Erfahrung mit Anti-Knirsche-Schiene

Hallo,

ich habe eine „normale“ Schiene, da ich nachts stark mit den Zähnen knirsche und beiße. Meine Kiefermuskulatur ist aber bereits so überstrapaziert, dass ich davon Kopf- und Nackenschmerzen bekomme. Nun hat mir mein Zahnarzt eine Schiene empfohlen, dessen Kosten nicht von der KK übernommen werden. Hier gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Anatomische Anpassung Oberkieferneigung

  2. Anatomische Anpassung Oberkieferneigung, Gelenk bezogen (direkt nach der Krankengymnastik)

Zusätzlich habe ich auch noch zur Kiefermuskellockerung ein Rezept für Krankengymnastik bekommen.

Hat jemand von euch Erfahrung mit einer der beiden Schienen gemacht? Trat wirklich eine Verbesserung ein?

Freue mich über Feedback!

Susi

Servus Susi,

sind die Begriffe, die Du da verwendest Deine eigenen Zusammenfassungen dessan, was der Zahnarzt gesagt hat?

Hast Du möglicherweise irgendetwas schriftliches (Heil- und Kostenplan zum Beispiel)?

Ich - wie geht’s Dir dabei Gero? - habe keine rechte Ahnung, was Dein Zahnarzt vorhat.

Gruß

Kai

Hallo Susi, hallo Kai,

mit den beiden Varianten sind wohl unter 1. eine Schiene mit Gesichtsbogenübertragung und unter 2. eine Schiene mit Achsiographie gemeint. Eventuell könnte unter 2. auch eine besondere Form der Bißnahme gemeint sein.

Ein Gesichtsbogen sollte vor allem dann benutzt werden, wenn die Höhe/Dicke der Schiene variiert werden soll.

Eine Achsiographie (Vermessung und Aufzeichnung der Unterkieferbewegungen) macht Sinn zur Aufzeichnung im Sinne einer Dokumentation von krankhaften Unterkieferbewegungen.

Beide Varianten haben keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der Schiene!

Wichtig bei einer Schiene ist die individuelle Anpassung der Schienenoberfläche an die Zähne des Gegenkiefers, das heißt eine Schiene muß im Mund relativ aufwändig eingeschliffen, in regelmässigen Zeitabständen überprüft und eventuell wieder eingeschliffen werden (der Zusammenbiss der Zähne ändert sich häufig durch das Tragen einer Schiene und vor allem durch physiotherapeutische Behandlungen).

Susi, Dein nächtliches Zähneknirschen wird durch die Schiene im Regelfall nicht verhindert. Die Belastung der Kaumuskulatur wird aber durch eine gleichmässigere Verteilung der Kaukräfte verringert. Das wiederum führt dazu, dass die Muskulatur nicht mehr so verspannt ist.

Bei den allermeisten Patienten, die nachts mit den Zähnen knirschen, handelt es sich um ein psychosomatisches Problem und nicht um ein Problem der Zähne. Man knirscht im Regelfall nicht mit den Zähnen weil die Zähne ein funktionelles Problem haben, sondern weil man als Patient unter hohem emotionalen oder psychischem Druck steht. Die Folge des Knirschens sind dann Verspannungen in der Kaumuskulatur und der gesamten Wirbelsäulenmuskulatur u.U. bis zur Lendenwirbelsäule.

Der erfolgreichste Therapieansatz besteht in einer Entspannung der betroffenen Muskulatur durch Physiotherapie, einer Knirscherschiene und vor allem in einem erfolgreichen Stressmanagement des Patienten.

Da die zahnärztliche Behandlung von entsprechenden Patienten die gesetzlich versichert sind nur durch der Bezahlung einer einfachen Schiene erfolgt (im letzten Jahr wurden gerade einmal € 2,50 pro RVO-Patient im Bereich Nordrhein für eine Schienenbehandlung bezahlt) müssen viele Zahnärzte, die diese Behandlung nicht nur als Hobby betreiben wollen, den Patienten Zusatzleistungen anbieten, um überhaupt auch nur annähernd den Zeitaufwand bezahlt zu bekommen, den eine solche Behandlung verschlingt.

Es ist sehr schwer Dir, Susi, einen vernünftigen Rat zu geben. Dein Zahnarzt scheint sich zumindest mit der Thematik ein wenig auszukennen (was beileibe keine Selbstverständlichkeit ist). Leider kann auch Dein Zahnarzt Dich nicht umsonst behandeln, selbst wenn er es wollte.

