Empangsprobleme DVB-T

Hallo,

seit November bin ich wieder an meinem Hauptwohnsitz (Kiel), seitdem sehe ich mit meinem Laptop über DVB-T-Stick Fernsehen.

Stick: Pinnacle PCTV 330e
Antenne: passiv (mitgeliefert)
Laptop: Samsung R60
Intel Core 2
2 GB RAM
2 GHz

Bislang war der Empfang ganz passabel, Qualität des Signal zw. 80-100%, Signalstärke 60-80%.

Seit einer Woche ist der Empfang katastrophal, ich muss laufend einen neuen Standort für die Antenne suchen. Es ist nichts verändert worden, auch nicht in den Nachbarräumen, also Möbel verschieben o.ä.

Dass eine Aktivantenne Hilfe bringen kann ist mir klar, demnachst habe ich auch einen Verstärker frei, da ich das BK-Kabel abgemeldet habe.

Wenn von Anfang an der Empfang schlecht gewesen wäre, ok. dann wäre alles klar. Diese extreme Verschlechterung verstehe ich nicht.

Die Stärke geht manchmal auf 15% zurück.

Könnte die Sendeleistung verringert worden sein? Eher unwahrscheinlich.

Vllt. hat jemand noch eine Idee.

Gruß Volker

Hallo Volker

… Hauptwohnsitz (Kiel) … über DVB-T-Stick Fernsehen … Bislang war der Empfang ganz passabel … Seit einer Woche ist der Empfang katastrophal … Wenn von Anfang an der Empfang schlecht gewesen wäre, ok. dann wäre alles klar. Diese extreme Verschlechterung verstehe ich nicht.

Könnte es sein, dass sich, von Deinem Standort aus gesehen, in Richtung auf den Kieler Fernmeldeturm (steht am südlichen Stadtrand) etwas verändert hat? Z.B. ein neuer Baukran oder so?

Oder, wenn der Standort deiner Antenne auf der vom Sender abgewandten Seite des Hauses liegt, könnte auch eine neues Einrichtungsstück aus Metall (z.B. eine Tiefkühlkombination) in einem Raum in Richtung Fernsehturm die Ursache sein.

Welche Möglichkeit zur Abhilfe?

Ich setze mal voraus, dass Du weißt, dass die mitgelieferten Stabantennen nicht das Gelbe vom Ei sind. Und bevor Du jetzt viel Geld für eine aktive Antenne ausgibst, versuch es doch mal mit einer selbstgebastelten Koaxialantenne (Sleeveantenne). Diese Antennen haben überraschend gute Empfangseigenschaften. Ich selber empfange damit DVB-T an einem Standort, wo die mitgelieferte Antenne kein verwertbares Signal lieferte.

Die Maße der Antenne beruhen auf folgenden, für den Fernmeldeturm Kiel geltenden Parametern:

Niedrigste Sendefrequenz: 474MHz (Kanal 21)
Höchste Sendefrequenz: 682MHz (Kanal 47)
Polarisation der Sendeantenne: horizontal

Du benötigst noch die Richtung zum Fernmeldeturm.
Wenn Du den von Deinem Standort nicht sehen kannst, ruf folgenden Link auf:
http://www.ueberallfernsehen.de/empfangsprognose.html
Gib oben „Kiel“ ein und Du erhältst eine Übersichtskarte, in der der Sendestandort eingezeichnet ist.

Wenn Du zur Ermittlung der Richtung lieber mit „Google Earth“ arbeitest (meine bevorzugte Methode), die Position des Fernmeldeturms ist 54°18‘01“ Nord und 10°07‘06“ Ost.

Nachdem das geklärt ist, besorg Dir ein Stück (2 bis 3m) Koaxialkabel, z.B. ein altes Fernsehantennenkabel oder ein Satellitenkabel mit einem zu Deinem DVB-T Stick passenden Anschlussstecker und entferne am anderen Ende ca. 20cm der äußeren Isolierung.

Bei einem alten Fernsehkabel kannst Du jetzt den freiliegenden Kabelschirm nach hinten über die stehengebliebene äußere Isolierung streifen. Bei einem Satellitenkabel geht das nicht, weil das Drahtgeflecht ziemlich hart ist. Da musst Du das Schirmgeflecht auseinander dröseln und die einzelnen Drähte sowie die darunter liegende Aluminiumfolie nach hinten umlegen.

Anschließend schneidest Du von einer starken Alu-Haushaltsfolie, wie man sie zum Grillen benutzt, ein Quadrat 15cm x 15cm aus. Dieses wickelst Du so um das zurückgestreifte Schirmgeflecht, dass ab der Stelle, wo Du abisoliert hast, ein 15cm langes „Aluminiumrohr“ entsteht, Dieses befestigst Du, indem Du Garn darum wickelst.

Jetzt schneidest Du alles, was von dem Schirmgeflecht noch unter dem Aluwickel herausragt vorsichtig weg und anschließend wickelst Du zur Stabilisierung ein Stück Isolierband (Tesaband, Lenkerband usw.) um den Aluwickel.

Zum Schluss kürzt Du die abgemantelte (aber noch isolierte) Seele des Koaxialkabels auf 11cm.

