Englische Gedichtzeile übersetzen

Ich habe ein schönes Gedicht gefunden, es handelt von der Sehnsucht nach dem Ort Trebizond, der vielleicht noch nie wirklich besucht wurde.
Die ersten Zeilen lauten:

Shall I go to Trebizond some day?
That atlas-less Trebizond,
my childhood fancy lighted on…

meine Frage: wie würdet ihr atlas-less übersetzen?

Ich schreibe es euch mal ganz rein, mit Quelle. (unten)
Ich selber habe es allerdings nur von einer Abschrift abgeschrieben, somit könnte atlas-less auch ein Schreibfehler sein…

In der zweiten Strophe heißt es
„nor want geograpfhies to tell me“
auch hier meine ich, es müsste geographs heißen…

Also meine Frage: wie würdet ihr „atlas - less“ übersetzen?
Und kennt jemand das Gedicht und kann beurteilen, ob Schreibfehler drin sind?

hier kommt es nun:

Trebizond

ShallI go to Trebizond some day?
Thatatlas-less Trebizond
Mychildhood fancy lighted on;
Anddrink there a wine cooled in caverns deep,
Awine from some Caliph´s old hoard?

Is it in Persia I cannot tell,
nor want the georaphies to tell me -
In the heart´s map it lies in a valley green,
Green with pasture and plane trees,
Pomegranate and orange, almond and date,
There´srose and jasmin, honeysuckle and violet,
andthe winding paths are kind to the feet.

Asong comes borne on the air
From a place that sounds far
(But is near).
A song from a maiden´s throat
(That is clear).
No need to see her to love her -
Her song tells me what she looks like;
No need to know her to love her -
her burthen is the burden of my aching heart…

Ah, shall I see Trebizond some day?

Jinadasa
Vijayatunga:

Trebizond:
A second book of poems

(M.D.
Gunasena & Co 1948, Colombo)

Hallo,

willst du die Bedeutung oder eine Übersetzung (für eine Übersetzung müsste man das ganze Gedicht kennen). Geht es um eine sinngemäße oder eine poetische Übersetzung?

Trebizond (musste ich nachsehen) ist das Kaiserreich Trapezunt. Ein Nachfolgereich des byzantinischen Reichs. Von daher: es wurde noch nie besucht, da es nicht mehr existiert. Es existiert auch in keinem Atlas mehr. Es ist für den Autor ein Phantasiegebilde, das er sich in der Kindheit ausgemalt hat (wie sehr nur an dem Namen hängend oder weil er damals ausführlichere Texte über dieses Reich gelesen hat, weiß man nicht von dem Gedichtsausschnitt, wird eventuell auch im ganzen Gedicht nicht klar).

Wie man das Wort „atlas-less“ in einer Übersetzung übertragen würde? Es ist im Englischen kein Standardwort. Es ist auch sprachlich nicht schön, da die Aussprache der beiden letzten Silben fast (aber eben nicht ganz) identisch sind und beide auf einen Zischlaut enden. Das „lighted on“ deutet auf eine gehobene, um nicht zu sagen verschwurbelte Sprachebene hin, klingt für mich auch nicht stimmig mit der ersten Zeile, auch vom Versmaß her. Wie du siehst, meine Einschätzung eines „schönen“ Gedichts stimmt nicht mit deiner überein. Da ich aber nur diese Zeilen kenne, ist meine Einschätzung notgedrungen mit Vorsicht zu genießen.

Grüße
Siboniwe

PS: das ganze Gedicht stand eben noch nicht da, als ich diesen Post schrieb

oh sorry, in der ersten Strophe fehlen ein paar Leerzeichen. Ich hoffe, ihr könnt trotzdem alles lesen…

Hallo,

könnte mit „atlas“ eventuell die männliche Säulenträgerfigur gemeint sein? Oder die mythologische Figur des Weltenträgers, die für den Säulenträger Vorbild ist?

