Erfahrung mit Equity-Fonds

Guten Tag,
bin als Treugeber an Private Equity-Fonds beteiligt. Die Kapitalanlage erfolgt in 4 Tranchen; die letzte ist Ende 2009 fällig. Aufgrund der Finanzkrise möchte ich aussteigen und Abbuchung der 4. Rate verhindern. Mir wurde mitgeteilt, dass Rücknahme oder ruhen bzw. stunden lassen oder Reduzierung nicht möglich sei; Beteiligung könnte erstmals zum 31.12.2021 (!) gekündigt werden.
Welche Anleger hat Erfahrungen und kann mir helfen?
Besten Dank im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen
E.E.

Hallo, soweit ich weiß hast du mit der Beteiligung einen rechtlich bindenden Vertrag abgeschlossen. Es liegt im Ermessen der Fondsgesellschaft ob sie dich aus diesem Vertrag wieder herausläßt. Dürfte ziemlich schwierig werden, wenn der Fonds bereits sein Platzierungsvolumen erreicht hat und geschlossen wurde. Denn der Fonds müsste für dich ja jemand Neues finden. Wenn die dir sagen das es nicht geht, wirst du wohl schlechte Karten haben, sorry.
Gruß Alex R.

Moin :smile:
Um welchen Fonds handelt es sich denn und warum willst Du ihn loswerden?

Gruß Stephan

Hallo,
es handelt sich um den Dachfonds Private Equity Europa Plus Global …
Aufgrund der unsicheren Lage möchte ich ihn loswerden. Ferner ist mir im Nachhinein erst bewußt geworden, wie lange die Beteiligung läuft. Meine Beraterin hatte damals versichert, dass ich jederzeit aussteigen
könne.
Habe ich eine Chance?
Danke für einen Ratschlag.

Gruß E.E.

Na ich würde mal sagen, da hat Ihnen Ihre Beraterin damals ziemlichen Unsinn erzählt. Es handelt sich hierbei um einen geschlossenen Fonds und die haben in der Regel feste Laufzeiten und sind vertraglich bindend.

Eine Rückgabe an die Gesellschaft ist, wenn überhaupt, nur in begründeten Ausnahmefällen möglich. So z.B. bei schwerer Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder ähnliches, was allerdings nachzuweisen ist und darüber hinaus von jedem Initiator anders gehandhabt wird. Wie die KGAL das konkret sieht, kann ich nicht sagen, da ich mit denen bislang noch nichts zu tun hatte. Aber Fragen kostet ja nichts.

Eine zweite Möglichkeit ist die Veräußerung über die etablierten Zweitmarkt-Plattformen, wie z.B. zweitmarkt.de, deutsche-zweitmarkt.de und viele mehr (einfach mal googlen). Hier wurde die Beteiligung Nr. 169 (welche Ihre sein könnte) mit 80,5% gehandelt. Das ist zwar ein Verlust, aber wenn man den Fonds unbedingt loswerden möchte, wäre das zumindest einen Versuch wert.

Soviel zur Handelbarkeit. Aber mal eine andere Frage:
Weshalb wollen Sie diesen Fonds unbedingt verkaufen? Die wirtschaftliche Lage wäre zumindest kein Grund, denn die Private-Equity-finanzierten Unternehmen haben in der Regel eine deutlich bessere Eigenkapitalausstattung als z.B. börsennotierte AGs. Davon abgesehen investieren Sie über diesen Dachfonds in (inflationsgeschützte) Sachwerte und das halte ich in der gegenwärtigen Situation für äußerst wichtig.

Wenn man sich anschaut, mit welchen Zahlen in den Medien derzeit umeinander geworfen wird, wird einem ganz schwindelig. Nehmen wir mal die Infrastrukturinvestitionen der USA - 1 Billion US-Dollar!! Ich habe mal zum Spaß ausgerechnet, wie hoch man 50-Dollarscheine stapeln müßte, um diese Summe zu erreichen. Das macht die Sache recht deutlich. Zum Vergleich: Die Summe von 500.000 US-Dollar ist gestapelt in 50 Dollarnoten rund 1 Meter hoch. Um 1 Billion zu erreichen, müßte ich schon eine Leiter besorgen - eine sehr sehr lange Leiter, denn der Stapel wäre gut 2.100 Kilometer hoch!!!

Wenn man dann dagegenstellt, dass die Goldreserven der USA aktuell rund 8.100 Tonnen mit einem Gegenwert von lediglich rund 150 Milliarden US-Dollar betragen, wird mir persönlich nur noch schlecht. Die Schlußfolgerung daraus: Wir können zukünftig wählen zwischen Pest und Cholera. Es gibt also entweder eine schwere Deflation mit katastrophalen Auswirkungen für die Weltwirtschaft oder es gibt eine mehr oder minder starke Inflation. Wenn wir Glück haben, wird diese vielleicht zwischen 5-10% gebändigt werden können, aber das ist reine Spekulation.

Aber nach dieser ganzen Schwafelei muss ich jetzt natürlich auch mal auf den Punkt kommen. Meine Empfehlung für jeden der es hören will lautet derzeit: Raus aus Geldwerten (abgesehen von kleiner Liquiditätsreserve) und rein in Sachwerte. Hierzu gehören neben Private Equity, natürlich Immobilien (auch selbstgenutzt), Edel-und Industriemetalle, Schiffe, Infrastrukturfonds, alternative Energien, Mezzaninefonds und ähnliches mehr. Welche Assetklasse davon besonders gut laufen wird und welche überhaupt nicht funktioniert, kann ich - kann niemand - mit Gewissheit sagen, aber angesichts der Umstände ist die Wahrscheinlichkeit sein Geld zu erhalten am größten, wenn man so breit streut, wie es das eigene Kapital zulässt.

In Bezug auf Ihre Private Equity Investition würde ich nun zunächst mal schauen, ob Sie das Geld tatsächlich brauchen, wie die Berichtslage des Fonds ist (siehe Leistungsbilanz etc.) und in welchem Verhältnis dieses Investment zu Ihren anderen Vermögenswerten (inkl. selbstgenutzter Immobilie) steht. Der PE-Anteil sollte nicht größer als etwa 10-15% vom Gesamtvermögen sein (je nach Anlagetyp evtl. auch etwas mehr). Wenn die Fondsmanager nicht völlig daneben gegriffen haben, sollte sich die Sache für Sie auf jeden Fall bezahlt machen. Bemüht man die Statistik, war die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes mit PE-Dachfonds in den letzten 50 Jahren gleich Null. Die Wahrscheinlichkeit eines Teilverlustes (bis -20%) lag bei unter 1%. Die Renditewahrscheinlichkeiten (auf Zielfondsebene) verteilten sich wie folgt: 5-9% Rendite (IRR) = 3% Wahrscheinlichkeit, 9-18% Rendite (IRR) = 71% Wahrscheinlichkeit, mehr als 18% Rendite (IRR) = 26% Wahrscheinlichkeit.

Nun gilt hier natürlich mehr den je: Ergebnisse der Vergangenheit sind nicht übertragbar auf die Zukunft etc, etc., aber die o.a. Zahlen sind schon ein Indikator und haben, zumindest für mich, ein gewisses Gewicht. Letztlich ist es aber eine Sachwertinvestition und wenn die Verteilung stimmt und die KGAL nicht völlig versagt hat, sollte das mehr bringen, als jedes Festzinsinvestment (nach Steuern und Inflation) in vergleichbarer Zeit.

So, nun reicht’s aber auch. Ich hoffe, dass hilft ein wenig weiter.
Viele Grüße aus Südniedersachsen
Stephan Heddinga