Entstehung der Sprachenvielfalt?

Wie ist es zu so einer enormen Sprachenvielfalt gekommen?

Durch Erstbesiedelung, Ausbreitung der Landwirtschaft, Völkerwanderungen, Kolonialismus?

Gibt es weitere Faktoren? Sind die von mir aufgeführten Begriffe nur Thesen oder gibt es wissenschaftliche Belege für die Sprachentwicklung?

Danke im voraus!
LG

Es gibt ein paar mehr oder weniger plausible Hypothesen zur Sprachentstehung. Im weitesten Sinne zwei davon:
Monoglottogenese: Alle heutigen Sprachen entstanden aus einer Ursprache hinaus
Polygenese: Verschiedene Ursprachen haben sich unabhängig voneinander und im Laufe der Zeit zu den heute bekannten Sprachen entwickelt.

Welche der beiden Theorien „richtig“ ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Von einer (der) Ursprache(n) ausgehend läuft das Entstehen von Sprachen in etwa wie folgt ab: Im Laufe der Zeit kommt es zu Sprachwandel, der innerhalb der Sprechergemeinschaft unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Dies kann z.B. durch eine räumliche Trennung der Sprecher begründet sein. Auch enger Kontakt mit Sprechern einer anderen Sprache kann für Veränderungen der eigenen Sprache verantwortlich sein (z.B. Materialentlehnung, Übernahme grammatischer Strukturen etc.). Die dritte Möglichkeit ist Aufgabe der eigenen und teilweise Übernahme einer dominanteren Sprache.

Hallo Fragewurm,

Wie ist es zu so einer enormen Sprachenvielfalt gekommen?

Sprache ist nun einmal etwas, was sich dauernd verändert.

Das kann man auch heute beobachten, wie z.B. bei der „Jugendsprache“.

Erstesiedlung ist auch auch ein Grund um neue Wörter zu erschaffen. Mehrere Gruppen besiedeln, unabhängig voneinander eine neue Klimazone. Dort wächst eine unbekannte essbare Beere. Also braucht das Ding einen Namen!
Die einen nennen es nun Blaubeere, die anderen Heidelbeere, Schwarzbeere, Wildbeere, Waldbeere, Bickbeere, Zeckbeere oder Mooßbeere …

Irgendeiner erfindet die Pfeilspitze mit Wiederhaken. Allerdings wird das selbe Ding, mehr oder weniger zeitgleich, an ganz anderen Orten auch erfunden …

Neue Dinge können auch über Händler oder Zugereiste irgendwohin kommen. Dann wird oft das Wort, welches diese Fremden dafür benutzen, übernommen. Dabei kann es zudem noch zu Verfälschungen des Originals kommen, weil man gewisse Lautkombinationen nicht richtig ausspricht.
z.B. ist mein Nachname Götz, von Italienern werde ich aber oft Gütz ausgesprochen, die bekommen das Ö einfach nicht hin …

MfG Peter(TOO)

wunderschönes Thema!
Ein wunderschönes Thema, da es aud die Entstehung von uns Menschen anspricht. (Wer, und wie wir was überhaupt sind)
[zitiere zunächst Vorredner:]

Es gibt ein paar mehr oder weniger plausible Hypothesen zur
Sprachentstehung. Im weitesten Sinne zwei davon:
Monoglottogenese: Alle heutigen Sprachen entstanden aus einer
Ursprache hinaus

… schwer vorstellbar, angesichts moderner Erkenntnisse sowohl zur Ausbreitung des Menschen über die Kontinente (lange vor den Eiszeiten {10 bzw 30.000 Jahren}, sondern eher vor Millionen Jahren, seit der Ausbreitung erster menschenähnlicher Wesen aus dem afrikanischen Graben {Stichworte: homo erectus, australopithecinen, homo ergaster, u.v.m.}), als auch in der Hinsicht, daß noch vor wenigen Jahrzehnten einem Neanderthaler auch nur eine rudimentäre Sprache nicht zugetraut wurde … mittlerweile ist man sich wohl allgemein einig, daß homo erectus bereits rudimentärer Sprache fähig gewesen sein muß angesichts seiner sonstigen Fähigkeiten (Feuer, Behausung, Jagd, usw.) … wer weiß … vielleicht verlängern bald die Australopithecinen unsere Ahnenreihe der ‚Sprechfähigen‘?

