Endlich - Bessere Rechte für Prostituierte

Hallo,
Rot - Grün haben in dieser Woche ein Gesetz zur Verbesserung der Rechte von Prostituierten im Bundestag eingebracht. Nach wie vor legitimieren Gesetze und Rechtsauffassungen, dass Prostituierte benachteiligt werden. Prostitution ist zwar in der BRD nicht verboten. Die Vereinbarung sexueller Dienste gegen Bezahlung ist nach vorherrschender Rechtssprechung aber ‚sittenwidrig’ und damit nicht einklagbar. Geht es aber darum, Steuern zu zahlen, nimmt der Staat keinerlei Rücksicht auf moralische oder sittliche Bedenken, sondern bittet die betroffenen Prostituierten zur Kasse.
Verträge zwischen Prostituierter und Kunde werden zukünftig möglich sein. Prostituierte werden einen Anspruch auf den vereinbarten Lohn haben. Als Folge können sie wählen, ob sie lieber als abhängig Beschäftigte und damit sozialversicherungspflichtig arbeiten wollen, wie andere Arbeitnehmerinnen auch, oder lieber als Selbstständige tätig sein wollen. Sie sich in die Kranken- und Rentenversicherung aufnehmen lassen und Umschulungsmaßnahmen des Arbeitsamtes in Anspruch nehmen. Auf strafrechtlicher Ebene wird die Förderung der Prostitution gestrichen. Damit werden die Prostituierten in der freien Ausübung ihrer Tätigkeit zusätzlich abgesichert. Personen, die ihnen gute Arbeitsbedingungen bieten, dürfen- wie es zur Zeit nach geltendem Recht noch der Fall ist - nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden. Darüber hinaus wird der Schutz der Prostituierten vor Ausbeutung und Gewalt besser gewährleistet. Mit dem Gesetzentwurf wird sicherlich die Lage der Prostituierten verbessert, nicht die der Kunden oder Bordellbesitzer. Prostituierte werden durch die geplanten gesetzlichen Maßnahmen nicht länger Bürgerinnen zweiter Klasse sein.

Gruß Mic
http://www.mibor.de

Hallo Mic,
Deinen Beitrag finde ich sehr gut.

Der Staat darf hier nicht mit zweierlei Maß messen und einerseits Steuern eintreiben und andererseits den Lohnanspruch verwehren. Von daher finde ich das neue Gesetz in Ordnung.

Aber ich denke auch, dass die Ausübung der Prostitution langfristig zu psychischen Schäden führt.

Viele Grüße!
Harald Büring

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Aber ich denke auch, dass die Ausübung der Prostitution
langfristig zu psychischen Schäden führt.

Hallo Harald,

dieses Argument, häufig wiederholt, unbewiesen und aus dem Bauch heraus, hat absolut nichts mit den jüngsten Beschlüssen zur Prostitution zu tun. Vielmehr war das über Jahrzehnte eine der Begründungen für die Strafbarkeit der Förderung der Prostitution. Das wiederum führte zu schmuddeligen Absteigen und dem Abdrängen der Szene an den Rand der Kriminalität. Wie ernst soll man die Sorge um psychische Schäden nehmen, wenn die rührend Besorgten andererseits eine normale Krankenversicherung für Prostituierte für völlig überflüssig hielten?

Nicht ein einziges Argument der Verfechter von Sitte und Anstand war auf diesem Gebiet je von Ehrlichkeit und Realitätssinn geprägt. Der erhobene kirchliche Zeigefinger war die einzige Korsettstange im Rücken der Moralapostel, die viel Leid zu verantworten haben.

Gruß
Wolfgang

Aber ich denke auch, dass die Ausübung der Prostitution
langfristig zu psychischen Schäden führt.

Hallo Harald,

dieses Argument, häufig wiederholt, unbewiesen und aus dem
Bauch heraus, hat absolut nichts mit den jüngsten Beschlüssen
zur Prostitution zu tun. Vielmehr war das über Jahrzehnte eine
der Begründungen für die Strafbarkeit der Förderung der
Prostitution. Das wiederum führte zu schmuddeligen Absteigen
und dem Abdrängen der Szene an den Rand der Kriminalität. :

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,
ich habe ja auch geschrieben, dass es eine doppelte Moral gibt, die ich nicht richtig finde. Ich halte Ehrlichkeit in diesen Fragen für sehr wichtig. Ich kann das zwar nicht beweisen, vermute aber, dass viele Frauen aus Geldnot zu Prostituierten werden. Vielleicht sollte man ja mal eine Untersuchung anstellen. Aber egal wie die ausfällt, finde ich gut, dass die Rechte von Prostituiereten gestärkt worden sind.

