Elternseminare - sinnvolle Inhalte?

Hallo liebe Experten…

Ich wende mich an Euch, da ich denke, dass hier viele Eltern zusammenkommen und ich so einen Überblick über viele Meinungen bekommen kann. Vielleicht mögt Ihr mich bei folgendem Thema unterstützen.

Ich habe mehrere Anfragen einer örtlichen Institution, ob ich nicht Elternseminare anbieten möchte. Studiert habe ich Erziehungswissenschaften und Psychologie, mein Fachgebiet dreht sich rund um die Kommunikation. Die Institution selbst möchte keine Themen vorgeben - das soll ich tun…

Jetzt meine Frage an Euch:
Wann würdet Ihr ein Elternseminar besuchen? Welche Voraussetzungen wären für Euch wichtig? Welche Form - also Tagesseminar oder Abendstunden z.B. - wäre für Euch gut?
Vor allem: Welche Themen wären für Euch von Interesse?

Selbstverständlich würden die Themen nach Altersgruppen spezifiziert.

Ich selbst bin Mutter von 3 Pubertisten im besten Alter (12 bis 15) - also das Thema würde ich auf jeden Fall anbieten. Desweiteren steht das Thema Umgang mit Gewalt an - also wie kann ich meine Kinder stärken, damit sie in entsprechenden Situationen nicht so hilflos sind.
Grenzen setzen - ein weiteres Thema…

Aber ich bin ganz gespannt auf Eure Antworten und bedanke mich schon jetzt für Eure Mühe. Selber antworten kann ich erst ab Montag - also nicht wundern, wenn ich mich nicht direkt zurückmelde.

Vielen Dank und ein schönes Wochenende
Sylvia

Hi!

Jetzt meine Frage an Euch:
Wann würdet Ihr ein Elternseminar besuchen?

Wenn es Themen anschneidet, die für mich selber wichtig sind.
Es macht einen großen Unterschied, ob du in einem Stadtteil Seminare hälst, der überwiegend reiche Akademiker enthält, die sich hauptsächlich um pädagogisch wertvolle Inhalte und schulische Leistungen kümmern oder in einem Stadtteil, in dem überwiegend sozial Schwache wohnen, deren Hauptinteressen eher Gewalt und Drogenprobleme sind (mal etwas übertrieben formuliert :wink: ).

Mach dich also erstmal schlau, welches Publikum in etwa du zu erwarten hast! Schau dir dann an, welche Probleme in diesem Umfeld vorrangig zu behandeln sind.

Ich würde zunächst so vorgehen und mir einige Konzepte ausdenken. Anschließend würde ich dann schon in der ersten Stunde (oder gar schon früher, falls zu Kontakt zu den Interessierten hast) in die Runde fragen, welche Themen diese speziellen Teilnehmer gerne noch zusätzlich hätten oder in welche Richtung die einzelnen Themen gehen sollen (zb. Gewalt: ist es eher ein Opfer- oder ein Täterproblem? Je nachdem, muß man das Thema Gewalt anders gestalten).

Welche Form - also
Tagesseminar oder Abendstunden z.B. - wäre für Euch gut?

Auch das würde ich vom Umfeld abhängig machen. Sind es eher „normale“ Berufstätige, wären Abendstunden sicher gut. Selbstständige oder ähnliches würden vielleicht lieber Wochenendseminare haben usw.

Vor allem: Welche Themen wären für Euch von Interesse?

Wie gesagt, würde ich vom sozialen Umfeld in erster Linie abhängig machen wie auch von aktuellen Problemen.

Mich persönlich würden beispielsweise folgende Themen interessieren:

