ist,
indem sie das Verhalten der Kinder sehen, ja.

wenn es
seit Jahren immer heult und schimpft, um an seine Ziele -
ungeachtet der
Bedürfnisse anderer - zu kommen, sprich: immer die gleiche
Strategie / das gleiche Verhalten an den Tag legt?

Hast du dir diese Ausführung genau überlegt?
Tun das nicht vielleicht die Eltern?

Etwas verwirrte Grüße über die Akzeptanz von „Eltern erziehen“

Haha…
Geh nochmals gedanklich ca 10 Jahre retour und dann vergleich deine
Aktionen mit den Worten deines Profs und deiner Worte hier.
Dann geh von jetzt aus mal ca 15 oder 20 Jahre in die Zukunft und
überleg dir, wie deine Kinder reagieren würden.
Wenn dir das nicht hilft, einen Blick ins RealLife mit Pubis
zu werfen, so geh mal eine Woche in nen Supermarkt (s. o.) und
beobachte Kinder mit ihren Eltern/Großeltern.

Klara

Sorry, mußte echt grinsen bei deinen Argumenten.
Insgeheim kommt da sogar etwas Schadenfreude auf
(ich warte auf den Tag, an dem meine Töchter Mama
werden und ich meinen Enkeln alles beibringen kann,
womit sie ihre Eltern täglich auf die Palme bringen
können. Meinen Mädels schenk ich zur Geburt natürlich
Erziehungsratgeber, die von „klugen Fachleuten“
geschrieben wurden.)

Frechgrinsende und trotzdem erziehungsversuchgeplagte
Elterngrüße von 2 pubertierenden Minizicken

*sfg* *wink* Daggi

Hallo,

ich bin bei einigen Artikeln über „Eltern erziehen“
gestolpert.
Irgendwie ist das ein Ansatz, der gar nicht funktionieren
kann:

  1. Erziehen können nur die Personen, die selbst schon erzogen
    wurden
    (betonte mein Pädagogik-Professor mehrmals eindringlichst).

Sag deinem Prof, ich fühle mich beleidigt, da ich nicht mehr lernfähig sein soll und er ist ein Trottel .-) Hätte mal bei Marx nachschlagen sollen:
„Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein.“ oder der Umgang formt den Menschen zu gut deutsch. Also auch deine Kinder.

Gruß
Frank
PS: hast du in deiner Dipl-Arbeit auch so nen herrlichen Ausdruck wie inner vika? :smile:
Jetzt bitte nicht angepinkelt fühlen! Ist noch früh heute.

ehrlich und hart aber herzlich *zustimm* (owt)
owt heißt ohne weiteren Text.

Hallo, Klara,
da habe ich doch gleich - und andere haben es wohl auch getan - in deiner Vika erkundigt, wie alt Du bist. Denn die von Dir geäußerten Ansichten schienen mir noch vor Fröbel angesiedelt. Aber genug „herumgesäuselt“.

Wenn wir davon ausgehen, dass „Erziehung“ bedeutet, einen anderen Menschen zu einem erwünschten Verhalten zu bringen oder ihm Wissen zu vermitteln, dann kann, aber muss sich dies durchaus nicht nur auf das Verhältnis Eltern-Kinder beziehen, wenn dies auch zugegebenermaßen der Normfall ist.

Es kann ohne weiteres auch einmal ein jüngerer Mensch einen älteren „erziehen“. Und selbst eine Erziehung im gemeingebräuchlichen Sinne wird niemals ganz ohne Rückwirkung auf den Erziehenden bleiben.

Gerade dieses Forum hier zeigt ja immer wieder sehr deutlich und erfolgreich, dass auch Ältere durchaus von Jüngeren lernen können. Dabei ist es sicher unerheblich, ob es um reines Wissen oder soziale Verhaltensweisen geht.

Insofern fand ich die Frage „Wie kann ich meine Eltern erziehen“ durchaus angemessen. Aber genug der Metadiskussion.

Gruß
Eckard.

Hallo,

Salü Klara !

ich bin bei einigen Artikeln über „Eltern erziehen“
gestolpert. Irgendwie ist das ein Ansatz, der gar nicht funktionieren
kann:

  1. Erziehen können nur die Personen, die selbst schon erzogen
    wurden (betonte mein Pädagogik-Professor mehrmals eindringlichst).

