Endlich eine gute Nachricht

…eigentlich das Beste, was passieren konnte.

Hallo,

treffen die Nachrichten zu, müssen sich die öffentlichen Haushalte auf Steuerausfälle in 2stelliger Mrd-Größenordnung einstellen. Die wirtschaftliche Situation, eine sich längst manifestierte hohe Arbeitslosenquote und absehbar zu geringes Wachstum führen dazu, daß bei unveränderten Strukturen der Finanz-Kollaps eintreten muß. Alarmierendes sehe ich in der Meldung nicht, sondern nur eine Chance.

Vier Legislaturperioden Unionsregierung und nichts bewegte sich. Rot-Grün hat auch nichts geändert. Die öffentlichen Haushalte wurden und werden weiter auf Pump finanziert. Ein Millionenheer öffentlich Bediensteter sitzt in den Amtsstuben und hat zu einem großen Teil schlicht nichts zu tun. Der Sozialstaat ist asozial geworden, weil er zuläßt, daß gesunde Menschen Ihren Bauch in die Sonne hängen, von Sozialhilfe leben, aber andererseits gibt es ohne polnische Erntehelfer keinen Spargel. Das bodenlose Faß Sozialversicherung bekommt in der Alterssicherung eine neue Säule, die noch mehr Geld kostet und noch mehr Verwaltung mit sich bringt. Nichts geschieht, um Kostentransparenz ins Gesundheitswesen zu bringen und Selbstverantwortung des Versicherten, wie es sich in anderen Versicherungsbereichen bestens bewährt hat. Nirgends in Europa ist der Bevölkerungsanteil mit Wohneigentum so klein wie in D. Eine Folge ist, daß ein erheblicher Teil der gesamten in D erarbeiteten Lohn- und Gehaltssumme in Vermietertaschen wandert und viele im Alter zu Sozialfällen werden. Wir leisten uns ein paar hunderttausend Menschen unter Waffen, weil die Bundeswehr als heilige Kuh betrachtet wird, obwohl sie in der bisherigen Form und Größe nicht mehr gebraucht wird. Gleichzeitig wird eine Menge Transportflugzeuge bestellt, die ausreicht, um eine Luftinvasion in halb Europa zu starten. Nach wie vor wird verhindert, daß Menschen, die Gardinen aufhängen oder Zimmer tapezieren wollen, dies auch tun dürfen. Sie müssen schwarz arbeiten, weil ein Gewerbe ohne Meisterbrief von der Handwerkskammer geschlossen wird. Wer einen Laden aufmachen will, wenn die Handelsketten geschlossen haben, kollidiert mit dem Ladenschlußgesetz. Hauptsache, es läuft alles nach Vorschriften aus Kaisers oder Gröfaz Zeiten. Überhaupt Vorschriften: So lange ich denken kann, höre ich von der Durchforstung des Dschungels, aber nichts passiert. Immer noch dauert die Genehmigung eines Hauses oft länger als der Bau. Milliardenbeträge wandern über den EU-Umweg in die Landwirtschaft, obwohl der Verbraucherpreis ein Mehrfaches des Erzeugerpreises beträgt, der Wegfall der Subvention die Endpreise also nur marginal steigen lassen würde. Immer noch wandert Steuergeld in die Kohle. Bundesländer werben sich mit Steuergeschenken gegenseitig die Betriebe ab. Die Herrschaften haben einfach noch zu viel Geld, mit dem sie nicht umgehen können. Jedes Bundesland hat eine Landesbank, deren Chefetage ausschließlich dazu dient, verdiente Parteigrößen zu versorgen. Wenn jemand absolut keine Ahnung vom Bankgeschäft hat, ist das weiter nicht hinderlich, um den Chefsessel zu wärmen. Das gilt in gleicher Weise für die zahllosen anderen Versorgungseinrichtungen. Wir brauchen so viele Ortskrankenkassen, weil jede einzelne einen Direktorenposten bereit hält. Der hat zwar nichts zu sagen und nichts zu entscheiden, allemal trägt er keinerlei Verantwortung, aber er ist versorgt.

Ein gertenschlanker Staat, der keinen Bürger gängelt, der nur wenige unverzichtbare Gemeinschaftsaufgaben wahrnimmt und das Zusammenleben im Gemeinwesen regelt - das nützt dem Bürger und das reicht. Statt dessen ist dieser Staat zur Versorgungseinrichtung geworden. Die Erwerbstätigen sind in der Minderheit und zahlen für den ganzen Rest. Ohne Zwang ändert sich an all dem nichts, unabhängig von der Farbzusammenstellung der nächsten Regierung. So lange Geld da ist, geht’s im alten Stiefel weiter.

