Energiemangel

Moin Eric!

Vorausgeschickt: Ich kenne Dich nicht! Die einzigen Informationen, die ich habe, stammen aus den paar Zeilen, die Du hier geschrieben hast. Was ich schreibe, muss überhaupt nicht auf Dich zutreffen. Vielleicht ist der eine oder andere Gedankenanstoß dabei…

Wenn ich Deine Situation zusammenfasse: Du bist des Jobs wegen in eine Stadt gegangen, die Dir nicht zusagt, der Job gefällt Dir nicht mal, Du hast (noch) keine Freunde dort und Deine Familie ist weit weg. Ganz ehrlich: Kein Wunder, dass Du nicht so gut drauf bist.

Hinzu kommt: Bei einem Eintritt in eine neue Lebensphase ist es nicht unüblich, dass es ein bisschen ruckelt (wenn Du Dich umguckst: Kleine Kinder müssen sich an den Kindergarten gewöhnen; Studierende am Studienort zurechtfinden; Eltern müssen sich an ihre neue Rolle gewöhnen; Rentner kommen am Anfang mit ihrem Ruhestand nicht zurecht etc. etc.). In einer solchen Eingewöhnungszeit bist Du auch gerade.

Ich kann Dir versichern (ich weiß nicht, ob Dir das hilft; ich bin jedenfalls immer beruhigt, wenn ich weiß, dass ich nicht die einzige bin), dass enge Freunde von mir, mein Mann und ich in dieser Phase sehr stark mit allem gehadert haben.

Finde ich auch nicht erstaunlich: Was hast Du aufgegeben, was hast Du bekommen? Mit dem Berufsleben geht einher: Man hat nicht mehr so viel Zeit frei zur Verfügung; ist nicht mehr so selbstbestimmt; das Gefühl, dass man nur noch arbeitet (schlafen, aufstehen, arbeiten, ins Bett)… Es ist übrigens sehr wahrscheinlich, dass sich das nach etwa 1-1,5 Jahren nicht mehr so anfühlt. Hier ist es wichtig, dass Du ordentlich Abschied nimmst (vom Studentenleben, von der Uni, dem alten Wohnort etc.). Erst „entrümpeln“, um Freiraum für Neues zu schaffen.

Hinzu kommt, dass die Ziele unter Umständen nicht mehr so klar sind. Am Ende des Studiums lebt man ja eine ganze Zeit nur auf das Ziel „Examen bestehen“ hin. Jedenfalls war das bei mir so. Ich habe das letzte Jahr fast keine Freunde mehr getroffen, aufgehört zu arbeiten, mich nur noch auf das Examen konzentriert. So ist es doch nicht verwunderlich, dass man danach in ein Loch fällt. Ich habe als Berufsanfängerin mir einen Coach gesucht. Das fand ich sehr hilfreich (und es ist gar nicht soo teuer; viele Coaches haben Angebote für „Young Professionals“ und ein Coaching ist ja auf einen begrenzten Zeitraum ausgelegt  etwa 5 Sitzung für 75,- Euro = 375,- Euro. Was hattest Du doch gleich für Deinen letzten Urlaub ausgegeben? :wink:

Dazu kommen dann am Anfang solche Fragen wie:
Ist das das Leben, was ich führen möchte?
Dafür habe ich jetzt all die Jahre studiert und ein 1er-Examen gemacht?
Das soll es jetzt gewesen sein?
Und das mache ich jetzt bis ich in Rente gehe?

Dann gibt es die Fälle (danach hört es sich bei Dir auch an), wo man, um einen Job zu haben (und nicht zur Generation Praktikum zu gehören) eine Vernunftentscheidung fällt und den Job nimmt, den man bekommen kann. Dann kommen noch solche Gedanke dazu wie: Aber ich wollte doch nie XYZ werden (hatte mein Mann ganz schlimm, er hat Sprachen studiert und arbeitet jetzt in einem kaufmännischen Job, wo er nicht mal seine Sprachen anwenden kann).

Ich glaube, dass es in dieser Phase darum geht, dass Du eine Perspektive entwickelst. Und Dir Fragen stellst wie:
Welche Ziele habe ich kurzfristig/mittelfristig/langfristig?
Wie möchte ich Leben?
Was für einen Beruf will ich ausüben?

Und dann musst Du gucken, was Du tun kannst, um Deine Ziele zu erreichen. Was glaubst Du wie aktiv Du dann wieder wirst :wink: Ich denke, dass es auch hilfreich sein könnte, wenn Du eine Entscheidung hinsichtlich Deiner Situation jetzt fällst (bleiben oder gehen?) und entsprechend handelst. Wenn Du bleiben willst, guck inwieweit sich die Situation im Job verbessern lässt (innerhalb des Unternehmens wechseln, neue Aufgaben hinzunehmen…), oder einfach nur „durchhalten“ und im Privatleben den Schwerpunkt setzen (Roman schreiben, Band gründen, Marathon trainieren…), andere Wohnung (auf dem Land) und Bekannte (die zu Freunden werden könnten) suchen. Wenn Du dort weg möchtest: Schreib Bewerbungen!

Also Kopf hoch! Die Situation, in der Du bist, wird auch wieder vorbei gehen! Versprochen!!
Herzliche Grüße Stefanie