Harald

Zeit wurde es wirklich, daß man die Prostitution auch rechtlich
akzeptiert, wie es „gesellschaftlich“ schon lange (eine Million Freier täglich) der Fall ist.

Man sollte aber auch die Meinung und die praktischen Erfahrungen der Prostituierten selbst zum Thema zur Kenntnis nehmen, damit nicht irgendein unpraktikables „Wir-wollen-Euch-beim-Ausstieg-helfen-auch-wenn-Ihr-das-gar-nicht-wollt-Gesetz“ dabei heraus kommt. (Besonders aus dem „christlichen“ Lager kommen ja ständig diese Töne…)

Zum Beispiel gehört auch das Werbeverbot gestrichen, (§120 OwiG), das (theoretisch!) alle diese Anzeigen, die man täglich in den Zeitungen liest, mit einem satten Bußgeld bedroht.

Ebenso muß der „Zuhälterei-Paragraph“ angepasst werden, denn heute macht sich in einer „Huren-WG“ diejenige wegen „Zuhälterei“
strafbar, die im Auftrag der anderen „Telefondienst“ macht,
„sexuelle Handlungen (wie z.B. Haus- u. Hotelbesuche)vermittelt“ und dafür auch nur eine(!) Mark erhält.

Die Bundesregierung kann jetzt zeigen, wie wichtig ihr eine
Verbesserung der Situation der Prostituierten WIRKLICH ist.

Ich bin gespannt.

Hallo Mic,
mit dem einklagen der Honorare ist das so eine Sache, denn wer zeigt schon gerne seinen Personalausweis vor einem solchen Geschäft vor. Ausserdem ist Vorkasse üblich.
Gruß
Jörg
dermitdemgeschäftnatürlichnichtszutunhat

Zeit wurde es wirklich, daß man die Prostitution auch
rechtlich
akzeptiert, wie es „gesellschaftlich“ schon lange (eine
Million Freier täglich) der Fall ist.

wird es auch ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf?

Sorry, P. wird leider KEIN Ausbildungsberuf…
…man muß „es“ also können, wenn man damit anfängt…:smile:))

Es geht lediglich darum, die Situation
von freiwillig und selbstbestimmt tätigen Prostituierten zu verbessern, indem man eine „rechtliche Gleichstellung“ (nicht mehr und nicht weniger!) mit anderen Tätigkeiten (steuerlich, gewerberechtlich usw.) herstellt, da ja Steuerpflicht auch jetzt schon besteht, und die Prostitution baurechtlich ohnehin schon als Gewerbe gilt.

Sogenannte „abhängige Beschäftigungsverhältnisse“ halte ich
für problematisch, sinnvoller wäre eine generelle Einstufung
als „Freiberufler“ (oder so ähnlich). (P. gilt auch jetzt schon als „selbstständige Tätigkeit“.)

Nochmal kurz zum „Ausbildungsberuf“: Diese Anfrage habe ich inzwischen (wörtlich!) ca. 50-60 mal nicht nur im Internet, sondern auch in den verschiedensten Zeitschriften gelesen.

Also, Witzchen sind ja was Feines, aber in Zukunft bitte etwas aktueller, ok? :smile:)

MfG caligula

Irgendwie taucht das vorgebrachte Argument, dass „der Staat“ den Hurenlohn besteuert, immer wieder mit mehr oder weniger Empörung in der Diskussion auf und wird als scheinheilig bezeichnet. So ganz leuchtet mir das nicht ein.
Sollte man Einnahmen aus ungewöhnlichen Geldquellen etwas steuerfrei lassen?
Wäre das gerechter?
Da würde ich als ehrlicher Steuerzahler aber protestieren.
Immerhin unterliegt auch das durch gewerbsmäßigen Taschen- oder Viehdiebstahl erzielte Einkommen der Steuerpflicht. Und das finde ich nicht verwerflich – im Gegenteil.
Was die Gesetzesänderung betrifft, so ist dagegen wohl nicht viel zu sagen. Angesichts der Situation der Gesellschaft frage ich mich aber, ob es für die Regierung nicht wichtigere Dinge gibt als Schwulenehen und Nuttenrechte. Dabei hab ich weder was gegen Schwule noch gegen Prostituierte!

Die Tatsache, daß Sie EIGENTUMSDELIKTE wie Diebstahl mit der Prostitution auf eine Stufe stellen, lässt deutliche Rückschlüsse auf Ihre (an „den richtigen“ Stammtischen sicherlich beeindruckende) Fachkenntnis zu.

Darum erspare ich mir, das weiter zu kommentieren. (Da könnte ich auch versuchen, einer unserer Katzen das auseinanderzusetzen, das hätte wohl einen ähnlichen Erfolg, wie bei Ihnen.)