Den grössten Erfolg wirst Du wahrscheinlich durch die Physiotherapie erfahren. Wenn Du darüber hinaus durch sportliche Aktivitäten Deine Wirbelsäulenmuskulatur kräftigst, kein Kaugummi kaust und versuchst durch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation, autogenes Training oder ähnlichem, Deine innere Anspannung zu reduzieren, werden sich Deine Beschwerden mit Sicherheit auf ein erträgliches Maß verringern.

Es ist jedoch nicht so, daß der Erfolg von einer besonders aufwändigen Schiene abhängt. Der Erfolg hängt ganz wesentlich von Dir und dem Bewußtseinmachen der Ursachen ab, die Dich überhaupt knirschen lassen.

Ich hoffe ich habe Dich, Susi, nicht allzu sehr desillusioniert.

Gruß
Gero

Hallo Kai,

auf dem KVA steht Folgendes:

  1. Modellmontage nach arbiträrer Scharnierachsenbestimmung, Montage des Gegenkiefermodells mit Registrat inkl. Fixieren

  2. Zusätzlich zu 1.: Ragistrat und Kontrollragistrat, Funktionsflächenaufbau

Viele Grüße

Susi

Hallo Gero,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Mir ist bewusst, dass das Zähneknirschen einen psychischen Ursprung hat. Nur leider kann ich dagegen zzt. nur schwer was tun. Ich bin voll berufstätig in einem sehr stressigen Job. Und in der heutigen Zeit möchte ich diesen nicht kündigen bzw. die Branche wechseln für einen Neustart. Ich versuche durch Sport etwas entgegenzuwirken…

Ich denke, ich werde die zweite Variante der Schiene testen und die Kosten tragen. Meine Erfahrungen damit werde ich hier dann posten. :smile:

Viele Grüße

Susi

Wenn Du darüber hinaus durch
sportliche Aktivitäten Deine Wirbelsäulenmuskulatur kräftigst,
kein Kaugummi kaust und versuchst durch Entspannungstechniken
wie Yoga, Meditation, autogenes Training oder ähnlichem, Deine
innere Anspannung zu reduzieren, werden sich Deine Beschwerden
mit Sicherheit auf ein erträgliches Maß verringern.

Servus Gero,

Dein Beitrag hier wäre z.B. ein Klassiker für Zahnmedizin-FAQ’s.

Eine Anmerkung, eine Frage:

Du empfiehlst autogenes Training, Meditation u.Ä. Ich habe gefunden, daß gerade die Knirscher und Presser schon so weit oben im Erregungsniveau sind, daß sie die Ruhe für solche Techniken nicht mehr finden. Also gerade die, die’s am nötigsten hätten, können nichts damit anfangen.

Die Frage: was hast Du gegen Kaugummi-Kauen? Ich habe immer gesagt: „Wer kaut, knirscht und presst nicht.“ Immerhin findet Kauen im Rahmen der physiologischen Funktion statt, während Knirschen und Pressen parafunktionell sind und destruktiv sein können. Außerdem führt exczessives Kauen zur Muskelermüdung, die den Kauern auch bewußt wird. Der Fluch bei den Parafunktionen ist ja, daß sie unterbewußt (und gerne im Schlaf) stattfinden.

Es ist jedoch nicht so, daß der Erfolg von einer besonders
aufwändigen Schiene abhängt. Der Erfolg hängt ganz wesentlich
von Dir und dem Bewußtseinmachen der Ursachen ab, die Dich
überhaupt knirschen lassen.

Ich hoffe ich habe Dich, Susi, nicht allzu sehr
desillusioniert.

Wenn ja, dann mag das durchaus heilsam gewesen sein.

Gruß

Kai

Hey!!! Ich habe genau das gleiche Problem wie du. Ich habe bereits 12x Physiotherapie (Krankengymnastik) gemacht und trage meine Schiene schon länger wie ein halbes Jahr(Unterkiefer) … Bei mir hat es nicht schwer viel geholfen. Anfangs hat sich meine Wange nach der Gymnastik zwar weich angefühlt, aber am nächsten morgen war alles wieder beim alten. Meine zähne sind schon stumpf vom vielen knirschen … Jedoch knirsche ich viel weniger seitdem ich die Schiene trage. >>> Rede dafür mehr

Hallo Kai,

Eine Anmerkung, eine Frage:

Du empfiehlst autogenes Training, Meditation u.Ä. Ich habe
gefunden, daß gerade die Knirscher und Presser schon so weit
oben im Erregungsniveau sind, daß sie die Ruhe für solche
Techniken nicht mehr finden. Also gerade die, die’s am
nötigsten hätten, können nichts damit anfangen.

gerade der von Dir beschriebene Umstand ist die Hauptursache für das nächtliche Zähneknirschen.

