Emotionale intelligenz

hallo da draußen :wink:
die wortschöpfung „emotionale intelligenz“ ist ja vom inhalt her hinreichend deutlich- mich interessiert hier die rezeption. beim googlen sieht es so aus, als ob die begrifflichkeit hauptsächlich von unternehmensberatern und „trainern“ verwendet wird- deswegen die frage: gehört dies mittlerweile zum (wissenschaftlichen) instrumentarium oder ist das eher ein „modewort“? falls ja- was hätte dann die wissenschaftliche psychologie für probleme mit diesem ansatz?
ich kann (zumindest online) leider nichts hintergründiges dazu auftun (und wäre auch dankbar für einen link, der nichts mit karriere zu tun hat)…

beste grüße
bernd

Hallo Bernd,

die Renaissance des Begriffes „Emotionale Intelligenz“ nahm ihren Ausgang durch das Buch desselben Titels von Daniel Goleman, in dem er verschiedene bereits vorher bestehende Theorien zusammengefasst hat. Der mittlerweile inflationäre Gebrauch dieser Wortschöfung (z.B. auch in pädagogischer „Literatur“) lässt wohl eher auf ein „Modewort“ schließen.

Viele Grüße: Zerni

Das Problem sind verschiedenen Definitionen von Intelligenz. In den gängisten „Thourston“, Velmon (bzw. Spearman) Cattell findet sich meines Wissens keine Unterategorie mit „Emotionaler Intelligenz“. Im allgmeinen Sprachgebrauch sind damit auch eher Umgangformen mit anderen Menschen gemeint, die mit Persönlichkeitsmerkmalen zusammenhängen. Es fehlt also an einer klaren Definition von Emotionaler Intelligenz (die nicht ein Mischmasch aus allen möglichen Merkmalen, wie Extraversion, Psychotizismus, Organisationsfähigkeiten, etc. ist.
Meistens wird EQ als ein solches Konglomerat von Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen bezeichnet, was nicht unbedingt schlecht sein muss.
Hoffe, dass ich Dir geholfen habe.

Kann nur eine Kurzinfo liefern:

Der Begriff „EQ“ ist nicht eindeutig, es gibt die Meinung, dass er zu stark an der „Intelligenz“, also am klassischen Begriff hängt oder sogar das gleiche ist!

Hallo Bernd,

der Begriff „Emotionale Intelligenz“ geht meines Wissens auf einen Artikel von Salovey, DiPaolo & Mayer aus dem Jahr 1990 zurück. Die Autoren begründen die Notwendigkeit des Konstrukts „Emotionale Intelligenz“ damit, daß emotionale Fähigkeiten in bestehenden Intelligenztheorien nicht berücksichtigt werden. Daher nahmen sie als dritten Aspekt der Intelligenz die „Emotionale Intelligenz“ in ihre Intelligenzdefinition hinein. Eine Auffächerung der Intelligenz in verschiedene Teilaspekte ist nichts Ungewöhnliches. Nach Salovey und Mayer (1997) besteht Intelligenz aus den Aspekten:

· „verbal-propositional intelligence“ (sprachliche Intelligenz)
· „spatial -performance intelligence“ („räumliche“ Intelligenz)
· „emotional intelligence“ (emotionale Intelligenz)

Mir scheint es so zu sein, daß mit dem Konzept der Emotionalen Intelligenz die Fähigkeit gemeint ist, Emotionen präzise wahrzunehmen, zu bewerten und auszudrücken, Zugang zu Emotionen zu gewinnen und Emotionen mit Denkprozessen zu verknüpfen, Emotionen zu verstehen und Wissen um Emotionen zu haben sowie Emotionen zu regulieren und emotionales und intellektuelles Wachstum zu fördern.

