Hallo Leute,
ich erwäge den Gedanken eine englische Ltd. zu gründen - vor
allem wegen der Haftungsgeschichte. Um nicht zwei
Steuererklärungen zu machen würde ich den Firmensitz auch in
England haben.
Hat jemadn Erfahrungen auf diesem Gebiet?
Ich habe mich ca. 300 Stunden umsonst mit dem Thema beschäftigt, weil mein Boss meinte, dass der Ltd.- Gründungsmarkt expandierend sei. Es hat sich dann aber herausgestellt, dass die meisten potentiellen Gründer weder Kohle noch Kapital haben, damit sich der Markt für uns lohnen könnte und an den High-End-Markt, wo es wirklich nur um Konzerstrukturierung und Steuerersparnis geht, kommt man damit nicht ran. Das zur Vorrede: Seis drum, hier was ich herausgefunden habe:
Weiß vielleicht jemand wo man einen guten Steuerberater
findet, der sich mit englischen Steuererklärungen auskennt?
Die vermeintlichen Steuervorteile kannst du komplett vergessen. Der Ort an dem die Steuerpflicht eintritt, hat entgegen deiner Vorstellung mit dem Gründungs- bzw. Satzungsitz der Ltd. nichts zu tun, sondern richtet sich ausschließlich nach den Tatsächlichkeits-merkmalen, die im deutsch-englischen Doppelbesteuerungsabkommen genannt sind. Es geht darum, wo eine Betriebsstätte im Sinne des DBA ausgelöst wird. Es gibt Agenturen wie „global-networking-solutions“, die damit werben, dass es möglich sei durch Treuhandverträge, Telefonumleitung, Rechnungsstellung von England aus, etc… etc… in Deutschland nur den Anschein einer reinen Repräsentanz aufzustellen, so daß keine Betriebsstätte im Sinne des DBA ausgelöst wird. Der Aufwand, den es allerdings kostet diesen Anschein zu erwecken, beläuft sich auf ca. € 5000-8000 pro Jahr und nachdem du schreibst, daß €1000 für euch einen Unterschied machen, kannst du diese Option vermutlich knicken, zumal das Risiko, dass die Sache auffliegt, nicht ganz unbeträchtlich ist.
Der einzige Vorteil, den du in den Tat erreichen kannst, ist die Beschränkung der persönlichen Haftung, ohne die € 25.000 Stammkapital zahlen zu müssen. Ich glaube auch nicht, daß die konservativen Vorurteile, die unten genannt werden, in der Mode-Branche wirklcih einen Imagenachteile bewirken. Design-Ltd. klingt für mich jednefalls deutlich hipper als Design & Co KG.
Es ist auch nicht besonders sachkundig, wenn jemand meint, dass man auf den Deckmantel des corporate-shields verzichten sollte, nur weil man kein Geld hat. Selbst wenn es bei Klein-Ltds genau wie bei Ein-Mann-GmbHs in Deutschland (§ 12 GmbHG ohne Gewähr) wie in England („piercing the corporate veil“) immer möglich ist, trotz beschränkter Haftung an das Privatvermögen des Geschäftsführers zu kommen, sollte man darauf keinesfalls verzichten. Der Grund ist rein prozeßtaktisch, aus Sicht der klagenden Gläubiger, schiebst du ihnen den schwarzen Peter zu darzulegen und zu beweisen, warum du auch persönlich haftbar sein sollst und nicht nur die Gesellschaft, sie müssen dir nachweisen, dass du gehandelt hast, to promote injustice, to defraud, dass private and corporate funds commingled wurden -(so die klassische Formel, die auch der Eugh zitiert).
Ein weiteres Mißverständnis, das hier immerwieder auftaucht ist, daß durch die Rechtsform für alle eure Rechtsgeschäfte das common law gelten würden. Das ist gerade nicht der Fall, außer man wählt in der Tat die besondern Englandlastige Lösung mit AGBs, die eine Rechtswahl auf UK enthalten. Ansonsten gilt in allen vertraglichen, deliktischen, insolvenzrechtlichen usw Fragen … und sogar den meisten gesellschaftsrechtlichen Fragen deutsches Recht. (Stritig ist momentan nur der letzte Teil, für euch aber nicht allzu relevant, solange ihr nicht Gesellschafterwechsel oder so machen wollt.)
Unterm Strich gründet ruhig eine Ltd. der nicht allzu gewieften Variante über irgendeine der normalen Agenturen. Besser irgendein coprorate shield als gar keines. Versteuert alles in Deutschland. Verlegt euren Satzungssitz auch eine Sekunde nach Gründung hierher und lasst euch um Gottes Willen ins Register eintragen.
Lies die Bücher von Degehardt (bei Nomos) und Tom Schlesinger (die Clever GmbH), die sind beide einigermaßen neutral und nicht so tendenzlastig wie die Diskussion hier oder die Werbung der Agenturen.
Mfg A.