Nein, das seh ich anders. „Erziehen“ heißt „Charakter bilden, jemandes Fähigkeiten entwickeln und jemandes Entwicklung fördern“; imo eine gegenseitige Sache. Meine Kinder fördern auch meine Entwicklung. Für mich ist Dein Pädagogik-Professor ein bißchen verzopft. Ein möglicher Unterschied zwischen meinen Kindern und mir ist, dass meine Erziehungsmaßnahmen zum Teil geplanter, zielorientierter und vernunftgesteuerter sein mögen.

=> Kinder können keine Erwachsenen erziehen.

Nein, der Meinung bin ich nicht. Die Beeinflussung (Erziehung) funktioniert gegenseitig. Das ist keine Einbahnstraße!

  1. Erziehung bedeutet Fremdbestimmung mit dem Ziel, den zu
    Erziehenden an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen, so
    dass ein Überleben in der Gesellschaft gesichert wird.

Das mag in den Schulen so passieren. Ich erzieh meine Kinder gewiss nicht dazu, in der Gesellschaft zu funktionieren. „Frieden, Freiheit, Widerstand“ hat Hans Söllner bei einem seiner Konzerte an seine Zuhörer gemeint. „Die Gesellschaft profitiert von denen, die mitdenken, nicht von denen, die mitmarschieren“ (Friedrich Dürrenmatt).
Eins der Bücher, die ich meinen Kindern zum Lesen (& anschließenden Diskutieren) gab, ist:
(Hab bei amazon nur die Audio-CD gefunden, ich hab das Taschenbuch zu Hause) Henry David, Thoreau: Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat; ISBN: 3935125089 Buch anschauen

Erziehung tritt zudem zu Gunsten der Bildung immer weiter zurück,
welche wiederum eine Selbstbestimmung vorsieht.

Das Erziehen zum eigenständigen Denken ist für mich Erziehung, nicht Bildung.

=> Da Eltern bereits bewiesen haben, dass sie in der
Gesellschaft überlebensfähig sind, ist es fraglich, warum eine
weitere Notwendigkeit zur Erziehung von bereits gesellschaflich
lebensfähigen Menschen besteht.

Erziehung bedeutet für mich Entwicklung und ist damit ein lebenslanger Prozeß ohne Abschluss.

=> Fremdbestimmung funktioniert nur, wenn die dafür
notwendige Autorität („Macht“) vorliegt.

Manipulation funktioniert auch ohne Autorität.

Kinder haben meines Wissens normalerweise keine derartige Macht über
ihre Eltern (außer, die Eltern lassen sich alles gefallen und
handeln nicht immer konsequent; dadurch geben Eltern ihren Kindern
Macht über sie).

Manipulation ist imo [fast] immer eine zweiseitige Geschichte.

Ist es vielmehr nicht notwendig, dass Kinder zum einen lernen
müssen, sich in der Welt behaupten zu können

Auch, aber nicht nur.

und Eltern wiederum lernen müssen, dass Kinder erwachsen werden?

Auch, aber nicht nur.

Am besten lernen Eltern das, wenn Kinder zeigen, dass sie reifer und
erwachsener (also auch verantwortungsbewusster) geworden sind.

Ich weiß, dass meine Kinder erwachsen werden. Das muss ich nicht erst lernen!

Wie soll man auch als Vater oder Mutter erkennen, wie reif das Kind
wirklich ist, wenn es seit Jahren immer heult und schimpft, um an
seine Ziele - ungeachtet der Bedürfnisse anderer - zu kommen,
sprich: immer die gleiche Strategie / das gleiche Verhalten an den
Tag legt?

Das kann ich ansprechen. Eine entwickelte Streit- und Kommunikationskultur in Familien ist für mich wichtig.

Etwas verwirrte Grüße über die Akzeptanz von „Eltern erziehen“

Grüße

Klara

Wolkenstein

hallo klara,

die sache mit artikeln in (fach-)zeitschriften, vorlesungen, vorträgen, beiträgen in foren usw. ist, daß der jeweilige autor die thematik in einer bestimmten weise sieht und definiert - nämlich seiner eigenen sichtweise. und auf der eigenen definitionsbasis hat man immer recht.

beispiel:

:Erziehen können nur die Personen, die selbst schon erzogen
:wurden
:=> Kinder können keine Erwachsenen erziehen.
:frowning:…)
:Erziehung bedeutet Fremdbestimmung mit dem Ziel, den zu
:Erziehenden an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen, so
:dass ein
:Überleben in der Gesellschaft gesichert wird.

auf dieser definitionsgrundlage hat ein kind natürlich keine chance, als erzieher seiner eltern anerkannt zu werden.

mir persönlich gefällt diese definition von erziehung auch nicht besonders: sie erweckt in mir den eindruck, es gehe vornehmlich ums sauberhalten, abfüttern und regeln beibringen. in so einer familie habe ich gelebt und es hat mir nicht besonders gefallen. für meine eigene familie wünsche ich mir mehr und ich denke, dies ist nur durch wechselseitige anpassung zu erreichen.

