Ich habe hier das Problem, das meine beste Freundin einen Mann der sie Misshandelt (Schläge (unter anderem mit dem Kopf auf eine Bordsteinkante), Einsperren (Sie darf nicht mal mehr ihren eigenen Vater besuchen) uvm) Heiraten will.
Noch vor zwei Wochen, wollte Sie nichts mehr von ihm wissen, dann muss er wohl einen Tag bei Ihr gewesen sein und ein paar Tage später wollen Sie nun Heiraten. Die beiden haben das Aufgebot angeblich schon bestellt.
Kann man diese Hochzeit irgendwie verhindern?
PS.: Freunde nannten mir zu ihrem Verhalten (das geht schon seit Jahren hin und her, das er ihr was antut, sie sich trennt und doch wieder zurückkehrt) das Stockholmsyndrom als Stichwort.
PS.: Freunde nannten mir zu ihrem Verhalten (das geht schon
seit Jahren hin und her, das er ihr was antut, sie sich trennt
und doch wieder zurückkehrt) das Stockholmsyndrom als
Stichwort.
landläufig mennt man das Masochismus. Siehe Z.B.: Pschyrembel „Klinisches Wörterbuch“ oder Zetkin/Schaldach „Wörterbuch der Medizin“: Wollust bei Erleiden von Schmerzen, Erniedrigungen usw., meist durch das andere Geschlecht."
Salut Thorsten,
zunächst mal schön, dass Du Dir um Deine Bekannte Sorgen machst.
Zu Deiner Frage, ob sich eine eventuelle Heirat verhindern läßt muß ich wohl sagen, dass es da keine Möglichkeit gibt, solange Deine Freundin volljährig und nicht entmündigt ist.
Das Problem in Deiner geschilderten Situation sehe ich darin, dass es nicht klar ersichtlich ist was genau mit Deiner Freundin los ist, denn es kommen mehrere Möglichkeiten in Betracht.
Das zuvor in anderer Antwort erwähnte „Stockholm-Syndrom“ ist nur partiell anwendbar, ebenso wie die Antwort mit dem Tenor der „Wolllust“ oder des „Masochismus“, welche ich eher ausschließen möchte, da es sich hier nicht um eine Sexualpraktik handelt, sondern um die Gesamtsituation.
Da mir aber zuviele Informationen NICHT vorliegen, kann ich keine verbindliche Aussage abgeben.
Denkbar wäre z.B. auch, dass es sich um eine asthenische (abhängige) Persönlichkeitsstörung Deiner Freundin handelt. Auch wäre der Wunsch nach Sebstbestrafung (durch beibehalten der Beziehung) möglicherweise ein Indiz für eine Borderline-Problematik. Viele weitere verschiedene Möglichkeiten stehen hier offen. Anzuraten wäre allerdings zu eben dieser genauen Abklärung eine psychiatrische Diagnostik und psychotherapeutische Maßnahmen. Leider kann ich Dir diesbezüglich aber keine große Hoffnung machen, da Betroffene sich nur sehr selten eingestehen, dass sie psychotherapeutische Hilfe brauchen.
In einem anderen Forum habe ich den Tip bekommen, mich an das Standesamt zu wenden, um dort (u.U. mit weiteren Zeugen) anzugeben, das Sie von ihm misshandelt wird, das führt zumindest zu einer Prüfung der Situation, wobei die Hochzeit wohl auch abgelehnt werden kann.
Prinzipiell weiß Sie „in klaren Momenten“ das sie auch Hilfe braucht, aber bevor es zu einem Termin bei einem Psychologen kommt, ist er bereits wieder bei Ihr, somit kam es noch zu keiner Diagnostik, ausserdem trat auch schonmal der Fall auf, wo sie zu mir sagte, dass ich sie doch bitte wegbringen möge, zu einer Stelle die ihr helfen kann, allerdings kannte ich sie damals noch nicht lang genug und wusste mir auch nicht zu helfen. Inzwischen habe ich aber die Notfallnummer des zuständigen Krankenhauses gespeichert, die ich dann auch direkt anrufen würde.
Naja, im moment greife ich zu jedem Strohhalm der sich mir bietet… Aufgeben möchte ich an dieser Stelle diesmal noch nicht.
