Erbliche Hofämter

Hallo an alle!

Kann mir bitte jemand sagen, was man unter erblichen Hofämtern (insb. im 18. Jahrhundert) versteht?

Herzlichen Dank und Grüße
Sinkasin

Hallo an alle!

Hallo Sinkasin,

Schon z.Z. der fränkischen Herrscher bestehenden vier allg. Hausämter: Truchseß (Dapifer-zuständig f.d. ganze Hausverwaltung: der höchste Hausamt), Marschall, Kämmerer und Schenk.
Von den höchsten Reichsfürsten ausgeübt und sich zu erbl. Ehrenämtern wandelten. (seit Otto I.)Hofämter waren seit dem 17. Jh. sodann zum kaiserlichen Hofstaat gehörenden Haushofämter mit eigenem Hofstaat.

Hofämter=Erzhofämter,(wurden sie mit der Zeit),
Erztruchseß, Pfalzgraf bei Rhein
Erzmarschall, Herzog von Sachsen
Erzkämmerer, Markgraf von Brandenburg
Erzschenk, König von Böhmen
Erzkanzler, Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, zuständig für das Reich, für Italien und Gallien und Burgund.
Seit 1652 gab es auch den Erzschatzmeister

Hoffentlich reicht es aus

LG Ewa

Kann mir bitte jemand sagen, was man unter erblichen Hofämtern
(insb. im 18. Jahrhundert) versteht?

Herzlichen Dank und Grüße
Sinkasin

Hallo,

vieleicht meinst Du das:

seit dem 12 Jh. waren die vier höchsten Hofämter im hl. Römischen Reich (Marschall, Mundschenk, Kämmerer und Truchseß) im Besitz bestimmeter Adelsgeschlechter und wurden eben vererbt. Die Hofämter waren mit der Kurfürstenwürde verbunden.

Gruß
Feanor

Hallo !

Ab der Hohenstaufenzeit konnten Hofämter erblich werden. In einzelne Familien übergehen. Der Dapifer oder Truchsess trug die Speisen auf, diente am Tisch und hatte wahrscheinlich auch für die Beschaffung des Unterhalts an den verschiedenen Orten zu sorgen, wo der König sich aufhielt.

Truchsess sowohl als Schenk, Marschalk und Kämmerer wurden seit den Königen des fränkischen Hauses regelmäßig nur Ministerialen, während bei besonders feierlichen Gelegenheiten die herzöge fungierten und so im Laufe der Zeit als die obersten Inhaber dieser Ämter erschienen.
Es war zuerst Otto der Grosse, der sich beim krönungsmahl in AAchen die Dienste leisten ließ. Der Herzog von Lothringen, in dessen Herzogtum Aachen lag, war als Kämmerer tätig. Der von Franken als Truchseß, Der von Schwaben als Schenk und der von Bayern als Marschalk. Es sollte ein Zeichen dafür sein, dass der König gewillt sei, künftig das Herzogtum in strenger Abhängigkeit vom König zu halten.
Die hier begonnene Übung erhielt sich von da an, ohne dass die Funktionen fest mit einzelnen Herzogtümern verbunden gewesen wären.

Erst seit Otto III. hat Sachsen stets das Marschalkamt, Bayern das Schenkenamt für sich in Anspruch genommen. Das Amt des Truchsess kam zuletzt an den Pfalzgrafen vom Rhein, das des Kämmerers an Brandenburg.
Die genannten Ämter heißen Erzämter. Der Suboffizial aber, der dem Inhaber des Erzamtes gegen Verrichtung beisteht, besitzt ein Erbamt, das wiederum bei gewissen Häusern erblich geworden ist. Erbmarschalle waren die Grafen von Pappenheim, Erbkämmerer nacheinander die von Falkenstein, Weinsberg, Seinsheim, Hohenzoller. Erbschenken die von Limburg in Franken und die Grafen von Althann. Erbtruchsessen die von Nortenberg, die von Seldeneck und zuletzt die Grafen von Waldburg.

Schon früh sind die Hfämter auch auf die Höfe der kleineren Fürsten übertragen worden, unter den selben Namen als Kämmerer, Truchsess, Schenk und Marschall. Ursprünglich nach Belieben des Herrn vergeben, auf Zeit oder ohne bestimmte Dauer, oft unter regelmässigem Wechsel, sind diese Ämter später doch auch in Ministerialfamilien erblich geworden. Auch höher gestellte Freie verschmähten es nicht, in den Dienst reicher Stifter zu treten und als Vorsteher der oberen Hofämter zu fungieren.