:=> Da Eltern bereits bewiesen haben, dass sie in der
:Gesellschaft
:überlebensfähig sind, ist es fraglich, warum eine weitere
:Notwendigkeit zur Erziehung von bereits gesellschaflich
:lebensfähigen
:Menschen besteht.

gut, als erwachsener habe ich mich an die gesellschaft angepasst und lebe darin erfolgreich. wenn ich mir eine familie - einen partner und kinder - anschaffe, dann ist das aber etwas anderes als „die gesellschaft“. es gibt in einer familie ganz andere regeln und ganz andere beziehungen zwischen den personen als außerhalb der familie. zwar kennt man als erwachsener familie schon aus der sicht des kindes, denn man wurde in einer familie aufgezogen. aber 1. haben diese kindliche sichtweise die meisten erwachsenen schon vergessen und 2. ist die rolle der eltern eine neue. als kind konnte man zwar beobachten, wie sich die eltern verhalten haben, aber 1. blieben dabei die inneren vorgänge (gedanken, gefühle) verborgen und 2. unterscheidet sich die sichtweise eines kindes von der eines erwachsenen (es gibt zumindest in meiner kindheit einige situationen die ich rückblickend und als erwachsener ganz anders bewerte als als kind). daher denke ich, daß es für einen erwachsenen sehr wohl etwas gibt, daß er durch und auch für seine familie lernen kann/sollte.

:Ist es vielmehr nicht notwendig, dass Kinder zum einen lernen
:müssen,
:sich in der Welt behaupten zu können und Eltern wiederum
:lernen
:müssen, dass Kinder erwachsen werden?

das sollte meiner ansicht nach „am ende“ dabei rausgekommen sein.

:Am besten lernen Eltern
:das,
:wenn Kinder zeigen, dass sie reifer und erwachsener (also auch
:verantwortungsbewusster) geworden sind.

das setzt aber voraus, daß kinder und eltern das gleiche verständnis von reif und erwachsen haben. gerade in der pubertät gehen die meinungen darüber ziemlich auseinander. andererseits muß man verschiedenen leuten, auch wenn sie aus der selben familie kommen, auch zugestehen unterschiedliche meinungen zu haben, auch darüber, was reif und erwachsen angeht. mitunter wird ein kind von seinen eltern vielleicht nie für reif und erwachsen gehalten, auch wenn andere leute das gegenteil denken. umgekehrt gibt es sicher auch kinder, die ihre eltern für unreif halten.

:Wie soll man auch als
:Vater
:oder Mutter erkennen, wie reif das Kind wirklich ist, wenn es
:seit
:Jahren immer heult und schimpft, um an seine Ziele -
:ungeachtet der
:Bedürfnisse anderer - zu kommen, sprich: immer die gleiche
:Strategie / das gleiche Verhalten an den Tag legt?

jemand heult und schimpft, um ziele zu erreichen, wenn ihm beigebracht wurde, daß heulen und schimpfen das einzige ist, um ans ziel zu kommen. daher sehe ich dieses verhalten nicht unbedingt als verschulden des kindes. wer zuviel „fremdbestimmt“ braucht sich nicht wundern, daß der fremdbestimmte dabei nichts lernt.

Glaubst Du, daß Du Laura damit…
… in irgendeiner Weise geholfen hast, Klara? Ich mußte mir meine Mom auch erst einmal ‚erziehen‘.

Ihr Pädagogen habt manchmal sehr merkwürdige Ansichten…

Grüßle

Renee

Huhu!

Ihr Pädagogen habt manchmal sehr merkwürdige

@Renee: Heiheihei!!! :wink:

*g* hast recht.

@allgemein:
Wobei ich aber die folgende Erklärung für Eziehung lieber mag: ein Ezieher
vesucht mit beabsichtigen, zielgerichteten Handlungen einen zu erziehenden
Menschen zu einer dauerhaften Änderung seines Verhaltens zu bewegen.

oder

W. Brezinka definiert Erziehung als
„Sozial Handlungen, durch die Menschen vesuchen, das Gefüge der psychischen
Disposition andere Menschen in irgendeiner Hinsicht dauerhaft zu verbessern
oder seine als wertvoll beurteilten Komponenten zu erhalten.“

Wir reden nur von Menschen - das is doch fein, oder?

