Entstehung des modernen staates

Moin,

„die Entstehung des modernen Staates im Zeitalter des Absolutismus“, huch, was genau soll ich mir darunter vorstellen?

Lana

Hmm, ein paar konkretere Info’s wären net, aber ich kann dir wenigstens grob sagen, was ich mir darunter vorstelle.

Im Mittelalter bzw in der frühen Neuzeit war der Staat ein „Personal-Staat“,
d.h. die Regierung war vollkommen auf eine Person fixiert, im Allgemeinen der König. Die Untertanen und Vasallen schwören dem König die Treue, nicht dem Staat. Der Nationalstaat wie wir ihn heute kenne exsistierte noch nicht.
Dieses Denken fand im Absolutismus seinen Höhepunkt. Sehr bekannt ist der Ausspruch des Französichen Konigs Louis XIV: „L’etat, c’est moi“ - Der Staat bin ich. Der Staat wurde mit der Monarchie und dem Herrscherhaus gleichgesetzt, es gab keine anderen „Abhängigkeiten“. Die Beamten und Soldaten unterstanden dem Herrscher persönlich und waren nicht dem Wohl des allgemeinen Staats unterstellt.

In dieser Zeit (1650-1800) treten Staatstheoretiker auf, die dieses System verändern wollen. Da sind besonders Bodin, Montesquie (hab ich den richtig geschrieben) und Machiavelli zu nennen. Nach der Französichen Revolution und den darauffolgenden Napolonischen Kriegen trat eine neue Form des Staats auf.
Im „Aufgeklärten Absolutismus“ wird der Fürst „Erster Diener des Staats“ (Zitat Friedrich des Großen). Die Gesellschaft verändert sich, das Bürgertum wird mächtiger und beeinflusst die Politik usw. Der Staat verändert sich zu dem eher abstrakten Gebilde der heutigen Zeit, in dem jeder Mitglied und Teil des Staats ist.

Ich weiß nicht ob ich so einigermaßen getroffen hab, falls du weitere Erläuterungen brauchst ist das kein Problem !

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Moin!

Meister hat hier ja schon einige Aspekte zutreffend eingeführt, ich möchte mich daher auf einige Stichpunkte und Ergänzungen beschränken.

Ausdrücklich widersprechen will ich Meister aber bei seiner Aussage der Absolutismus bilde den Höhepunkt des personalen Staates i.S. einer im Mittelalter begründeten Entwicklung. Gerade der absolutistische Staat ist schon in vielen Punkten ein moderner Staat und seine Bedeutung für die Entwicklung hin zu einem Gemeinwesen wie wir es heute als Nationalstaat kennen darf nicht unterschätzt werden.
Dies sei an einigen Aspekten verdeutlicht.
Der absolutistische Staat ist bereits Teritorialstaat, während mittelalterliche Herrschaft lange Zeit auf der Rechtsbeziehungen zwischen Individuen beruht und sich einzelne Abhängigkeiten leicht territorial überschneiden und durchmischen konnten. Vogteirechte mußten nicht zugleich auch Grundrechte im gleichen Gebiet mit sich bringen, geschweige denn bedeuteten sie, dass nicht andere Adlige Stadt-, Markt-, Burg-, Zollrechte oder ähnliches in dem betroffenen Gebiet haben konnten.
Der absolutistische Staat kennt in der Regel bereits ein Verwaltungssystem, dass sich bürgerlicher Beamter bedient. Im Mittelalter war Herrschaft meist auf Adlige beschränkt und man mußte sich solcher weitgehend zur Machtausübung bedienen. Grafen sind ursprünglich nichts anderes als Beamte, doch da sie nicht in ein bürokratisches System eingebunden waren und ihre Funktion zudem bald erblich wurde, konnten sie selbst weitere Rechte mit der Zeit an sich ziehen und Herrschaften aufbauen. Eine solche Entwicklung ist bereits im absolutistischen Staats undenkbar.
Der absolutistische Staat ist bereits Steuerstaat. Der Staatshaushalt (etat) beruht auf Geldabgaben, die von (fast) jedermann in Geld erhoben werden. Nach mittelalterlicher Auffassung sollte der Fürsten, von seinem Eigen, d.h. seinem Hausgut leben. Der Großteil der Abgaben wurde in Naturalien oder Spann- und Handdiensten erbracht. Steuern (oft auch Bede genannt) wurden nur in Einzelfällen und nur in besonderen Zwangslagen durch die Landstände / Reichsstände bewilligtund auch durch diese selbst eingetrieben und dann an den Fürsten abgeführt.

Auch die moderne Staatstheorie versteht aus diesem Grund den absolutistischen Staat lange Zeit als eine moderne Staatsform (Bodin, Hobbes Leviathan usw)

Egonist