Er/Sie/es anerkennt

Hallo allesamt,

immer häufiger liest man nun (wie auch heute auf Wiki) Sätze der Form

„Frankreich anerkennt die Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien…“

Nach meinem persönlichen Geschmack ist es vollkommen unüblich - ja sogar falsch - „anerkennen“ ungetrennt als Verb in einem Hauptsatz zu benutzen.

Ich anerkenne => Ich erkenne … an
Du anerkennst => Du erkennst … an
Er/Sie/Es anerkennt => Er/Sie/Es erkennt … an

Im Online Duden steht allerdings ein „(Auch:smile: anerkennt“ vermerkt.

Kann mir jemand verraten, in welchem Teil Deutschlands diese Form verwendet wird?

Gruss
norsemanna

Hallo!

Nach meinem persönlichen Geschmack ist es vollkommen unüblich

  • ja sogar falsch - „anerkennen“ ungetrennt als Verb in einem
    Hauptsatz zu benutzen.

Kommt aber vor - und nicht erst heute:
http://www.literaturknoten.de/literatur/m/meyer/poem…

Kann mir jemand verraten, in welchem Teil Deutschlands diese
Form verwendet wird?

Es wird von einigen Stilisten empfohlen, um schwerverständliche Satzklammern zu vermeiden. Speziell auch in Journalismusbüchern (z.B. von Wolf Schneider) findet man diesen Ratschlag manchmal.

Gruß
Max

Moin,

wenn ich solche Verbformen lese, dann runterklappt bei mir der Unterkiefer, und mein Sprachgefühl auflehnt sich …

Im Online Duden steht allerdings ein „(Auch:smile: anerkennt“
vermerkt.

Das wollte ich nicht glauben, aber es stimmt:

  1. an|er|ken|nen
    http://www.duden-suche.de/suche/trefferliste.php?suc…

Man müsste allerdings wissen, was im Duden dieses „auch“ bedeutet:

  • diese Form ist auch korrekt
    oder
  • diese Form wird auch benutzt

Kann mir jemand verraten, in welchem Teil Deutschlands diese
Form verwendet wird?

Das hat meines Erachtens nichts mit regionalem Gebrauch zu tun, sondern mit dem Zugehörigkeitsgefühl, der Identifikation mit einer bestimmten sozialen Gruppe. Die würde ich als Managertypen, Yuppies, Führungskräfte, Macher bezeichnen.
(Die Assoziation vom Macher zum Macker ist recht naheliegend).

Bei dem Jargon mitmache ich jedenfalls nicht!

Grüße
Pit

P.S.: zum „Einstieg“ in die Theorie
http://de.wikipedia.org/wiki/Regiolekt und http://de.wikipedia.org/wiki/Soziolekt

Aloha.

wenn ich solche Verbformen lese, dann runterklappt bei mir der
Unterkiefer, und mein Sprachgefühl auflehnt sich …

Nicht umhinkonnte ich, dich dafür zu sternverpassen.

