Ende der Markttransparenz ?

Hallo,

ich habe gestern von der Deutschen Bank, die neuen Bedingungen der DB für den Aktienhandel bekommen.

Nachdem sie zunächst ihr neues „PIP“-System eingefüht haben, gemaess dem sie Aktien gegen ihr eigenes Konto und nicht an der Boerse handeln koennen (es kostet weniger Gebuehren als das normale Handeln- nachdem sie die Gebuehren fuer das normale um 5 EUR erhoeht haben (grrrr)), schreiben die nun da, dass sie sich aussuchen koennen, ob sie Auftraege auf dem Parkett oder Eletrronisch, gegen einen anderen Marktteilnehmer oder ohne Auswirkungen auf den Kurs gegen ihren virtuellen „Kotrahenten“
ausfueren duerfen.

D.h die duerfen sich frei aussuchen wo ein Auftrag ausgefuehrt wird, und ob er an der Preisbildung teilnimmt oder nicht.

Gut, die banken berehhschen den Markt ohnehin, aber das bedeutet doch totale Kontrolle.

Besorgt
Martin

Hi Martin,

die Internalisierung von Wertpapiergeschäften ist ein neuer Trend in der Banken- und Börsenlandschaft, der sowohl Vor- als auch Nachteile für Banken und Anleger hat.

Vorteile für Banken:

  • Keine Börsentransaktionskosten
  • Geringere Clearing- und Settlementkosten

Nachteile für Banken

  • Nur machbar bei ausreichendem Ordervolumen
  • Geschäfte werden nicht als Börsengeschäfte sondern nur als Direktgeschäfte von der Börsenaufsicht aanerkannt
  • Vorwurf der Intransparenz

Vorteile für Bankkunden (Anleger)

  • Mögliche Partizipierung an geringeren Kosten der Bank
  • Schnellere Orderausführung

Nachteile für Bankkunden

  • Keine Kontrollmöglichkeit, ob der Kurs einem 'Marktwert entspricht
  • Allgemeine Intransparenz

Der Kostendruck bei den Banken geht in der Zwischenzeit so weit, daß sich sogar die Börsen gezwungen fühlen Märkte mit (teilweiser) Internalisierung anzubieten (XETRA BEST, NASDAQ Deutschlad…). Das bedeutet, daß die Orders, die eine Bank in ein Handelssystem eingibt, so weit wie möglich gegen ihre eigenen gegenläufigen Orders geschlossen werden und nur die Spitze an den Markt weitergegeben wird. Die Verfahren, welche Orders internalisiert werden sind noch nicht standardisiert und daher ist (theoretisch) der Manipulation durch die Banken noch kein Riegel vorgeschoben.

Ich persönlich stehe aus Anlegersicht diesem Verfahren sehr skeptisch gegenüber. Die neuesten diesbezüglichen Entwicklungen der Börsen erfreuen mich aber natürlich, weil ich damit mein Geld verdiene :wink:

Aber ich denke, daß Du auch bei der DeuBa weiterhin den Börsenplatz für Deine Orders vorgeben kannst und damit das ganze explizit umgehen kannst.

Ciao,

Uwe

Hallo Uwe,

Nachteile für Banken

  • Nur machbar bei ausreichendem Ordervolumen

Da sehe ich den Nachteil nicht so ganz. Bei marktengen Werten besteht ja keine Verpflichtung, sondern lediglich das Recht zur internen Ausführung. Die interne Abwicklung der Orders für sämtliche Papiere ist sicherlich nicht das erklärte Ziel.
Die Vorteile bei viel gehandelten Werten liegen auf der Hand. Der Kunde spart zwar ein wenig Provision, die wird aber sicherlich für die Bank ertragreicher sein als die bei Börsengeschäften berechnete. Viele Banken sind aber auch als Emittenten von Optionsscheinen tätig. Das Hedging kann dann sozusagen bankintern gegen Kundenaufträge gemacht werden. Dax-Werte als OS-Underlying haben ein ausreichendes Volumen. Dafür ist es schon wegen geringerer Kosten ein Vorteil für sie.

Vorteile für Bankkunden (Anleger)

  • Schnellere Orderausführung

Schneller als Xetra geht bei umsatzstarken Werten wohl kaum. Und bei umsatzschwachen ist die Chance einer quasi nebenbörslichen Ausführung ohnehin gering.

Nachteile für Bankkunden

  • Keine Kontrollmöglichkeit, ob der Kurs einem 'Marktwert
    entspricht
  • Allgemeine Intransparenz

Bei XetraBest zumindest ist der Clou ja gerade, dass du nicht schlechter gestellt wirst, als wenn deine Order tatsächlich in Xetra ausgeführt würde. Zum einen kann man anhand von Intradaykursverläufen prüfen, ob die Order marktgerecht ausgeführt wurde, zum anderen wird wohl keine Bank die öffentliche Diskussion wegen Ausführung zum Nachteil des Kunden wünschen. Oder sehe ich das zu blauäugig?
Sofern die Bank keine Selbstverpflichtung zur Orientierung am Orderbuch der Börse hat, würde ich sie wechseln.
Und „Allgemeine Intransparenz“ ist nun wirklich kein sachliches Argument.

