- Erziehen können nur die Personen, die selbst schon erzogen
wurden
(betonte mein Pädagogik-Professor mehrmals eindringlichst).
Nun darf man natürlich Fachtermini nicht mit der Verwendung eines Begriffes im normalen Sprachgebrauch verwechseln.
Vielleicht kann man zwischen aktiver und passiver Erziehung im Sinne von Einflußnahme auf die Persönlichkeit unterscheiden. Letztere (die passive) geschieht schon allein durch die Existenz des Kindes und der nunmehr notwendigen Veränderung der Lebensumstände. Wer Kinder hat wird wissen, was ich meine.
Hinzu kommt, daß Kinder spätestens ab dem 2. Lebensjahr bereits ein wenig Erziehung genossen haben. So gesehen dürfte eine 15jährige über ausreichende Erfahrungen in dem Bereich verfügen. 
=> Kinder können keine Erwachsenen erziehen.
was soeben widerlegt wurde…
- Erziehung bedeutet Fremdbestimmung mit dem Ziel, den zu
Erziehenden an die kulturellen Gegebenheiten anzupassen, so
dass ein
Überleben in der Gesellschaft gesichert wird.
…so so, na da muß ich mich nicht wundern. Ich hatte moderne Erziehung doch eher als Begleitung auf dem Weg ins Leben verstanden. Diese sollte nicht nur Überleben sichern, sondern auch die Fähigkeit zur aktiven Gestaltung von Umwelt und Gesellschaft einschließen. Es geht ja nicht um Dressur.
Erziehung tritt
zudem
zu Gunsten der Bildung immer weiter zurück, welche wiederum
eine
Selbstbestimmung vorsieht.
Hä??? Irgendwie scheint mir der Satz aus dem Zusammenhang gerissen oder aber ungeschickt formuliert zu sein.
=> Da Eltern bereits bewiesen haben, dass sie in der
Gesellschaft
überlebensfähig sind, ist es fraglich, warum eine weitere
Notwendigkeit zur Erziehung von bereits gesellschaflich
lebensfähigen
Menschen besteht.
Es gibt vieles was nicht notwendig ist und trotzdem geschieht. 
Außerdem haben Eltern nicht zwangsläufig irgendwas bewiesen. Leben ist Entwicklung und vor allem die Persönlichkeit entwickelt sich bis zum letzten unserer Tage…ich verate Dir mal was, es gibt in Wirklichkeit keinen konkreten Punkt an dem wir sagen können, ab heute bin ich erwachsen. 
=> Fremdbestimmung funktioniert nur, wenn die dafür
notwendige
Autorität („Macht“) vorliegt.
Wie schon gesagt, es geht bei Erziehung nicht unbedingt um Machtkämpfe, wobei natürlich eine gewisse Autorität da sein sollte. Je reifer die Kinder werden um so mehr kann man diese aber zu gunsten der reinen Vernunft in den Hintergrund treten lassen. Will heißen, man ordnet nicht an sondern setzt sich (sachlich ) auseinander.
Kinder haben meines Wissens
normalerweise keine derartige Macht über ihre Eltern (außer,
die
Eltern lassen sich alles gefallen und handeln nicht immer
konsequent;
Konsequentes Handeln ist ja nur eine Seite der Medaille. In einer Familie herrscht ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
Eltern sind doch keine Übermenschen und kluge Eltern wissen das auch und sind manchmal sogar bereit auch eigene Fehler zuzugeben. Das schließt durchaus ein, daß diese Fehler von den eigenen Kindern erkannt und durch ihren Einfluß verändert werden. Kinder erhalten ja nicht nur durch Eltern Anregungen und Lebensansichten vermittelt und tragen somit auch von außen sehr viel eigene Ideen in die Familie. Dabei kommt es durchaus auch zu aktiver Erziehung. Ein relativ einfaches Beispiel ist das Kind, das seine Eltern durch ständige Überzeugungsarbeit zur Mülltrennung bringt. Kinder können in manchen Dingen sehr radikal sein und dabei durchaus die Gewohnheiten durchbrechen, die sich so eingefahren haben.
dadurch geben Eltern ihren Kindern Macht über sie).
Quark, die Macht hat letzlich immer der, der das Geld in der Hand hält, aber das ist nicht Pädagogik, das ist Ökonomie .
Ist es vielmehr nicht notwendig, dass Kinder zum einen lernen
müssen,
sich in der Welt behaupten zu können und Eltern wiederum
lernen
müssen, dass Kinder erwachsen werden?
Ja richtig, nur ist das doch genau das, was wovon wir alle reden.
Am besten lernen Eltern
das,
wenn Kinder zeigen, dass sie reifer und erwachsener (also auch
verantwortungsbewusster) geworden sind. Wie soll man auch als
Vater
oder Mutter erkennen, wie reif das Kind wirklich ist, wenn es
seit
Jahren immer heult und schimpft, um an seine Ziele -
ungeachtet der
Bedürfnisse anderer - zu kommen, sprich: immer die gleiche
Strategie / das gleiche Verhalten an den Tag legt?
Glaube mir, das sind die wenigsten Kinder, die so plumpe Strategien anwenden. Da möchtest Du als künftige Pädagogin auf reichlich Facetten gefaßt sein.
Etwas verwirrte Grüße über die Akzeptanz von „Eltern erziehen“
Das ist die alte Disharmonie von Theorie und Praxis.
Ich empfehle Dir zum Thema mal ein Buch. Es heißt ‚Eine ideale Frau‘ von Geraldine McGaughrean und beschreibt sehr unterhaltend den Versuch eines englischen Lords zwei ‚Naturkinder‘ nach den Idealen von Rousseau zu erziehen.
Viel Spaß,
Gruß Maid 