Der mit Alufolie umwickelte Teil und die darüber hinausschauende Seele bilden die eigentliche Koaxialantenne. Diese musst Du jetzt irgendwo so befestigen, dass sie waagerecht quer zur Richtung auf den Sender liegt (z.B. auf einem Schrank). Ich vermute einmal, dass sich der Empfang damit um Einiges verbessert.

Viel Erfolg
merimies

Hallo Volker,

kleine Ergänzung zu den ausführlichen Infos und Tipps von merimies:

Kam ein „Störsender“ hinzu? (Handy, DECT-Telefon, WLAN)
Manche Empfänger, insbes. sehr kleine, besitzen keine ausreichenden Eingangs-Bandfilter.

Kabel und Stecker geprüft?

Ansonsten: Antenne horizontal, quer zum Sender. Hast du einigermaßen frei Sicht zum Sender? (Die Antennen sind oben am Turm angebracht, mittl. Höhe = 219 m, Rundstrahlung)

Bernhard

Hallo merimies,

herzlichen Dank für Deine sehr kompetente Antwort und natürlich ein Sternchen.

Z.B. ein neuer Baukran oder
so?

Das ist denkbar, hätte ich selbst drauf kommen müssen. Die Holtenauer Hochbrücke verursachte bei mir immer Doppelbild, wenn man den Abstand ausrechnete kam es mit dem Abstand sehr gut hin.

Oder, wenn der Standort deiner Antenne auf der vom Sender
abgewandten Seite des Hauses liegt, könnte auch eine neues
Einrichtungsstück aus Metall (z.B. eine Tiefkühlkombination)
in einem Raum in Richtung Fernsehturm die Ursache sein.

Ne, wenn ein Sprengmeister die störenden Häuser beseitigt kann ich den Turm sehen.

Ich setze mal voraus, dass Du weißt, dass die mitgelieferten
Stabantennen nicht das Gelbe vom Ei sind.

Ja, noch vor ca. 30 Jahren habe ich mit Antennen experimentiert und in Kiel in den Abendstunden sogar spanisches FS empfangen, natürlich nur bei Übereichweiten.

mal mit einer selbstgebastelten Koaxialantenne
(Sleeveantenne). Diese Antennen haben überraschend gute
Empfangseigenschaften. Ich selber empfange damit DVB-T an
einem Standort, wo die mitgelieferte Antenne kein verwertbares
Signal lieferte.

Ich greife jetzt vor - ich hab Deine Antwort schon vor einigen Stunden beantwortet, entweder hab ich vergessen sie abzuschicken oder sie ist verloren gegangen - es ist offensichtlich ein Dipol im Gegensatz zur Stabantenne, die wohl ein lambda/4-Empfänger ist.

Herzlichen Dank für diese genauen Daten.

Ebenso für die sehr detailierte Bauanleitung. Irgendwie habe ich so eine Antenne schon mal gesehen, aber in vertikaler Polarisation, vermtl. im „Rothammel“.

Deine Idee ist sehr gut, ich überlege gerade, unabhängig von Deiner Variante, ob nicht eine Cubical-Quad-Antenne nicht noch besser wäre.
Sie ist auch nicht aufwendig aufzubauen, in diesen Frequenzbereichen.

Immer Guten Empfang!

Gruß Volker

Hallo Bernhard,

herzlichen Dank für Deine Antwort.

Hm, ob bei Nachbars irgendwas dazu gekommen ist, weiss ich nicht.

Kabel, Stecker waren natürlich die erste Baustelle, aber der Hinweis ist immer wieder berechtigt!

Grundsätzlich habe ich Sicht, zwar nicht im optischen sichtbaren Bereich.

Mich hat halt irritiert, dass der Empfang plötzlich so schlecht wurde. An Baukräne oder Gerüste, hier eher wahrscheinlich, habe ich nicht gedacht. Wenn man mit Antennen experimentiert hat, peinlich.

Viellt. komme ich die nächsten Tage dazu mal die Bauanleitung auszuprobieren.

Gruß Volker

Grundsätzlich habe ich Sicht, zwar nicht im optischen sichtbaren Bereich.

Vielleicht hat ein Nachbar zwischen dem Sender und dir sein Dach innen isoliert und dazu Alu-beschichteses Baumaterial verwendet. Sowas wirst du vermutlich nicht herausfinden können.

Viel Erfolg bei den weiteren Versuchen

Bernhard

neue Situation
Hallo,

nochmals vielen Dank für eure Hinweise.

Gestern suchte ich ein Kabel und habe dabei ein USB-Verlängerungskabel gefunden, an das ich nicht mehr gedacht habe. Damit habe ich den Stick an den Laptop verbunden und konnte jetzt den Stick anders positionieren, er war vorher direkt am Laptop. Jetzt habe ich einen guten Empfang.

Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht.

Aber die Idee der Antenne werde ich verfolgen, nur ist es jetzt zeitlich nicht ganz so dringend.

Gruß Volker

Hallo Volker,

USB-Verlängerungskabel
Damit habe ich den Stick an den Laptop verbunden und
konnte jetzt den Stick anders positionieren, er war vorher
direkt am Laptop. Jetzt habe ich einen guten Empfang.

