Hallo Leute
Letzens hatte ich mit einem Bekannen eine Diskussion über die Entstehungszeit der Evangelien (es geht mir nur um die kanonischen Evangelien, nicht um irgendwelche Apokryphen o.ä.).
Ich behauptete, die Evangelien wurden in den ersten drei Jahrunderten niedergeschrieben. Er behauptet, eines der Evangelien wurde erst im 14. Jahrhundern geschrieben.
Habe mal in einer deutschen Einheitsübersetzung aus dem Jahr 1979 nachgelesen, in der steht, dass alle Evangelien zwischen 70 und 100 n.Chr. entstanden sind.
Gibt es gesicherte Informationen dazu (bitte nur mit Quellenverweis - mein Bekannter ist da sehr pingelig)? Optimal wäre ein Link auf eine Seite, die sich in wissenschaftlicher Weise damit befasst.
Vielen Dank für die Mithilfe…
Erwin
hi
ich mein, es ist sehr faszinierend, daß sich ein Programmierer im Religionsbereich aufhält, dann noch darüber mit anderen diskutiert aber irgendwie keine Ahnung von Internet hat?
schau mal hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelium_(Buch)
cu
Hallo Leute
Letzens hatte ich mit einem Bekannen eine Diskussion über die
Entstehungszeit der Evangelien (es geht mir nur um die
kanonischen Evangelien, nicht um irgendwelche Apokryphen
o.ä.).
Hallo Erwin,
Dein Bekannter hat in dem „Sinn“ nur Recht, wenn er eine ges.
deutsche Übersetzung der Evangelien meint. (kommt Zeitlich i.U.
hin)
Du hast Recht, wenn man die ältesten Fragment-Funde der Evan-
gelientexte meint. Die sind in diese Zeit zu datieren.
Die GESAMTAUSGABE der Evangelien (bzw. des sog. NT) ist ins
4. Jhdt. u.Z. zu datieren.
Nur aufgrund des rieseigen Schwalls von christlichen Schriften
bis zu dieser Zeit, setzten sich die damaligen Gemeinden und
ihre Kirchenväter (quasi) zusammen, um die Spreu vom Weizen zu
unterscheiden.
Nach dem Toleranzedikt 313 durch Kaiser Konstantin war dies für
die Christen leichter möglich.
367 u.Z. kann man in dem OSTERBRIEF des Athanasius lesen, dass
27 Schriften verbindlich in den christlichen Kanon aufgenommen
sind.
So und nun der BEWEIS für deinen Bekannten !!!
Es gibt allgemein einsichtbar den SINAITIKUS - KODEX aus dem
4. Jhdt. u.Z. (Museum-London)
Entdeckt durch den Deutschen Graf von Tischendorf in dem seit
1450 Jahren bis heute bestehenden Kloster St. Katherina/Sinai
am angen. Moseberg.(Fund im Jahre 1867 veröffentlicht)
(C14 Test bestätigt das Alter der Schrift)
Im SINAITIKUS-KODEX IST u.a. das komplette sog. NEUE TESTAMENT
(in Majuskel altgr.) vorhanden und ist eines der sog. „großen
Textzeugen“ des NT (Grundlagen für Übersetzungen Nestle/Aland)
Ich denke dies genügt.
Mehrere Details kannst du bei mir anfragen.
Doch ich denke, dass sich noch einige Experten zu Wort melden,
da ich nur die jüdische Seite der Schriftforschung vertrete.
Mit freundlichen Grüßen
Rolf Schroth
Hallo,
die beste Sammlung von Links zu wissenschaftlichen findest Du unter http://ntgateway.com/. Man muß jedoch halbwegs Englisch können.
Die kanonischen Evangelien sind zwischen 70 und 100 entstanden in der Reihenfolge Mk, Mt, Lk, Joh. Man hatte Johannes von theologischer Seite lange Zeit später datiert, bis man ein Papyrus fand, der mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden auf das Jahr 125 datiert werden konnte und der ohne jeden Zweifel auf das Johannes enthält. Hast Du eine UB-Bibliothek in Deiner Nähe, dann leihe Dir dort Aland/Aland, Der Text der Neues Testaments aus. Besagter Papyrus ist auf dem Umschlag abgebildet (nun ja, wenn Sie den Umschlag beigeben in der UB, aber ich meine, er ist auch innen irgendwo). Dieses leider etwas dröge geschriebene Buch gibt zudem Auskunft darüber, wie neutestamentliche Textkritik heute betrieben wird. Auch für alle anderen Evangelien haben wir „Existenzbeweise“ aus dem zweiten Jahrhundert. Das sie trotzdem früher datiert werden, liegt vor allem an inhaltlichen Gesichtspunkten, so, wie man auch sonst in der Geschichtswissenschaft und Altphilologie datiert. Es geht darum, was man zu diesem Zeitpunkt weiß und was nicht. Deswegen kommt auch keiner auf die Idee, Mk, das älteste Evangelium, auf die Zeit Jesu bzw. kurz nach seinem Tod zu datieren. Dieses Evangelium kann erst ab 70 und damit ab der Zerstörung des Jerusalemer Tempels geschrieben sein, weil Mk eben davon weiß. Das ist übrigens common sense der wissenschaftlichen Theologie, wenn man mal von Herrn Thiede absieht, der das Mt-Evangelium als einen Zeitzeugenbericht datieren möchte. Solche Versuche gibt es immer wieder und niemand mehr als die Münsteraner Textkritiker (dort wird die hier schon erwähnte, maßgebliche Urtextausgabe des NT verantwortet) würde sich wohl darüber freuen. Es gibt sogar einen berühmten Papyrologen, der behauptet, die Notizzettel von Mk aus dem Jahre 50 entdeckt zu haben. Ich kenne diesen Papyrus (weil ich an eben jenem Münsteraner Institut lange gearbeitet habe) und leider hat bislang niemand irgendetwas entdecken können. Die Existenz dieses Papyrus ist jedoch bisher nicht bei den Verschwörungstheoretikern angekommen…
Für kompetetente Textkritik ist jedoch mehr als das Potential, sich Verschwörungstheorien auszudenken, notwendig, sondern fundierte Kenntnisse in Altgriechisch, Papyrologie, Paläographie, die Bereitschaft, auch mal einen Archäologen ran zu lassen und außerdem sehr, sehr gute Augen:wink:
Grüße,
Taju
PS: Es gibt eine Reihe späterer Evangelien. Mit dem Interesse an Jesus wächst auch das Interesse an seinem Leben, worüber die Evangelien nicht wirklich viel Auskunft geben. So entstanden relativ früh die sogenannten Kindheitsevangelien, aber auch ein Evangelium des Petrus. Die angeblich bösen Verschwörer der ersten Jahrhunderte, allen voran Origenes (180-250) haben schon damals mit Hilfe der sogenannten Homer-Textkritik diese Evangelien verworfen. Und noch etwas: Kein Text der Antike ist besser bezeugt (d.h. Entstehungszeit und älteste Physische Textzeugen) als das Neue Testament…
ergänzend
Man hatte Johannes von theologischer Seite lange Zeit später datiert, :bis man ein Papyrus fand, der mit Hilfe naturwissenschaftlicher :Methoden auf das Jahr 125 datiert werden konnte und der ohne jeden
Zweifel auf das Johannes enthält.
http://www.bibelausstellung.de/abtlg05.htm
Gruß
Metapher
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