Servus Kassiopeia,
ein paar Splitter zu dem Stichwort:
1897: Entwurf zu einem übergreifenden Bebauungsplan für die Mathildenhöhe in Darmstadt, ein Musterstück für den deutschen Jugendstil.
1901: Der Kristallglaskünstler Emile Gallé begründet mit einigen anderen die „Ecole de Nancy“, die den abgefahrensten Jugendstil außerhalb Barcelonas hervorbringt. Einiges an Glasobjekten von Gallé ist heute in der früheren Kristallglashütte in Meisenthal zu sehen, in der für Gallé gearbeitet wurde. Nancy selber ist allein schon wegen der Jugendstilarchitektur eine Reise wert.
1900: Weltausstellung in Paris. Das Wahrzeichen der Ausstellung, der Eiffelturm, sollte eigentlich nach Ende der Ausstellung wieder demontiert werden (Wir hams ja!). Auf der Weltausstellung stellt Heinrich Lanz, Fabrikant von Lokomobilen in Mannheim, die damals größte Lokomobile der Welt vor. Alles wird schneller, heller, besser.
Das Haus, in dem ich wohne, ist (in den unteren Etagen - der Rest wurde später durch die Allierte Städtesanierung GmbH & Co KG beseitigt) 1903 auf dem kurz vorher erweiterten und verlegten Lanzschen Fabrikgelände gebaut worden. Die Beletage hat eine Höhe von 3,30 m, die Außenwände sind 60cm stark. Wir hams ja, und ein Arbeiter kostet eh fast nichts.
Noch glaubt die Welt, mit elektrischem Strom, Gas, Schiffahrt, Naturwissenschaft, Technik würde bald eine Art Insel der Glücklichen auf der Erde entstehen.
Aber auch - Anfang 1900: Unter Führung und Verantwortung von Lord Kitchener wird im Burenkrieg die im folgenden Jahrhundert Epoche machende Erfindung des Konzentrationslagers aus der Taufe gehoben.
Das Lebensgefühl im damals schon (ohne sich dessen allzusehr bewusst zu sein) auf den Weltkrieg zusteuernden Europa beschreibt (für die Zeit 13 Jahre nach 1900) sehr prägnant Jacques Brel in seiner „Bruxelles“-Hymne.
Gut zu Lesen in diesem Zusammenhang: Walter Kempowski, „Aus großer Zeit“; Joseph Roth, „Radetzkymarsch“; Heinrich Mann, „Der Untertan“.
Schöne Grüße
MM