aus: Deutsch für Besserwisser, dtv '88

Eike Christian Hirsch: Artikelt leit, streikt warn!
„Der Kerl hinter mir hat immer gelichthupt - oder sagt man lichtgehupt? Der gehört auch mal gelegentlich notgeschlachtet - oder genotschlachtet. Der wird jedenfalls bald auf dem Friedhof eine Zwischenlandung machen, meinetwegen auch als Dauerparker.“
So sprach, Sie haben es gemerkt, ein Autofahrer, der mitten hineingeraten war in die Konflikte der deutschen Sprache. Wenigstens „Zwischenlandung“ und „Dauerparker“ hatte er nicht zum Zeitwort gemacht. Hätte es sonst „gezwischenlandet“ geheißen oder „dauergeparkt“? Nur unser Sprachgefühl kann uns raten. Es ist eine aus dem Amerikanischen stammende Sitte, aus zusammengesetzten Hauptwörtern Zeitwörter zu machen. Kurzurlauben, leitartikeln, warnstreiken, sandstrahlen. Schwierig wird es nur, wenn wir das Mittelwort der Vergangenheit bilden sollen. „Kurzgeurlaubt“ ? Es ist möglich, das „ge-“ an den Anfang oder in die Mitte zu setzen. Am Anfang steht es, wenn wir das Wort schon als feste Einheit empfinden. So richtig handlich sind diese neuen Zeitwörter aber alle nicht, wie eine Geschichte gleich erweisen soll.
„Weil er lange genug gelückenbüßt hatte, druckknöpfte Jochen P. seine Jacke und drehkreuzte durch die Tür. Er wollte endlich jetsetten oder weltumsegeln, denn er fernwehte und reisefieberte ganz gehörig. In seinem Sportwagen herrenfuhr er Richtung Bremen, schaltknüppelte den Wagen auf Hochtouren - und hatte schließlich so gevollgast, daß er in zwei Stunden am Ziel war.
Die Luftüberwacher fluglotsten mal wieder nicht, sondern bummelstreikten. So entschloß sich Jochen P. kreuzzufahren. Während der Reise jedoch wurde er plötzlich gesturmwarnt, und schon wirbelstürmte und wolkenbrach es derartig, daß er glaubte, es erdbebte.
Jochen P. todesahnte, daß er bald lebensenden werde. Der Schiffsarzt stellte fest, daß er nicht mehr pulsschlug und auch nicht mehr blutkreislief, weswegen der Arzt schon glaubte, der junge Mann sei schlagangefallen und müsse gnadengetötet werden. Dann atemholte er doch wieder und fiel auch nicht mehr rück, weil er immer gut nahrungsaufnahm. Aber er schwor sich, nie mehr rundzureisen.
Er lebenserwartete auch an Land noch sehr und folglich fortpflanzungstrieb es ihn in die Ehe. Eines Tages jedoch blitzschlug ihn seine Frau mit der Beschwerde, sie müsse immer nur kochwaschen, geschirrspülen und staubsaugen. Schließlich zwangsaussiedelte sie Jochen P. aus der Wohnung, obwohl er ständig pflichtgefühlt und genächstenliebt hatte. Kein Wunder, daß er nun auch beruflich talfuhr, obwohl man ihn immer wieder gestellungsvermittelt und fachgeschult hatte. Soviel er auch handlungsvertreten und gelegenheitsgearbeitet hatte, konnte er einfach nicht mehr reingewinnen.
Ja, er mußte offenbarungseiden, so sehr hatte ihn seine Frau geaderlaßt und der Staat ihn geblutsaugt und gesteuerschraubt. Obwohl das Finanzamt noch zweimal zahlungsaufschob, ließ es dann doch gerichtsvollziehen. Der arme Jochen beschloß daher, endgültig gehirnzuschlagen und himmelzufahren.“
Und die Moral von der Geschicht? Laßt euch schutzimpfen gegen diesen gesandstrahlten Trend zur verwortdrehten Sprache. Artikelt leit und streikt warn gegen diese Mode! Damit sie bei uns nicht dauerparkt. Sie gehört einfach genotschlachtet.

GEK

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Ich anerkenne dein Recht.
Ich erkenne dein Recht an.

Beide Formen sind korrekt. Und wie jemand vor mir schon gesagt hat, man benutzt die zusammengeschriebene Form als stilistisches Mittel oder bei einem längeren Satz, der eine Aufzählung enthält. Im oben genannten Beispiel finde ich, aufgrund der Kürze, das Zweite besser.

Im Prinzip ist es auch noch erlaubt so zu schreiben wie Luther.
„So leget nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid[…]“
anstatt
"„So leget nun alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid ab […]“

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Ich anerkenne dein Recht.
Ich erkenne dein Recht an.

Im Prinzip ist es auch noch erlaubt so zu schreiben wie
Luther.
„So leget nun ab alle Bosheit und allen Betrug
und Heuchelei und Neid[…]“
anstatt
"„So leget nun alle Bosheit und allen Betrug und
Heuchelei und Neid ab […]“

… aber doch wohl nicht „So ableget nun alle Bosheit und allen Betrug …“.

Gruß
Kreszenz

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… aber doch wohl nicht „So ableget nun alle Bosheit
und allen Betrug …“.

Also ich habe mich mal informiert.
Es gibt ja trennbare Verben
Ich greife an
und untrennbare Verben
Ich schlussfolgere (es gibt nicht: Ich folgere Schluss)
und es gibt Ausnahmen, dazu gehört das Verb „anerkennen“!

_an|er|ken|nen
http://www.duden.de/definition/anerkennen

und „ablegen“ gehört nicht zu diesen Ausnahmen.

Hier übrigends gut mit den Verben dargestellt:
http://deutsch.lingo4u.de/grammatik/verben/trennbare_