Entwicklungsrückstand

Hallo,

genauer Begriff, um den es mir geht lautet "Psychosozialer Entwicklungsrückstand " Dieser Begriff interessiert mich. Im Internet habe ich gewühlt und habe nichts Befriedigendes gefunden, daher meine Bitte an Dich, verweise mich nicht auf eine Webseite. Ich möchte ein Beispiel aus Deiner Erfahrung mit Dir oder einem anderen. Oder vielleicht hast Du sonst wo mal etwas zu diesem Thema erfahren.

Vielleicht mal folgendes konkret von mir: Stell Dir vor ein ca 50jähriger Mensch, ob Mann oder Frau , wird ein oben genannter Atest geliefert. Wie könnte er sich im Allgemeinen von einem gleichaltrigen Menschen unterscheiden, der in unserer Gesellschaft als Normal,bzw. als seines Alters entsprechend durchgeht?

Danke im Voraus!
Ich bin gespannt

Herzliche Grüße von Heymann !

Hallo,

mit den dürftigen Angaben zur Person ist das Ganze kaum mehr als ein lustiges Ratespiel. Ich rate mal ein wenig drauflos:

Die Person könnte

  • noch mit ihrem/n Kuscheltier/en schlafen
  • mit Puppen spielen
  • Ironie und/ oder offensichtliche Lügen nicht erkennen können
  • noch bei Mama wohnen
  • insgesamt sehr gutgläubig/ naiv sein
  • sich für den Mittelpunkt der Welt halten
  • glauben, dass Gegenstände einen eigenen Willen haben
  • pubertäres Trotzverhalten zeigen

Ein wenig konkreter sollte deine Anfrage schon werden, wenn du etwas Bestimmtes erfahren möchtest.

Schöne Grüße,
Jule

Soziales versus Psyche
Hallo,

es könnte aber auch bedeuten, dass so eine Person bislang wenig
gelebt bzw. erlebt hat (möglicherweise durch erfahrene Benachtei-
ligung, Unterversorgung oder sogar Vernachlässigung, zumeist in
der Kindheit). Anderweitig vielleicht auch viel erlebt hat, die-
ses aber wegen psychischer Störung nicht ausreichend in eine ge-
sunde Entwicklung umsetzen konnte, - was sich natürlich negativ
auf soziale Bereiche auswirken dürfte (über kurz oder lang).

Oft gehen m. psychosozialen Entwicklungsrückständen massive Ein-
bußen im sozialen, also zwischenmenschlichen Kontaktbereich ein-
her. Die Ursachen liegen meist in psychischen Störungen. Deshalb
heißt es ja auch „psycho-sozial“. Nur ist das Psychische und das
Soziale im Zuge einer menschlichen Entwicklung unmittelbar korre-
lierend miteinander verbunden.

Nicht selten führen somit Sozial ängstigende, überfordernde, od.
stressende Erlebnisse z. Ausbruch v. psychischen Probl. bzw. Stö-
rungen. Diese psychischen Störungen führen (isoliert betrachtet,
oder auch zusammen mit den weiterhin bestehenden Sozialen Belas-
tungen, (sofern d. Betroffene das belastende Umfeld nicht verläs-
st)) m. fortlaufender Zeit (0,5 bis 10 Jahre) zu d. Entwicklungs-
defiziten, - auch im sozialen Bereich! Man betrachte hierbei die
sozialen Anforderungen von außen (incoming) einerseits, sowie d.
sozialen Fertigkeiten, soz. Kompetenzen und Fähigkeiten der Per-
son selber, (outgoing), andererseits. Auch, auf die Incoming-Si-
gnale nach korrekter Verarbeitung richtig und angemessen reagie-
ren zu können.

…Diese erwähnten Entwicklungsdefizite
wiederum stellen neues, weiteres Angstpotential für den Betroffe-
nen dar, welches er überwinden muss. Eine sich gegenseitig begün-
stigende Abwärtsspirale zeichnet sich ab. Meist entsteht hieraus
eine psychische Krankheit, die den Jobverlust bedeuten kann, - da
hier viele Identitätsmindernde Faktoren m. hineinspielen! Schwin-
den erst Ansehen, Job, Status, Selbstvertrauen, usw., so ist auch
schnell die Leistungsfähigkeit kaputt und irgendwann wenden sich
Freunde ab, usw.

Eine Abwärtsspirale kann es natürlich nur geben, wenn der Betrof-
fene jemals sich überhaupt gesund und normal aufwärts entwickeln
konnte. So haben Psyche und Soziales äquivalent betrachtet zuein-
ander, im Begriff der Entwicklung auch stets etwas mit Identität
und Persönlichkeitsbildung zu tun. Es sei noch angemerkt, dass d.
Dreh- u. Angelpunkt hierbei d. „Angst“ ist, sich Herausforderung-
en zu stellen, Fremdes kennenzulernen, Dinge zu verstehen und aus-
zuprobieren. Mit jeder Überwindung, derer wir gewachsen waren(!),
werden wir stärker. So findet Entwicklung statt. Viele kleine und
sichere Schritte. Viel Lob, Mutmachung, Begleitung, Anleitung, Un-
terstützung, Ausstattung, Ruhe, Raum, Zeit (zum Trauen u. Auspro-
bieren), Heiles, Versorgendes und Förderliches braucht es, u.a.

Der Mensch ist nunmal als „Säuger“ ein soziales Wesen.

Gruß,
Yedi386