Energiesparlampe mit Eigenleben?

Hallo zusammen!

Nee, ich geh nicht ins Parabrett - ich will 'ne Antwort, die mich zufriedenstellt ;o)

Also wie gestern auch geschehen: Die Energiesparlampe in meiner Schreibtischlampe reagiert auf meine Berührung (an einer der U-Röhren selbst!) NACH AUSSCHALTEN mit lokalem leuchten. Aber NUR, solange Netzstecker in Dose. Ich weiss nicht - gefällt mir irgendwie gar nicht - ich messe jetzt nochmal (zuvor erfolglos!) Spannungen gegen Erde (an Heizkörper) und sonstwas. Ich bin ja keine völlige Physikniete, aber gehe ich recht in der Annahme, das ich besser (wie gestern temporär geschehen) die Lampe aus dem Verkehr ziehe? Trotzdem: Glas (der Lampenkolben)ist doch ein hinreichend guter Isolator, oder? Ich habe danach mit Handtuchisoliering versucht - nix!

Zum Geier - da ist keine Spannnung irgendwo messbar - aber ich bilde mir das nicht ein!

Kann mir jemand helfen? Was erlebe ich gerade? Und: Nein, es sind keine Drogen im Spiel!

Verwirrte Grüse!

Denis

Hallo Denis,

das ist „ganz normal“ und keine Gefährdung.
Es liegt das gleiche Prinzip der Gasentladung vor wie z.B. bei diesen Plasmakugeln, in denen Entladungsbögen von der Mittelelektrode nach allen Seiten der umschließenden Glaskugel gehen, wenn man da an den Glaskolben langt sammeln sich die Entladungsbögen auch an der Stelle.

Gruß
WB

Hallo Denis!

Nee, ich geh nicht ins Parabrett - ich will 'ne Antwort, die
mich zufriedenstellt ;o)
Also wie gestern auch geschehen: Die Energiesparlampe in
meiner Schreibtischlampe reagiert auf meine Berührung…

Vielleicht gehst Du ins Eso-Brett und verkaufst Deine Beoachtung als Beweis für die Aura.

Scherz beiseite: Leuchtstofflampen können schöne Spielzeuge sein. Der von Dir beobachtete Effekt wird sogar technisch genutzt. Dabei wird eine Leuchtstofflampe z. B. nur an einem Ende geheizt und die Gasstrecke mit einem auf den Glaskörper aufgeklebten leitenden Streifen oder mit einem über die Röhre gezogenen Drahtstrumpf gezündet. Umgekehrt geht es ebenso. Der Drahtstrumpf oder der den Glaskörper berührende Mensch hat Erdpotential und auf eine Elektrode wird die Zündspannung gelegt. Das andere Ende der Röhre hängt frei in der Luft.

Zuweilen kann man an ausgeschalteten Leuchtstofflampen, bei denen aus irgendwelchen Gründen der Schalter statt in der Phase im Nullleiter liegt, partielles Zünden der Gasstrecke beobachten. Ein Ende der Röhre wird zwar nicht geheizt, ist aber dennoch spannungsführend und der auf Erdpotential liegende metallische Körper der Leuchte funktioniert kapazitiv als Elektrode. Das kann schon reichen, die Gasstrecke der Lampe deutlich sichtbar zum Flackern zu bringen.

Gruß
Wolfgang

Na dann - Danke Euch beiden!

ich gebe zu, dass ich zuerst auch an die bekannten Plasmakugeln und sonstige Restladungsphänomene gedacht habe. Aber dann dachte ich mir - das ist zu einfach. Stimmt: meine Versuchsanordnung war fehlerhaft: ich habe nicht genug Versuche mit Stecker-rein-oder-raus-und -klappts-immer-noch? gemacht. Aber allein „Stecker raus - passiert nix
mehr“, hat mir einen ausreichend grossen Schreck bereitet, für mich bedeutete das: Oh oh, halte dich fern!"

Habe ich also alle Stossgebete, dass der FI-Schalter (der funktioniert doch auch, wenn ein unüblich hoher „falscher“ Strom über einen Heizkörper - oder generell Richtung Erde - geht, oder?) doch bitte abschalten soll, bevor mein Lichtlein endgültig verloschen ist, völlig umsonst geschickt? Jaja, ich weiss: ist das Herz erst mal aus dem Rhythmus , habe ich generell ein Problem - egal wie lange die Dauer des Einflusses war…

Wartet mal - vielleicht will ich gar nicht wissen, ob das so fuktioniert hätte…

Also doch totale Physikniete!