Bloss ist diese Diskussion hier relativ fehl am Platze. Hier schreiben halt
viele ‚Laien‘ und so’n Gesülze bringt die auch seltenst weiter.
ich sage z.B. niiiiiiiiiiiiie (nach Möglichkeit), dass ich Pädgogik studiere,
falls es mal um Erziehungfragen geht.
Ich sage lieber nichts; denn Menschen, die (noch) keine Kinder haben, dürfen
sich in den Augen von Menschen mit Kindern eh überhaupt kein Urteil erlauben
und Theoretiker wie Studierte schon zweimal nicht…
Außerdem gibt es kaum ein anderes Feld, bei dem mit solche Spannung und
Inbunst, Dogmatismus, Realitätsferne, Emotionen, Wissenschaftsgläubigkeit
(wenn’s passt natürlich nur), Bauchgefühl, etc. gestritten wird wie dabei.

Was wollte ich eigentlich sagen? Gute Frage, nächste Frage.
Ich glaube, das Hauptmerkmal eines Pädagogen ist das Schwafeln-können *g*

Bye, Vanessa

Hallo Klara! Kurz, knapp und ohne Metadiskussion: Erziehung ist in meinen Augen etwas Interaktives. Wenn man selbst Kinder hat, sieht die ganze schöne Erziehungstheorie der Fachbücher so seltsam anders aus. Und das ist auch gut so! Angelika, deren eigene Erziehung auch mit fast 50 noch nicht abgeschlossen ist.

Hallo!

… in irgendeiner Weise geholfen hast, Klara? Ich mußte mir
meine Mom auch erst einmal ‚erziehen‘.

Ich glaube nicht, dass Klara der Laura helfen wollte, schließlich ist das ja ein eigener Thread und keine Antwort auf das Posting dieser Laura.

Gruß
Manor

Ups !
Hallo Dagmar,

danke für die Zustimmung :wink:

Ups, ich habe heute wohl meinen giftigen Tag, muss an zwei ganz besonders ekligen Kunden liegen, die mir heute geschrieben haben *seufz*. Jedenfalls habe ich eigentlich ganz nett antworten wollen…

Inhaltlich sind wir uns ja einig :smile:

Viele Grüße von der Fettnapftreterin

Inselchen

  1. Erziehen können nur die Personen, die selbst schon erzogen
    wurden
    (betonte mein Pädagogik-Professor mehrmals eindringlichst).

Nun darf man natürlich Fachtermini nicht mit der Verwendung eines Begriffes im normalen Sprachgebrauch verwechseln.
Vielleicht kann man zwischen aktiver und passiver Erziehung im Sinne von Einflußnahme auf die Persönlichkeit unterscheiden. Letztere (die passive) geschieht schon allein durch die Existenz des Kindes und der nunmehr notwendigen Veränderung der Lebensumstände. Wer Kinder hat wird wissen, was ich meine.

Hinzu kommt, daß Kinder spätestens ab dem 2. Lebensjahr bereits ein wenig Erziehung genossen haben. So gesehen dürfte eine 15jährige über ausreichende Erfahrungen in dem Bereich verfügen. :wink:

=> Kinder können keine Erwachsenen erziehen.

was soeben widerlegt wurde…

  1. Erziehung bedeutet Fremdbestimmung mit dem Ziel, den zu
    Erziehenden an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen, so
    dass ein
    Überleben in der Gesellschaft gesichert wird.

…so so, na da muß ich mich nicht wundern. Ich hatte moderne Erziehung doch eher als Begleitung auf dem Weg ins Leben verstanden. Diese sollte nicht nur Überleben sichern, sondern auch die Fähigkeit zur aktiven Gestaltung von Umwelt und Gesellschaft einschließen. Es geht ja nicht um Dressur.

Erziehung tritt

zudem
zu Gunsten der Bildung immer weiter zurück, welche wiederum
eine
Selbstbestimmung vorsieht.

Hä??? Irgendwie scheint mir der Satz aus dem Zusammenhang gerissen oder aber ungeschickt formuliert zu sein.

=> Da Eltern bereits bewiesen haben, dass sie in der
Gesellschaft
überlebensfähig sind, ist es fraglich, warum eine weitere
Notwendigkeit zur Erziehung von bereits gesellschaflich
lebensfähigen
Menschen besteht.

