Emerging Markets Anleihen

Hallo,

wie seht ihr kurz- und mittelfristig die Entwicklung von Anleihen aus Emerging Markets?

Grüße,

Oliver Walter

Hallo Oliver,

das nenn ich mal ne gute Frage. Die Antwort ist ein klares und definitives: Hä?
Nein, mal im Ernst: Es kommt doch massiv auf den Emittenten an, das Underlying, den Zins, den Kurs und diverse anderen Faktoren.

Vielleicht formulierst Du die Frage etwas um?

DAnn würde ich antworten: Ich kenne einigen wenige strukturierte Produkte, denen man auf mittelfristige Sicht das Geld beruhigt anvertrauen könnte, und die bei kurzfristigem Hype in den „betroffenen“ Märkten eine schnelle Ausstiegschance haben.

Hmm… komme mir jetzt ein bisschen vor wie bei „Jeopardy“.

Frank Wilke

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Wenn Ihnen jemand sagt, daß er die Entwicklung der Emerging Markets vorhersagen kann, ist er schlicht ein Scharlatan.
Aus meiner Sicht sind Anleihen (egal ob Staats- oder Unternehmensanleihen) in den Emerging Markets fast in die Kategorie Junk Bonds (zu deutsch: MÜLL-Anleihen) einzuordnen.
Die hohe mögliche Rendite erkaufen Sie sich mit einem sehr hohen Risiko, was im wesentlichen durch 3 Faktoren beeinflußt wird:

  1. das Währungsrisiko: Die Heimatwährung könnte an Wert z.B. gegenüber Euro oder Dollar verlieren.
  2. das Risiko einer direkten (Verstaatlichung) oder indirekten (hohe Besteuerung) Enteignung
  3. vergleichsweise intransparente und inkompatible Bilanzierungsrichtlinien

Wenn Sie Pech haben, geht halt mal die Staatsanleihe in Argentinien flöten oder Yukos in Russland wird verstaatlicht.
Die Amerikaner sagen „there ain’t no such thing as a free lunch“

Halten Sie sich immer vor Augen, daß eine hohe Rendite notwendigerweise ein höheres Risiko nach sich zieht.

Wenn Sie trotzdem in Emerging Market Bonds investieren wollen, suchen Sie sich einen breit diversifizierten Fonds mit niedriger TER und möglichst niedrigem Sharpe Ratio. Im Normalfall sind Junk Bonds sehr kostenintensiv und ich würde davon völlig abraten. Emerging Market Bonds weisen zum Teil aber eine niedrige TER und eine überraschend niedrige Volatilität auf. Dafür ist die zu erwartende Rendite aber ebenfalls nicht übermäßig hoch (siehe z.B. DWS Invest EURO Emerging Markets Bonds FC)

Und wie immer kommt das wichtigste zum Schluß: Ohne es überprüft zu haben, gehe ich davon aus, daß die Bonds in den Emerging Markets eine besonders hohe Korrelation zu den Aktien aus diesen Ländern aufweisen.
D.h. es ist wohl cleverer DIREKT in Aktien aus den Emerging Markets zu investieren. Hier gibt es z.B. den ETF von iShares MSCI EMerging Markets (ISIN: DE000A0HGZT7)
Wenn sie also Aktien UND Bonds aus den Emerging Markets in ihr Depot legen, sollten Sie höllisch darauf achten, daß sie diesen Anteil in ihrem Portfolio nicht übergewichten und somit langfristig Risiko unnötig erhöhen und Rendite reduzieren.
Als Richtwert: Ca. 20% ihres Aktienanteils im Portfolio sollten aus den Schwellenländern kommen.

Grüße
CE

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

kleine Ergänzung…
http://www.abdreco.de/

-))

Wenn Ihnen jemand sagt, daß er die Entwicklung der Emerging
Markets vorhersagen kann, ist er schlicht ein Scharlatan.

Wohl wahr - einverstanden…

Wenn Sie trotzdem in Emerging Market Bonds investieren wollen,
suchen Sie sich einen breit diversifizierten Fonds mit
niedriger TER und möglichst niedrigem Sharpe Ratio.