(Aus Reallexikon der deutschen Altertümer)

Gruß max

Schillergedicht
Guten Tag,

hatte nicht der Geschichtsprofessor Fr.v.Schiller über diese Erzämter ein Gedicht verfasst? Für Historiker ist aber nur die erste Strophe relevant.

LiterarischeGrüße von
Andreas

DER GRAF VON HABSBURG

Zu Aachen in seiner Kaiserpracht
Im altertümlichen Saale
Saß König Rudolfs heilige Macht
Beim festlichen Krönungsmahle.
Die Speisen trug der Pfalzgraf des Rheins,
Es schenkte der Böhme des perlenden Weins,
Und alle die Wähler, die sieben,
Wie der Sterne Chor um die Sonne sich stellt,
Umstanden geschäftig den Herrscher der Welt,
Die Würde des Amtes zu üben.

Und rings erfüllte den hohen Balkon
Das Volk in freudgem Gedränge,
Laut mischte sich in der Posaunen Ton
Das jauchzende Rufen der Menge.
Denn geendigt nach langem verderblichem Streit
War die kaiserlose, die schrechliche Zeit,
Und ein Richter war wieder auf Erden.
Nicht blind mehr waltet der eiserne Speer,
Nicht fürchtet der Schwache, der Friedliche mehr,
Des Mächtigen Beute zu werden.

Und der Kaiser ergreift den goldnen Pokal,
Und spricht mit zufriedenen Blicken:
„Wohl glänzet das Fest, wohl pranget das Mahl,
Mein königlich Herz zu entzücken;
Doch den Sänger vermiß ich, den Bringer der Lust,
Der mit süßem Klang mir bewege die Brust
Und mit göttlich erhabenen Lehren.
So hab ichs gehalten von Jugend an,
Und was ich als Ritter gepflegt und getan,
Nicht will ichs als Kaiser entbehren.“

Und sieh! in der Fürsten umgebenden Kreis
Trat der Sänger im langen Talare,
Ihm glänzte die Locke silberweiß
Gebleicht von der Fülle der Jahre.
„Süßer Wohllaut schläft in der Saiten Gold,
Der Sänger singt von der Minne Sold,
Er preiset das Höchste, das Beste,
Was das Herz sich wünscht, was der Sinn begehrt,
Doch sage, was ist des Kaisers wert
An seinem herrlichsten Feste?“

„Nicht gebieten werd ich dem Sänger“, spricht
Der Herrscher mit lächelndem Munde,
„Er steht in des größeren Herren Pflicht,
Er gehorcht der gebietenden Stunde.
Wie in den Lüften der Sturmwind saust,
Man weiß nicht, von wannen er kommt und braust,
Wie der Quell aus verborgenen Tiefen,
So des Sängers Lied aus dem Innern schallt,
Und wecket der dunkeln Gefühle Gewalt,
Die im Herzen wunderbar schliefen.“

Und der Sänger rasch in die Saiten fällt
Und beginnt sie mächtig zu schlagen:
"Aufs Waidwerk hinaus ritt ein edler Held,
Den flüchtigen Gemsbock zu jagen.
Ihm folgte der Knapp mit dem Jägergeschoß,
Und als er auf seinem stattlichen Roß
In eine Au kommt geritten,
Ein Glöcklein hört er erklingen fern,
Ein Priester wars mit dem Leib des Herrn,
Voran kam der Mesner geschritten.

Und der Graf zur Erde sich neiget hin
Das Haupt mit Demut entblößet,
Zu verehren mit glaubigem Christensinn,
Was alle Menschen erlöset.
Ein Bächlein aber rauschte durchs Feld,
Von des Gießbachs reißenden Fluten geschwellt,
Das hemmte der Wanderer Tritte,
Und beiseit legt jener das Sakrament,
Von den Füßen zieht er die Schuhe behend,

Damit er das Bächlein durchschritte.
‚Was schaffst du?‘ redet der Graf ihn an
Der ihn verwundert betrachtet.
‚Herr, ich walle zu einem sterbenden Mann,
Der nach der Himmelskost schmachtet.
Und da ich mich nahe des Baches Steg,
Da hat ihn der strömende Gießbach hinweg
Im Strudel der Wellen gerissen.
Drum daß dem Lechzenden werde sein Heil,
So will ich das Wässerlein jetzt in Eil
Durchwaten mit nackenden Füßen.‘

Da setzt ihn der Graf auf sein ritterlich Pferd,
Und reicht ihm die prächtigen Zäume,
Daß er labe den Kranken, der sein begehrt,
Und die heilige Pflicht nicht versäume.
Und er selber auf seines Knappen Tier
Vergnüget noch weiter des Jagens Begier,
Der andre die Reise vollführet,
Und am nächsten Morgen mit dankendem Blick
Da bringt er dem Grafen sein Roß zurück
Bescheiden im Zügel geführet.