Wenn ein Patient eine so hohe innere Grundspannung hat, gibt es aus meiner Sicht 2 Therapieansätze.

Der erste Ansatz wäre eine symptomatische Therapie mittels Sedativa, Antidepressiva oder ähnlichen stimmungsverändernden Psychopharmaka.

Der zweite Ansatz, den ich favorisiere, besteht im Bewußtseinmachen der Ursachen und der Suche nach einer für den jeweiligen Patienten geeigneten Form der Entspannung.

So etwas ist natürlich leichter gesagt als getan und mir ist vollkommen klar, dass Entspannung für die meisten „Knirscher“ ein Fremdwort ist. Daher halte ich das Gespräch des Therapeuten mit dem Patienten in welchem der Patient über die wahrscheinlichen Ursachen aufgeklärt wird für den beinahe wichtigsten Teil der gesamten funktionstherapeutischen Behandlung.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten der Entspannung und ich warne immer davor, die eigenen Erwartungen an sich zu hoch zu schrauben.

Entspannend kann schon ein Glas Rotwein und das Anhören einer guten CD sein. Wenn ein Patient mehr schafft, umso besser, wenn nicht dauert es halt etwas länger.

Wichtig ist für mich vor allem, dass der Patient versteht, dass er den Heilungsverlauf selbst beeinflussen kann.

Die Frage: was hast Du gegen Kaugummi-Kauen? Ich habe immer
gesagt: „Wer kaut, knirscht und presst nicht.“ Immerhin findet
Kauen im Rahmen der physiologischen Funktion statt, während
Knirschen und Pressen parafunktionell sind und destruktiv sein
können. Außerdem führt exczessives Kauen zur Muskelermüdung,
die den Kauern auch bewußt wird. Der Fluch bei den
Parafunktionen ist ja, daß sie unterbewußt (und gerne im
Schlaf) stattfinden.

Die muskulären Beschwerden entstehen durch eine chronische Überlastung der Muskulatur. Das in der Menge unphysiologische Kaugummikauen überfordert die Muskulatur zusätzlich.

Wenn ein Patient die Gesamtbelastung der Kaumuskulatur durch das Vermeiden von Kaugummikauen schon von sich aus reduziert, kann man fast immer einen deutlichen Rückgang der Beschwerden beobachten.

Vor allem das regelmässige Kaugummikauen von Heranwachsenden führt zu einer deutlichen Masseterhypertrophie (überdurchschnittlich grosse Muskelmasse des stärksten Kaumuskels), die man sehr häufig schon an der Gesichtsform erkennen kann. Diese dann übertrainierte Kaumuskulatur kann später in Stresssituation derartige Kräfte mobilisieren, dass Gelenk oder Zähne leiden.

Die schädliche Belastung der Kaumuskulatur findet im Regelfall nachts statt, in dieser Zeit kaut man jedoch kein Kaugummi. Die Gesamtbelastung der Muskulatur ist in meinen Augen zu reduzieren, denn diese Belastung wird ja schon alleine quantitativ durchs Kaugummikauen erhöht.

In der Therapie der Funktionsstörungen des Kausystems ist es nicht nötig und vor allem auch nicht möglich jede missbräuchliche Belastung der Muskulatur zu vermeiden. Es reicht im Regelfall völlig aus, die Muskelaktivität zu reduzieren bis auf ein für den jeweiligen Patienten tolerables Mass.

Gruß
Gero

P.S. Ich hoffe, ich habe mich auch für Nicht-Zahnärzte halbwegs verständlich ausgedrückt. Das Thema ist leider sehr komplex und damit schwierig in wenigen Worten abzuhandeln.

Hallo Franzi,

welche Art von Schiene trägst du denn? Die kostenlose von der KK oder eine, die du selbst bezahlen musstest?

Danke + Grüße

Susi

Hey susi…

Ja ich trage die kostenlose von der KK… Aber ich dachte eigentlich auch das die KK das immer übernimmt. Wusste ich nicht das man die auch selber zahlen muss…

Gern geschehen :wink:
Liebe Grüße

hallo Susi, die Schiene muss vernünftig angepasst werden. Ich trage meine jetzt seit vier jahren und vor der ersten Benutzung hat die Zahnärztin fast 1 Stunde an dem Teil rungeschliffen um sie richtig anzupassen. Meine Vorgängerexemplare waren nach kürzester zeit durchgebissen und dann immer neue Exemplare ordern zu müssen war einfach nur lästig.Ich vergesse übrigens auch nie die Schiene zu benutzen !!! Das Teil passt einfach nur prima. Liebe Grüße von Elke