Hallo Bernd,
der Begriff „Emotionale Intelligenz“ geht meines Wissens auf einen Artikel von Salovey, DiPaolo & Mayer aus dem Jahr 1990 zurück. Die Autoren begründen die Notwendigkeit des Konstrukts „Emotionale Intelligenz“ damit, daß emotionale Fähigkeiten in bestehenden Intelligenztheorien nicht berücksichtigt werden. Daher nahmen sie als dritten Aspekt der Intelligenz die „Emotionale Intelligenz“ in ihre Intelligenzdefinition hinein. Eine Auffächerung der Intelligenz in verschiedene Teilaspekte ist nichts Ungewöhnliches. Nach Salovey und Mayer (1997) besteht Intelligenz aus den Aspekten:
· „verbal-propositional intelligence“ (sprachliche Intelligenz)
· „spatial -performance intelligence“ („räumliche“ Intelligenz)
· „emotional intelligence“ (emotionale Intelligenz)
Mir scheint es so zu sein, daß mit dem Konzept der Emotionalen Intelligenz die Fähigkeit gemeint ist, Emotionen präzise wahrzunehmen, zu bewerten und auszudrücken, Zugang zu Emotionen zu gewinnen und Emotionen mit Denkprozessen zu verknüpfen, Emotionen zu verstehen und Wissen um Emotionen zu haben sowie Emotionen zu regulieren und emotionales und intellektuelles Wachstum zu fördern.
Daniel Goleman hat dann das Konzept der Emotionalen Intelligenz mit seinem Buch „Emotionale Intelligenz“ populär gemacht, so daß es heute in aller Munde ist und natürlich auch die bestehenden Pfade verlassen werden. Goleman faßte Saloveys Auffassung in 5 Punkten zusammen: Emotionale Intelligenz bestehe aus
- Selbstwahrnehmungsfähigkeiten (eigene Emotionen erkennen)
- Selbstregulierungsfähigkeiten (mit eigenen Emotionen umgehen)
- Motivation / Handlungsbereitschaften (Emotionen in Handlungen einfließen zu lassen)
- Empathie (Emotionen anderer erkennen zu können)
- Soziale Fertigkeiten (sozial kompetenter Umgang mit anderen)
Inzwischen gibt es eine Reihe von Arbeiten, die sich mit der „Emotionalen Intelligenz“ beschäftigen. So gibt es auch einige Diplomarbeiten zum Thema.
Was ich in meinem ersten Posting vergessen hatte
: Das Konzept der „Emotionalen Intelligenz“ scheint mir in Verbindung mit dem der „Sozialen Kompetenz“ [FAQ:1079] zu stehen. Es ist zwar enger gefaßt als der Begriff „Soziale Kompetenz“, weil es sich primär auf Emotionen bezieht, allerdings scheint „Emotionale Intelligenz“ auch etwas weiter zu gehen, weil damit eine Fähigkeit gemeint zu scheint und keine erlernte/erworbene Fertigkeit. „Emotionale Intelligenz“ als Disposition, den Umgang mit Emotionen zu lernen. Trotzdem sollen mit dem Begriff nicht nur vererbte Fähigkeiten gemeint sein, sondern auch welche, die durch soziale und kulturelle Faktoren beeinflußt sind. Ich denke, gerade diese Unschärfe in der Begriffsbestimmung, also in der Frage, was denn nun genau gemeint ist, ist das Problem, was viele haben, die wissenschaftlich mit dem Begriff „Emotionale Intelligenz“ umgehen wollen. Andererseits denke ich auch, daß ist es diese Unschärfe ist, die das Konzept populär gemacht hat.
Gruß,
Oliver Walter