Englische Fachbegriffe in Diplomarbeiten, etc

Hallo,

Aus gegebenem Anlass: Wie geht Ihr in deutschsprachigen Physikarbeiten mit englischen Fachbegriffen um, für die Euch entweder kein deutsches Wort einfällt, oder nur eines, das völlig ungewohnt klingt oder die Sache, die gemeint ist nicht richtig trifft?

Aktuell bereiten mir Probleme:

  1. Elektronen in Tight-Binding-Näherung

„Festgebundene Elektronen“ trifft die Bedeutung nicht richtig, denn die „Tight-Binding-Näherung“ sagt nicht einfach, dass die Elektronen fest gebunden sind, sondern ist quasi ein „Eigenname“ für eine bestimmte Näherung. Und „Elektronen in der Näherung der festgebundenen Elektronen“ klingt ja nun völlig daneben.

  1. Quantendot

Quantentopf? Ginge eventuell, klingt für mich aber wie Kochtopf oder so. Quanten-Potenzialtopf?

  1. Quantenconfinement

Gibt es das Wort „Quantenkonfinement“ auf Deutsch? (Wohl eher nicht, oder?)
Quanteneinschluss? Ginge noch am Ehesten, aber ich bezweifgle, dass jede® sofort versteht, wovon ich spreche.

Wie geht man grundsätzlich damit um?

  • Auf Biegen und Brechen deutsche Ausdrücke suchen?
  • Einfach englische Fachbegriffe im deutschen Text verwenden
  • Deutsche Ausdrücke verwenden, aber beim 1. Auftreten die englischen (bekannten) Begriffe in Klammern dahinter schreiben?

Hat jemand Erfahrung mit diesem Problem? Ich vermute, ich bin nicht die Einzige, die sich damit herumschlägt, deshalb poste ich lieber hier als im Deutschbrett.

Mit vielen Grüßen, Stefanie

Hallo,

Aus gegebenem Anlass: Wie geht Ihr in deutschsprachigen
Physikarbeiten mit englischen Fachbegriffen um, für die Euch
entweder kein deutsches Wort einfällt, oder nur eines, das
völlig ungewohnt klingt oder die Sache, die gemeint ist nicht
richtig trifft?

Wie wäre es, die gesamte Arbeit einfach auf Englisch zu schreiben? Das hätte mehrere Vorteile:

  1. Die von Dir beschriebenen Schwierigkeiten erledigen sich von selbst.

  2. Du kannst Die Arbeit im Internet einer sehr viel breiteren „Peer Group“ vorstellen.

  3. Du übst Deine Fremdsprachenkenntnisse und bist bestens für Deine Promotion im Ausland vorbereitet. Auch Vorträge vor internationalem Publikum sind i.d.R. auf Englisch zu halten.

Und lass Dir nichts erzählen, von wegen in der PO stünde was von deutscher Sprache. Da geht es wohl eher darum, dass nichts auf Chinesisch oder Suaheli eingereicht wird, aber man kann heute wohl davon ausgehen, dass die Herren Professoren Englisch in Wort und Schrift beherrschen.

Gruß

Fritze

physik. Terminologie
Hi Stefanie

auch in physikalischen Diplomarbeiten ist es eigentlich üblich, die Fachbegriffe so zu verwenden, wie in der Literatur, die du ja sicher auch verwendest. Und wenn diese Fachbegriffe sich nun mal in ihrer englischen (d.h. fast immer ursprünglichen) Form verbreitet haben, würde es sehr merkwürdig aussehen, wenn du dafür deutsche Ausdrücke erfinden würdest.

Also:

  1. Elektronen in Tight-Binding-Näherung

genau so!

  1. Quantendot

gibts eigentlich nicht. Entweder „quantum dot“ oder Quantenpunkt. Quantentopf (??) wäre übrigens falsch, auch vom Gemeinten her.