  • Konsequenz in der Erziehung!!! (IMHO das wichtigste Thema!)
  • Erziehen zur Ordentlichkeit und Zuverlässigkeit (darunter fällt auch:
  • Regeln einhalten können (Warum sind Regeln sinnvoll, auch Kinder Regeln erstellen lassen etc.)
  • Selbständigkeit und Selbstvertrauen der Kinder stärken/fördern!!!
  • Sinn und Unsinn von Strafen
  • Fähigkeit zur Diskussion und Argumentation fördern (gehört auch zum Thema Gewalt; und hier das Stichwort Familienkonferenzen)
  • Umgang mit Gruppen lernen: Gruppenzwang etc (Thema Sucht oder Markenklamotten u.ä.)
  • soziale Probleme der Kinder: „Außenseiter“, Opfer von Gewalt in der Schule, starke Schüchternheit/Ängste etc.
  • Speziell für Eltern: Umgang mit Krisensituationen (Drogen im Zimmer gefunden, Kind hat gestohlen, „bockiges“ Kind, Probleme in der Pubertät, Tochter ist schwanger etc.)
  • Schulprobleme (auch zuviel Förderung/Überforderung der Kinder)
  • finanzielle/organisatorische Probleme (Nachmittagsbetreuung, Mutter-Kind-Kuren, Urlaub bei krankem Kind etc. etc.)
  • schwierige soziale Situationen (Alleinerziehende, Scheidungen, Großfamilie und Eifersüchteleien unter Geschwistern etc.)
  • spezifische Probleme v.a. bei jüngeren: problematischer Schlaf (immer im Elternbett, Nachtangst), Eßverhalten (kein Gemüse *g*), Einnässen…
  • spezifische Probleme bei älteren: Aufklärung!, Eßstörungen, Aggressivität, Umgang/Gespräche mit Jugendlichen, Fernseh-/Medienkonsum, Taschengeld, Freizeitaktivitäten (wie lange abends wegbleiben, Diskotheken), „dubioser“ Freundeskreis…

So, das war im Groben, was mir so einfiel. Einige der Punkte kann man noch ausweiten oder andere zusammenfassen je nachdem.

Viel Erfolg und viel Spaß mit deinem Projekt :wink:

Gruß,
Sharon

Wann würdet Ihr ein Elternseminar besuchen? Welche
Voraussetzungen wären für Euch wichtig? Welche Form - also
Tagesseminar oder Abendstunden z.B. - wäre für Euch gut?
Vor allem: Welche Themen wären für Euch von Interesse?

Hallo Sylvia,

bei uns im Kindergarten gab es neulich ein Seminar für Jungsmütter. Da ging es um das Männerbild der Mütter, die Geschlechtsrollen in der Familie, der Umgang mit Jungs-typischen und oft ungeliebten Eigenschaften wie Lautsein, Wildsein usw., um Unterschiede im Verhalten von Mädchen und Jungs, um unterschiedliche Schulprobleme usw.

Alles in Allem war es sehr interessant, allerdings als Frontalvortrag gehalten ohne Mitarbeits- und Diskussionsmöglichkeit, was in anderer Form schöner gewesen wäre.

Weitere Themenideen: Seminare für Eltern von Kindern mit besonderen Bedürfnissen wie z.B. ADS, Wahrnehmungsstörungen, Autismus, Hochbegabung etc.

Zu deinen anderen Fragen: parallele Kinderbetreuung wäre schön, andernfalls in den Abendstunden gelegen.

Viele Grüße
Ulla

Jetzt meine Frage an Euch:

Wann würdet Ihr ein Elternseminar besuchen?

Wahrscheinlich in erster Linie, wenn ich konkrete Schwierigkeiten odr Befürchtungen habe. Dann würde ich bestimmt lieber erst mal ein Seminar aufsuchen als mich einzeln beraten zu lassen. Allerdings bekommt man hier das Problem, daß sicher die Themen (ich denke z.B. an das schon angeführte ‚mein Kind hat geklaut‘) nicht gerade dann im Angebot sind, wenn ich quais der aktuelle Bedarf da ist. Vorsorglich muß ich da aber nicht hingehen.

Interessiert hätten mich allgemeine Themen ganz sicher am Beginn meiner Elternschaft. Z.B. um überhaupt erst mal eine Orientierung über mögliche Erziehungsstile zu bekommen.

Welche
Voraussetzungen wären für Euch wichtig?

Es dürfte nicht kostenintensiv sein, dafür aber praxisorientiert.

Welche Form - also
Tagesseminar oder Abendstunden z.B. - wäre für Euch gut?

Das wäre beides eher ungünstig, wenn man normal arbeitet kann man tagsüber nicht und hat auch abends andere Verpflichtungen bzw. wenn nicht, dann zu Hause genug zu tun. Ich glaube, sowas hätte ich eher am Wochenende besucht, es sei denn, ein Thema läge mich wirklich grade sehr am Herzen.

Vor allem: Welche Themen wären für Euch von Interesse?

Tja, ich denke Du suchst mal hier im archiv, da sind bestimmt schon alle Themen aufgetaucht, die man als Eltern so haben kann.Es wurde ja schon gesagt, daß man die Schwerpunkte je nach sozialer Gruppe auch unterschiedlich setzen müßte.

