Emotionale Auszeit ?

Hallo,

ich bin gerade etwas beunruhigt, vermutlich wieder einmal ohne Sinn und Plan, aber so ist nun eben die Sachlage.

Es geht bei mir gerade mal wieder etwas durcheinander. Ich weiss nicht, wie ich das nun erklären soll…

Ich hatte/habe Kummer, den nicht näher erläutern möchte. Dann trat eine Freundin wieder in mein Leben und das tut mir gut und fordert mich andererseits. Es hatte ein Missverständnis zwischen uns gegeben. Ich war verärgert, weil ich dachte, dass sie mich belogen hätte und sie dachte, ich würde ihr ihren Lebenswandel vorwerfen. Als ich mich dann vor einiger Zeit per Mail an sie wandte, weil ich hoffte, sie könne mir mit einem kleinen Nebenjob behilflich sein, war sie dann erstmal verärgert. Aber irgendwie wusste sie, dass ich nicht der Mensch bin, der sich dann plötzlich meldet, weil er was will. Und dann kam sie einfach vorbei und wir konnten in ein paar Sätzen das Problem klären. Ich bin sehr froh, sie wieder zu haben. Und durch sie habe ich auch wieder eine Aufgabe. Ich gehe wieder aus dem Haus und fühle mich nicht mehr so nutzlos. Ich schreibe auf ihren Wunsch ihr Leben nieder. Das nimmt mich schon manchmal sehr mit, aber ich kam damit klar.

Vor einigen Stunden nun hat mich ein Ereigniss aus der Vergangenheit eingeholt. Meine besten Freunde hier, werden ahnen, was ich meine. Ist aber im Detail gar nicht so wichtig. Ich wurde jedenfalls an etwas erinnert, dass mich sehr mitgenommen hatte und als ich versuchte, mich wieder zu fangen, habe ich mir viele Gedanken gemacht. Und mir wurde klar, dass ich oft Dinge für mich behalte, die ich aussprechen sollte.
Wie eben bei meiner Freundin auch, denn sonst hätte es dieses Missverständnis ja nie gegeben.

Also hab ich mich entschlossen, mal ein paar Dinge an den Mann zu bringen, die eigentlich längst gesagt hätten sein sollen. Ich denke, ich habe das auch halbwegs verständlich formuliert. Ich weiss auch, dass das nötig war. Dann wurde es merkwürdig. Ich wollte ein Video sehen, das ruckelte. Hab ich dann einfach abgestellt. Dann wollte ich eben mein Hörbuch weiter hören…aber das ging auch nicht. Ich höre den Text, aber er kommt gar nicht an. Also habe ich den Härtetest gemacht und an Dinge gedacht, die mich sehr belasten…aber da ist nichts, NULL emotionale Reaktion. Das sollte mich beunruhigen, aber ich spüre nicht einmal mehr Angst…da ist einfach gar nichts.

Mein Verstand sagt mir, dass das nicht so sein sollte. Und ich versuche zu verstehen, was passiert ist. Der Verstand sucht eine Erklärung, aber ich finde keine. Ich denke, aber ich bin irgendwie gar nicht. Das verwirrt mich nun aber enorm. Ich bin schon seit Stunden sehr müde, aber ich trau mich nicht schlafen zu gehen. Ich habe schnell mal schlechte Träume und ich hasse es, wenn ich etwas nicht verstehen kann. Eigentlich sollte ich mich nun besser fühlen, weil ich meinem Herzen Luft gemacht habe. Aber statt dessen fühle ich gar nichts. Das ist noch schlimmer, als sich schlecht zu fühlen.

Möglicherweise hat ja jemand eine Idee, was ich nun wieder falsch gemacht habe. Ich, für meinen Teil, steh auf dem Schlauch.

