Engl vs deutsch wortschatz

hallo,
man will mir nicht glauben,
dass die englische Sprache einen
grösseren Wortschatz besitzt als
die Sprache der Dichter und Denker.

Kann mir jemand ‚Beweise‘ liefern,
deren Quellen belegbar und anerkannt sind.

danke im Voraus
Pedro

Tach Pedro,

die Zählungen von Wörtern sind immer eine mißliche Sache, weil man ja nie genau weiß, ob man zusammengesetzte Wörter als ein Wort zählen soll. Bei Haus + Tür + Haustür hätte man dann schon drei Wörter.

Das Englische aber hat für sehr viele Dinge zwei Begriffe, einen aus dem Germanischen und einen aus dem Französischen (durch die Normannen), so daß es für ein und dasselbe schon zwei Wörter gibt.
Mein Lieblingsbeispiel ist immer: unbelievable und incredible; beides heißt unglaublich, aber wer beide kann, hat einen doppelt so großen aktiven Wortschatz wie jemand, der nur ein Wort kennt.
Dies also ist ein Grund, warum es im Englischen sehr viel mehr Wörter als im Deutschen gibt. (Ich habe so eine Zahl von um die 500.000 im Hinterkopf; aber nagle mich darauf bitte nicht fest).

Gruß - Rolf

danke, Rolf,schonmal ein Anhaltspunkt OWT
.

Hallo Pedro,
Du schreibst:

man will mir nicht glauben,
dass die englische Sprache einen
grösseren Wortschatz besitzt als
die Sprache der Dichter und Denker.

Völlig zu Recht.

Das von der Universität Leipzig betreute Projekt „Der deutsche Wortschatz“ (http://wortschatz.uni-leipzig.de) hat bislang ca. 2,5 Millionen Wortformen in deutscher Sprache gesammelt. Dabei ist zu beachten, dass lediglich schriftliche Quellen ausgewertet werden, keine mündlichen - was den umfangreichen Bereich Dialekt und Slang in der Umgangssprache weitgehend ausschließt. Ebenso bestehen erhebliche Lücken im Bereich Fachsprache. Geschätzt wird der gesamte deutsche Wortschatz auf 3-5 Millionen Wortformen (Vollformen).

Ein ähnliches Projekt ist der Global Language Monitor in San Diego (http://www.languagemonitor.com/), das die Größe des englischen Wortschatzes auf knapp eine Million Worte schätzt. Es ist jedoch anzunehmen, dass bei einem Vergleich der Anzahl der Lexeme Englisch nicht so weit ins Hintertreffen geriete. Entsprechende Schätzungen sind mir allerdings nicht bekannt.

Das ungefähre Größenverhältnis des Wortschatzes beider Sprachen spiegelt sich auch wieder, wenn man z.B. die Größe des Wortschatzes von Shakespeare (24.000) mit dem Goethes (90.000) vergleicht - wobei mir die problematischen Aspekte eines solchen Vergleiches (etwa die Zeitdifferenz und die unterschiedliche Größe des Werkes) durchaus bewusst sind. Jedenfalls ist auch Shakespeare kein Schriftsteller, der in Beziehung auf Vokabular einem Minimalismus frönte (wie etwa Hemingway) - von seinen 24.000 Worten gelten etwa 1.700 als Neuschöpfungen. Der durchschnittliche US-Amerikaner verfügt hingegen über einen Wortschatz von gerade einmal 14.000 Wörtern. Was immer noch deutlich größer ist als das Kontingent, von dem seinerzeit der erste deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer Gebrauch machte - gemäß einer Sottise Kurt Schumachers 500, was natürlich böswillig untertrieben war.

Das alles hat durchaus etwas von Schwanzvergleich - speziell zum Global Language Monitor vergleiche dazu die durchaus lesens- und bedenkenswerte Glosse ‚Size Doesn’t Matter‘ von Geoffrey Nunberg (http://www.ischool.berkeley.edu/~nunberg/payack.html).

Freundliche Grüße,
Ralf

  • eher daran interessiert, WAS man sagt als daran, wie viele unterschiedliche Worte man dazu benutzt -

danke Ralf,

zwar ist meine Position nun wohl nicht mehr haltbar,
aber meine neugier ist befriedigt und darum
ging es auch eigentlich.

Besonders interessant finde ich die Angaben über
die Vergleiche prominenter Vertreter beider Sprachen.
Wusste nicht, dass Adenauer den Ruf hatte über einen
geringen Wortschatz zu verfügen.

werde meiner Kontrahentin Ihren Sieg mitteilen

Gruss
Pedro

Hallo Pedro,

ich wuerde mal sagen, dass du recht hast. Ich habe das auch schon
gehoert und war damals sehr ueberrascht. Habe jetzt auch nochmal
geschaut und folgendes gefunden:
http://www.askoxford.com/asktheexperts/faq/aboutengl…?
view=uk

Den Vergleich weiter unten mit der Leipzigseite ist fuer mich nicht
nachvollziehbar da du dort auch deklinationen etc. mitgezaehlt werden
und auch die ganzen auslaendischen Woerter die von der Presse benutzt
werden wie „hip“ und chillen aber nicht im Duden zu finden sind
(zumindest nicht in meinem alten ;o)). Ich muss auch dazu sagen dass
ich sehr viel auf Englisch schreibe und immer wieder finde, dass man
im Englischen eine viel groessere Wortwahl hat als im Deutschen. Wenn
ich Texte auf deutsch uebersetze finde ich es immer schwieriger
passende Woerter zu finden als wenn ich (obwohl ich deutsche
Muttersprachlerin bin) direkt auf Englisch schreibe… das mag
Einbildung sein oder mein Wortschatz hat mehr und mehr nachgelassen
aber so geht es mir eben.

Gruesse
Matti

aha!

dann scheint die schlacht noch nicht ganz verloren.
auch einer von ralfs links scheint meine
position zu stärken (wenn auch selbstkritisch über die engl sprache)

‚more words than any other language‘
da kann ich ja noch eins draufsetzen.

gruss dank
pedro