  1. Quantenconfinement

was ist das? du meinst sicher „quark confinement“, oder? Das heißt so wegen der besonderen Eigenart der Quark-Quark-Bindungen. Auch auf deutsch: „Quarkconfinement“

  • Auf Biegen und Brechen deutsche Ausdrücke suchen?

auf keinen Fall, höchstens da, wo deutsche Ausdrücke in der Literatur gängig sind

  • Einfach englische Fachbegriffe im deutschen Text verwenden

ja, außer wo deutsche Termini wirklich gängig sind

  • Deutsche Ausdrücke verwenden, aber beim 1. Auftreten die
    englischen (bekannten) Begriffe in Klammern dahinter
    schreiben?

nein, es würde merkwürdig anmuten, wenn du in einer Diplomarbeit die übliche Terminologie zu verändern versuchtest.

Gruß

Metapher

hallo gruess dich

Aus gegebenem Anlass: Wie geht Ihr in deutschsprachigen
Physikarbeiten mit englischen Fachbegriffen um, für die Euch

kommt darauf an, auf den begriff

  1. Elektronen in Tight-Binding-Näherung

schreibe es so bitte

„Eigenname“ für eine bestimmte Näherung. Und "Elektronen in

genau

der Näherung der festgebundenen Elektronen" klingt ja nun
völlig daneben.

genau

  1. Quantendot
    Quantentopf? Ginge eventuell, klingt für mich aber wie
    Kochtopf oder so. Quanten-Potenzialtopf?

schreibe quantendot oder quantum dot(besser),
es ist schon ein potentzialtopf, halt ein eindimensionaler

  1. Quantenconfinement

hmm hoere ich zum ersten mal, halt ein quantum eingeschlossen, in welchemkontext?
man koennte dann quanteneinschluss schreiben, aber wie gesagt in welchem kontext?

Wie geht man grundsätzlich damit um?

  • Auf Biegen und Brechen deutsche Ausdrücke suchen?

nein

  • Einfach englische Fachbegriffe im deutschen Text verwenden

wenn es ueblich ist(der begriff), dann ja bitte

  • Deutsche Ausdrücke verwenden, aber beim 1. Auftreten die
    englischen (bekannten) Begriffe in Klammern dahinter
    schreiben?

kommt evtl auch auf deine adressaten an, also fuer nichtphysiker koennte es gut sein

uebrigens, ein scherz, wenn du irgendwo „bremsstrahlung“ findest,dann schreibe in englisch auch bremstrahlung!

:wink:

lego

Hallo Stefanie,

meiner Meinung nach sind englische Fachbegriffe i.A. akzeptabel, solange sie nicht in solchem Umfang verwendet werden, daß man den Text nicht mehr als deutschen erkennt. Auch würde ich die englischen Begriffe vermeiden, wenn es *gebräuchliche* deutsche Fachbegriffe dafür gibt; siehe unten. Prinzipiell spricht aber nichts gegen englische Fachbegriffe; immerhin ist es eine wissenschaftliche Arbeiten von Physiker für Physiker.

Ich nehme an, deine Arbeit ist im Bereich der Halbleiterphysik angesiedelt; zumindest die Quantendots und das Confinement lassen den Schluß zu. Bei uns am Institut wird auch auf diesem Gebiet gearbeitet, insofern sind mir die Begriffe vertraut.

  1. Elektronen in Tight-Binding-Näherung

Der Ibach-Lüth verwendet dafür die Formulierung „Näherung von ‚stark gebundenen‘ Elektron her“; insofern wäre es sicher möglich, diesen (wohl etwas umständlichen) Ausdruck zu verwenden. Auch LCAO-Methode sollte eine akzeptable weitere Formulierung sein. Tight Binding sollte aber völlig in Ordnung sein.

  1. Quantendot
    Quantentopf? Ginge eventuell, klingt für mich aber wie
    Kochtopf oder so. Quanten-Potenzialtopf?

Nein, ein Quantentopf ist nur ein eindimensionaler Einschluß im dreidimensionalen Festkörper, während es sich bei einem Quantendot um einen dreidimensionalen Einschluß handelt.

In der deutschsprachigen Literatur hat sich die Bezeichnung „Quantenpunkt“ eingebürgert, die ich bevorzugen würde. quantum dot wäre der korrekte engl. Ausdruck, Quantenpunkt ist aber besser.

  1. Quantenconfinement

Ich denke, jeder Halbleiterphysiker und die meisten Festkörperphysiker verstehen, was mit Quantenconfinement (als eindeutschung von „quantum confinement“) gemeint ist.