Wie gesagt, trotzdem Danke und ich bin für jeden weiteren Tip oder jede weitere Hilfe dankbar.
besser geschützt als eine Klinik ist in so einer Situation ein Frauenhaus - es ist für den Misshandelnden dort sehr viel schwieriger bis unmöglich (je nachdem, wie er drauf ist), zu seinem Opfer vorzudringen, und mit den Dingen, die das Opfer in dieser Lage zu regeln hat (u.a. Möglichkeit einer Therapie, Veranlassung juristischen Beistands etc.), wird es in einem Frauenhaus weniger alleine gelassen und hat dadurch bessere Chancen auf eine erfolgreiche Änderung seiner Lage.
schön dass Du Dich um die Bekannte kümmern willst, aber man kann anderen nicht gegen deren Willen helfen . . . ;-(
Es scheint, dass Deine Bekannte ihrem Bräutigam in gewisser Weise hörig ist und er genau weiß, wie und wann er sie manipulieren kann; Dagegen hast Du m. E. als „Außenstehender“ keine reale Chance, denn offenbar ist der Leidensdruck bei weitem noch nicht groß genug, dass sie sie von ihrem Peiniger entfernen, geschweige denn ernsthaft was gegen ihn unternehmen würde. Es scheint also nicht ausgeschlossen, dass Deine Bekannte Dich einerseits ernsthaft um Hilfe bittet, sie aber andererseits selbst nicht bereit (oder in der Lage) ist, die notwendigen Schritte dafür zu gehen.
Ich musste in einem Fall brutaler Gewalt in einer Beziehung zusehen, wie die Frau aus dem Frauenhaus zu ihrem trinkenden, jähzornigen Mann zurückgekehrt ist, weil er drohte SICH (also nicht sie!) umzubringen . . .
Danke für die Info,
Sie kam in der Tat schon mehrfach zu mir, nachdem etwas passiert war, danach ist auch immer eine Weile ruhe, aber irgendwann (meistens sobald man denkt, es kommt alles ins Lot) treffen die sich wieder und das Spiel geht von vorn los… Nur dieses Mal hat das eben andere Dimensionen angenommen…
nein, Stockholmsyndrom hat mit Masochismus nichts zu tun. Erstmals beschrieben wurde nach einer Geiselnahme in Schweden, bei der die Geiseln für ihren Geiselnehmer positive Gefühle entwickelten. Das hat aber andere Gründe als masochistisches Verhalten.
Aber so oder so wird die Fragestellerin wohl von außen ihrer Freundin nicht helben können, wenn diese sich keine Hilfe suchen will.
Ich bin ein FragestellER aber trotzdem danke… Ich habe in einem anderen Forum schon den Tip bekommen, dass ich mich an das zuständige Standesamt wenden kann, und dort den Sachverhalt darlegen könnte…
Sie kam in der Tat schon mehrfach zu mir, nachdem etwas
passiert war, danach ist auch immer eine Weile ruhe, aber
irgendwann (meistens sobald man denkt, es kommt alles ins Lot)
treffen die sich wieder und das Spiel geht von vorn los…
. . . vermutlich nicht zum letzten Mal und irgendwann musst Du für Dich entscheiden, wie lange Du an diesem Auf und Ab mitleiden willst bzw. sogar, ob Du „Bestandteil“ des Dramas wirst, weil sie Dich als eine Art „Auffangstation“ für ihre Notfälle sieht und deshalb ggf. sogar länger „durchhält“ . . .
Nur dieses Mal hat das eben andere Dimensionen angenommen…
Nur weil die beiden heiraten? Das Leiden als solches dürfte davon realtiv unberührt bleiben und so wird es vermutlich weiter wachsen bis irgendwann der Leidensdruck so groß ist, dass sie selbst (und nur sie kann was ändern, wenn sie es denn selbst wirklich und dauerhaft WILL) klar sieht und ausbricht . . .
Bei Masochismus ist das ja ein freiwilliger Zustand!
Man kann bei Masochismus durchaus eine pathologische und eine nichtpathologische Version unterscheiden.
Klar: „Freiwilig“ ist jede Beziehung, die nicht beendet wird. Aber nach einem reflexierten, bewussten Ausleben klingt da nichts in der Geschichte. Eher nach schädlichen oder krankhaften Verhalten.
Ich sehe allerdings hier auch keine Wollust.
Hörigkeit und emotioonale Abhängigkeit, ja.
Deiner Bekannten sollte klar sein, dass (traurig aber wahr) Ehemännern noch eher die Hand ausrutscht als nichtehelichen Lebenspartnern. Es ist ihr also dringend zu raten, sich vor Eheschließung mit diesem A…ch um Patientenverfügung und Testament zu kümmern.