Deshalb hoffe ich, daß etwas getan wird, daß gearbeitet wird, weil einfach nicht mehr genug Geld in die Kasse kommt. Ohne Veränderung, die deutlich über Kosmetik hinaus gehen muß, werden wir unsere Wettbewerbsfähigkeit in einem Europa mit Freizügigkeit und offenen Grenzen verlieren. Das Abstellen der erwähnten Zustände wird allein noch nicht reichen, aber ohne Veränderung des bisherigen Sozial- und Versorgungsstaates werden wir weiter ins Mittelmaß abrutschen. Satte Zufriedenheit ist kein Nährboden für Veränderung. Es muß erst Erschütterungen geben, bis die letzte träge Schlafmütze aufgewacht ist. Bei leerer Kasse kann man eben nicht gut weiter schlafen.

Ist es nicht merkwürdig, die Hoffnung an die Pleite zu hängen?

Gruß
Wolfgang

wenn es denn mal so käme…
Hallo Wolfgang,

Ist es nicht merkwürdig, die Hoffnung an die Pleite zu hängen?

finde ich nicht. Ich stehe seit Jahren auf dem Standpunkt, daß wir nur deshalb vieles nicht abgeschafft oder geändert haben, weil wir es uns noch leisten konnten. Die Niederlande und einige skandinavische Länder sind da nur ein Beispiel. Sie hatten eben nicht diesen scheinbar unerschöpflichen Reichtum und mußten dann schon sehr viel eher als wir wesentliche Änderungen bei Sozialversicherungen u.a. vornehmen.

Ich befürchte jedoch, daß die Haushaltsmisere auch diesmal nicht heftig genug ausfallen wird. So wird man weiterhin an diesem Rädchen drehen und dort ein Schnäpschen wegnehmen und es weiterhin verabsäumen, Reformen durchzusetzen, die diesen Namen auch verdienen.

Die Frage ist, wann der Kollps dann tatsächlich kommen wird. Wirklich lange kann es eigentlich nicht mehr dauern. Die Politiker von heute werden es jedoch vermutlich nicht mehr erleben, zumindest nicht in ihrem Politikerdasein, erst recht in der nächsten Legislaturperiode.

Und so wird weiterhin der Gedanke an die nächste Wahl einen höheren Stellenwert einnehmen, als der an die Zukunft. Eines ist sicher: Das heligste Denkmal (Götze?) des Deutschen wird so schnell nicht vom Sockel gestoßen werden: Die Besitzstandwahrung.

Gruß
Christian

Hi,

Ein gertenschlanker Staat, der keinen Bürger gängelt, der nur
wenige unverzichtbare Gemeinschaftsaufgaben wahrnimmt und das
Zusammenleben im Gemeinwesen regelt - das nützt dem Bürger und
das reicht.

wuerdest Du bitte mal aufzaehlen, welche „unverzichtbaren Gemeinschaftsaufgaben“ auch ein gertenschlanker Staat auf jeden Fall zu erfuellen hat?

Und was die Abgebauten und Sozialschmarotzer denn gewinnbringend produzieren sollen?

Was verstehst Du unter Gemeinwesen? Was unter Buerger?

Ich an Deiner (liberalen, leicht ins „strukturell antisemitische“ abgleitenden) Stelle wuerde mich lieber nicht auf den Kollaps freuen, denn da duerfte noch einiges mehr den Bach runter gehen evtl. incl. der Marktwirtschaft.

Ciao Lutz

PS: Was liberal mit antisemitsch zu tun hat: Die Vertreter des freien Marktes meinen, dass das Prinzip der Warenproduktion und Geldwirtschaft in seinem Innern gut und fortschrittsfoerdernd ist. Dementsprechend muessen alle Krisen, alles schlechte (ist Umweltzerstoerung schlecht?) von aussen kommen. Zur derzeit weltweiten Krise muss es also auch eine weltumspannende finstere Macht geben, die diese verursacht. Frueher war dies mal das weltweite „Finanzjudentum“, in Deinem Artikel sind es die marktfeindlichen Sozis, allgemein ist gerade der islamisch-fundamentalistische Terrorismus der Feind der freien Weltordnung,…

Ein bisschen Paranoia dieser Art gehoert zur Marktwirtschaft dazu, schliesslich glaubt man ja auch an die Macht der allgegenwaertigen „unsichtbaren Hand“. Wird aber diese Paranoia an Personen gebunden, dann wird leicht ein „Kreuzzug gegen das Boese“ daraus, in dem das Wort „Endloesung“ immer schon mitschwingt und der dabei fast nur „Kolateralschaeden“ hervorruft.