Ich würde dir raten, es unverändert stehenzulassen.

Für die anderen: Quantenconfinement bezeichnet i.A. den 1-dimensionalen (oder auch mehrdimensionalen) Einschuß in einem Potentialtopf derart, daß die freie Weglänge der Elektronen/Löcher so groß ist wie die Ausmaße des Potentialtopfes. Dadurch ergibt sich in der Richtung des Potentialtopfes eine Quantisierung der Energieniveaus, eben ein Confinement.

  • Auf Biegen und Brechen deutsche Ausdrücke suchen?
  • Einfach englische Fachbegriffe im deutschen Text verwenden
  • Deutsche Ausdrücke verwenden, aber beim 1. Auftreten die
    englischen (bekannten) Begriffe in Klammern dahinter
    schreiben?

Sofern es eingebürgerte deutsche Fachbegriffe gibt, würde ich diese immer vorziehen. Gerne kann man auch die englischen Begriffe in Klammern dahintersetzen.
Auf Biegen und Brechen nach dt. Ausdrücken zu suchen, würde ich tunlichst vermeiden. Die Verwendung engl. Fachbegriffe in einer wissenschaftlichen Arbeit ist OK.

Viele Grüße,

Markus

p.s. ein Bemerkung für Fritze: die Arbeit in engl. zu schreiben ist zwar im Prinzip eine gute Idee, scheitert aber zumindest an meiner Uni i.A. an der Prüfungsordnung bzw. an den viel zu strenge gehandhabten Ausnahmeregelungen. Und das ist nicht unbedingt eine Problem, an dem unsere Professoren im Fachbereich schuld sind…

Hallo Stefanie,

aaalso, ich hab ja immer meine Schwierigkeiten wenn „Meetings gecancelt“ werden anstatt simpel „Besprechungen abgesagt“, aber in ner wissenschaftlichen Arbeit ist das was anderes. Trotzdem würde ich sagen, daß Fachwörter, die Du während Deiner Diplomandenzeit gelernt hast (die also in dem Bereich nicht absolut Standard sind) nochmal kurz erläuterst. Das kannst Du ja auch einigermaßen elegant machen, so im Sinne von „beim sog. englisches Fachwort tun die Teilchen xxx unter der Bedingung yyy dieses-oder-jenes“ Damit schreckst Du den Leser, der vielleicht nicht so tief in der Materie drin steckt nicht gleich ab :wink:
Meine Betreuerin von der Diplomarbeit hatte mir übrigens gesagt, daß die Arbeit vom Niveau her so geschrieben sein soll, daß mein Nachfolger sie ohne Probleme versteht. Sprich, Fachbegriffe, die zu Beginn der Arbeit geläufig sind nicht erklären, alle anderen ja.

Viel Erfolg bei Deiner Arbeit :smile:

Petzi

Vielen Dank!

Hallo,

Vielen Dank für Eure rege Beteiligung und Hilfe (insbesondere an Markus). Was Quantenconfinement ist, brauche ich nicht mehr zu erklären, das hat Markus ja schon getan.

Ihr seid Euch offenbar einig, dass man ruhig auch mal englische Begriffe stehen lassen oder eindeutschen kann. Das werde ich dann auch so halten.

Um die Arbeit auf Englisch umzuschreiben, wäre es übrigens zu spät, sie ist fast fertig (deshalb jetzt die Gedanken zur Perfektion). Außerdem hat mich diese Frage grundsätzlich interessiert. Nicht immer hat man übrigens einen deutschen Text, in dem man nachschauen kann, wie ein Begriff eingedeutscht worden ist. Manchmal hat man tatsächlich nur englische Artikel zur Verfügung und wenn man mit Kollegen redet, dann benutzt man natürlich die englischen Begriffe. Aber in einer deutschen Arbeit war ich mir nicht so sicher. (Bei „Bremsstrahlung“ und „Gedankenexperiment“ im Englischen ist es genau umgekehrt. Da sieht man halt in x Büchern, dass hier einige deutsche Wörter eingeenglischt worden sind.)

Viele Grüße und nochmals vielen Dank, Stefanie