Ratlose Grüsse
Petra

Hallo Petra,

ich kenne dich nur vom Namen her und ansonsten überhaupt nicht und ich weiss nicht, um was es im Einzelnen geht, aber jenes Statement

Eigentlich
sollte ich mich nun besser fühlen, weil ich meinem Herzen Luft
gemacht habe. Aber statt dessen fühle ich gar nichts. Das ist
noch schlimmer, als sich schlecht zu fühlen.

ist mir auch nicht ganz unbekannt aus eigener Erfahrung. Kann es sein, dass man/du sich über einen sehrsehr langen Zeitraum hinweg permanent so schlecht fühlt, dass die Abwesenheit von diesem Zustand sich eben so anfühlt wie gar nichts?

Dass du dich nach diesem schweren, aber für dich notwendigen Schritt eben nicht euphorisch und absolut bombig fühlst, liegt ja eigentlich in der Natur der Sache. Und dazwischen war da möglicherweise lange nichts bei dir vorhanden. Bis eben jetzt.

Übrigens ist dieser Zustand der vollkommen unbeteiligten Leere und Kaltschnäuzigkeit tatsächlich alles andere als selten. Ein ziemlich hoher Prozentsatz äußerst traumatisierter Leute, die entsetzliche Dinge erlebt haben am eigenen Leib bringen mit dieser kalt erscheinenden Gleichmütigkeit der Schilderungen ihrer Verletzungen ganze Heerscharen von therapeutischen Helfern zur Verzweiflung.

Mehr fällt mir hierzu nicht ein, sorry.

Ich wünsche dir alles Gute

Annie

Hallo Petra!

Aber statt dessen fühle ich gar nichts. Das ist noch schlimmer, als sich :schlecht zu fühlen.

Vielleicht ? ( ich bin keine Expertin ) ist es eine Art unbewusster Selbstschutz.

Ganz liebe Grüße
Sin

Hallo Petra,

ich weiß nicht, worum es konkret geht, aber mir ist beim Lesen deines Posts folgender Gedanke gekommen:

Wenn wir unter akutem Stress stehen, produziert der Körper Stresshormone, allen voran Adrenalin. Dieses sorgt für einen starken Antrieb im Körper und hatte ursprünglich die Funktion, uns bereit zum Angriff oder zur Flucht zu machen.

Dieser Antrieb unterliegt jedoch nach relativ kurzer Zeit der Ermüdung. Diese zeigt sich manchmal in „echter“ Müdigkeit, die nach einer akuten emotionalen Sensation eintritt, manchmal aber auch in einem Gefühl von Leere und Gleichgültigkeit.

In der Therapie von Angsterkrankungen macht man sich das zunutze, um durch das sogenannte „Flooding“ zunächst größtmöglichen Stress zu erzeugen, um danach die Erfahrung zu machen, dass sich die Angst überleben lässt.

Ich könnte mir vorstellen, dass durch die Auseinandersetzung mit dem Problem und den Umstand, dass du endlich ausgesprochen hast, was du lange vermieden hast, ein ähnlicher Zustand erzeugt worden sein könnte. Das würde bedeuten, dass dieser zum einen vorübergehender Natur ist, zum anderen möglicherweise in der Zukunft nicht mehr so stark stressauslösend sein könnte, wie bisher.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo Petra,

ich kann mir denken worauf du anspielst.

Ich will mal nur einen Satz aufgreifen.

Aber statt dessen fühle ich gar nichts. Das ist noch schlimmer, als sich schlecht zu fühlen.

Laienhaft und nach eigener Erfahrung würde ich vermuten, dass deine Emotionen sich tatsächlich totgestellt, nach den aufreibenden Erlebnissen einen Gang zurückgeschaltet haben.
Du hast dir Luft gemacht und dadurch dein Aufgewühltsein beruhigen können.

Dass du jetzt erstmal nichts fühlst, sehe ich als kein schlechtes Zeichen sondern als Erholungsmaßnahme deines Körpers/ deines Geistes.

