Eltern mit besonderen Kindern ansprechen?

Hallo!

Ich komme gerade aus dem Schwimmbad und mir geht eine Situation einfach nicht aus dem Kopf. Dort war eine Mutter mit ihrem offensichtlich körperbehinderten Kind. Sie plantschten so wie andere auch. Wenn man sich dann die Leute drumherum angeschaut hat, guckten sie alle. Die Frau war ganz allein mit Ihrem Sohn dort. Mir gings ähnlich wie wohl vielen drum herum. Man musste ständig hinschauen. Es war für mich eine Mischung aus neugier, interesse und auch gedanken wie mitleid gingen mir durch den Kopf.
Es war komisch, es waren so viele leute im becken und irgendwie wirkte sie trotzdem einsam, dadurch das jeder zu ihr schielte.
Sie sah sehr nett aus und ich hätte mich auch gern mit ihr unterhalten nur wußte ich nicht wie.
Sonst habe ich keine Hemmungen auf jemanden zu zu gehen, aber heute schon. Ich selbst habe ein Schreikind und weiß, das man oft anders reagiert als andere es erwarten, wenn die es nur gut meinen.
Jetzt wollt ich von euch mal wissen, falls ihr ein Besonderes Kind habt ob es gewünscht ist das man als Fremder einfach mal auf Sie zugeht und wenn ja wie wäre es ok.

Versteht mich nicht falsch ich bin nicht scharf drauf zu wissen was da nicht normal ist. Es ist vielmehr das Gefühl der Barriere, das ich versuchen möchte zu überwinden.

Es ist nur eine Situation von vielen, aber mir ging es schon oft so, ich würde gern auf die Leute zugehen und trau mich nicht, da ich angst habe. Wovor? Das weiß ich auch nicht so genau. Es ist wie ein kloß im Hals.

Es wäre schön, einmal die Gedanken austauschen zu können.
lg Anja26

Hallo,
ob besondere oder nicht besondere, ob schwarz oder weiss, ob so wie dein Spiegelbild oder anders - warum tut sich unsere Gesellschaft (mich nicht ausgenommen) manchmal so schwer auf andere zuzugehen?

Ein einfaches Lächeln würde so manches Eis brechen.
m.E. wirkt ein Lächeln auch nicht wie „angeglotzt“ was ich im beschriebenen Fall doch eher als unangenehm empfinde.

Mein Tipp für das nächste Mal, wenn du das Bedürfnis hast mit jemandem in Kontakt zu kommen, der alleine scheint - lächle ihn an!

Chrisma

Hi,

also ich für mein Teil finde das man mit Kindern sehr schnell ins Gespräch mit anderen Eltern kommen kann. Gerade wenn bei den Kindern eine gleiche Situation, ein ähnliches Alter oder sonst ein Ansatzpunkt ist, kommt man schnell ins Gespräch wenn man die Nähe sucht. Wenn man z.B. auf dem Spielplatz sitz, kommt es darauf an wie weit weg man voneinander sitz, sobald aber eine gewisse Nähe ist, bleiben die Gespräche meist nicht aus.

Viele Grüsse
Me

Die neue Diskriminierung…
Hi Anja,

ich finde es gut, daß Du drüber nachdenkst.

Wir haben uns erst gestern drüber unterhalten. Eine Bekannte von mir hat vier Schwangerschaften hinter sich: Das erste war eine Fehlgeburt. Das zweite war ein gesundes Baby, das durch einen Ärztefehler unter der Geburt starb. Sie wurde wiederbelebt und überlebte schwerstbehindert (das kleine Mädchen konnte wirklich nichts alleine). Das dritte war wieder eine Fehlgeburt. Erst das vierte Kind ist nun ein gesundes, fröhliches Mädel geworden. Die Frau hat also einiges durchmachen müssen.

Was mich aber noch mehr traf als diese Geschichte an sich waren die Reaktionen der Leute, von denen mir diese Mutter erzählte. Ich kenne sie und weiß, daß sie ihr schwerstbehindertes Kind wirklich geliebt hat (die Kleine ist mit 7 Jahren gestorben).

Aber es sprachen sie immer wieder Leute an, die sagten: „Warum hast Du das (sic!) denn noch abgetrieben?“ Und das mit einem vorwurfsvollen Unterton!

Ich glaube, daß es durch die Möglichkeiten, behinderte Kinder bis vor Einsetzen der Wehen abtreiben zu lassen, zu einer neuen Art der Diskriminierung kommt. Einerseits sehen wir immer weniger behinderte Kinder dadurch, sodaß die Menschen weniger daran gewöhnt sind.

Andererseits gibt es eben tatsächlich auch Leute, die nunmehr erwarten, daß man sie mit dem Anblick von „sowas“ bitteschön verschont, man hätte ja abtreiben können!

Ich finde das schrecklich. Ja, sprich diese Mutter ruhig an. Ich würde Dir aber raten, behutsam vorzugehen, womöglich hat sie auch schon einige Dinge dieser Art erlebt und ist einfach mißtrauisch, wenn man sie anspricht. Die Mutter, von der ich sprach, war immer unendlich dankbar, wenn jemand ihr Kind mal mit einbezog, mit ihm sprach, und nicht so tat, als wäre es bestenfalls überflüssig und schlimmstenfalls eine Zumutung. Vielleicht geht es der Frau, die Du gesehen hast, genau so.