LG
SL99

Kurz überflogen: der Autor ist kein Nativespeaker des Englischen, die Unregelmäßigkeiten der Sprache können nicht mit poetischer Sprache erklärt werden. Das Versmaß ist holprig (was möglicherweise dadurch erklärt werden könnte, dass der Autor das Gedicht beim Lesen anders betont, eben weil er kein NES ist.

Du fragst nach Rechtschreibfehlern. Das einiges zusammengeschrieben ist, was nicht zusammengehört, siehst du selbst (ich nehme an, es ist ein Formattierungsfehler).

„geographies“ ist wahrscheinlich (wenigstens hier) dem Versmaß geschuldet. Man könnte es als abstrakte Musen der Geographie verstehen.

„burthen“ ist wohl eine alte Schreibweise von burden, aber warum einmal burthen und einmal burden?
https://dict.leo.org/forum/viewUnsolvedquery.php?idThread=787353&idForum=2&lang=de&lp=ende

Das ganze Gedicht hat meine Einschätzung nicht verändert. Edelkitsch. In seiner Art typisches Kolonialenglisch.

Grüße
Siboniwe

Unwahrscheinlich. Ich habe es kurz erwogen, aber im Zusammenhang mit Trapezunt ergibt das keinen Sinn. Nachdem nun das ganze Gedicht dasteht - noch weniger. Die „geographies“ zeigen, dass es dem Autor darum geht, dass diese (für ihn) mythische Land nicht geographisch (in einem Atlas) zu verorten ist.

Grüße
Siboniwe

macht ja nichts! Und danke für deine Interpretations-Anregung, das klingt plausibel!
GRuß von Wegfish

Info über den Autor hilft vielleicht zum Verständnis:
"Author, teacher and journalist Jinadasa Vijayatunga grew up in the village of Urala before attending a boarding school in Galle in Southern Sri Lanka (then Ceylon). His Sinhalese-speaking parents employed a tutor to teach him English. He began his career as a teacher and journalist in Sri Lanka. He then taught in Tagore’s school in Bengal, and then as an examiner in Sinhalese for Calcutta University, 1927-8. He taught in New York from 1928 to 1931 before he went to London as a journalist. He lived most of his adult life abroad in America, England and India, before returning to Sri Lanka towards the end of his life.

Vijayatunga’s fiction published in London focuses on Sri Lanka. Grass for My Feet (1935) provides a series of vignettes of village life in Sri Lanka. It is based on Vijayatunga’s childhood memories growing up in a small remote village in Sri Lanka at the turn of the century. His book Island Story (1949) is a more factual account. It purports to convey an intimate knowledge of the island in terms of its people, history, culture and geographical layout. His choice of topics – Green Field and Valleys, The Gift of Water, Tea Gardens, Island Neighbours, Kings and Heroes of Old, Kandy the Lake City – suggests a desire to represent both Ceylon’s ancient traditions and present-day life. Published in the year after Ceylon gained independence, the book illuminates the newly independent country to the rest of the world. Both books were well-received in both Britain and Sri Lanka. They were hailed as great literary achievements and unique introductions of the island. Sri Lankan and Indian publishers have recently re-published these two works."
Gruß,
Eva

"burden (n.2)

„leading idea, main topic,“ 1640s, a figurative use (on the notion of „subject often repeated“) of the earlier sense "refrain or chorus of a song," 1590s, originally „bass accompaniment to music“ (late 14c.), from Old French bordon (Modern French bourdon) „bumble-bee, drone,“ or directly from Medieval Latin burdonom „drone, drone bass“ (source also of Spanish bordon, Portuguese bordão, Italian bordone), of echoic origin."

Hab mal nachgeschaut, bezieht sich wohl auf den Gesang. :smile:
Gruß,
Eva

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Danke. Ich bin nicht weiter als leo.org gekommen, aber ganz so unbedarft hätte ich den Autor nicht einschätzen sollen, dass er in einer Zeile zwei Schreibweisen des gleichen Wortes benutzt.

Grüße
Siboniwe

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