Aber ich denke, daß Du auch bei der DeuBa weiterhin den
Börsenplatz für Deine Orders vorgeben kannst und damit das
ganze explizit umgehen kannst.

Anscheinend ja nicht. Die behalten sich doch eine Eigenausführung vor, wenn ich das richtig verstanden habe? XetraBest kannst du auch nicht verhindern, sofern deine Bank das anbietet, hast aber auch keinen Nachteil dadurch.

Gruss
Nils

Hi Nils,

Da sehe ich den Nachteil nicht so ganz. Bei marktengen Werten
besteht ja keine Verpflichtung, sondern lediglich das Recht
zur internen Ausführung. Die interne Abwicklung der Orders für
sämtliche Papiere ist sicherlich nicht das erklärte Ziel.

Bei dem DeuBA-System ist das das Ziel. Es geht darum ein Gegengewicht zum CCP an der FWB zu schaffen, weil dort die Kosten für Sicherheitsleistungen und Mitgliedschaft zu hoch werden. Das Cross-Margining gegen derivative Positionen wird in diesem Jahr nicht mehr eingeführt werden.

Die Vorteile bei viel gehandelten Werten liegen auf der Hand.
Der Kunde spart zwar ein wenig Provision, die wird aber
sicherlich für die Bank ertragreicher sein als die bei
Börsengeschäften berechnete. Viele Banken sind aber auch als
Emittenten von Optionsscheinen tätig. Das Hedging kann dann
sozusagen bankintern gegen Kundenaufträge gemacht werden.
Dax-Werte als OS-Underlying haben ein ausreichendes Volumen.
Dafür ist es schon wegen geringerer Kosten ein Vorteil für
sie.

Und genau da beginnt das Problem. Kundenorders, die passen werden gegen Nostro geschlossen und der Kunde hat keine Möglichkeit festzustellen, ob der Kurs marktgerecht war (es gibt ja immer noch zu viele unlimitierte Orders).

Vorteile für Bankkunden (Anleger)

  • Schnellere Orderausführung

Schneller als Xetra geht bei umsatzstarken Werten wohl kaum.
Und bei umsatzschwachen ist die Chance einer quasi
nebenbörslichen Ausführung ohnehin gering.

Ich meinte damit, daß ein Kundenauftrag entweder Online oder vom Kundenberater in das Inhouse-System der Bank eingegeben wird. Ein internalisiertes Geschäft kann auch nachbörslich ausgeführt werden. In manchen Häusern ist auch das Orderrouting an Xetra nicht automatisiert und die Händler tippen die Orders noch einmal manuell ins XETRA-Frontend.

Nachteile für Bankkunden

  • Keine Kontrollmöglichkeit, ob der Kurs einem 'Marktwert
    entspricht
  • Allgemeine Intransparenz

Bei XetraBest zumindest ist der Clou ja gerade, dass du nicht
schlechter gestellt wirst, als wenn deine Order tatsächlich in
Xetra ausgeführt würde.

Da war die hessische Börsenaufsicht anderer Meinung. Deshalb dürfen XETRA-Best-Trades auch nicht börslich sondern nur außerbörslich genannt werden.

Zum einen kann man anhand von
Intradaykursverläufen prüfen, ob die Order marktgerecht
ausgeführt wurde, zum anderen wird wohl keine Bank die
öffentliche Diskussion wegen Ausführung zum Nachteil des
Kunden wünschen. Oder sehe ich das zu blauäugig?

Das denke ich schon :wink:

Sofern die Bank keine Selbstverpflichtung zur Orientierung am
Orderbuch der Börse hat, würde ich sie wechseln.

Wenn wirklich alle Pläne der Banken in Richtung Internalisierung erfolgreich umgesetzt werden, dann wird es in der Zukunft keine vergleichbaren Börsenkurse geben. Außerdem, was heißt „Orientierung an“? +/- 5 %, oder mehr, oder weniger, mit welcher zeitlichen Abweichung?

Und „Allgemeine Intransparenz“ ist nun wirklich kein
sachliches Argument.

Da hast Du natürlich recht :smile:

Aber ich denke, daß Du auch bei der DeuBa weiterhin den
Börsenplatz für Deine Orders vorgeben kannst und damit das
ganze explizit umgehen kannst.

Anscheinend ja nicht. Die behalten sich doch eine
Eigenausführung vor, wenn ich das richtig verstanden habe?
XetraBest kannst du auch nicht verhindern, sofern deine Bank
das anbietet, hast aber auch keinen Nachteil dadurch.

Ich kenne die neuen AGBs nicht. Meiner Auffassung nach kann man als Kunde den Börsenplatz vorgeben. XETRA-Best ist aber kein Börsenplatz, sondern eine OTC-Plattform. Wenn ich XETRA vorgebe, dann darf die Order nicht in XETRA-Best ausgeführt werden.