‚Nicht wolle das Gott‘, rief mit Demutsinn
Der Graf, 'daß zum Streiten und Jagen
Das Roß ich beschritte fürderhin,
Das meinen Schöpfer getragen!
Und magst du’s nicht haben zu eignem Gewinst,
So bleib es gewidmet dem göttlichen Dienst,
Denn ich hab es dem ja gegeben,
Von dem ich Ehre und irdisches Gut
Zu Lehen trage und Leib und Blut
Und Seele und Atem und Leben.`

‚So mög Euch Gott, der allmächtige Hort,
Der das Flehen der Schwachen erhöret,
Zu Ehren Euch bringen hier und dort
So wie Ihr jetzt ihn geehret.
Ihr seid ein mächtiger Graf, bekannt
Durch ritterlich Walten im Schweizerland,
Euch blühn sechs liebliche Töchter.
So mögen sie‘, rief er begeistert aus,
‚Sechs Kronen Euch bringen in Euer Haus
Und glänzen die spätsten Geschlechter!‘"

Und mit sinnendem Haupt saß der Kaiser da,
Als dächt er vergangener Zeiten,
Jetzt, da er dem Sänger ins Auge sah,
Da ergreift ihn der Worte Bedeuten.
Die Züge des Priesters erkennt er schnell,
Und verbirgt der Tränen stürzenden Quell
In des Mantels purpurnen Falten.
Und alles blickte den Kaiser an,
Und erkannte den Grafen, der das getan,
Und verehrte das göttliche Walten.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Nochmal hallo!

Wie ist dann das zu verstehen?

„Die Äbtissin eines Damenstiftes hat wie alle Fürstäbtissinnen das Recht, Ministeriale und erbliche Hofämter zu haben sowie Lehen zu vergeben.“

Hat die Äbtissin nun selbst ein Hofamt??

Irgendwann werde ich es verstehen :smile:

Hallo !

Äbtissinnen waren damals immer Töchter von Fürsten oder auch adelige Witwen, die man so kaltstellte. Ihre Hofämter blieben ihr damit aber.

Um Äbtissin zu sein bedurfte es keiner religiösen speziellen Vorbildung. Das waren immer Adelige. Wie es auch immer Fürstbischöfe gab. Weltliche und kirchliche Macht war immer in einer Hand.

Das ist heute noch in England so, Elisabeth ist kirchliches Oberhaupt.

Gruß max

Hallo, Sinkasin!

„Die Äbtissin eines Damenstiftes hat wie alle Fürstäbtissinnen
das Recht, Ministeriale und erbliche Hofämter zu haben sowie
Lehen zu vergeben.“

Hat die Äbtissin nun selbst ein Hofamt??

Nein. Aber sie kann an ihrem „Hof“, der hier ein Kloster ist, einen „Kämmerer, Schenken, Truchsessen und Marschall“ und meinethalben auch einen „Hofbäcker, Hofschneider, Hofwengerter, Hoftrompeter, etc.“ halten, wie ein Fürst oder eine Fürstabtissin.

Macht halt mehr her:smile:.

Und sie kann Land aus dem Klosterbesitz an niedrigere Adlige = Ministeriale vergeben, die es dann bewirtschaften und ihr zinspflichtig sind.

Gruß Fritz

Super! Ich sags ja, irgendwann versteh ichs auch - und jetzt hab ichs verstanden.
Nur eins noch nicht: Was bedeutet dann bei Adeligen der Begriff Trucheß von so und so im Namen?

Herzliche Grüße
Sinkasin

Super! Ich sags ja, irgendwann versteh ichs auch - und jetzt
hab ichs verstanden.

Gratuliere!:smile:

Nur eins noch nicht: Was bedeutet dann bei Adeligen der
Begriff Trucheß von so und so im Namen?

