Entführungsopfer 'Sprachwahrer des Jahres'?

Erlangen/Wien (pte/22.12.2006/13:49) - Das Magazin Deutsche Sprachwelt http://www.deutsche-sprachwelt.de hat Natascha Kampusch für die Auszeichnung „Sprachwahrer des Jahres“ vorgeschlagen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Natascha_Kampusch

Quelle:
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=061222023

ich weiss nicht so recht, ob mich die frau wundert oder sie selbst ein wunder ist. ich waere ein psychisches wrack nach einem jahrzehnt gefangenschaft.

und die frage nach den wichtigsten germanisten waere damit wohl auch endgueltig geklaert…

mfg:smile:
rene

ich weiss nicht so recht, ob mich die frau wundert oder sie
selbst ein wunder ist. ich waere ein psychisches wrack nach
einem jahrzehnt gefangenschaft.

Glaubst Du, das Mädel ist _kein_ Wrack?

Gruß,

Malte

Hallo,

ich weiss nicht so recht, ob mich die frau wundert oder sie
selbst ein wunder ist. ich waere ein psychisches wrack nach
einem jahrzehnt gefangenschaft.

Sie wird zweifellos Probleme haben, wird aber vorzüglich betreut.

Was hier aber (gerne?) übersehen wird:
Was sie in diesen zehn Jahren gelernt hat, ist das Werk ihres Entführers! Ihr Wortschatz, ihre Eloquenz - das lernst du nur, wenn sich jemand mit dir zusammensetzt bzw. auseinandersetzt und dir ausreichend Gelegenheiten gibt, das zu üben.

Also, abgesehen von den Verbrechen der Entführung und Freiheitsberaubung - der Mann war ihr Erzieher und Lehrer. Und man kann wirklich nicht behaupten, er hätte versagt. Da gibt’s jede Menge junger Leute, die in ihren „gesunden“ Familien aufwachsen und bei weitem nicht das können, was Natascha Kampusch kann.

und die frage nach den wichtigsten germanisten waere damit
wohl auch endgueltig geklaert…

Wie gesagt - siehe oben …

Gruß
Barney

Guten Tag,
wir sind in „deutsche Sprache“, und lasst uns deswegen mal ganz berechtigte Fragen wie

Glaubst Du, das Mädel ist _kein_ Wrack?

ausblenden.

Ich war extrem erstaunt darüber dass eine junge Frau, die praktisch während ihrer ganzen Jugend nur einen einzigen Kommunikationspartner hatte, sich so gut ausdrücken kann. Sie wurde als 10-jähriges Kind entführt und jetzt, nach 8-jähriger Gefangenschaft, spricht sie sehr viel besser als viele Gleichaltrige - das ist mir ein Rätsel.

Und ob Maltes Aussage „der Mann war ihr Erzieher und Lehrer. Und man kann wirklich nicht behaupten, er hätte versagt“ stimmt, oder ob sie ihre sprachliche Entwicklung allein gestaltet hat, das können wir nicht nachprüfen.

Gruß
gargas

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hi,

Was hier aber (gerne?) übersehen wird:
Was sie in diesen zehn Jahren gelernt hat, ist das Werk ihres
Entführers! Ihr Wortschatz, ihre Eloquenz - das lernst du nur,
wenn sich jemand mit dir zusammensetzt bzw. auseinandersetzt
und dir ausreichend Gelegenheiten gibt, das zu üben.

Also, abgesehen von den Verbrechen der Entführung und
Freiheitsberaubung - der Mann war ihr Erzieher und Lehrer. Und
man kann wirklich nicht behaupten, er hätte versagt. Da gibt’s
jede Menge junger Leute, die in ihren „gesunden“ Familien
aufwachsen und bei weitem nicht das können, was Natascha
Kampusch kann.

ich kenne den fall auch nur aus den medien, aber diese meinungen halte ich - mit verlaub und sorry - für hochgradigen schwachsinn. der entführer war nicht erzieher (höchstens in einem sehr verqueren sinn) und lehrer und frau kampusch bzw. ihre kommunikativität ist nicht sein „werk“.

frau kampusch hatte auch andere kommunikations-„partner“, sie hatte (wenige) medien zur verfügung, nämlich eigentlich nur radio, und sie hat dieses medium optimal genützt, denn sie hat - nach eigenen aussagen - hauptsächlich ö1 gehört. damit hat sie in 8 jahren eine unmenge an information, auseinandersetzung / diskussion / konfrontation und an bildung aufgesogen. sie konnte gelernte kommunikationsstrategien in den relativ wenigen „gesprächen“ mit ihrem „meister“ testen. das als leistung des entführers zu sehen widerstrebt mir zutiefst.

m.