Liebe Grüße,
Nike

Hi Anja,
die meisten, die „normal“ sind, können sich gar nicht vorstellen, wie gut
„Normalität“ tun kann. Wie wichtig sie sein kann (wenn man sie nicht leben
kann). Stell dir vor, das Kind wäre „normal“. Würdest du die Frau ansprechen?
Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht? Wenn du das geschafft hast, dann
geb dich so, wie du bist (alles andere würde man dir eh anmerken). Wenn ihr
euch sympathisch seid dann gehts sowieso wie fast von selbst.
Übringens: „Nichtbehinderte“ Kinder, die von klein auf mit „behinderten“
Kindern aufwachsen haben m. E. die wenigsten Probleme, Kontakt auf zu
nehmen. Kinder sind Kinder, wollen mit andern Kindern spielen. Da ist es
egal, ob da nicht alles so aussieht, wie man es meist kennt. Man nimmt
den andern einfach als „normal“ an und gut ist. Die Chemie muss einfach
stimmen. Der Rest kommt von allein.
Gruß
D

hallo und danke für eure antworten

hi deceem
du sprichst mir aus der seele… normal! das habe ich auch erst richtig schätzen gelernt als ich meinen kleinen nico bekommen habe. er ist nun 15monate alt und die zeit bis jetzt war für mich die schwerste meines lebens. oft höre ich eltern reden und frage mich warum sie nicht einfach froh sind und ärgere mich das sie sich über kleinigkeiten aufregen, die nichtmal im ansatz probleme sind.
aber woher sollen eltern gesunder kinder wissen wie schwierig es wirklich ist? hätt ich selbst nicht geglaubt was da alles dran hängen kann.

und zu deiner frage. ja ich hätte sie angesprochen wenn ihr kind „normal“ gewesen wäre. ich hätte gesagt „der ist ja goldig“. wenn ich das zu ihr sage klatscht sie mir sicher eine, weil sie meint ich veräppel sie. auch weiß ich nicht wie oft sie angesprochen wird, vielleicht ist es sogar sehr oft und es ist ihr nur lästig.

es ist wirklich eigenartig, solche fragen stell ich mir sonst nie bevor ich jemanden ansprech.
dein vorletzter satz ist ein grund mit, warum ich mir gedanken mach. wenn ich meinen kinder zeigen kann das ich auch „normal“ mit behinderten umgehen kann, wird es für sie auch selbstverständlich.

lg anja26

hi nike

da kommen einem glatt die tränen, kenne ähnliche geschichten, nicht ganz so heftig gott sei dank und es ist doch so unfassbar ungerecht.
zu den reaktionen kann ich nur sagen das die leute sich einfach leicht tun indem sie einen schuldigen finden und damit ist das thema abgehakt. ist ja auch viel leichter als tröstende worte zu finden, was soll man zu so einer schlimmen geschichte auch sagen? es ist wohl eher die überforderung, die die leute dazu zwingt so einen mist zu reden.

heute war ich in der schreiberatung und hab ihr von meinen „verständnisvollen“ verwandten und freunden erzählt. die meinen nachdem man ihnen das herz ausgeschüttet hat wie schlimm es daheim mit dem kleinen ist, arrgumentieren müssen: „dann musst DU eben“, „na da wunderst DU dich“„na wenn DU auch so nervös bist das überträgst sich aufs kind“ DUDUDUDUDU…es ist wirklich erstaunlich wie du versuchst dir hilfe zu holen und dafür noch undank und anschuldigungen einholst. ich kam mir oft vor wie im schlechten film und völlig allein gelassen von allen! erst fachleute können mir den schweren ballast von der schulter nehmen und sagen dich tifft keine schuld, du hast alles getan was möglich ist. aber für die anderen bleibst du erstmal der „unfähige“, der selbst mitschuldig ist.

Aber es sprachen sie immer wieder Leute an, die sagten: „Warum
hast Du das (sic!) denn noch abgetrieben?“ Und das mit einem
vorwurfsvollen Unterton!

meinst du das die leute sagten sie hätte es abteiben sollen?

falls ja ist das eine ungemeine frechheit und sie hätten eine fette ohrfeige verdient. sie sollen der mutter lieber mut zusprechen die nächsten jahre meistern zu können und lieber hilfe anbieten. auf die ideen kommt wohl keiner mehr. traurig!

Die Mutter, von der ich
sprach, war immer unendlich dankbar, wenn jemand ihr Kind mal
mit einbezog, mit ihm sprach, und nicht so tat, als wäre es
bestenfalls überflüssig und schlimmstenfalls eine Zumutung.

es war schon so ein gefühl das sie jetzt mit ihm baden geht, weiß das alle gucken, sie gute miene macht und dann eben so allen wie sie gekommen war heim ging. aber das muss doch nicht so sein, er hat doch keine ansteckende krankheit das mann immer 5meter platz lassen muss.

kannst du deine freundin mal fragen wie sie reagieren würde wenn man fragt was die kleine hat? immerhin könnte ich erzählen das meiner auch etwas hat, das würde die situation vielleicht vereinfachen und einen anfang bieten.

lg Anja26
ps:heutzutage ist es doch die ausnahme hilfe zu bekommen wenn man nur mit dem kinderwagen welche braucht, was erwarten wir eigentlich?!?