Sie fragen, ob der Staat nichts Wichtigeres zu tun hätte, als sich „mit Homos und Prostituierten“ zu beschäftigen.

Natürlich hat der Staat in der Vergangenheit „Wichtigeres“ zu tun gehabt, sonst hätten wir nicht jahrzehntelang die (klerikal und „moralistisch“) dominierte Diskriminierungs- und Verdrängungspolitik mit allen ihren Auswirkungen gehabt und es gäbe heute nicht diese Diskussion.

Sexuell verklemmt erzogene Menschen saßen (und sitzen
z. Teil heute noch!) an den „Schaltstellen der Macht“ und versuchen, mit Begriffen wie „Werte“, „Anstand“ und „Moral“, die
in ihrer Auslegung für die „Sittenwidrigkeit“ ja ursächlich verantwortlich sind, eine (gesellschaftlich längst erfolgte) Akzeptanz mit den Mitteln der Gesetzgebung zu verhindern.

Man behauptet von „diesen Seiten“ zwar, man „wolle den armen Mädels beim Ausstieg helfen“, dann sollte man sich aber gefälligst auf DIE konzentrieren, die dieser Hilfe bedürfen, und sie auch suchen und nicht gleich alle anderen auch damit nerven.

Außerdem: Wenn sich gesetzlich etwas ändert, dann kann man doch
trotzdem „helfen“, vielleicht noch viel besser, wo ist also das Problem?

Diese „Helfer“ bilden sich auch noch ein, sie hätten das Recht, sich in die einverständliche Vereinbarung zweier mündiger Menschen über eine „sexuelle Dienstleistung“ (Prostitution ist nämlich, nüchtern und ohne Scheuklappen betrachtet, GENAU DAS!) und deren „Bezahlung“ einzumischen, ohne das jedoch mit Fakten (also für die „Betroffenen“ NACHVOLLZIEHBAR!) begründen zu können.

Warten wir also ab, was sich tut, allein die breitgefächerte Diskussion des Themas in der Öffentlichkeit ist ein Anfang, andere (als tabuisierte) Sichtweisen dieses Themas zu entdecken
und damit „unverkrampfter“ umzugehen.

MfG caligula.

Holla kleiner Kaiser! Warum so aggressiv? Verklemmt?
Bitte noch mal lesen: von Gleichsetzen war gar keine Rede.
Und ob „da oben“ auch verklemmte Leute sitzen ist ebenso egal wie die Frage, ob mein Zahnarzt oder mein Rechtsanwalt verklemmt ist.
Haupsache sie machen alle ihre Arbeit gut!

-))

Hallo Bonifatius (nomen est omen?) :smile:),

zumindest hatten Sie die Steuerpflicht der Prostituierten mit der des Taschen/- Viehdiebs verglichen. Und diese Vergleiche kommen (erfahrungsgemäß!) aus der gleichen „Ecke“ wie die Fragestellung, „ob denn Frauen vom Arbeitsamt jetzt in den Puff geschickt werden, wenn sie arbeitslos sind, und ob P. jetzt als Ausbildungsberuf etabliert wird“. Und derartiger UNSINN nervt mich einfach, darum reagiere ich da immer etwas heftig drauf.
Ich hoffe, Sie können das nachvolziehen.

Zum Thema Zahnarzt oder Rechtsanwalt (bei letzterem hätte ich allerdings bei zu stark ausgeprägter „Verklemmtheit“ so meine Bedenken), kann ich Ihnen beipflichten, für DEREN Tätigkeit
(zumindest im Fall des Zahnarztes) ist die die Prostitution betreffende „moralische Einstellung“ eher zweitrangig.

Anders bei Politikern: Wenn sich DEREN „sexualfeindliche Grundeinstellung“, möglichst noch forciert durch entsprechende „Lobbies“, derart auf die Gestaltung von Gesetzen auswirkt, daß dann eben Menschen kriminalisiert bzw. diskriminiert werden, die aufgrund ihres "Rechts auf sexuelle SELBSTBESTIMMUNG(!) andere „Moralvorstellungen“ haben und diese auch „verwirklichen“ möchten, OHNE EINEN SCHADEN ZU VERURSACHEN, dann sehe ich das doch sehr kritisch.

Ihren letzten Satz kann ich wiederum voll unterschreiben, GUTE ARBEIT ist wichtig, aber was heißt bei dieser Thematik denn
„GUT“? Auch da gehen die Meinungen stark auseinander, darum muß man sich an der gesellschaftlichen Realität orientieren und utopischen Wunschvorstellungen im Sinne einer „hurenfreien“ Gesellschaft eine klare Absage erteilen. Das funktioniert sowieso nicht. (Oder hat es in der Geschichte schon mal irgendwann funktioniert?)

MfG caligula (nomen EST omen!) :smile:)

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