Eine wirkliche Erklärung habe ich nicht.

Der USB-DVB-T-Empfänger ist jetzt weiter entfernt vom Laptop, der ja intern sowas wie Bustaktfrequenzen hat, die durchaus auch in dem Frequenzbereich liegen können, in dem DVB-T gesendet wird.
Es gab mal Messungen, die untersuchen sollten, wie hoch das Grundrauschen bei VHF und UHF denn so liegt, denn mit den DVB-T-Signalen muss man ja über dem Grundrauschen bleiben, um für den Receiver erkennbar zu sein. Gerade bei VHF kam da ein deutlich höherer Wert heraus als erwartet. Erklärt wurde der dadurch, dass man heutzutage eben mehr PCs in der Wohnung stehen hat als in den 60er Jahren.

Viele Grüße
Stefan

Hi Stefan,

danke für diesen Hinweis, aber leider erklärt er nicht, dass der Empfang plötzlich (!) schlecht war.

Wenn ich nie vernünftigen Empfang gehabt hätte, wäre alles klar. Ungünstige Empfangslage, unzureichende Antenne …

Wie Du in meinem Ausgangsposting lesen kannst, war die Situation aber anders.

Mir ist bewußt, dass wenige Zentimeter verschieben Wunder bewirken können. Die Antenne war aber durch einen Magnetfuß, der recht kräftig ist, auf einem Metallschrank fest positioniert und der Empfang war bis vor, mittlerweile knapp zwei Wochen, gut.

Gruß Volker

Hallo Volker

Du darfst nicht so eindimensional denken.

Für die plötzliche Verschlechterung ist die „Baukrantheorie“ ja immer noch aktuell.

Dass Du jetzt durch eine Positionsveränderung trotz allgemeiner Verschlechterung wieder brauchbare Empfangsbedingungen hast, könnte durchaus für Stefans Theorie sprechen.

Stutzig macht mich der „Metallschrank“. Der könnte durch Abschattungen und Reflexionen die Empfangsbedingungen in Deinem Zimmer kleinräumig stark beeinflussen (an einigen Stellen verschlechtern, an anderen Stellen verbessern).

Zum Schluss noch ein Tip:

Wenn Du die Koaxialantenne baust, leg sie nicht auf eine Metallfläche. Nach meiner Erfahrung wirkt sich ein Metallstab (Rohr, Draht) bzw. eine Metallfläche in weniger als 1,5 Wellenlängen Entfernung von der Antenne ziemlich negativ aus.

Gruß merimies

Hallo merimies,

Wenn Du die Koaxialantenne baust, leg sie nicht auf eine
Metallfläche. Nach meiner Erfahrung wirkt sich ein Metallstab
(Rohr, Draht) bzw. eine Metallfläche in weniger als 1,5
Wellenlängen Entfernung von der Antenne ziemlich negativ aus.

Das hast Du aber freundlich ausgedrückt, die Antenne wird vermtl. gar nichts mehr „sagen“.

Aber die mitgelieferte Antenne mit Magnetfuß interpretiere ich als Marconi-Antenne, die an der „Erde“ zum „richtigen“ Dipol gespiegelt wird.

Der Magnetfuß impliziert ja geradezu, dass man die Antenne auf ein Metall heftet, ok. Alu wäre nicht so passend.

Gruß Volker

Hallo Volker

Aber die mitgelieferte Antenne mit Magnetfuß interpretiere ich als Marconi-Antenne, die an der „Erde“ zum „richtigen“ Dipol gespiegelt wird.

Stimmt, was aber nichts daran ändert, dass der Schrank insgesamt die Ausbreitung der TV-Frequenzen in seiner näheren Umgebung beeinflusst.

Ich nehme an, Du hattest Deine „Magnetfußantenne“ senkrecht stehen? Mich würde interessieren, ob es eine Verbesserung des Empfangs gegeben hätte, wenn Du die Antenne an einer Seitewand (oder Rückwand, Front) des Schrankes so angebracht hättest, dass sie waagewrecht quer zum Sender ausgerichtet gewesen wäre.

Gruß merimies

Hallo merimies,

anfangs hatte ich die Antenne tatsächlich senkrecht und der Empfang war gut.

Jetzt ist die Antenne an einer Seite waagerecht angebracht und recht gut auf den Kieler Fernsehturm ausgerichtet. Wie schon geschrieben, der Empfang ist jetzt wieder akzeptabel.

Obwohl die Signalstärke jetzt (wieder) 90 bis 100% beträgt, bricht der Empfang immer wieder total zusammen. Es könnte evtl. an Kriegschiffen an der nahegelegenen Tirpitzmole liegen, die mit ihren Radar den Empfang beeinflussen. Dagegen spricht, dass diese Störung nicht wirklich periodisch ist und meiner Meinung nach der zeitl. Abstand zu groß ist. Die Einbrüche haben einen Abstand von so ca. 1 bis 2 Minuten. Danach ist der Empfang wieder (praktisch) optimal.

Gruß und ein schönes WE

Volker