Polygenese: Verschiedene Ursprachen haben sich unabhängig
voneinander und im Laufe der Zeit zu den heute bekannten
Sprachen entwickelt.

Natürlich. Was sonst? … allerdings kann von ‚Ursprache‘ vielleicht nicht die Rede sein, denn es handelte sich wohl eher um eine fließende Entwicklung der Fähigkeit, Laute differenziert zu artikulieren, die mit dem Wandern des Kehlkopfes nach weiter oben in unserer Physiognomie zusammenhing (nur deshalb können Schimpansen, Orangs oder Gorillas nicht deutlicher’ sprechen, weil ihr Kehlkopf so niedrig sitz, daß sie nur ‚glucksen, brummen, usw‘ können.)

Welche der beiden Theorien „richtig“ ist, lässt sich nicht mit
Sicherheit sagen.

Wo soll eine ‚Ursprache‘ ‚zum ersten Mal‘ oder von welcher Spezies oder wann zum ‚ersten Mal‘ zutage getreten sein?
Wo doch die Übergänge zwischen Körpersprache, Lautäußerungen, Affengeschrei (oder gar Vogelgezwitscher oder Delphinschnattern oder Walgesängen) fließend sind?
Wer wollte behaupten, hier und das und dies genau ist unsere ‚Ursprache‘? … hinfällig.

Von einer (der) Ursprache(n) ausgehend läuft das Entstehen von
Sprachen in etwa wie folgt ab: Im Laufe der Zeit kommt es zu
Sprachwandel, der innerhalb der Sprechergemeinschaft
unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Dies kann z.B. durch
eine räumliche Trennung der Sprecher begründet sein. Auch
enger Kontakt mit Sprechern einer anderen Sprache kann für
Veränderungen der eigenen Sprache verantwortlich sein (z.B.
Materialentlehnung, Übernahme grammatischer Strukturen etc.).
Die dritte Möglichkeit ist Aufgabe der eigenen und teilweise
Übernahme einer dominanteren Sprache.

Hier schließ’ ich mich wieder unumschränkt an … Sprache ist ein dynamisches Gebilde (kaum etwas auf oder in unserer Welt ist ‚auf einmal da‘)
(Daß es sich nicht unbedingt um ‚Sprecher‘, sondern in Vorstufen auch um ‚Gluckser‘ oder ‚Schreier‘ gehandelt haben könnte, war ja oben schon.)

Ausgangsposter schrieb:

Durch Erstbesiedelung, Ausbreitung der Landwirtschaft,
Völkerwanderungen, Kolonialismus?

zB … aber sowohl heute noch ändert sich Sprache ständig (man kann heute etwas Adjektiv + ‚‚halten‘‘, während man es noch vor wenigen Jahren ‚‚für‘‘ + Adjektiv + ‚‚hielt‘‘; oder man ‚‚erinnert‘‘ heute ‚‚etwas‘‘, während man sich noch vor ca. fünf Jahren ‚‚an etwas erinnerte‘‘ … der Beispiele gibt’s viele) - ganz zu schweigen von der Wirklichkeit und ihren Veränderungen, die ständig neu, mit neuen Wörtern sprachlich erfaßt werden müssen.

So müssen wir auf der Suche nach der Entstehung der Diversität der Sprachen auf unserem Globus wesentlich weiter zurückschauen, als bis auf …
Durch Erstbesiedelung, Ausbreitung der Landwirtschaft, Völkerwanderungen, Kolonialismus?
… usw.
Die Anfänge der Menschheit und deren Wanderungen - noch bevor von ‚Völkern‘ die Rede sein konnte - haben bereits die Entwicklung der Sprachen beinflußt.

viele weitere Aspekte!

Es gibt ein paar mehr oder weniger plausible Hypothesen zur
Sprachentstehung. Im weitesten Sinne zwei davon:
Monoglottogenese: Alle heutigen Sprachen entstanden aus einer
Ursprache hinaus
Polygenese: Verschiedene Ursprachen haben sich unabhängig
voneinander und im Laufe der Zeit zu den heute bekannten
Sprachen entwickelt.