Gruß
Miriam

Hallo Miri,

ja, nachdem ich nun tatsächlich lange geschlafen habe und das ohne schlechte Träume, fühle ich mich zum ersten Mal seit Monaten auch ausgeruht. Sich nicht schon beim Erwachen schlecht zu fühlen, sehe ich nun auch als Vorteil an. Ich war einfach berunruhigt, weil es mir ja schon oft noch sehr viel schlimmer ergangen war und ich mir diesen Zustand sehr gewünscht hätte, jedoch niemals so etwas passiert war.
Das gute an der Sache ist aber auch, dass man klarer denken kann…Die Geschichte meiner Freundin belastet mich sehr viel mehr als ich wahr haben wollte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, als hätte ich sie im Stich gelassen, als sie mich am meisten brauchte. Und mit solchen Dingen kann ich einfach nicht gut umgehen. Wenn ich sie nächste Woche wiedersehe, werde ich mich mit ihr darüber unterhalten und dann weiter sehen. Alles wird gut :wink:

Liebe Grüsse
Petra

Hallo Sian,

ja, ich denke das ist in der Tat so. Ich war wahrscheinlich nur deshalb so „schockiert“, weil mir gar nicht klar gewesen war, wie sehr mich die Sache mit meiner Freundin wirklich belastet hat. Ich könnte nicht verstehen, dass sowas passiert, wenn ich mich eigentlich gar nicht so schlecht gefühlt habe, aber nie, wenn ich wirklich am Ende war. Erst als ich „nüchtern“ einen Blick auf die Sache werfen konnte, habe ich begriffen, dass ich schon wieder dabei bin, Schuldgefühle zu entwicklen.
Da ich in diesem Fall jedoch das Glück habe, dass die Person, die es betrifft, in meiner Reichweite ist, hoffe ich, dass ich mit ihr zusammen einen Weg finde, damit umzugehen.

Liebe Grüsse
Petra

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Hallo Annie,

es gab Zeiten in meinem Leben, da hätte ich mir einen solchen Zustand sehr gewünscht, aber nicht einmal mit Medikamenten ließ sich so eine (hoffentlich vorübergehende) Taubheit herbeiführen. Und nun passierte das, obwohl ich eigentlich dachte, ich hätte „alles“ irgendwie halbwegs unter Kontrolle.

Jetzt sehe ich das etwas gelassener, es ist einfach toll, einmal ausgeruht zu sein und sich nicht schon beim Aufwachen wieder schlecht zu fühlen :wink: Wie ich schon in den anderen Antworten bemerkte, versuche ich nun mit Gelassenheit, die grössten Steine, die mir auf der Seele liegen wegzuräumen.

Liebe Grüsse
Petra

Hallo Jule,

Wenn wir unter akutem Stress stehen, produziert der Körper
Stresshormone, allen voran Adrenalin. Dieses sorgt für einen
starken Antrieb im Körper und hatte ursprünglich die Funktion,
uns bereit zum Angriff oder zur Flucht zu machen.

Ja, dieses unter Strom stehen kenne ich ja, und das macht es mir auch oft schwer zu schlafen. In den letzten Wochen war ich aber nur noch erschöpft, habe auch viel geschlafen, aber ohne danach wirklich ausgeruht zu sein, manchmal schien ich nachher müder zu sein, als zuvor.

Dieser Antrieb unterliegt jedoch nach relativ kurzer Zeit der
Ermüdung. Diese zeigt sich manchmal in „echter“ Müdigkeit, die
nach einer akuten emotionalen Sensation eintritt, manchmal
aber auch in einem Gefühl von Leere und Gleichgültigkeit.

Ah ok, vermutlich hat die gestrige „Überraschung“ dann einfach nur das Fass zum überlaufen gebracht.

