Entwicklung zum present participle?

Hallo!

Im Gegensatz zur deutschen Sprache werden im Englischen oft Partizipien verwendet. Dort gehört das Partizip Präsens zum ‚normalen‘ alltäglichen Sprachgebrauch. Im Deutschen sind Partizipien ja eher im schriftlichen/literarischen Bereich üblich. Ihr wisst schon was ich meine. Solche Sätze wie: „Auf den Bus wartend, sah er eine schöne Frau“.
Im Englischen ersetzt das Partizip Präsens einen Relativsatz und wird viel häufiger benutzt. Ich frage mich, warum das so ist. Hat jemand eine Erklärung dafür, weshalb das Partizip Präsens in der englischen Sprache allgegenwärtig ist, im Deutschen aber nicht?
Warum hat sich die englische Sprache so entwickelt und wann fing das an? Einfach nur Zufall oder steckt mehr dahinter?

Schöne Grüße
Jenna

Spezifizierung
In meiner Fragestellung habe ich mich doch etwas missverständlich ausgedrückt. Mir ging es nur um die Partizipialsätze, nicht um andere Gebrauchsweisen der Present Participle Form.

LG
Jenna

Hat niemand eine Idee? Hab ich die Frage zu unverständlich formuliert.
Wenn ja, versuche ich die Frage noch mal umzuformulieren!

Schöne Grüße
Jenna

Hallo,

ich glaube, es liegt an der „Unbeantwortbarkeit“ der Frage.
Warum wird im Deutschen gesiezt und geduzt, aber nicht mehr geihrzt?
Warum gibt es im Englischen heutzutage nur noch die Höflichkeitsform?
Warum gibt es in Afrikaans zwar eine Höflichkeitsform, die aber anders genutzt wird als die englische?
Warum ist die deutsche Sprache viel substantivlastiger als die englische?
Warum gibt es im Niederländischen viel mehr Rachenlaute als in den meisten anderen Sprachen?

Es gibt vielleicht Theorien (gerade bei den Höflichkeitsformen gibt es psychologische Erklärungsmodelle), Sprachhistoriker können die Entwicklungen darlegen - aber das WARUM ist sicher nicht eindeutig zu beantworten.

Ein anderes Beispiel: die deutschen Lautverschiebungen (pf --> p, z.B.): wir wissen ungefähr wann das stattfand, wir können Karten zeichnen, in welchen Gebieten das stattfand - aber warum sag ich in einem Ort „pfeifen“ und 10km weiter „peifen“ oder „peife“?

Gruß
Elke

ja da hast du wahrscheinlich recht. Dachte, dass sich vielleicht jemand mal mit Linguistik und speziell mit diesem Thema befasst hat.
Kennt jemand sonst gutes „Linguistikforum“?

LG
Jenna

Hallo,

nochmal:ja da hast du wahrscheinlich recht. Dachte, dass sich

vielleicht jemand mal mit Linguistik und speziell mit diesem
Thema befasst hat.

Hab ich. Z.B. was die Höflichkeitsformen angeht.
Nur - wo kein Grund, da kann man nichts erklären.

Gruß
Elke

Dass es keine Herleitungsmöglichkeit gibt glaube ich nicht so richtig. Warum im Englischen mehr Partizipialsätze vorkommen als im Deutschen hängt mit dem spezifischen englischen Sprachsystem zusammen. Mich würde auch interessieren wann der Gebrauch von Partizipialsatzkonstruktionen (den schriftlichen Quellen zufolge) in der englischen Sprache losging. Und ob es einen stilistische Wandel gegeben hat (hoher Stil zum Alltagsgebrauch z.B.)

Hallo,

Mich würde auch interessieren wann der
Gebrauch von Partizipialsatzkonstruktionen (den schriftlichen
Quellen zufolge) in der englischen Sprache losging. Und ob es
einen stilistische Wandel gegeben hat (hoher Stil zum
Alltagsgebrauch z.B.)

Warum vermutest du, vom Deutschen ausgehend, dass die Partizipialkonstruktion im Englischen einem „hohen Stil“ entspräche?

Gruß
Elke

hab mich glaube ich falsch ausgedrückt. Ich würde gerne wissen, ob die englischen Partizipialsatzkonstruktionen in einem bestimmten Zeitraumn der Vergangenheit nur in der (gelehrten/förmlichen) Schriftsprache benutzt wurden und danach erst allmählich in die alltägliche Sprache und ins gesprochene Englisch einflossen?
Könnten die Partizipialsatzkonstruktionen durch Übersetzungen aus dem Lateinischen stammen oder gibt es solche Nebensatzkonstruktionen nicht im Lateinischen (bin in Latein nicht so firm)?