Hmm… hier muss ich dann doch korrigierend die Hand heben. Eine sehr niedrige, negative Sharpe Ratio besagt, dass die Wertentwicklung des Fonds (oder der Geldanlage) schlechter ist als bei einer risikolosen Anlage. D.h. wenn ich einen Fonds mit negativer Sharpe Ratio habe, kann ich das Geld besser auf’s Sparbuch legen. :wink:

D.h. es ist wohl cleverer DIREKT in Aktien aus den Emerging
Markets zu investieren. Hier gibt es z.B. den ETF von iShares
MSCI EMerging Markets (ISIN: DE000A0HGZT7)

Ein ETF ist aber keine Aktie, sondern ein Fonds!

Gruß, Frank Wilke

Hallo Oliver,

grundsätzlich ist die Frage nach der Enrwicklung der Rentenmärkte wohl eine der schwierigsten überhaupt.
Dazu noch die Situation der EmMas im Besonderen und schon sind wir beim lustigen Rätselraten.
Da Du aber nach einer persönlichen Sicht fragst, will ich es mal versuchen. Allerdings verfüge ich über kein Detailwissen zu einzelnen Ländern oder Regionen, weshalb ich an der Oberfläche bleiben werde.

Hier ein paar Theorien:

  1. Emma-Anleihen sind hochvolatil, bringen also höhere Chancen und Risiken als z.B. Staatsanleihen aus der EU mit sich.

  2. Emma ist nicht gleich Emma. Der Aussage, dass dies alles Junk-Bonds seien, möchte ich widersprechen. Viele ehemalige „Müll-Schuldner“ haben ihre Bonität strak verbessert und sind auf einem sehr guten Weg. Argentinien ist hier ein gutes Beispiel. Verbessert sich diese Situation weiter, sinken die credit-spreads, was zu Kursgewinnen führt. Hier lohnt ein Blick auf die Wirtschaftsdaten des einzelnen Landes. Stabilisierung = Zinssenkungen = Kurspotenzial
    Ansonsten sind sicher riesige Unterschiede zwischen z.B. Südamerika und Asien.
    Auch Osteuropa ist gewissermaßen ja ein Emma. Wäre mein Favorit, auch weil wir hier näher dran sind und man eher mitbekommen, was so abgeht.

  3. Währungsrisiko
    Währungen sind kaum kalkulierbar. Neben den Volkswirtschaftlichen Daten spielen immer mehr Spekulanten eine große Rolle am Markt. Die Gefahr, dass Dir die Währung die Rendite wegfrißt ist gegeben.
    Allerdings auch die Chance, diese zu verdoppeln.

Mein Fazit:
Ich würde derzeit Renten überhaupt nur sehr zurückhaltend allokieren. Zugegebenermaßen aus Hilf- und Ratlosigkeit wegen des Zinsumfeldes.
Wenn mit Renten Geld verdient werden soll, dann am ehesten in ausgewählten Emmas, verbunden mit den entsprechenden Risiken.
Also als Beimischung für den etwas offensiveren Anleger: Ja.
Aber -sowieso generell nie- nicht als Core-Investment.

Gruß Schorsch

Hallo Oliver,

die Frage beginnt mich zu interessieren und ich habe mal etwas gestöbert, ob es etwas Brauchbares zum Thema Emerging Market Bonds gibt und siehe da:

http://faculty.fuqua.duke.edu/~charvey/Research/Work…

Auf Seite 10 wird die von mir geäußerte Vermutung, daß es eine starke Korrelation zwischen Aktien und Anleihen in EmMa’s gibt, bestätigt:

„Kelly, Martins and Carlson (1998) document this exact relationship between emerging market equities and bonds. They find that the lower a country’s perceived creditworthiness the higher the correlation between its bond and equity markets. They also document the fact that credit shocks, both positive and negative, have had the anticipated effect on correlations.“

Im Sinne der Diversifikation ist also meine Äußerung, daß ein Invest in Aktien oder Bonds in Emerging Markets, keinen großen Unterschied macht, richtig.
Wo ich mir nicht mehr sicher bin, ist meine Behauptung, daß ein Invest eher in Aktien Sinn macht als in Bonds.
Schaut man sich z.B. die Indizes für Emerging Markets Aktien IFCI oder IFCG an und vergleicht sie z.B. mit einem Index für EmMa Bonds (JPM EMBIG), so weisen die Bonds eindeutig ein günstigeres Risiko-Rendite-Verhältnis auf.
Da ich derzeit einen Teil meines eigenen Portfolios (ca. 20%) in Emerging Markets Aktien angelegt habe, bin ich nun stark am überlegen, diesen Anteil durch Emerging Market Bonds zu ersetzen. Deshalb werde ich zuerst prüfen, ob sich die Indizes MSCI Emerging Markets sowie der EBIX ähnlich verhalten wie die vorhergenannten Indizes.