Ich könnte mir vorstellen, dass durch die Auseinandersetzung
mit dem Problem und den Umstand, dass du endlich ausgesprochen
hast, was du lange vermieden hast, ein ähnlicher Zustand
erzeugt worden sein könnte. Das würde bedeuten, dass dieser
zum einen vorübergehender Natur ist, zum anderen
möglicherweise in der Zukunft nicht mehr so stark
stressauslösend sein könnte, wie bisher.

Die Mail war ja „nur“ die Folge einiger Überlegungen, die sich mir aufdrängten, als ich durch die unvermutete Konfrontation mit einer alten Geschichte nochmal die Ängste jener Zeit durchlitt. Nach einigen Minuten hatte ich das aber im Griff, dachte ich zumindest.

Da kam wohl einfach gerade ein wenig viel auf einmal. Die Geschichte meiner Freundin lenkte mich ja zunächst auch von meinem anderen Kummer ab, vielleicht habe ich auch deshalb nicht gemerkt, dass ich mich da wieder in eine Situation hineinmanövriere, mit der ich nicht klar komme. Als ich mich dann so überraschend mit diesen alten Ängsten auseinendersetzen musste, brauchte ich natürlich einen Moment. Und als ich dann endlich begriff, dass ich mir auch mal „Luft machen“ muss, fühlte ich mich auf eine Art auch gut, als ich dies dann tat, ein „Akt der Befreiung“ sozusagen. Aber mit dem was dann kam, hatte ich nun gar nicht gerechnet. Nun sehe ich das aber gelassener und versuche die „Erholungspause“ bestmöglich zu nutzen :wink:

Liebe Grüsse
Petra

Liebe Petra,

nur ganz laienhaft und auch nur als eine von vielen Möglichkeiten:
Auch Angst, Wut und andere schlechte Gefühle sind etwas, an dem man sich festhalten kann, wenn sie permanent da sind. Das fällt eben weg, wenn man diese Gefühle überwunden hat.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich an diese neuen Zustand erst gewöhnen muss, ehe man dazu übergehen kann, diese neu gewonnene Freiheit für sich zu nutzen.

Mein Rat? Bleib gelassen, gewöhne dich daran, dass die bösen Begleiter weg sind - und dann schau mal laaaangsam, was sich dir für neue Perspektiven eröffnen.

Liebe Grüße
Ann da Càva

Hallo Ann,

ich sehe das im Moment auch recht gelassen. Ich vermute, dass das, was jetzt passiert ist, eigentlich schon lange überfällig war. Ich kann das nicht wirklich gut beschreiben, aber es ist unglaublich erholsam, einmal nicht von seinen Ängsten „gejagt“ zu werden. Mein Blutdruck ist völlig normal und mein Ruhepuls liegt unter 80. Und ich kann frei atmen. Ich bin nicht so vermessen, zu glauben, das nun alles in bester Ordnung wäre. Denn das ist es nicht, aber vielleicht ein Anfang zu etwas besserem :wink:

Ich habe versucht mich zu erinnern, was damals war, als meine Freundin in diese Situation geriet, in der ich ihr nicht helfen konnte. Es hat mir einfach keine Ruhe gelassen und ich habe sie dann heute morgen einfach angerufen. Dieser Punkt ist nun also geklärt, aber irgendwie doch nicht. Ich weiss nicht, was ich damals noch hätte tun können, aber trotzdem denke ich, ich hätte mehr tun müssen. Und weil ich ja noch nicht genug Probleme und Stoff zum Nachdenken hatte, habe ich dann gleich noch einen längeren Streifzug durch mein Leben unternommen und nun stehe ich vor „gefühlten“ 5 Millionen Fragen nach dem „warum?“
Ich kanns einfach nicht lassen *seufz*. In ein paar Tagen habe ich einen Termin beim Doc, den habe ich heute morgen vorsichtshalber vorverlegen lassen, mal schauen was der meint.

Alles wird gut :wink: Zumindest irgendwann.

Liebe Grüsse
Petra