Hallo,
Idomeneo hat ja schon eine sehr schöne Antwort an dich verfasst. Hier noch mein Senf dazu, vielleicht findest du hier ein paar sinnvolle Ergänzungen.
Ist es richtig, dass Epilepsie das Resultat eines
hirnorganischen Schadens ist, also nicht rein psychisch
sondern auch körperlich bedingt ist?
Nicht auch, sondern - würd’ ich mal behaupten - ausschließlich körperlich bedingt. Epileptischen Anfällen liegt eine niedrige Krampfschwelle zugrunde.
Was kann alles Epilepsie auslösen?
Man unterscheidet zwischen Ursachen und Auslösern.
Ursache können Gehirnverletzungen jeglicher Art sein, die nicht unbedingt mit den modernen Geräten (Computertomographie, MRT) nachweisbar sind. Aber auch eine erbliche Variante scheint es zu geben.
Anfallsauslösend sind häufig Schlafentzug, Stroboskop (Blitzlicht bestimmter Frequenzen), aber z.B. auch Hunger und natürlich „ungeeignete“ Medikamente. Auch massiver psychischer Stress kann als Auslöser fungieren.
Allerdings muss kein Auslöser vorliegen, damit ein Anfall auftritt. Vielmehr ist es so, dass prinzipiell jeder Mensch bei mehr oder minder starken Auslösern (je nach der persönlichen Krampfschwelle) einen Anfall bekommen kann. Deshalb spricht man bei Anfällen, die klare Auslöser besitzen, auch nur von Gelegenheitsanfällen. Eine Epilepsie liegt erst vor, wenn auch ohne Auslöser nachweislich eine Anfallsbereitschaft (durch ein EEG nachweisbar) besteht. Somit treten bei Epileptikern Anfälle „spontan“ oder schon bei „schwachen“ Auslösern auf.
Welche Symptome treten auf?
Je nach Anfall sehr unterschiedlich, das kann man nicht verallgemeinern.
Wie Idomeneo schon richtig geschrieben hat, unterscheidet man zwischen generalisierten und fokalen Anfällen.
Bei generalisierten (oder sog. sekundär generalisierten Anfällen - sie fangen in einem bestimmten Gehirnareal an und breiten sich dann erst über das ganze Gehirn aus) Anfällen hat man häufig dieses typische Anfallsbild, das man sich unter einer Epilepsie so vorstellt. Plötzlich (oder nach einem Vorgefühl, der Aura) fällt der Mensch hin, krampft und zuckt, evtl. fließen Speichel und Blut (vom Zungenbiss) aus dem Mund, es kann auch zum Einnässen kommen. Außerdem kann sich das Gesicht aufgrund von Sauerstoffmangel blau verfärben.
Nach dem Anfall an sich ist der Betroffene eine Zeitlang häufig nicht ansprechbar, er „schläft“ fest oder ist zwar wach, aber völlig orientierungslos und selbst einfache Fragen (wie z.B. nach seinem Namen) nicht korrekt beantworten. Diesen Anfallstyp nennt man Grand Mal.
Daneben gibt es aber viele wesentlich unspektakulärere Anfallsformen. Es kann z.B. nur ein Krampf im Arm oder im Bein auftreten, der sich in einer Zuckung äußert (häufig werden dabei in der Hand gehaltene Gegenstände weggeschleudert, bei einem Krampf im Bein knicken die Beine ein und der Betroffene kann stürzen).
Es gibt sog. Absencen, bei denen das Bewusstsein kurzzeitig weg ist, ohne dass es Außenstehende bemerken müssen (bei Kindern hält man es oft für „Träumen“).
Es gibt Anfälle, bei denen die betroffenen zwar ebenfalls nicht umfallen, jedoch der Anfall sichtbar wird, indem sie z.B. die Augen nach oben verdrehen.
Und letztlich gibt es eine sehr tückische Anfallsart - der Betroffene handelt scheinbar bei Bewusstsein, er kann also etwas sagen oder irgendwo hinlaufen, eben irgendetwas sinnvoll Erscheinendes tun und die Außenstehenden erkennen nicht, dass dies in Wirklichkeit ein Anfall ist und der Betroffene dann eben auch etwas „Dummes“ machen kann (z.B. vors Auto laufen), weil das Bewusstsein weg ist.
Zu den Symptomen hab ich noch eine zusätzliche spezielle
Frage. Einerseits hab ich im Kopf, dass das Bewusstsein wärend
eines epileptischen Anfalls ausgeschaltet ist und der Mensch
nur zappelt usw. Andererseits aber hab ich gehört, dass die
Leute zwar bei halbwegs klarem Verstand sind, reden können,
… aber irrationale Ängste, Pläne, … haben und ausführen.
Wie gesagt, seeeeeeeeehhhhhhhhhr unterschiedlich. DEN epileptischen Anfall gibt es nicht.
Wie kann ein Medikament epileptische Anfälle verhindern?
Zum Beispiel das Neuronenpotential absenken, sodass eine Erregungsbildung und -weiterleitung erschwert wird. Es wird versucht, dieses unkontrollierte Feuern zahlreicher Neuronen auf einmal und die Weiterleitung der Erregung zu verhindern, die einen Krampfanfall auslösen. Aber dass daraus häufig schwerwiegende Nebenwirkungen (z.B. Konzentrationsprobleme, Tremor, Aggressivität besonders bei Kindern) entstehen, kann man sich ja gut vorstellen.
Grüße,
Anja