Trauriger Dank!

Denis

P.S.: Andererseits: Wie verändert sich wohl meine Aura, wenn ich unter unheimlich überirdischen Einfluss (230V/16A) gerate… jaja, bin ja schon weg.

Bitte nochmal genauer
Moin,

kann bitte jemand, der sich gut damit auskennt, noch eine nähere Erklärung versuchen? Z.B. - fliesst wirklich Strom durch den Körper, und wenn ja, in welcher Größenordnung etwa? Oder ist es nur ein kapazitiver Effekt? Und muss der Körper wirklich dabei Erdpotential haben? Wenn man in Filzlatschen auf dem Teppich steht, ist das doch wohl nicht der Fall, oder?

Olaf

…Zuweilen kann man an ausgeschalteten Leuchtstofflampen, bei denen aus irgendwelchen Gründen der Schalter statt in der Phase im Nullleiter liegt…

Hallo,
wuerdest Du zustimmen, in dem Falle den Netzstecker zu drehen? Dann ist der anscheinend einpolige Schalter in der anderen Zuleitung, und der Effekt muesste verschwunden sein.
Gruss Helmut

Hallo Olaf!

… fliesst wirklich Strom durch den Körper…

Ja.

… und wenn ja, in welcher Größenordnung etwa?

Größenordnung nA bis etliche µA. Einen Phasenprüfer hast Du bestimmt schon mal benutzt. Damit die Gasstrecke in der eingebauten Glimmlampe leuchten kann, muß ein Strom fließen, allerdings so wenig, daß man davon nichts spürt.

Oder ist es nur ein kapazitiver Effekt?

Am Glaskörper der Leuchtstofflampe kann nur kapazitiv ein Strom fließen. Kapazitiv hin oder her, das ändert am Strom durch den menschlichen Körper nichts.

Und muss der Körper wirklich dabei Erdpotential haben?

An der Gasstrecke der Leuchtstofflampe müssen ausreichend große Potentialdifferenzen auftauchen.

Wenn man in Filzlatschen auf dem Teppich steht, ist das doch wohl
nicht der Fall, oder?

Gut genug zu isolieren, daß bei Netzspannung von 230 V nicht einmal im Bereich von µA oder nA ohmsch oder kapazitiv ein Strom fließt, ist gar nicht so einfach. Zum Zünden von Gasstrecken stehen dabei 230 V x sqr 2 zur Verfügung. Die erwähnten Filzlatschen und der Teppichboden haben sehr geringe Leitfähigkeit, können aber andererseits als Dielektrikum einer Kapazität wirken, über die ein Strom fließen kann.

Allein mit Widerstandsbetrachtungen kommt man nicht weiter, weil man es neben ohmschen Widerständen mit etlichen Kapazitäten und nichtlinearen Widerständen (Gasstrecken) zu tun hat.

Gruß
Wolfgang

Hallo Helmut!

wuerdest Du zustimmen, in dem Falle den Netzstecker zu drehen?

Ja … jein … vermutlich …

Dann ist der anscheinend einpolige Schalter in der anderen
Zuleitung, und der Effekt muesste verschwunden sein.

Die Betrachtung allein ohmscher Widerstände führt nicht weiter. Die geöffneten Kontakte eines Schalters trennen zwar den Stromkreis, bzw. lassen nur noch verschwindend geringe Leitfähigkeit übrig, aber die Kontakte des Schalters und seine Verdrahtung bilden Kapazitäten, über die Strom fließen kann. An der Gasstrecke der Leuchtstofflampe liegt dann immer noch die volle Spannung von 230 V x sqr 2 an, wenn auch nur mit sehr hohem Innenwiderstand bzw. kapazitiv. Das kann schon reichen, um zu einer Entladung in einer Gasstrecke zu führen.

Gruß
Wolfgang

Allein mit Widerstandsbetrachtungen kommt man nicht weiter,
weil man es neben ohmschen Widerständen mit etlichen
Kapazitäten und nichtlinearen Widerständen (Gasstrecken) zu
tun hat.

Heißt das, dass diese ganzen Effekte (Phasenprüfer, Leuchteffekte usw.) nur mit Wechselstrom gehen?

Olaf

Hallo Olaf!