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Hi,

ich kenne den fall auch nur aus den medien,

No na, woher denn sonst??? :wink:)

aber diese
meinungen halte ich - mit verlaub und sorry - für hochgradigen
schwachsinn.

Hab ich etwa den Nerv des Lehrers getroffen?

erzieher (höchstens in einem sehr verqueren sinn)

Ja, von mir aus.

frau kampusch hatte auch andere kommunikations-„partner“ …

Es lag ja doch vollständig in der Macht des Entführers, welche Quellen ihr zur Verfügung standen.

Ich glaube weiterhin, daß es sich um das Mädchen mehr gekümmert hat, als es vielleicht ihre Eltern getan hätten. Daß dies unter „seltsamen“ Umständen geschah, bleibt dabei freilich unberücksichtigt.

Gruß
Barney

hi,

Hab ich etwa den Nerv des Lehrers getroffen?

nö, wieso?

erzieher (höchstens in einem sehr verqueren sinn)

Ja, von mir aus.

frau kampusch hatte auch andere kommunikations-„partner“ …

Es lag ja doch vollständig in der Macht des Entführers, welche
Quellen ihr zur Verfügung standen.

wollen wir das als seine „leistung“ werten?
ich würde nicht so weit gehen.

Ich glaube weiterhin, daß es sich um das Mädchen mehr
gekümmert hat, als es vielleicht ihre Eltern getan hätten. Daß
dies unter „seltsamen“ Umständen geschah, bleibt dabei
freilich unberücksichtigt.

glauben können wir in der sache viel. „seltsam“ finde ich allerdings schon einen ungeheuren euphemismus.
den hypothetischen vergleich des entführers mit den eltern (oder dem, was sie als erzieher getan hätten, „vielleicht“ schreibst du selbst) halte ich auch nicht für produktiv.

gruß
m.

Hi!

Was hier aber (gerne?) übersehen wird:
Was sie in diesen zehn Jahren gelernt hat, ist das Werk ihres
Entführers!

Das war es wohl auch, was er erreichen wollte: eine nach seinen Vorstellugnen geformte, für ihn perfekte Frau.

Also, abgesehen von den Verbrechen der Entführung und
Freiheitsberaubung - der Mann war ihr Erzieher und Lehrer. Und
man kann wirklich nicht behaupten, er hätte versagt.

Wie willst Du das beurteilen können? Ja, sie drückt sich „gewählt“ aus, aber ob ihre Bildung auch in andren Bereichen mithalten kann, trau ich mich nur nach dem Interview (das zweite hab ich nicht gesehen) und den Berichten nicht einzuschätzen.

alien

P.S.: Mein Sohn hat den Gipser überfordert, als er meinte, die „rasche“ Bewegung des Armes tue weh. Der verstand „falsch“ - denn in seinem Wortschatz gibt´s hörbar nur „schnöö“. *g*

Hi!

In Anbetracht des Umstandes, daß sie sich nicht freiwillig entschieden hat, „die Sprache zu wahren und zu pflegen“, sondern daß ihre Ausdrucksweise Folge ihrer Isolation (kein Kontakt zur Alltagssprache, erst recht nicht der Gleichaltriger) ist, hat der Vorschlag für mich was Zynisches.

alien

hi,

In Anbetracht des Umstandes, daß sie sich nicht freiwillig
entschieden hat, „die Sprache zu wahren und zu pflegen“,
sondern daß ihre Ausdrucksweise Folge ihrer Isolation (kein
Kontakt zur Alltagssprache, erst recht nicht der
Gleichaltriger) ist, hat der Vorschlag für mich was Zynisches.

seh ich auch so …
m.

In Anbetracht des Umstandes, daß sie sich nicht freiwillig
entschieden hat, „die Sprache zu wahren und zu pflegen“,
sondern daß ihre Ausdrucksweise Folge ihrer Isolation (kein
Kontakt zur Alltagssprache, erst recht nicht der
Gleichaltriger) ist, hat der Vorschlag für mich was Zynisches.

Stimmt, den Aspekt habe ich bisher nicht gesehen.

gargas

Glaubst Du, das Mädel ist _kein_ Wrack?

wrack - nicht der anzug, sondern das schiffswrack.
das kann man nicht mehr benutzen.
ich waere nicht von fernsehsendung zu fernsehsendung gegangen - gleich nach meiner gefangenschaft.
sie ist sicher kein wrack.

…hat der Vorschlag für mich was Zynisches.

stimmt…

…vielleicht kam der vorschlag ja von einem mitglied der kommission der rs-reform.

ist fuer mich so, als haette man die elbflutopfer als wirtschaftwunder sachsens gepriessen…haben sie doch den wiederaufbau beschleunigt…