Es hat zwar mit Partizipialkonstruktionen im Englischen nichts zu tun, aber:

Warum gibt es im Niederländischen viel mehr Rachenlaute als in den meisten anderen Sprachen?

Das möchte ich nicht unkommentiert stehen lassen. Es ist nicht ganz einfach, etwas Fundiertes hierzu zu sagen, weil deine Annahme selbst eher unpräzise gehalten ist. Ich will es trotzdem versuchen.

Was sind ›Rachenlaute‹? Der Rachen wird auch als ›Pharynx‹ bezeichnet, die dort gebildeten Laute sind demnach die Pharyngale: Davon hat Niederländisch exakt null – im Gegensatz zu einigen semitischen und kaukasischen Sprachen, etwa Maltesisch und Awarisch. Das kann’s also nicht sein. Es ist wohl ein etwas weiteres Verständnis von ›Rachen‹ gefragt, das Laute meint, die mithilfe des – von den Lippen aus gesehen – hinteren Drittels oder Viertels der Artikulatoren erzeugt werden, sagen wir mal: velar (am Gaumensegel), noch besser uvular (am Zäpfchen) oder weiter hinten. Davon hat Niederländisch in seiner Standardvarietät mindestens vier (davon zwei uvular oder weiter hinten): /k/ und /χ/ (die in manchen Regionen auch stimmhaft als /ɡ/ und /ɣ/ vorkommen können) sowie /ŋ/ und /ɦ/. Das sind weniger als im Deutschen, das auf zumindest fünf kommt (davon drei uvular oder weiter hinten): /k/ und /ɡ/ können wir meinethalben zusammenfassen, dann /ŋ/, /h/ und /x/ (bzw. /χ/, wenn man von mehrheitlich uvularen Realisierungen ausgeht) sowie – das gibt den Ausschlag – /ʁ/, das dem alveolaren niederländischen ›r‹ entspricht. Es ist mir leider nicht möglich, nun einen Anteil der ›meisten anderen Sprachen‹ zu erfassen, der Generalisierungen erlaubt. Daher nur dies: Zwei (post)uvulare Laute sind nicht so beeindruckend viel, dass dieser Wert schwer zu überbieten wäre. Arabisch hat derer mindestens genauso viele, wie auch Somali, viele Inuktitut-Dialekte oder Quechua, erneut ganz zu schweigen von den Kaukasussprachen; sogar das dem Ruf als ›Kehlkopfkrankheit‹ eher unverdächtige Französisch verfügt (wie zahlreiche andere Sprachen) über immerhin einen uvularen Laut.

Indes könnte es sein, dass manche Sprachen mehr (post)uvulare Laute haben als das Niederländische, diese Laute aber sehr selten sind. Wie häufig ein Laut zu hören ist, muss man wohl, mangels (mir bekannter) Erhebungen zur Fonemfrequenz, annähernd aus dem Schriftbild der Sprachen ableiten: Die Frikative /χ/ und /ɦ/ des Niederländischen korrespondieren mit den Grafemen ›ch‹, ›g‹ und ›h‹, der französische Trill /ʀ/ bzw. Frikativ /ʁ/ – ich nehme den als willkürliches Vergleichsobjekt – wird ›r‹ geschrieben. Die Buchstaben für die (post)uvularen Laute des Niederländischen machen zusammen 5,78 % (Quelle: http://www.onzetaal.nl/advies/letterfreq.php) eines durchschnittliches Texts aus, das ›r‹ im Französischen allein 6,4 % (Quelle: http://www.sttmedia.com/characterfrequency-french) –%C2%A0%E2%80%93) ähnlich viel wie im Deutschen und sicher einigen anderen Sprachen, die diesen Buchstaben uvular sprechen. Die Häufigkeit von /x/ und /h/ im Deutschen lässt sich leider nicht aus Buchstabenzahlen entnehmen; ein ›ch‹ könnte auch /ç/ (palatal) lauten oder Teil eines ›sch‹ sein, das /ʃ/ (postalveolar) gesprochen wird, usw.

Im Vergleich von Niederländisch mit ähnlich vertrauten Sprachen wie Italienisch, Polnisch oder Schwedisch ist natürlich ein Unterschied festzustellen, aber: Weder in Europa noch in der Welt steht Niederländisch so singulär da, dass man von der ›Rachenlaut‹-Sprache schlechthin sprechen könnte. Wodurch das von dir weitergetragene Image, das es schon bis in die englische Wikipedia geschafft hat (“Dutch is often noted for the prominent use of velar fricatives.” – ach so, velare Laute zählen also auch!), begründet ist, lässt sich kaum objektiv prüfen (seit wann folgen Vorurteile den Fakten?). Die Zahl der entsprechenden Foneme oder deren wahrscheinliche Häufigkeit ist es jedenfalls nicht. Schade eigentlich.

Gruß
Christopher

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