Es gibt nicht nur ‚‚zwei‘‘ Theorien oder ‚‚drei‘‘ Möglichkeiten der Veränderung von Sprachgewohnheiten.

Ein in diesem Sinne weit tiefer gehender Aspekt wäre, daß ursprüngliche Sprachen (bzw Kommunikation durch (mehr oder weniger differenzierte) Laute, wohl kaum sich am Sternenhimmel und der Bewegung der Planeten im Sonnensystem oder dem Aufbau des Universums orientiert haben, sondern an den natürlichen Gegebenheiten und Notwendigkeiten, um zu überleben. ‚‚Sprache‘‘ hatte also eine ‚Funktion‘ zu erfüllen … sie mußte eine effektive Verständigung bei der Jagd, klare Anweisungen beim Bau der Behausung und gar bei der Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten erfüllen.
So war eine mögliche ‚‚Grammatik‘‘ auch in völlig verschiedenen, räumlich (kontinental) getrennten Gruppen quasi a priori ‚vorgeschrieben‘: ‚‚Wenn, dann‘‘, ‚‚Weil‘‘, ‚‚Oder‘‘, ‚‚Und‘‘-Konstruktionen in welcher Ausmalung der Sprache auch immer waren eine Notwendigkeit, die erfüllt sein mußte.

Dies nur als weiteren Aspekt (lange bevor neuere Mechanismen, die das dynamische Gebilde ‚‚Sprache‘‘ zu verändern imstande sind, greifen konnten).

So hängt die Entwicklung der Sprache heutzutage - in Gesellschaften, die kaum noch irgendwelchen zu meisternden Notwendigkeiten des Überlebens ausgesetzt sind - eher von Trends, Mode, Subkulturen oder Vermischung solcher Kulturen und Ähnlichem ab.

Beantwortet das Deine Frage?

Beantwortet das Deine Frage?

Ja vielen Dank

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, deine Erörterung war sehr interessant zu lesen.

Danke sehr!

LG

Hallo,

deine Frage ist sehr, sehr weit gefasst, und über diese Frage haben sich schon Generationen von Sprachforschern die Köpfe zerbrochen und gegenseitig eingeschlagen. Es ist daher auch müßig zu glauben, man könne die Frage hier auf w-w-w ausführlich behandeln.

Back doch zuerst mal kleine Brötchen und beschäftige dich mit der Entwicklung der romanischen Sprachen aus dem Lateinischen, und zwar aus fogendem Grund:
„Die romanischen Sprachen sind zudem über 2.500 Jahre hinweg praktisch durchgehend durch umfangreiche schriftliche Zeugnisse belegt, also ungleich besser als jede andere Sprache auf der Welt. Sie eignen sich daher hervorragend, um die Gesetzmäßigkeiten zu erforschen, nach denen die Entwicklung von Sprachen erfolgt.“ http://www.weikopf.de/index.php?article_id=26

Dort findest Du nicht nur das Zitat, sondern wirst über viele Seiten hinweg über die Entwicklung bis hin zu den heutigen romanischen Sprachen informiert. Das Ganze ist fundiert und allgemein verständlich geschrieben.

Salve/salut/saludos/saluti/Salü
Petrus/Pierre/Pedro/Pietro/Pit

man kann heute etwas Adjektiv + ‚‚halten‘‘, während man es noch vor :wenigen Jahren ‚‚für‘‘ + Adjektiv + ‚‚hielt‘‘

Aha!
Noch vor wenigen Jahren: Die UNO hält die Situation für brisant - na, da hat sie ja wenigstens beobachtet.
Heute: Die UNO hält die Situation / brisant - ob das wohl ihre Aufgabe ist?

Oder habe ich da was falsch verstanden?

UNO hält die Situation brisant.
genau so hört amn es neuerdings immer öfter …
auch ich kann mich (daran) ‚‚nur schwer gewöhnen‘‘.
Es ist Realität der dynamischen Sprachentwicklung …