Daniel Goleman hat dann das Konzept der Emotionalen Intelligenz mit seinem Buch „Emotionale Intelligenz“ populär gemacht, so daß es heute in aller Munde ist und natürlich auch die bestehenden Pfade verlassen werden. Goleman faßte Saloveys Auffassung in 5 Punkten zusammen: Emotionale Intelligenz bestehe aus

  1. Selbstwahrnehmungsfähigkeiten (eigene Emotionen erkennen)
  2. Selbstregulierungsfähigkeiten (mit eigenen Emotionen umgehen)
  3. Motivation / Handlungsbereitschaften (Emotionen in Handlungen einfließen zu lassen)
  4. Empathie (Emotionen anderer erkennen zu können)
  5. Soziale Fertigkeiten (sozial kompetenter Umgang mit anderen)

Inzwischen gibt es eine Reihe von Arbeiten, die sich mit der „Emotionalen Intelligenz“ beschäftigen. So gibt es auch einige Diplomarbeiten zum Thema.

Was ich in meinem ersten Posting vergessen hatte :wink:: Das Konzept der „Emotionalen Intelligenz“ scheint mir in Verbindung mit dem der „Sozialen Kompetenz“ [FAQ:1079] zu stehen. Es ist zwar enger gefaßt als der Begriff „Soziale Kompetenz“, weil es sich primär auf Emotionen bezieht, allerdings scheint „Emotionale Intelligenz“ auch etwas weiter zu gehen, weil damit eine Fähigkeit gemeint zu scheint und keine erlernte/erworbene Fertigkeit. „Emotionale Intelligenz“ als Disposition, den Umgang mit Emotionen zu lernen. Trotzdem sollen mit dem Begriff nicht nur vererbte Fähigkeiten gemeint sein, sondern auch welche, die durch soziale und kulturelle Faktoren beeinflußt sind. Ich denke, gerade diese Unschärfe in der Begriffsbestimmung, also in der Frage, was denn nun genau gemeint ist, ist das Problem, was viele haben, die wissenschaftlich mit dem Begriff „Emotionale Intelligenz“ umgehen wollen. Andererseits denke ich auch, daß ist es diese Unschärfe ist, die das Konzept populär gemacht hat.

Gruß,

Oliver Walter

hallo oliver,
vorzüglichsten dank für deine gründliche darstellung des problemkreises :smile:

zurück. Die Autoren begründen die Notwendigkeit des Konstrukts
„Emotionale Intelligenz“ damit, daß emotionale Fähigkeiten in
bestehenden Intelligenztheorien nicht berücksichtigt werden.

für mich als psychologischen laien ist das auch recht nachvollziehbar, da mir bislang emotion und intelligenz eher wie eine art „gegensatzpaar“ vorkamen. von daher kam mir das konstrukt widersprüchlich vor und ich fragte mich, ob das evtl. auf recht tönernen füßen steht…
andererseits finde ich es erstmal oberflächlich und intuitiv sehr einleuchtend. in genau der weise, die du hier beschreibst:

Mir scheint es so zu sein, daß mit dem Konzept der Emotionalen
Intelligenz die Fähigkeit gemeint ist, Emotionen präzise
wahrzunehmen, zu bewerten und auszudrücken, Zugang zu
Emotionen zu gewinnen und Emotionen mit Denkprozessen zu
verknüpfen, Emotionen zu verstehen und Wissen um Emotionen zu
haben sowie Emotionen zu regulieren und emotionales und
intellektuelles Wachstum zu fördern.

Daniel Goleman hat dann das Konzept der Emotionalen
Intelligenz mit seinem Buch „Emotionale Intelligenz“ populär
gemacht,

das war mir bekannt, auch wenn ich es (noch) nicht gelesen habe.

Konzept der „Emotionalen Intelligenz“ scheint mir in
Verbindung mit dem der „Sozialen Kompetenz“ [FAQ:1079] zu
stehen.

für mich auch sehr nahe liegend: das wäre dann gewissermaßen die praktische anwendung der emotionalen intelligenz.

ansonsten legt deine darstellung ja doch nahe, dass es sich hierbei um mehr handelt, als ein trendiges buzz-word von karriereberatern. da bestätigt sich dann wohl mein verdacht, dass solche kreise am ehesten wissen, wie man google kapert…
anyway:

gruß & dank
bernd