Das bedeutet dann, dass der entsprechende Herr aus einer Familie stammt, in der das Truchsessenamt erblich war wie z. B. der hier:

_ GEBHARD Truchseß von Waldburg, Kurfürst und Erzbischof von Köln , * 10.11. 1547 in Heiligenberg bei Überlingen aus dem schwäbischen Geschlecht der Reichstruchsessen von Waldburg , † 31.5. 1601 in Straßburg und beigesetzt im dortigen Münster. - G. studierte in Dillingen, Ingolstadt, Löwen und Perugia und erhielt Dompfründen in Augsburg, Köln und Straßburg. Er wurde am 5.12. 1577 mit 12:10 Stimmen gegen Ernst von Bayern zum Erzbischof von Köln gewählt. Am 19.3. 1578 empfing er die Priesterweihe und leistete den Tridentinischen Glaubenseid. Im April 1578 erfolgte die kaiserliche Belehnung und die Aufnahme in das Kurfürstenkollegium. Die päpstliche Bestätigung seiner Wahl erhielt er am 29.3. 1580. Mit der evangelischen Anna Gräfin von Mansfeld, Stiftsdame des Klosters Gerresheim, unterhielt G. seit etwa 1579 ein Liebesverhältnis; er wollte sie heiraten und das Erzstift als weltliches Fürstentum weiterführen. Am 19.12. 1582 sagte sich G. öffentlich von der Kirche los und verkündigte die Gleichberechtigung der beiden Konfessionen und die »Freistellung« des Bekenntnisses für die Domherren. Am 2.2. 1583 fand in Bonn die Hochzeit statt. Das bedeutete Verletzung der »Goldenen Bulle«, der Kölner Erblandesvereinigung von 1550, des »Reservatum ecclesiasticum« von 1555 und des tridentinischen Eides. G. wurde am 1.4. 1583 von Gregor XIII. (s. d.) exkommuniziert und abgesetzt. Das Domkapitel wählte am 23.5. 1583 Ernst von Bayern zum Erzbischof von Köln und sicherte sich dadurch bayrische und spanische Truppenhilfe. G. mobilisierte seine Truppen und erhielt kurpfälzische Hilfe. Es kam zum »Kölnischen Krieg« (1583-88), der für G. ungünstig verlief. Nach der Eroberung der Godesburg bei Bonn am 7.12. 1583 durch bayrisch-spanische Truppen floh G. in das kurkölnische Westfalen, dann in die Niederlande und setzte den Krieg fort mit niederländischen Truppen, die am 23.12. 1587 Bonn eroberten und furchtbar verwüsteten. G. gab 1589 den Kampf auf, siedelte nach Straßburg über und starb dort als protestantischer Domdechant.

Biographisches-Bibliographisches Kirchenlexikon
Band II (1990) Spalte 188-189 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz_

Ein interessanter Typ, gell?

Hier der Link dazu: http://www.bautz.de/bbkl/g/gebhard_t_v_w.shtml

Gruß Fritz

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Gratuliere!:smile:

Danke :smile:

Das bedeutet dann, dass der entsprechende Herr aus einer
Familie stammt, in der das Truchsessenamt erblich war wie z.
B. der hier:

Mann oh Mann, woher weiß man sowas?? Im Bautz hätte ich lange nachschauen können - auf den Typ wäre ich nie gekommen - und als Beispiel tatsächlich sehr interessanter Lebensweg.

Gab es denn überhaupt mal jemanden, der diese Ämter auch mal ausgeführt hat oder haben die’s alle nur im Namen mit sich rumgetragen?

Grüßle von Sinkasin

Hallo, Sinkasin!

Gab es denn überhaupt mal jemanden, der diese Ämter auch mal
ausgeführt hat oder haben die’s alle nur im Namen mit sich
rumgetragen?

Diese Hofämter waren nur „Ehrenämter“. Du darfst dir also nicht vorstellen, dass der Kämmerer am Morgen dem Kaiser die Hosen brachte, der Schenk den Kaffee, der Truchsess die Brötchen, während der Marschall inzwischen das Pferd sattelte.;-}
Dazu gab es das Personal.

Solche Zeremonien gab es beim Sonnenkönig.

Nur bei hohen und höchsten Anlässen, bei der Krönung oder auf Reichstagen etwa, haben die Amtsinhaber in eher symbolischer Form dem Kaiser oder König vielleicht den Mantel umgelegt, einen Kelch mit Wein bzw. einen Imbiss gereicht und beim Aufsitzen den Steigbügel gehalten haben. Aber das geschah innerhalb einer feierlichen Zeremonie und hatte mit den alltäglichen Verrichtungen nichts zu tun.

Vielleicht findest du oder nennt noch jemand einen Chronikbericht, in dem das berichtet wird.

Versuch mal bei google: Kaiserkrönung" oder „Reichstag“.

Gruß Fritz