Hallo!
Weiß jemand, ob es einen Begriff und/oder eine Erklärung dafür gibt, daß z.B. Entfernungen von vertrauten Strecken mit der Zeit scheinbar „kürzer“ werden. Oder auch: Menschen, Tiere und Dinge, die mit der Zeit „kleiner“ werden? (Der Schäferhund, der doch schließlich „so putzig ist und nichts tut“…)
Oder anders gesagt, das Phänomen, wenn man jemanden nach einer Weile wiedersieht: „bist Du größer als früher?“ (und das nicht bei Teenagern!).
Ich habe eine Theorie, zumindest was die Strecken angeht: nämlich daß man anfangs durch viele Sinnesreize derart abgelenkt wird, daß eine Fahrt oder ein Gang „anstrengender“ und damit „länger“ ist. Wenn ich mich dann beruhige bei ein paar Wiederholungen, dann habe ich den Kopf frei für andere Gedanken. Und damit die Zeit dann schneller rum. Überhaupt gehen ja routinierte Dinge oft schneller als neue.
Aber habt Ihr noch andere Ideen?
Thorwald
Hallo Thorwald!
Das ist sicher so, wie Du schreibst. Als Kind kam mir ein Tag oft endlos vor, heute, mit 60, frage ich mich manchmal, wo denn die Woche geblieben ist.
Es ist eine Frage der Strukturierung von Zeit. Als Kind sind Dir die meisten Ereignisse neu, also nimmst Du sie konkret wahr. Die Anzahl der konkreten Wahrnehmungen ist über den Zeitraum recht hoch. Als Erwachsener sind Dir mit zunehmendem Alter immer mehr Ereignisse nicht mehr neu, sie lösen keine konkrete Wahrnehmung mehr aus.
Offenbar gehen wir bei der Beurteilung von Zeitabläufen nicht von der (abstrakt) abgelaufenen Zeit sondern von der Anzahl der in diesem Zeitraum stattfindenen Events aus.
Dein Beispiel von einem neuen Weg, der Dir lang vorkommt und wenn er bekannt ist doch relativ kurz erscheint beruht auf dem gleichen Mechanismus. Ein neuer Weg bringt Dir viele neue Eindrücke, mit zunehmendem Bekanntheitsgrad immer weniger solche „Markierungen“.
Gruß
Eckard.
Hallo Eckard!
Danke für die Antwort!
Sicherlich gibt es auch Leute, die diesen Mechanismus genau umkehren können: „oje, wieder so ein Tag, 16 ganze Stunden lang, bevor wieder Nachtruhe eintritt…“ oder: „wieder 20 km zur Arbeit fahren“. Da sie wissen wie lange es ist, kann es sogar quälen, oder?
Ist wohl ein Zeichen von Optimismus und Aktivität, wenn die Dinge schnell gehen - und eines für Depression / Ängstlichkeit / Unlust / Gleichgültigkeit usw. wenn dem nicht so ist. Also möglicherweise absolut individuell, oder?
Thorwald
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