Epilepsie

Hallo,

ich habe ein paar Fragen zum Thema Epilepsie:

Zuvor die Vorgeschichte…
Ein Freund von mir ist vor 2 Wochen im Supermarkt ohnmächtig geworden und hat wohl ( laut Notarzt ) einen epileptischen Anfall gehabt. Er war schon bei 2 Neurologen, EEG und MR sind gelaufen, beides ohne auffälligen Befund.
Dennoch hat ihm ein Neurologe das Medikament „Ergenyl 500“ verschrieben… „zur Vorsorge“
Er soll selbst entscheiden ob er es einehmen mag oder nicht. Er riet meinem Bekannten jedoch es einzunehmen, da ein weiterer Anfall nicht ausgeschlossen sei.

Jetzt frag ich mich:
1.) „muss“ die Einnahme des Präparates wirklich sein? Ich meine zu wissen, dass jeder Mensch von einem Anfall eingeholt werden kann, verschiedene Auslöser gibt es wohl. Dennoch mach ich mir Gedanken auch über die Einnahme des Medikamentes.
2.) Ist man nach 1 Anfall gleich „Risiko-Patient“??
3.) Ab wann ist man gefährdet? Wenn man unter psychischem Stress steht? Körperlicher Anstrengung? Was genau kann der Auslöser eines Anfalles denn sein?
4.) Was kann man dagegen tun, das es nicht mehr zu einen erneuten Anfall kommt ( ausser eben dieses Medikament einzunehmen )

[ich möchte hervorheben das ich auf keinen Fall die Kompetenz des Neurologen in Frage stellen möchte. Mein Bekannter nimmt dieses Präparat ein ohne jede Hinterfragung]
Nur möchte ich mich ein wenig mehr darüber informieren, da ich Medikamenteneinnahme immer etwas fraglich finde.

Danke schonmal für evtl. Antworten…

Grüße
Angela

Hallo,

das ist eine Risikoabwägung. Ein solcher Anfall ist keineswegs „normal“ und leider nur sehr selten ein absoluter Einzelfall. D.h. die Chance für weitere Anfälle ist nach dem ersten Anfall auf jeden Fall deutlich höher als bei Leuten ohne entsprechende „Vorbelastung“. Diesem höheren Risiko sollte man auf jeden Fall begegnen, denn so ein Anfall muss nicht immer so harmlos ausgehen, wie beim ersten Mal. Stell Dir vor, es passiert am Steuer eines Autos oder bei der Arbeit an einer gefährlichen Maschine. Sicher wäre es übertrieben, jetzt gleich Kopfpolster anzulegen und den Betroffenen nur wegen einem Anfall gleich aus dem Verkehr zu ziehen, aber eine medikamentöse Einstellung ist auf jeden Fall angebracht. Diese wird ja auch immer wieder korrigiert und kontrolliert, und wenn Dein Freund jetzt über einen längeren Zeitraum anfallsfrei bleibt, dann wird man die Dosis so gering wie möglich einstellen bzw. wieder ganz auf Medikamente verzichten. Ich kenne einige Epiliepsiepatienten, bei denen sich das Anfallsbild z.B. nach der Pubertät vollkommen verzogen hat. Andererseits begegent man so aber jetzt der Tatsache, dass da ggf. „mehr“ kommt, und ist vorbereitet.

Gruß vom Wiz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Angela,

ich möchte mich der Meinung von Wiz anschließen, habe aber noch ein paar Ergänzungen.

1.) „muss“ die Einnahme des Präparates wirklich sein? Ich
meine zu wissen, dass jeder Mensch von einem Anfall eingeholt
werden kann, verschiedene Auslöser gibt es wohl. Dennoch mach
ich mir Gedanken auch über die Einnahme des Medikamentes.

Es gibt ein paar Auslöser, denen man nicht entkommt, daher ist das Medikament ein guter Weg, um die sogenannte Krampfschwelle etwas zu erhöhen (d.h. die Krampfbereitschaft Deines Bekannten zu senken). Wenn er die Option hat, so ein Medikament zu nehmen und macht es nicht, und dann passiert nicht nur ihm, sondern auch anderen Menschen was (Autofahren etc.), dann fände ich das verantwortungslos.

2.) Ist man nach 1 Anfall gleich „Risiko-Patient“??

Als Erwachsener ja, bei Kindern sieht man den ersten Krampfanfall, insbesondere wenn es ein Fieberkrämpfchen war, nicht so eng.

3.) Ab wann ist man gefährdet? Wenn man unter psychischem
Stress steht? Körperlicher Anstrengung? Was genau kann der
Auslöser eines Anfalles denn sein?

Als Auslöser kommen viele Dinge in Betracht, die die normale ruhige Körperfunktion plötzlich durcheinander bringen. Als häufige und alltägliche Beispiele seien genannt: Fernsehen, Lichtreize (Autofahren im Dunkeln), Alkohol (insb. im Zusammenhang mit dem Medikament), laute Töne, manchmal auch Farbreize. Auch Stress in jeglicher Form (Müdigkeit, Psyche, körperl. Überanstrengung) bringt das Gleichgewicht durcheinander und erhöht somit die Krampfbereitschaft.

Zur Krampfprophylaxe würde ich mich in den nächsten 2-3 Jahren in die Behandlung eines Neurologen begeben, der regelmäßig EEGs macht, ferner sollten auch andere Ursachen einer Ohnmacht (Herz?) ausgeschlossen werden. Alkohol und andere Drogen würde ich zur Zeit meiden.

http://www.epilepsie.de/epilepsie-aspekte/09.shtml#03

Dieser Link mag Euch vielleicht auch weiterhelfen.

Beste Grüße,

Claudia