Hallo Jo!
rein Interessehalber: Wie verhält sich der vom Hersteller
angegebene Spritverbrauch (nach EU-Norm) zu den in der Praxis
erzielten Verbrauchswerten ? Bzw.: Wie praxistauglich sind die
Angaben? Gibt es da Unterschiede bei den Herstellern?
Also nach meiner Erfahrung (überwiegend auf japanischen Fahrzeugen mit Ottomotor) sind die Werte schon recht realistisch, wobei eine Unsicherheit von ca. 10% nach oben und unten Einkalkuliert werden muss.
Ob die Zuverlässigkeit der Angaben vom Hersteller abhängt, kann ich schlecht beurteilen, da man dafür ja quasi die gesamte Fahrzeugpalette des Herstellers mal durchtesten müsste.
Jedenfalls war es bei meinen beiden Toyotas (Starlet 1,3L und Yaris eco 1,0L) so, dass ich den Normverbrauch ziemlich genau getroffen habe bzw. nicht selten sogar um einen halben Liter unterschritten habe.
Bei meinem Daihatsu Cuore (L251, 1,0L) fällt es mir dagegen deutlich schwerer den angegebenen Verbrauch zu treffen, hier liege ich bisher im Mittel fast einen halben Liter über der Werksangabe. (Allerdings kam hier auch direkt nach der Einfahrphase erstmal der Wintereinbruch)
Mit den Mazdas 626 (2L Otto) und 323 (1,6L Otto) sowie einem Ford Fiesta 1,6L Saugdiesel hatte ich eigentlich auch nie größere Mühe beim Verbrauch unter der Werksangabe zu fahren.
Geht das Fahrzeuggewicht / Bereifung / Luftwiderstand usw. mit
in die Ermittlung ein oder sind das Werte, die sich nur vom
Motor her ergeben und dann nach einem allgemeinen Schlüssel
auf Kilometerverbrauch umgerechnet werden?
So weit ich weiß wird der Verbrauch mit den Fahrzeugen durch Abfahren einer Teststrecke nach dem Vorgeschriebenen Zyklus ermittelt. Aber das dürfte doch durch eine Web-Recherche 'rauszufinden sein, oder?
So kann ich als Verbraucher ein Auto mit relativ
geringem Verbrauch finden. Aber wie gut geben sie auch den
tatsächlichen Verbrauch wider?
So gut, dass du anhand dieser Angaben eine enge Vorauswahl an Fahrzeugen treffen kannst, und dich anschließend nach einer Probefahrt (bei der du dann ja ggf. auch den Verbrauch ermitteln kannst) für das Fahrzeug entscheiden kannst, welches am besten deinen Anforderungen entspricht.
Hintergrund: Die meisten Leute, die ich so gefragt habe, haben
Verbrauchswerte, die gut 2l/100km (!!) über dem vom Hersteller
angegebenen Verbrauch liegen. Das sind 20-30% mehr als
angegeben! Und da sind keine „Heizer“ dabei - alles „normale“,
gesittete, erfahrene Fahrer(innen).
Hast du denen denn mal beim Fahren zugeschaut? Normal und gesittet heißt nämlich noch lange nicht kraftstoffsparend. Ich kenne auch Leute die sich beklagen, dass ihr Wagen viel mehr verbraucht als angegeben, obwohl sie „ganz sparsam“ fahren und „spätestens bei zweieinhalbtausend Umdrehungen“ schalten.
Wenn ich dann mal mit im Wagen sitze, und sehe wie sie in der Stadt im dritten Gang mit 2.300 Umdrehungen pro Minute unterwegs sind, wundert mich das dann nicht mehr wirklich.
Den Vogel abgeschossen hat mal jemand, der meinte, dass der Verbrauch zwar ziemlich hoch wäre, aber „dass das schon 'ne Menge bringt, wenn man auf der Autobahn in den fünften Gang schaltet“. Da sagt man dann gar nichts mehr zu…
Wo
liegt der Haken?
Unter anderem daran, dass in dem Testzyklus nur maximal mit 120km/h gefahren wird.
In einem Kleinwagen, kannst du davon ausgehen, dass du bei einer Autobahnfahrt mit soweit wie möglich konstanten 110km/h ungefähr den Verbrauch hast, der als Gesamt- bzw. Durchschnittsverbrauch in der Werksangabe steht.
Bei einem Fahrzeug mit Ottomotor kannst du ferner davon ausgehen, dass der Kraftstoffverbrauch (L/100km) in etwa proportional mit der gefahrenen Geschwindigkeit zunimmt.
Wenn du nun davon ausgehst, dass deine Bekannten „ganz normal“ mit 140km/h unterwegs sind - was ich ja auch wirklich nicht als „Heizen“ bezeichnen würde - hast du schon einen Verbrauch der knappe 30% über der Werksangabe liegt.
Was mir noch einfällt, wäre die Zuladung des Wagens, die ja gerade im Stadverkehr mit den häufigen Beschleunigungsvorgängen von Bedeutung ist.
Hier weiß ich allerdings nicht ob bei der genormten Verbrauchsermittlung bereits eine gewisse Zuladung berücksichtigt wird, oder ob da nur der Fahrer im ansonsten leeren Fahrzeug sitzt.
Praktisch kommt letzterer Fall ja eher selten vor…
Gruß
Stefan