Hi Anja,

Aber es sprachen sie immer wieder Leute an, die sagten: „Warum
hast Du das (sic!) denn noch abgetrieben?“ Und das mit einem
vorwurfsvollen Unterton!

meinst du das die leute sagten sie hätte es abteiben sollen?

Ja. Das hat sie mehr als einmal gesagt bekommen! Und zwar als Vorwurf. *kopfschüttel*

kannst du deine freundin mal fragen wie sie reagieren würde
wenn man fragt was die kleine hat? immerhin könnte ich
erzählen das meiner auch etwas hat, das würde die situation
vielleicht vereinfachen und einen anfang bieten.

Hm, wie oben gesagt glaube ich, daß so eine Mama mißtrauisch sein könnte, wenn sie schon ähnliche Erlebnisse hatte. Ich würde sie vielleicht einfach so ansprechen, vor allem mal das Kind ansprechen und es nicht einfach übergehen. So, wie Du auch mit „normalen Menschen“ ins Gespräch kommst … es sind nämlich normale Menschen.

Liebe Grüße,
Nike

Hallo Anja,

über Eltern kranker Kinder weiß ich wenig, aber ich möchte hier ein Zitat meiner (blinden und gehbehinderten) Schwester reinstellen: „Jeder Nichtbehinderte genießt es, wenn er über dieses und jenes gesundheitliche Problem mit anderen reden kann, die Anteil nehmen. Wieso sollte dies anders sein, wenn das gesundheitliche Problem größer ist? Manchmal ist doch der Anteilnahme-Bedarf höher! Und wenn er nicht da ist, können wir alle dies auch sagen.“

Gut, einen Korb zu kriegen ist nicht leicht, aber denk mal: Wenn Du Dich überwindest, dann hilfst Du einer anderen, die sich vielleicht nicht überwinden kann.

und zu deiner frage. ja ich hätte sie angesprochen wenn ihr
kind „normal“ gewesen wäre. ich hätte gesagt „der ist ja
goldig“. wenn ich das zu ihr sage klatscht sie mir sicher
eine, weil sie meint ich veräppel sie. auch weiß ich nicht wie
oft sie angesprochen wird, vielleicht ist es sogar sehr oft
und es ist ihr nur lästig.

Und warum nicht: „Ist der goldig! Was fehlt ihm denn?“ oder eine ähnliche, Anteilnahme signalisierende Frage?

es ist wirklich eigenartig, solche fragen stell ich mir sonst
nie bevor ich jemanden ansprech.

Und deswegen stehen Behinderte und deren Angehörige so oft im Abseits (wieder von meiner Schwester)

dein vorletzter satz ist ein grund mit, warum ich mir gedanken
mach. wenn ich meinen kinder zeigen kann das ich auch „normal“
mit behinderten umgehen kann, wird es für sie auch
selbstverständlich.

Und dazu musst Du leider auch in Kauf nehmen, manchmal abzublitzen. Aber kann das nicht auch bei anderen Eltern passieren? Warum sollte es schlimmer sein, wenn es um Eltern „besonderer“ Kinder geht? Dürfen die nicht sich aussuchen, mit wem sie Kontakt haben dürfen? (Jetzt höre ich lieber auf, sonst verfalle ich noch in Unterstellungen. Aber als Schwester einer Blinden habe ich da schon die tollsten Verhaltensweisen erlebt, bis hin zur Geldspende für meine Schwester auf offener Straße)

Gruß, Karin

2 „Gefällt mir“

hallo

und zu deiner frage. ja ich hätte sie angesprochen wenn ihr
kind „normal“ gewesen wäre. ich hätte gesagt „der ist ja
goldig“. wenn ich das zu ihr sage klatscht sie mir sicher
eine, weil sie meint ich veräppel sie. auch weiß ich nicht wie
oft sie angesprochen wird, vielleicht ist es sogar sehr oft
und es ist ihr nur lästig.

Wieso meinst du, dass ein behindertes kind nicht goldig sein darf? Ich glaube eher, dass es die mutter freut, dass jemand nicht nur die Behinderung an ihrem Kind bemerkt.

Wenn du das Bedürfnis wieder mal verspürst, dann gib ihm ruhig nach. Besondere Kinder und ihre Eltern merken scon, ob man es ehrlich mit ihnen meint. Und sie verzeihen auch anfängliche Unsicherheit im Umgang.

Meine Freundin is körperlich behindert und wenn wir weggehen, hängt sie entweder an meinem Arm oder sie ist im Rollstuhl. Und nichts ist schlimmer als die Leute, die verstohlen gucken aber sich nicht trauen blickkontakt aufunehmen.

Gruss Jutta