„many emerging markets will require continuing capital inflows. The bond markets seem to be a preferred way of funneling capital to sovereign and quasisovereign entities. Undoubtedly the crises of 1997 and 1998 have made it difficult for many investors to view emerging markets as a viable investment opportunity. Hopefully this paper has provided some insights on the recent history in emerging markets and
has highlighted the issues involved in emerging market bond investments going forward.“

Neben genannten wichtigen Faktoren wie z.B. Währungsrisiken, Verstaatlichungen, etc. die man nur in der Kristallkugel vorhersagen kann, gibt es also den Indikator, daß die Konjunktur der Emerging Markets (und somit die Performance der Bonds !) besonders von den Kapitalzuflüssen von Investoren abhängig sind.
Angesichts der derzeitigen Mentalität der Investoren im Zeitalter der Globalisierung nach dem Motto „Geiz ist geil!“ (insbesondere in Deutschland) und dem damit verbundenen Drang in Billiglohnländer erscheinen die Aussichten für Emerging Market Bonds ausgesprochen gut.

Ein Blick auf Statistiken über Kapitalflüsse in die Emerging Markets http://www.infos.com/de/marktgeschehen_light/downloa…
bestätigt dies.

Ich bin nun in der Tat versucht z.B. ein Produkt wie ABN AMRO GLOBAL EMERGING MARKETS BOND (ISIN: LU0168398765) ins Depot aufzunehmen und damit den ETF zu ersetzen.
An welches Produkt hatten Sie gedacht? An den ZZ1 (ISIN: AT0000989090)

Grüße
CE

Hallo, CE,

vielen Dank für Ihr Posting.

Die von Ihnen und anderen beschriebenen Aspekte wie z.B. Währungsrisiko, Bonität der Emittentin, Korrelation mit Aktien sehe ich ähnlich. Dennoch denke ich, daß eine Beimischung von Emerging Markets Bonds prinzipiell interessant ist. Ich würde auch ein Fondsprodukt favorisieren und eher nicht die Direktanlage, weil durch ersteres das Risiko stark gemindert werden kann, während es bei der Direktanlage u.U. sehr hoch sein kann (z.B. bei argentinischen Staatsanleihen, auch wenn sich Argentinien derzeit zu erholen scheint).

Ich bin nun in der Tat versucht z.B. ein Produkt wie ABN AMRO
GLOBAL EMERGING MARKETS BOND (ISIN: LU0168398765) ins Depot
aufzunehmen

Weil Sie fragten: Den Fonds habe ich als Kandidaten konkret im Blick.
Ich schaue aber noch. Sehen Sie sich den Chart an. Seit Anfang des Jahres geht es tendenziell abwärts.

Grüße,

Oliver Walter

Auf Seite 10 wird die von mir geäußerte Vermutung, daß es eine
starke Korrelation zwischen Aktien und Anleihen in EmMa’s
gibt, bestätigt

An welches Produkt hatten Sie gedacht? An den ZZ1 (ISIN:
AT0000989090)

Hallo CE,

stellt sich die Frage: „Was ist stark?“
Ich habe einmal den genannten ABN Fonds mit einem indexnahen Emma Aktienfonds von Aberdeen (WKN 769 088) verglichen.
Es ergab sich eine Korrealtion von 0,65 für die letzten drei Jahre (Quelle: Morningstar).
Das ist für Renten und Aktien aus dem gleichen Markt durchaus ein normales Verhältnis.

Der Große Unterschied zeigt sich einmal in den Renditen:

____________ _ Aktien _____ Renten

3 Jahre p.a. _ 26,8 % ______ 17,7 %
5 Jahre p.a. _ 20,5 % ______ 12,4 %

Also zumindest in diesen Zeiträumen hätte ich die Aktien nicht gerne durch Renten ersetzt.

Allerdings mußte man auch die Nerven haben, z.B. in 2006 bei den Aktien mal zwischenzeitlich ein Minus von rund 24% auszusitzen. Der Rentenfonds hat in dieser Zeit „nur“ rund 11,4% verloren.

Aus meiner Sicht lautet die Frage nicht „entweder oder“ sondern es geht darum, ein sinnvolles Mischungsverhältnis zu finden.

Gruß Schorsch