Epocheneinordnung

Hallo!
Ich schreibe morgen mein Deutsch Vorabitur und mir ist gerade aufgefallen, dass es noch ein paar Werke gibt, die ich nicht in ihre Epochen einordnen kann, bzw bin ich mir diesbezüglich nicht so sicher.

Es wäre nett, wenn mir jemand noch schnell bei folgenden Werken helfen könnte =)

Nathan der Weise (Lessing)
Frühlings Erwachen (Wedekind)
Michael Kohlhaas (Kleist)
Die Berliner Antigone (Hochhuth)
Der Steppenwolf (Hesse)

Danke
mfg
Julia

Hallo,

Nathan der Weise ist sowas von Aufklärung…
Frühlings Erwachen müsste schon expressionistisch sein; bei Kleist ist es immer etwas schwierig, der steht so ein bißchen dazwischen, zwischen Klassik und Romantik meiner Meinung nach. Aber Kohlhaas romantisch…das würde ich nicht sagen.
Die Berliner Antigone kenn ich nicht, aber das ist doch aus den 60ern? Da wirds mit den Epochen ja eh schwierig, da sag ich lieber nix.
Steppenwolf…sehe ich ähnlich schwierig, ich würde ihn mit Expressionismus in Zusammenhang bringen, aber eine eindeutige Zuordnung wage ich nicht.

Habt Ihr die Texte nicht anhand der Epochen besprochen?
Grüße
Sonja

Nathan der Weise (Lessing)
Frühlings Erwachen (Wedekind)
Michael Kohlhaas (Kleist)
Die Berliner Antigone (Hochhuth)
Der Steppenwolf (Hesse)

Danke
mfg
Julia

Hallo,
Danke für deine Anwort, war schonmal eine große Hilfe. Meist behandeln wir die Werke ja mit direktem Epochenbezug, aber bei denen die ich aufgelistet habe anscheinend nicht, oder es ist im Laufe der Zeit ein bisschen untergegangen^^ Manches ist auch schon sooo lange her

Hallo Julia,

ich versuche es einmal:

Nathan der Weise (Lessing)

Wie bereits gesagt: Aufklärung. Das ist der wohl eindeutigste Fall unter den fünf hier Genannten. Fast alle entscheidenden Wendungen in dem Stück beruhen auf praktischer Vernunft und logischer Argumentation. Nicht umsonst steht in diesem Fünfakter die »Ringparabel« schon rein technisch im Zentrum, also im dritten Akt. Das Drama steht übrigens in direktem Zusammenhang mit dem religionsphilosophischem Text »Die Erziehung des Menschengeschlechts« (1777). Falls einem »Nathan« zu uneindeutig ist, kann man sich hier Gewissheit über Lessings Ansichten verschaffen.

Frühlings Erwachen (Wedekind)

Eine Zuordnung zum Expressionismus halte ich für nicht ganz richtig. Das Stück wurde zwar erst 1906 uraufgeführt, ist aber 1890/1891 entstanden. Ein stilistisch-thematischer Zusammenhang zu den Expressionisten ist sicher gegeben, aber für eine kommentarlose Einordnung in diese literarische Strömung entstand das Drama rund zwanzig Jahre zu früh. Diese zwanzig Jahre mache ich an dem Erscheinen der ersten Texte fest, die man bedenkenlos als expressionistisch bezeichnen würde, also beispielsweise Benns »Morgue« (1912). Man geht also, glaube ich, nicht fehl, Wedekind und speziell dieses Stück als Expressionismus-Vorläufer zu bezeichnen.

Michael Kohlhaas (Kleist)

Auch dieser Text entzieht sich der einfachen Einteilung: Gegen eine Kategorisierung als Werk der Klassik spricht vor allem, dass es sich um eine Novelle, und nicht etwa um ein Theaterstück, handelt. Die literarische Form der deutschen Klassik war nun einmal das Drama. Zudem gefiel sich die Klassik in stilistisch-stofflicher Anlehnung an die Antike, was man mit Kleist zwar schon zusammenbringen kann (Amphitryon, Penthesilea), aber nicht besonders gut mit »Michael Kohlhaas«. Wenn ich mich also epochenbegrifflich unbedingt festlegen müsste, würde ich daher – trotz aller Ungereimtheiten – für Romantik stimmen. Ein Argument dafür ist beispielsweise das zwar verhältnismäßig wenig Raum beanspruchende, aber doch wichtige Motiv der weissagenden Zigeunerin, die damit das Mystische und Wunderbare als wichtiges Element der Romantik verkörpert.

Die Berliner Antigone (Hochhuth)

Noch bietet sich meiner Ansicht nach für einen derart neuen Text keine genaue Epocheneinteilung an. Nur so viel: Von den Begriffen »Moderne« und »Postmoderne« sollte man die Finger lassen, weil darunter nicht nur ein Verweis auf die Entstehung des Werks in jüngster Zeit, sondern auch auf eine bestimmte literarische Programmatik verstanden werden kann, die auf Hochhuths Novelle nicht zutrifft. Für Werke, die nach 1945 entstanden sind, begnügt man sich daher meist mit Begriffen wie Nachkriegsliteratur oder Gegenwartsliteratur.

Der Steppenwolf (Hesse)

Auch hier würde ich einer Zuordnung des Werks zum Expressionismus abraten. Wenn es um Epochen oder literarische Richtungen geht, finde ich es nicht kleinlich, darauf hinzuweisen, dass der »Steppenwolf« mit seiner Erstveröffentlichung 1927 nicht wie Wedekind zu früh, sondern zu spät kommt. Zudem sprechen Inhalt und Form des Werks meines Erachtens für ein surrealistisch und kulturpessimistisch angehauchtes Stück Epik der Moderne. Worauf ich online auf die Schnelle wenig Hinweise gefunden habe, was aber meines Erachtens nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Nähe zu den Ideen des Existentialismus, die später vor allem mit dem Namen Jean Paul Sartres verknüpft wurden.

Widersprüche? Aber bitte.

Gruß
Christopher

Widersprüche? Aber bitte.

Von mir nicht…Julia, glaub ihm ruhig, er hat meine Bedenken die ich mit „dann sag ich lieber nix“, „Das wird schwierig“ etc. ausdrücken wollte, ausgezeichnet ausformuliert :wink:
Frohe Klausur
Sonja

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