Und die Konsequenz?
Hallo Wolfgang,

ein Krebsgeschwür kann man nur behandeln, wenn man es aushungert, hier also den Geldhahn zudreht. Wir haben einen internen Korruptionsgeist (nicht nur in den Behörden), der seinesgleichen sucht. Der Witz ist, daß nicht nur dieser Filz von Parteibonzen gefördert, sondern von Industrie und Handel alimentiert wird, nach dem Grundsatz „eine Hand wäscht die andere“, eben echte Bananenrepublikattitüden; denn was sonst heißt das Kürzel BRD?

Es kann in der Tat nichts Besseres geschehen, wenn die Einnahmequellen versiegen. Nur, was werden diese gelernten Sesselfurzer dann machen? Einfach zuschauen, wie ihre Pfründe dahinschmelzen? Glaube ich nicht. Ganz einfach, wie in den Kommunen auch: die Verschuldung wächst, und die Einnahmen reichen gerade so aus, um die Zinsen bezahlen zu können. Das freut doch die Banken wieder, deren Direktoren weggelobte Parteigänger sind. Und die Kreditwürdigkeit der Kommunen wird je nach Parteiproporz hochgejubelt, notfalls wird das Tafelsilber verscherbelt (die gemeindeeigenen Grundstücke) oder man schönt den Haushalt, indem verlustträchtige Einrichtungen (wie z.B. die Kläranlage) geoutsourct werden, d.h. ein „Eigenbetrieb“ gegründet wird, der nicht mehr in den Haushalt fällt. Am Ende ist der kleine Steuerzahler der Dumme; denn der hat ja seine Schlächter selbst gewählt, und irgend jemand muß ja am Ende die Rechnung bezahlen.

Deshalb ist ganz entscheidend, daß eine Haftung auch für abgewählte Politiker eingeführt wird. Es kann ja nicht angehen, daß man als Wahlbeamter am Ende der Legislaturperiode auch seine Verantwortung für sein korruptes Handeln quasi an der Garderobe beim Pförtner abgibt.

Nur unsere Wähler (die meisten jedenfalls) werden nie auf die Idee kommen, ein Wahlprogramm der zu wählenden Partei zu lesen, oder gar in eine öffentliche Sitzung ihres Gemeindeparlaments zu gehen, Gott behüte. Und in die Parteien reingehen oder sich gar wählen lassen, um den Morast von innen umzugraben, tut schon dreimal keiner. Also? Was tun?

Beruhigend ist zu wissen, daß alle Krankheiten durch Tod des Patienten letztlich „geheilt“ werden. Warten wir also die Bankrotterklärung des Finanzministers ab. Und bringen wir unser ehrlich erspartes und versteuertes Geld lieber ins Ausland, bevor es in einem Notprogramm noch „konfisziert“ wird (per Kapitalsteuer).

Gruß R.

p.s.: Übrigens sind auch Sozialhilfeempfänger Wähler, die gehegt und gepflegt werden müssen, das walte die SPD.

Hallo Richard

Nur unsere Wähler (die meisten jedenfalls) werden nie auf die
Idee kommen, ein Wahlprogramm der zu wählenden Partei zu
lesen,

das hat aber auch oft genug was mit Kaffeesatz lesen zu tun.
Aus irgendeinem Grund sind ja die Schreiber dieser Programme nicht in der Lage, klare Worte zu schreiben. Entweder Parolen oder Larifarimogelzahn.
Nur am Rande : ich hab ja neulich mal so’n Schreiben vom Umweltamt gekriegt ( nicht ich, die Gemeinde), da stand drin, man habe nun dieses Schreiben absichtlich in verständlicher Form gehalten, damit alle Leute den Inhalt verstehen könnten.
Na, da steh ich doch regungslos zwischen Lachen und Weinen.

oder gar in eine öffentliche Sitzung ihres
Gemeindeparlaments zu gehen, Gott behüte. Und in die Parteien
reingehen oder sich gar wählen lassen, um den Morast von innen
umzugraben, tut schon dreimal keiner.

Ja, warum eigentlich nicht ?? Ist denn niemand sauer genug, dass er sich die Ärmel hochkrempelt? Oder denken alle, sie stecken sich an ? Oder fürchten sie, sie könntens auch nicht besser?