Mal sehen ob das NASDAQ-Deutschland-System als Börse anerkannt wird.

Ciao,

Uwe

Hallo nochmal,

Und genau da beginnt das Problem. Kundenorders, die passen
werden gegen Nostro geschlossen und der Kunde hat keine
Möglichkeit festzustellen, ob der Kurs marktgerecht war (es
gibt ja immer noch zu viele unlimitierte Orders).

Unlimitierte Orders werden doch mit den für den Anleger jeweils günstigsten Geld/Brief-Positionen gematcht. Bei stark gehandelten Papieren sollten keine Nachteile entstehen können. Bei Nebenwerten stimme ich dir allerdings uneingeschränkt zu. Die Grenze zu ziehen wäre aber das nächste Problem :wink:

Ich meinte damit, daß ein Kundenauftrag entweder Online oder
vom Kundenberater in das Inhouse-System der Bank eingegeben
wird. Ein internalisiertes Geschäft kann auch nachbörslich
ausgeführt werden. In manchen Häusern ist auch das
Orderrouting an Xetra nicht automatisiert und die Händler
tippen die Orders noch einmal manuell ins XETRA-Frontend.

Ähm, mal ganz ehrlich, wer am Schalter Aktien kaufen geht, der braucht keine millisekundenschnelle Ausführung. Ein langsames Orderrouting macht mir entweder nichts aus oder ich suche mir eine schnellere Bank.

Bei XetraBest zumindest ist der Clou ja gerade, dass du nicht
schlechter gestellt wirst, als wenn deine Order tatsächlich in
Xetra ausgeführt würde.

Da war die hessische Börsenaufsicht anderer Meinung. Deshalb
dürfen XETRA-Best-Trades auch nicht börslich sondern nur
außerbörslich genannt werden.

Da würde mich mal interessieren, wie die ihre Meinung begründet haben und warum XB-Kurse in der Darstellung der fortlaufenden Notierung eingereiht sind.

Wenn wirklich alle Pläne der Banken in Richtung
Internalisierung erfolgreich umgesetzt werden, dann wird es in
der Zukunft keine vergleichbaren Börsenkurse geben. Außerdem,
was heißt „Orientierung an“? +/- 5 %, oder mehr, oder weniger,
mit welcher zeitlichen Abweichung?

Ich denke, dass XetraBest ein für alle Beteiligten sinnvolles System darstellt. Was von der Börse mehr abweicht kann kaum noch marktgerecht genannt werden, da zum einen ein offenes Orderbuch und die Veröffentlichung der Kursfeststellungen fehlt und zum anderen möglicherweise eine Willkür der Bank nicht verhindert werden kann. Versuch mal, kurz vor 22 Uhr ausserbörslich Dax-Werte zu handeln, Kurse und Spreads sind abenteuerlich verschieden. Aber das ist schliesslich freiwillig, eine Order an der Börse bietet da momentan erheblich mehr Transparenz.
Vielleicht können wir uns aber darauf einigen, dass solche internen Ausführungen nur dann Sinn zu machen scheinen, wenn sie an Börsenzeiten, -kurse und -usancen gekoppelt sind, für den Anleger also keinen (nennenswerten) Nachteil haben? Zeitpriorität der Orders sei hier nur ein Stichwort.

Ich verabschiede mich jetzt erstmal ins lange Wochenende
Nils

Hi, ich schon wieder:smile:

Unlimitierte Orders werden doch mit den für den Anleger
jeweils günstigsten Geld/Brief-Positionen gematcht.

Ja, aber mit internen von anderen Kunden oder gar Nostro, oder mit externen des Börsenorderbuchs? Genau da liegt das Problem. Es gibt (noch) keine standardisierten Algorithmen.

Ähm, mal ganz ehrlich, wer am Schalter Aktien kaufen geht, der
braucht keine millisekundenschnelle Ausführung. Ein langsames
Orderrouting macht mir entweder nichts aus oder ich suche mir
eine schnellere Bank.

Mir ging es auch weniger um Schlter als um telefonische Orders.

Da war die hessische Börsenaufsicht anderer Meinung. Deshalb
dürfen XETRA-Best-Trades auch nicht börslich sondern nur
außerbörslich genannt werden.

Da würde mich mal interessieren, wie die ihre Meinung
begründet haben und warum XB-Kurse in der Darstellung der
fortlaufenden Notierung eingereiht sind.

Habe jetz keine konkreten Quellen. Googlen mit http://www.google.de/search?sourceid=navclient&hl=de… bringt 31 Treffer.

Vielleicht können wir uns aber darauf einigen, dass solche
internen Ausführungen nur dann Sinn zu machen scheinen, wenn
sie an Börsenzeiten, -kurse und -usancen gekoppelt sind, für
den Anleger also keinen (nennenswerten) Nachteil haben?
Zeitpriorität der Orders sei hier nur ein Stichwort.

Ich ziehe die Neutralität einer Börse dem Goodwill einer Depotbank vor.

Ich verabschiede mich jetzt erstmal ins lange Wochenende
Nils

Viel Vergnügen,

Uwe