Neben den schon geannten Themen wäre mir ganz persönlich mal so ein Seminar interessant gewesen, wo die Geschwisterbeziehungen besprochen werden und die Möglichkeiten, Kinder gerecht aber doch individuell zu erziehen. Oder aber den Schwerpunkt auf ‚das schwarze Schaf‘ der Familie setzen. Ich höre immer wieder, daß in Familien sich alle Kinder familienkonform verhalten, aber eines so ganz anders ist und dadurch Schwierigkeiten entstehen.

Das Thema Mütter und Söhne finde ich auch sehr spannend, vor allem wenn man Alleinerziehnd ist. In ihre Töchter können sich Mütter ja noh gut hineinversetzen, aber was denkt so pubertierender Junge. Wieviel Vater braucht ein Sohn? Oder aber, wie man damit umgeht, wenn die Kinder mit 16 zum anderen Elternteil wollen. Eine Freundin hat das mit ihren Kindern erlebt und ist nur sehr schwer damit zurecht gekommen, weil natürlich neben dem mangelnden Vertrauen, daß der Vater das überhaupt überschaut und die Kinder vielleicht nur manipuliert hat auch immer wieder das Gefühl eigenen Versagens eine Rolle spielt. Im konkreten Fall kam die Tochter übrigens nach einem Jahr wieder zurück. Das Verhältnis zum Sohn blieb sstets angespannt.

Ich selbst bin Mutter von 3 Pubertisten im besten Alter (12
bis 15) - also das Thema würde ich auf jeden Fall anbieten.

Sicher meinst Du es gar nicht so, aber zu einem allgemeingehaltenen Thema wie einfach nur ‚Pubertät‘ würde ich nicht gehen. da müßte schon was konkretes rein, z.B. darf/sollte die Freundin meines Sohne bei uns übernachten, wie gehe ich mit Totalverweigerern um oder solche Dinge.

Desweiteren steht das Thema Umgang mit Gewalt an - also wie
kann ich meine Kinder stärken, damit sie in entsprechenden
Situationen nicht so hilflos sind.

Solche Themen bewegen natürlich viele Eltern, auch, wie man sowas erkennen kann, viele Kinder erzählen ja nix.

Viel Erfolg,
Gruß Maid :smile:

Schwangerschaft?!
Hallo Sylvia,

erstmal möchte ich sagen, dass ich es super finde, was die Mütter bisher hier geschrieben haben und wie man unterstützt wird!!!

Ich hätte vermutlich eher schreiben sollen, aber bin irgendwie nicht darauf gekommen. Ich weiss nicht ob Du dafür auch ausgebildet bist, bzw. dazu Lust hast, aber wie ist es mit der Schwangerschaft. Meine war grauenhaft. Ich hatte nicht nur soziale und gesundheitliche Probleme. Ich war psychisch so fertig, dass ich in psychotherapeutischer Behandlung war und zeitweise im Krankenhaus. Nur leider war man überall mit mir überfordert. keiner kann helfen, niemand kennt sich aus. Am schlimmsten waren die Mütter in meiner Umgebung. Es hiess immer nur: Stell Dich nicht so an, ein Baby kriegen ist toll, Du wirst Mutter übernimm gefälligst Verantwortung. Auf allen Bildern und in Büchern sieht man nur glückliche Schwangere, auf der Straße allerdings selten. Und darüber sprechen tut keiner. Für viele ist es aber nicht schön (früher oder später habe ich dann doch ein paar Mitleidende gefunden)und bei mir war es laut Therapeuten eine hormonelle Störung. Ich hatte selbst überlegt, eine Gesprächsgruppe ins Leben zu rufen, denn die Geburtsvorbereitungskurse sind dafür natürlich nicht geeignet. Das war dann der Höhepunkt meiner Odysee (oder wars die Geburt, hihi), lauter glückliche Mütter mit Ihren interessierten Männern und ich saß wieder alleine da!!
Also, ich fände es schön, wenn dieser Personenkreis auch Beratung bekäme und man nicht von uns spricht wie Fabelwesen. We are real!!

Danke und viel Glück

Marion

Vielen Dank!
Mein Dank kommt spät, entschuldigt bitte.

Durch Eure Antworten habe ich deutlich nochmal Anregungen erhalten. Im Moment befrage ich Eltern in den Schulen im Umfeld… Das Themenspektrum ist erwartungsgemäß ziemlich breit gefächert.

Euch einen herzlichen Dank und wer sich zu dem Thema mit mir weiter austauschen möchte kann mich gerne anmailen.

Sylvia