Gruß

Heike
(die zwar im Gemeinderat ist, aber parteilos (warum eigentlich ?))

Naja, schließlich haben wir ja …
… in diesem Lande 17 Regierungen mit 17 mal einer Ministerriege und 17 mal eine Bürokratie, die nichts anderes zu tun hat, als Steuergroschen zu verteilen.
Ich stimme Dir zu, Wolfgang, dass da etliches zu ändern wäre in diesem unserem Lande. Aber das wird nicht geschehen, solange die Schmerzgrenze für die Mehrheit der Einzelnen noch nicht erreicht ist. 4,5 Mio Arbeitslose sind eben mal grade 5% - d.h. eine von allen Arbeitslosen gewählte Partei käme noch nicht einmal oder so grade eben ins Parlament.
Es wird uns allen noch viel schlechter gehen müssen, ehe der Michel den A… hochkriegt.
Gruß
Eckard.

Hallo Wolfgang,

bei der Beurteilung der derzeitigen Situation stimme ich voll und ganz zu.
Ich habe keine Abstriche zu machen.
Aber eine Chance sehe ich in der sich abzeichnenden Pleite nicht. Oder ander gesagt: Eine Chance gibt es immer.
Die Geschichte lehrt uns allerdings etwas anderes. In solchen Stimmungslagen stehen starke Führer auf, Despoten und Diktatoren. Denn das Volk sucht nach dem starken Mann, der es aus dem Dilemma herausführt. Zuletzt vor 70 Jahren war das nicht viel anders.

Gruß,
Francesco

Hallo Heike,

Nur unsere Wähler (die meisten jedenfalls) werden nie auf die
Idee kommen, ein Wahlprogramm der zu wählenden Partei zu
lesen,

das (Wahlprogramm) hat aber auch oft genug was mit Kaffeesatz
lesen zu tun.
Aus irgendeinem Grund sind ja die Schreiber dieser Programme
nicht in der Lage, klare Worte zu schreiben. Entweder Parolen
oder Larifarimogelzahn.

Im Wahlprogramm einer Partei müssen sich möglichst alle Flügel und Strömungen wiederfinden, deshalb werden solche Programmsätze ja auch in mühseliger Kleinarbeit in unterschiedlichen AGs ausgetüftelt, um sie dann auf einem Parteitag abzusegen.

Nur am Rande : ich hab ja neulich mal so’n Schreiben vom
Umweltamt gekriegt ( nicht ich, die Gemeinde), da stand drin,
man habe nun dieses Schreiben absichtlich in verständlicher
Form gehalten, damit alle Leute den Inhalt verstehen könnten.
Na, da steh ich doch regungslos zwischen Lachen und Weinen.

Das kannst Du schlecht mit Parteiprogrammen vergleichen, die ja auch der Normalbürger verstehen können muß, es könnte ja mal einer auf die Idee kommen, so eines anzufordern. :wink:

Ja, warum eigentlich nicht ?? Ist denn niemand sauer genug,
dass er sich die Ärmel hochkrempelt? Oder denken alle, sie
stecken sich an ? Oder fürchten sie, sie könntens auch nicht
besser?

Du hast es ja auch gut: arbeitest im Gemeinderat mit, brauchst aber nicht auf das Wahlprogramm einer Partei zu schielen. Insofern hatte ich am Ende einer Wahlperiode auch zu einer freien Wählergemeinschaft gewechselt. Die arbeiten meist nur auf kommunaler Ebene und brauchen sich nicht von Bezirks- oder gar Landesverbänden ihr Placet zu holen.

Gruß Richard

p.s.: Leider werden die meisten Neuankömmlinge in einer Partei vom „Mainstream“ umgebügelt, bis sie keine eigene Meinung mehr haben.

Tja Wolfgang.

Früher hatte das Konstrukt Staat „Bündnisaufgaben“ wie Rechtssicherheit, Schutz, gewisse Fürsorge etc. Dieses Gebilde ist aber mutiert zu einem allmächtigen und selbstherrlichen Leviathan. Selbstzweck ist der Zweck. Der Staat ist Beute für die Herrschenden. Der Bürger ist für Politiker und Behörden nur noch eine Manövriermasse. Behördendogmen (für den Abzockerstaat nützlich) sind nahezu gottähnlich. Carl Burckardt nannte den Staat …ein unheimliches und dem Bürger innerlich fremdes Ungeheuer.

Da hilft wohl nur eins: Störrisch sei der Bürger, unbelehrbar und stur. Nur so lässt sich dieser pervertierte Statt vieleicht in den Griff bekommen.