wunderschönes Thema!
Ein wunderschönes Thema, da es aud die Entstehung von uns Menschen anspricht. (Wer, und wie wir was überhaupt sind)
[zitiere zunächst Vorredner:]
Es gibt ein paar mehr oder weniger plausible Hypothesen zur
Sprachentstehung. Im weitesten Sinne zwei davon:
Monoglottogenese: Alle heutigen Sprachen entstanden aus einer
Ursprache hinaus
… schwer vorstellbar, angesichts moderner Erkenntnisse sowohl zur Ausbreitung des Menschen über die Kontinente (lange vor den Eiszeiten {10 bzw 30.000 Jahren}, sondern eher vor Millionen Jahren, seit der Ausbreitung erster menschenähnlicher Wesen aus dem afrikanischen Graben {Stichworte: homo erectus, australopithecinen, homo ergaster, u.v.m.}), als auch in der Hinsicht, daß noch vor wenigen Jahrzehnten einem Neanderthaler auch nur eine rudimentäre Sprache nicht zugetraut wurde … mittlerweile ist man sich wohl allgemein einig, daß homo erectus bereits rudimentärer Sprache fähig gewesen sein muß angesichts seiner sonstigen Fähigkeiten (Feuer, Behausung, Jagd, usw.) … wer weiß … vielleicht verlängern bald die Australopithecinen unsere Ahnenreihe der ‚Sprechfähigen‘?
Polygenese: Verschiedene Ursprachen haben sich unabhängig
voneinander und im Laufe der Zeit zu den heute bekannten
Sprachen entwickelt.
Natürlich. Was sonst? … allerdings kann von ‚Ursprache‘ vielleicht nicht die Rede sein, denn es handelte sich wohl eher um eine fließende Entwicklung der Fähigkeit, Laute differenziert zu artikulieren, die mit dem Wandern des Kehlkopfes nach weiter oben in unserer Physiognomie zusammenhing (nur deshalb können Schimpansen, Orangs oder Gorillas nicht deutlicher’ sprechen, weil ihr Kehlkopf so niedrig sitz, daß sie nur ‚glucksen, brummen, usw‘ können.)
Welche der beiden Theorien „richtig“ ist, lässt sich nicht mit
Sicherheit sagen.
Wo soll eine ‚Ursprache‘ ‚zum ersten Mal‘ oder von welcher Spezies oder wann zum ‚ersten Mal‘ zutage getreten sein?
Wo doch die Übergänge zwischen Körpersprache, Lautäußerungen, Affengeschrei (oder gar Vogelgezwitscher oder Delphinschnattern oder Walgesängen) fließend sind?
Wer wollte behaupten, hier und das und dies genau ist unsere ‚Ursprache‘? … hinfällig.
Von einer (der) Ursprache(n) ausgehend läuft das Entstehen von
Sprachen in etwa wie folgt ab: Im Laufe der Zeit kommt es zu
Sprachwandel, der innerhalb der Sprechergemeinschaft
unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Dies kann z.B. durch
eine räumliche Trennung der Sprecher begründet sein. Auch
enger Kontakt mit Sprechern einer anderen Sprache kann für
Veränderungen der eigenen Sprache verantwortlich sein (z.B.
Materialentlehnung, Übernahme grammatischer Strukturen etc.).
Die dritte Möglichkeit ist Aufgabe der eigenen und teilweise
Übernahme einer dominanteren Sprache.
Hier schließ’ ich mich wieder unumschränkt an … Sprache ist ein dynamisches Gebilde (kaum etwas auf oder in unserer Welt ist ‚auf einmal da‘)
(Daß es sich nicht unbedingt um ‚Sprecher‘, sondern in Vorstufen auch um ‚Gluckser‘ oder ‚Schreier‘ gehandelt haben könnte, war ja oben schon.)
Ausgangsposter schrieb:
Durch Erstbesiedelung, Ausbreitung der Landwirtschaft,
Völkerwanderungen, Kolonialismus?
zB … aber sowohl heute noch ändert sich Sprache ständig (man kann heute etwas Adjektiv + ‚‚halten‘‘, während man es noch vor wenigen Jahren ‚‚für‘‘ + Adjektiv + ‚‚hielt‘‘; oder man ‚‚erinnert‘‘ heute ‚‚etwas‘‘, während man sich noch vor ca. fünf Jahren ‚‚an etwas erinnerte‘‘ … der Beispiele gibt’s viele) - ganz zu schweigen von der Wirklichkeit und ihren Veränderungen, die ständig neu, mit neuen Wörtern sprachlich erfaßt werden müssen.
So müssen wir auf der Suche nach der Entstehung der Diversität der Sprachen auf unserem Globus wesentlich weiter zurückschauen, als bis auf …
Durch Erstbesiedelung, Ausbreitung der Landwirtschaft, Völkerwanderungen, Kolonialismus?
… usw.
Die Anfänge der Menschheit und deren Wanderungen - noch bevor von ‚Völkern‘ die Rede sein konnte - haben bereits die Entwicklung der Sprachen beinflußt.