Es hat zwar mit Partizipialkonstruktionen im Englischen nichts zu tun, aber:
Warum gibt es im Niederländischen viel mehr Rachenlaute als in den meisten anderen Sprachen?
Das möchte ich nicht unkommentiert stehen lassen. Es ist nicht ganz einfach, etwas Fundiertes hierzu zu sagen, weil deine Annahme selbst eher unpräzise gehalten ist. Ich will es trotzdem versuchen.
Was sind ›Rachenlaute‹? Der Rachen wird auch als ›Pharynx‹ bezeichnet, die dort gebildeten Laute sind demnach die Pharyngale: Davon hat Niederländisch exakt null – im Gegensatz zu einigen semitischen und kaukasischen Sprachen, etwa Maltesisch und Awarisch. Das kann’s also nicht sein. Es ist wohl ein etwas weiteres Verständnis von ›Rachen‹ gefragt, das Laute meint, die mithilfe des – von den Lippen aus gesehen – hinteren Drittels oder Viertels der Artikulatoren erzeugt werden, sagen wir mal: velar (am Gaumensegel), noch besser uvular (am Zäpfchen) oder weiter hinten. Davon hat Niederländisch in seiner Standardvarietät mindestens vier (davon zwei uvular oder weiter hinten): /k/ und /χ/ (die in manchen Regionen auch stimmhaft als /ɡ/ und /ɣ/ vorkommen können) sowie /ŋ/ und /ɦ/. Das sind weniger als im Deutschen, das auf zumindest fünf kommt (davon drei uvular oder weiter hinten): /k/ und /ɡ/ können wir meinethalben zusammenfassen, dann /ŋ/, /h/ und /x/ (bzw. /χ/, wenn man von mehrheitlich uvularen Realisierungen ausgeht) sowie – das gibt den Ausschlag – /ʁ/, das dem alveolaren niederländischen ›r‹ entspricht. Es ist mir leider nicht möglich, nun einen Anteil der ›meisten anderen Sprachen‹ zu erfassen, der Generalisierungen erlaubt. Daher nur dies: Zwei (post)uvulare Laute sind nicht so beeindruckend viel, dass dieser Wert schwer zu überbieten wäre. Arabisch hat derer mindestens genauso viele, wie auch Somali, viele Inuktitut-Dialekte oder Quechua, erneut ganz zu schweigen von den Kaukasussprachen; sogar das dem Ruf als ›Kehlkopfkrankheit‹ eher unverdächtige Französisch verfügt (wie zahlreiche andere Sprachen) über immerhin einen uvularen Laut.
Indes könnte es sein, dass manche Sprachen mehr (post)uvulare Laute haben als das Niederländische, diese Laute aber sehr selten sind. Wie häufig ein Laut zu hören ist, muss man wohl, mangels (mir bekannter) Erhebungen zur Fonemfrequenz, annähernd aus dem Schriftbild der Sprachen ableiten: Die Frikative /χ/ und /ɦ/ des Niederländischen korrespondieren mit den Grafemen ›ch‹, ›g‹ und ›h‹, der französische Trill /ʀ/ bzw. Frikativ /ʁ/ – ich nehme den als willkürliches Vergleichsobjekt – wird ›r‹ geschrieben. Die Buchstaben für die (post)uvularen Laute des Niederländischen machen zusammen 5,78 % (Quelle: http://www.onzetaal.nl/advies/letterfreq.php) eines durchschnittliches Texts aus, das ›r‹ im Französischen allein 6,4 % (Quelle: http://www.sttmedia.com/characterfrequency-french) –%C2%A0%E2%80%93) ähnlich viel wie im Deutschen und sicher einigen anderen Sprachen, die diesen Buchstaben uvular sprechen. Die Häufigkeit von /x/ und /h/ im Deutschen lässt sich leider nicht aus Buchstabenzahlen entnehmen; ein ›ch‹ könnte auch /ç/ (palatal) lauten oder Teil eines ›sch‹ sein, das /ʃ/ (postalveolar) gesprochen wird, usw.
Im Vergleich von Niederländisch mit ähnlich vertrauten Sprachen wie Italienisch, Polnisch oder Schwedisch ist natürlich ein Unterschied festzustellen, aber: Weder in Europa noch in der Welt steht Niederländisch so singulär da, dass man von der ›Rachenlaut‹-Sprache schlechthin sprechen könnte. Wodurch das von dir weitergetragene Image, das es schon bis in die englische Wikipedia geschafft hat (“Dutch is often noted for the prominent use of velar fricatives.” – ach so, velare Laute zählen also auch!), begründet ist, lässt sich kaum objektiv prüfen (seit wann folgen Vorurteile den Fakten?). Die Zahl der entsprechenden Foneme oder deren wahrscheinliche Häufigkeit ist es jedenfalls nicht. Schade eigentlich.
Gruß
Christopher