Heißt das, dass diese ganzen Effekte (Phasenprüfer,
Leuchteffekte usw.) nur mit Wechselstrom gehen?

Gasstrecken lassen sich auch mit Gleichspannung zünden. Sobald aber in Serie eine Kapazität liegt, ist es nur ein einmaliger Effekt und dann ist es vorbei. Ein Phasenprüfer funktioniert an Gleichspannung, wenn man ihm einen ohmschen Weg anbietet, also mit einer Hand Erdpotential anfaßt und mit der anderen Hand über den Phasenprüfer die gleichspannungsführende Stelle berührt.

Bitte nicht ausprobieren! Mit direktem Körperkontakt zum Erdpotential und gleichzeitigem Hantieren an spannungsführenden Teilen reicht eine unbedachte Bewegung für eine lebensgefährliche Durchströmung des Körpers.

Gruß
Wolfgang

…Zuweilen kann man an ausgeschalteten Leuchtstofflampen, bei denen aus irgendwelchen Gründen der Schalter statt in der Phase im Nullleiter liegt…

Hallo,
wuerdest Du zustimmen, in dem Falle den Netzstecker zu drehen?

Ja, üblicherweise bleibt das Flackern dann aus. Zumindest ist das bei allen Lampen der Fall, bei denen mir dieser Effekt bisher begegnet ist (und das sind immerhin zwei :o)

Hallo Wolfgang!

Zuweilen kann man an ausgeschalteten Leuchtstofflampen, bei
denen aus irgendwelchen Gründen der Schalter statt in der
Phase im Nullleiter liegt, partielles Zünden der Gasstrecke
beobachten. Ein Ende der Röhre wird zwar nicht geheizt, ist
aber dennoch spannungsführend und der auf Erdpotential
liegende metallische Körper der Leuchte funktioniert kapazitiv
als Elektrode. Das kann schon reichen, die Gasstrecke der
Lampe deutlich sichtbar zum Flackern zu bringen.

Dank Dir noch mal! Aber mir ist da ein (nachträglich) sehr bedrückendes Detail eingefallen: Die Lampe hat einen Flachstecker und damit doch überhaupt keinen Nullleiter, oder? Also für gewöhnlich misstraue ich solchen Geräten im Störungsfall noch etwas mehr. Oh Mann, der FI-Schalter hätte mich gar nicht retten können…

Das ganze Kartenhaus ist zusammengebrochen!

Viele Grüsse!

Denis

Hallo Denis!

Aber mir ist da ein (nachträglich) sehr
bedrückendes Detail eingefallen: Die Lampe hat einen
Flachstecker und damit doch überhaupt keinen Nullleiter, oder?
Also für gewöhnlich misstraue ich solchen Geräten im
Störungsfall noch etwas mehr.

Die Leuchte hat keinen Schutzleiter. Bevor eine Hausinstallation, die nur auf den Schutzleiter vertraut, einen Fehler bemerkt, muß ein Strom fließen, der die Sicherung in der Installation/am E-Zähler ansprechen läßt. Solcher Schutz schützt die Installation, aber Tier oder Mensch, die von mehreren Ampere durchströmt werden, haben ein ernstes Problem. Je nach Ursache und Höhe des Fehlerstroms bietet ein Schutzleiter nur einen unvollkommenen bis gar keinen Schutz vor gefährlicher Durchströmung. Im Einzelfall kann vom leitenden Gerätegehäuse mit angeschlossenem Schutzleiter überhaupt erst die Gefahr ausgehen, wenn der Kreis nicht zusätzlich durch einen FI geschützt ist.

…der FI-Schalter hätte mich gar nicht retten können…

Der FI-Schalter merkt, wenn in Nulleiter und Phase unterschiedliche Ströme fließen und schaltet bei einer Differenz >30 mA ab. Ein Schutzleiter ist für die Funktion des FI entbehrlich.

Die beschriebenen Entladungen beim Berühren der ESL oder Leuchtstofflampe wirken in der Hausinstallation als Fehlerstrom, liegen aber um etliche Zehnerpotenzen unterhalb der Ansprechschwelle des FI-Schalters, sind völlig ungefährlich und auch für Träger von Herzschrittmachern unbedenklich. Strömen in der Größenordnung von nA bis µA ist jeder im alltäglichen Leben an zahllosen Stellen ausgesetzt, ohne es zu merken.

Gruß
Wolfgang