Es gibt vieles was nicht notwendig ist und trotzdem geschieht. :wink:

Außerdem haben Eltern nicht zwangsläufig irgendwas bewiesen. Leben ist Entwicklung und vor allem die Persönlichkeit entwickelt sich bis zum letzten unserer Tage…ich verate Dir mal was, es gibt in Wirklichkeit keinen konkreten Punkt an dem wir sagen können, ab heute bin ich erwachsen. :wink:

=> Fremdbestimmung funktioniert nur, wenn die dafür
notwendige
Autorität („Macht“) vorliegt.

Wie schon gesagt, es geht bei Erziehung nicht unbedingt um Machtkämpfe, wobei natürlich eine gewisse Autorität da sein sollte. Je reifer die Kinder werden um so mehr kann man diese aber zu gunsten der reinen Vernunft in den Hintergrund treten lassen. Will heißen, man ordnet nicht an sondern setzt sich (sachlich ) auseinander.

Kinder haben meines Wissens
normalerweise keine derartige Macht über ihre Eltern (außer,
die
Eltern lassen sich alles gefallen und handeln nicht immer
konsequent;

Konsequentes Handeln ist ja nur eine Seite der Medaille. In einer Familie herrscht ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Eltern sind doch keine Übermenschen und kluge Eltern wissen das auch und sind manchmal sogar bereit auch eigene Fehler zuzugeben. Das schließt durchaus ein, daß diese Fehler von den eigenen Kindern erkannt und durch ihren Einfluß verändert werden. Kinder erhalten ja nicht nur durch Eltern Anregungen und Lebensansichten vermittelt und tragen somit auch von außen sehr viel eigene Ideen in die Familie. Dabei kommt es durchaus auch zu aktiver Erziehung. Ein relativ einfaches Beispiel ist das Kind, das seine Eltern durch ständige Überzeugungsarbeit zur Mülltrennung bringt. Kinder können in manchen Dingen sehr radikal sein und dabei durchaus die Gewohnheiten durchbrechen, die sich so eingefahren haben.

dadurch geben Eltern ihren Kindern Macht über sie).

Quark, die Macht hat letzlich immer der, der das Geld in der Hand hält, aber das ist nicht Pädagogik, das ist Ökonomie .

Ist es vielmehr nicht notwendig, dass Kinder zum einen lernen
müssen,
sich in der Welt behaupten zu können und Eltern wiederum
lernen
müssen, dass Kinder erwachsen werden?

Ja richtig, nur ist das doch genau das, was wovon wir alle reden.

Am besten lernen Eltern

das,
wenn Kinder zeigen, dass sie reifer und erwachsener (also auch
verantwortungsbewusster) geworden sind. Wie soll man auch als
Vater
oder Mutter erkennen, wie reif das Kind wirklich ist, wenn es
seit
Jahren immer heult und schimpft, um an seine Ziele -
ungeachtet der
Bedürfnisse anderer - zu kommen, sprich: immer die gleiche
Strategie / das gleiche Verhalten an den Tag legt?

Glaube mir, das sind die wenigsten Kinder, die so plumpe Strategien anwenden. Da möchtest Du als künftige Pädagogin auf reichlich Facetten gefaßt sein.

Etwas verwirrte Grüße über die Akzeptanz von „Eltern erziehen“

Das ist die alte Disharmonie von Theorie und Praxis.

Ich empfehle Dir zum Thema mal ein Buch. Es heißt ‚Eine ideale Frau‘ von Geraldine McGaughrean und beschreibt sehr unterhaltend den Versuch eines englischen Lords zwei ‚Naturkinder‘ nach den Idealen von Rousseau zu erziehen.

Viel Spaß,
Gruß Maid :smile:

Ich fand’s nett und wunderte mich über Dagmars Reaktion.

Hope this helps.

Gruß, AndyM

*sfg*

Ich fand’s nett und wunderte mich über Dagmars Reaktion.

Hope this helps.

Gruß, AndyM

Hallo ihr beiden,

ich hab mich köstlich amüsiert über Inselchen.
Wie schonmals gesagt, ich stimme ihr voll zu.
Das breite Grinsen, das ich schon den ganzen Tag im Gesicht habe,
rührt von der Vorstellung, wie Inselchen und ich grinsend im
Kaufhaus Mäuschen spielen, wenn der Prof und seine Studentin
versuchen, die Kids zu erziehen, wie der Prof meint, wie Kids sein
sollten bzw wie Eltern das zu machen haben…

Gruß
(besonders an alle Eltern, die an ihren Erziehungs-
methoden zu zweifeln beginnen)

*wink*
Daggi